mini|Klebsiella planticola [Raoultella planticola]: Kolonien auf einer Nähragarplatte
Raoultella ist eine frühere Gattung gramnegativer Bakterien aus der Familie der Enterobacteriaceae. Benannt wurde sie nach dem französischen Bakteriologen Didier Raoult. Die Gattung wurde 2001 per Vorschlag von Klebsiella abgetrennt. Sie wird aber inzwischen von der LPSN, der (GTDB) und der Taxconomie des (NCBI) als ein Synonym von Klebsiella angesehen.
Merkmale Erscheinungsbild Die Zellen der ehemaligen Raoultella-Arten sind wie die Klebsiellen Stäbchenbakterien, die nicht aktiv beweglich sind, da sie keine Flagellen besitzen. In der Gram-Färbung verhalten sich die Zellen gramnegativ, werden also durch die verwendeten Farbstoffe rosa bis rot angefärbt. Die Bakterienzellwand ist von einer Kapsel umgeben, die aus Polysacchariden besteht.
Wachstum und Stoffwechsel Die Angehörigen der ehemaligen Gattung Raoultella sind chemoorganotroph, d. h., sie bauen zur Energiegewinnung organische Stoffe ab. Sie sind fakultativ anaerob: Wenn Sauerstoff vorhanden ist, können sie einen oxidativen Energiestoffwechsel durchführen; wenn kein Sauerstoff vorhanden ist, also unter anoxischen Bedingungen, nutzen viele Vertreter der Gattung die 2,3-Butandiol-Gärung zur Energiegewinnung. Dieses Merkmal wird zur Unterscheidung der Enterobacteriaceae-Gattungen im Voges-Proskauer-Test genutzt. Wie bei den Enterobacteriaceae typisch, verlaufen der Katalase-Test positiv und der Oxidase-Test negativ.
Für die Kultivierung sind Nährmedien mit einem Zusatz von Fleischextrakt geeignet. Die früheren Raoultella-Arten sind mesophil, optimales Wachstum erfolgt in einem Temperaturbereich von 30–37 °C. Im Gegensatz zu den Arten von Klebsiella wachsen Raoultella schon bei 10 °C.
Chemotaxonomie Der GC-Gehalt, also der Anteil der Nukleinbasen Guanin und Cytosin in der Bakterien-DNA, liegt bei 55–58 Molprozent.
alle ehemaligen Raoultella-Arten weisen in ihren Membranlipiden v. a. die folgenden Fettsäureketten auf: 21–28 % Palmitinsäure (eine gesättigte Fettsäure mit der Abkürzung C16:0), 21–25 % cis-Vaccensäure (eine einfach ungesättigte Omega-n-Fettsäure – in diesem Fall Omega-7-Fettsäure – mit der Abkürzung C18:1 (ω−7)c) sowie 17–28 % eines in der Analyse nicht trennbaren Gemisches aus cis-Palmitoleinsäure (eine Omega-7-Fettsäure mit der Abkürzung C16:1 (ω−7)c) und/oder 2-Hydroxy-iso-Pentadecansäure (systematischer Name: 2-Hydroxy-13-methyltetradecansäure, Abkürzung iso-C15:0 2-OH; hierbei handelt es sich um eine verzweigtkettige Fettsäure, die neben der Methylgruppe (–CH3), die die Verzweigung darstellt, noch die Besonderheit aufweist, dass sie mit insgesamt 15 C-Atomen zu den ungeradzahligen Fettsäuren gehört und wegen der Hydroxygruppe (–OH) zu den α-Hydroxycarbonsäuren gezählt wird).
Systematik 2001 erfolgte aufgrund der Ergebnisse phylogenetischer Untersuchungen die Auftrennung der bis dahin bekannten Gattung Klebsiella in die Gattungen Klebsiella und Raoultella, dabei wurden drei Spezies in die neue Gattung gestellt. Der Gattungsname stellt ein Eponym dar, das den französischen Bakteriologen Didier Raoult ehrt. Inzwischen wird die Gattung jedoch allgemein als ein Synonym von Klebsiella angesehen.
Die Gattung bestand aus folgenden Spezies (Stand September 2020):
Klebsiella electrica ( et al. 2014) et al. 2022 Klebsiella lignicola ( et al. 2024) et al. 2025 Klebsiella ornithinolytica et al. 1989 Klebsiella planticola et al. 1982 – ehem. Typusart Klebsiella scottii ( et al. 2024) et al. 2025 Klebsiella terrigena et al. 1981
Ökologie Natürliche Habitate der Vertreter der Gattung sind Gewässer, Erdboden und Pflanzen, letzteres ist beispielsweise im artspezifischen Epitheton R. planticola aufgenommen, es bedeutet in etwa „Pflanzenbewohner“. Gelegentlich findet man die Bakterien auch auf der Schleimhaut von Säugetieren, einschließlich des Menschen. Klebsiella electrica [R. electrica] wurde erstmals aus dem Biofilm an der Anode einer mit Glucose betriebenen Brennstoffzelle isoliert.
Klebsiella terrigena R. terrigena scheint zusammen mit den Bakterienarten Rahnella aquatilis, Stenotrophomonas maltophilia, Ponticoccus gilvus und Kocuria marina mit dem Käfer Dendroctonus rhizophagus (vgl. Bergkiefernkäfer, D. ponderosa) assoziiert zu sein. Die Bakterien sind wahrscheinlich am Zelluloseabbau beteiligt. D. rhizophagus kommt endemisch in der Sierra Madre Occidental in Mexiko vor und ist dort ein wirtschaftlich wichtiges Schadinsekt, es kann Sämlinge und junge Bäume von 11 Kiefernarten stark schädigen oder töten.
Einzelnachweise Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel, 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-8274-0566-1, S. 531–536.
Kategorie:Enterobacterales Kategorie:Enterobacterales (Ordnung)