mini|Richard Kruspe (2011) Richard Kruspe (geb. Zven Kruspe) (* 24. Juni 1967 in Wittenberge) ist ein deutscher Musiker. Er ist der Leadgitarrist der Neue-Deutsche-Härte-Band Rammstein und Sänger des von ihm ins Leben gerufenen Band-Projektes Emigrate.
Leben Kruspe, der von Freunden auch „Scholle“ genannt wird, wuchs mit seinen Eltern und mehreren Geschwistern, darunter ein älterer Bruder, zunächst im brandenburgischen Dorf Weisen, Heft 256, September 2008, Heftarchiv abgerufen am 12. Februar 2017 bei Wittenberge in der DDR auf. Seine Kindheit beschreibt er als schön und sorglos; er habe in einem „intakten Elternhaus“ gelebt.noz.de: Rammstein-Gitarrist Kruspe: Ich habe die Stasi ausgetrickst, 30. Oktober 2009, abgerufen am 12. Februar 2017 Seine Eltern ließen sich später scheiden. Seine Mutter heiratete neu und zog mit ihren Kindern zum neuen Partner nach Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Das Verhältnis zu seinem Stiefvater beschrieb Kruspe gegenüber dem Magazin Rock Hard im Jahr 2008 – aber auch in anderen Interviews – als schwierig. Er lief nach eigenen Angaben nach Eskalationen mit diesem öfter von zu Hause weg, übernachtete auf Parkbänken oder bei einer Freundin. Aufgrund seines Verschwindens wurde er mehrmals von der Polizei gesucht.
In seiner Jugendzeit war Kruspe ein erfolgreicher Ringer. Er rang bei der BSG Lok Wittenberge.
Sein erstes Geld verdiente er nach eigener Aussage als Kassierer an einer Flaschenpfandkasse.Viva Jam: Rammstein, Folge 176, 1997, O-Ton ab 24:35 Min. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung als Koch. Hierzu berichtete er 2008 im Rock-Hard-Interview:
Weil er neben seinem Beruf ohne die in der DDR notwendige offizielle Spielerlaubnis öffentlich musizierte – er war Gitarrist der Band Das elegante Chaos – und sich darüber hinaus mit selbst hergestelltem Schmuck unerlaubterweise Geld dazuverdiente, geriet er nach eigener Aussage in den Fokus des Ministeriums für Staatssicherheit. Dieses wollte diese Vergehen – er hatte weder die nötige Facharbeiterausbildung noch zahlte er Steuern für die Nebenerwerbsquellen – nutzen, um ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter zu verpflichten. Kruspe zufolge wurde er vor die Wahl gestellt, IM zu werden oder ins Gefängnis zu gehen – er erhielt eine Woche Bedenkzeit und wurde zu absolutem Stillschweigen verpflichtet. Dies befolgte er nicht, sondern verbreitete die Geschichte nach eigener Aussage in seinem Bekanntenkreis, um als schwatzhaft und somit unbrauchbar für die Stasi zu gelten. Kruspe zufolge glückte sein Schachzug. In: RP-Online.
Im Jahr 1988 zog er nach Ost-Berlin in den Bezirk Prenzlauer Berg, wo er in einer Hinterhofwohnung an der Lychener Straße wohnte.Gert Hof: Rammstein, Die Gestalten Verlag Berlin, 2001, ISBN 3-931126-32-3, S. 16. Kruspe bezeichnet diese Zeit heute als „einsam“, weil er nie richtig Anschluss fand und viel allein Gitarre spielte. Am 10. Oktober 1989 geriet er zufällig in eine Demonstration gegen das DDR-Regime. Dabei wurde er verhaftet und nach eigenen Angaben in einer Polizeistation in Berlin-Weißensee festgehalten, stundenlang verhört und auch geschlagen. Kruspe, der zuvor nach eigener Aussage nie darüber nachgedacht hatte, die DDR zu verlassen, entschloss sich nun zur Flucht. Dies tat er zwei Tage nach seiner Entlassung gemeinsam mit einem Freund. Die beiden flohen über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach West-Berlin. Dort fühlte er sich jedoch überhaupt nicht wohl, wie er 2011 der Musikzeitschrift Rolling Stone berichtete:
Kruspe ging nach dem Mauerfall zunächst nach Schwerin. Dort fand er Anschluss an seinen alten Freund und späteren Rammstein-Kollegen Till Lindemann, der zu diesem Zeitpunkt noch hauptberuflich als Korbflechter arbeitete und nebenbei in der Fun-Punk-Band First Arsch Schlagzeug spielte. Den arbeitslosen Kruspe – er blieb es nach eigenen Angaben fünf Jahre langViva Jam: Rammstein, Folge 176, 1997, O-Ton ab 16:38 Min.Ulf Lüdeke: Am Anfang war das Feuer – Die Rammstein-Story, Riva Verlag München, 1. Auflage 2016, ISBN 978-3-86883-677-6, S. 27 – zog es jedoch bald wieder nach Ost-Berlin zurück.
1991 wurde er Vater einer Tochter, die aus einer Beziehung mit Till Lindemanns Ex-Frau stammt. Die Beziehung ging um das Jahr 1993 herum in die Brüche; seine Partnerin trennte sich Kruspe zufolge von ihm.
Zeitweise lebte er in Berlin mit seinen späteren Rammstein-Bandkollegen Oliver Riedel und Christoph Schneider in einer Wohngemeinschaft.
Am 29. Oktober 1999 heiratete er die Südafrikanerin Caron Bernstein, die als Model, Schauspielerin und Sängerin tätig war. Er nahm ihren Nachnamen an und nannte sich Richard Kruspe-Bernstein. Er zog zu seiner Frau nach New York City und lebte dort insgesamt elf Jahre.neuh.com: Rammstein-Gitarrist Richard Kruspe, 15. Mai 2015, abgerufen am 19. Juli 2017 Nach der Scheidung 2004 legte er den Zweitnamen „Bernstein“ wieder ab.
Kruspe wohnt seit 2011 wieder in Berlin.dw.de: Emigrate – Ein Rammstein auf Solopfaden auf Deutsche Welle, abgerufen am 29. November 2014 krone.at: Emigrate: „Ich muss beweisen, etwas wert zu sein.“, abgerufen am 9. Februar 2015 Er war mit der Musikerin Margaux Bossieux liiert und hat mit ihr seit 2011 eine gemeinsame Tochter.she-wolf.de: Interview Richard Kruspe, 6. Dezember 2014schwäbische.de: Richard Kruspe im Interview vom 3.13.2018 Er ist zudem aus einer Verbindung mit der Musikerin Tatjana Besson Vater des 1992 geborenen Schauspielers Merlin Besson.bild.de: GZSZ-Star und Rammstein-Sohn drehen Nacktfilm, 21. Mai 2015
Musikalischer Werdegang Kruspe war nach eigenen Angaben als Kind einer Lehrerin aufgrund seines musikalischen Talents aufgefallen. Da in der DDR jedoch seine sportliche Laufbahn als Ringer als wichtiger erachtet wurde, habe er nie Musikunterricht nehmen dürfen. Nach eigenen Angaben war er, bevor er selbst mit dem Musikmachen begann, zunächst als DJ aktiv. Um sich in der DDR als sogenannter Schallplattenunterhalter betätigen zu dürfen, absolvierte er einen Lehrgang.Katrin Riedl, Lothar Gerber: Rammstein: Zwischen den Stühlen/Interview mit Richard Kruspe, Magazin Metal Hammer, Heft Juni 2017, S. 24
Als er im Alter von 16 Jahren mit einigen Freunden die Tschechoslowakei besuchte, kaufte er eine Gitarre, die er eigentlich in der DDR wiederverkaufen wollte, um ein wenig Geld zu verdienen. Am Ende verwarf er diesen Plan und behielt sie. Heute heißt es, er habe begonnen, Gitarre zu spielen, weil ein Mädchen ihn darum bat und er erkannt habe, dass Frauen Männer mögen, die Gitarre spielen können. Kruspe antwortete 2009 der Neuen Osnabrücker Zeitung auf die Frage, ob er als Jugendlicher mit seiner Rock- und Punkmusik auch Mädchen imponieren wollte:
Von 1987 bis zu seiner Flucht 1989 spielte Kruspe Gitarre in der Band Das elegante Chaos. Nach dem Mauerfall und seiner Rückkehr nach Ostdeutschland war er kurze Zeit Musiker bei der Schweriner Gruppe Das Auge Gottes,motor.de: Rammstein, abgerufen am 22. Mai 2017 stieg dann als Gitarrist bei Lindemanns Band First Arsch ein. In dieser Formation nahm er zusammen mit Lindemann, Sänger Steve Mielke und dem damaligen Feeling-B-Gitarristen Paul Landers 1992 das Album Saddle Up auf. Ab Ende 1991 war er zudem Gitarrist bei der Band Die Firma – dort löste er den vorgenannten Landers ab.NMI&MESSITSCH: Das wollen wir nicht – Paul Landers über Feeling B, Heft 1/1992, S. 51 Peter Richter: Rammstein, November 2011 für Universal Music, abgerufen am 12. Februar 2017 über fan-base.de (Echtheit des Artikels vom Autor bestätigt) Bis 1993 spielte er darüber hinaus in der Crossover-Band Orgasm Death Gimmick, die er 1991 mit drei Gleichgesinnten gegründet hatte.
Anfang der Neunzigerjahre reiste Kruspe zusammen mit Lindemann und Oliver Riedel – damals Bassist bei The Inchtabokatables – erstmals in die USA und erkundete dort den Südwesten der Staaten. Er hatte sich in den Jahren zuvor immer stärker von amerikanischer Musik begeistern lassen und wollte das Land und die Musikszene selbst erleben. Über diese Reise berichtete er 2001 in dem Fotobuch Rammstein des Lichtkünstlers Gert Hof:
Zusammen mit Lindemann und Kruspes Mitbewohnern Riedel und Schneider – Letzterer war Ex-Feeling-B-Drummer und zudem Schlagzeuger bei Die Firma, wo Kruspe ihn kennengelernt hatte – gründete er ein neues Bandprojekt. Auch Schneider war im Jahr 1993 in den USA gewesen – damals noch mit der Band Feeling B, er war mit dieser Band im Südosten der USA unterwegs. Dort hatte er sich ähnlich wie Kruspe von der Musikszene begeistern lassen und neue Impulse gewonnen.
Das Quartett gab dem Ganzen zunächst den Namen Tempelprayers.Rammstein. In: Motor.de, abgerufen am 9. Januar 2017 Während Kruspe komponierte, anfangs noch stark beeinflusst vom Musikstil von US-Metal-Bands wie Pantera, übernahm Lindemann das Texten der Songs. Diese waren zu Beginn aber trotz des Gedankens von Kruspe, „deutsche Musik zu erschaffen“, noch auf Englisch. 1993 bot sich die Chance, an einem Wettbewerb des Berliner Senats für junge Bands teilzunehmen. Der Hauptpreis war eine Woche in einem professionellen Tonstudio. Teilnahmevoraussetzung war die Abgabe eines Demotapes, das die vier Freunde Kruspe zufolge in seiner Küche aufnahmen:
Als offizielles Gründungsdatum der später zu Rammstein umbenannten siegreichen Band wird der 1. Januar 1994 genannt. Kruspe gilt bis heute als Hauptinitiator der Gruppe, die durch das Hinzukommen des Rhythmusgitarristen Paul Landers schon kurz nach dem Gewinn des Wettbewerbs im Frühjahr 1994 ein fünftes Mitglied bekam und schließlich durch den anfänglichen Gastkeyboarder Christian „Flake“ Lorenz komplettiert wurde. Lorenz stand der eingeschlagenen Musikrichtung zunächst ablehnend gegenüber; aber er war nach eigenen Aussagen und Angaben seiner Bandmitglieder auch derjenige, der explizit deutsche Liedtexte verlangte. Kruspe sah Rammstein trotz all dieser Gründungsschwierigkeiten zunächst nur als Projekt, wie er Ende der Neunzigerjahre in einem Interview mit dem Musiksender Viva sagte.Viva TV, abgerufen am 5. November 2016 über youtube.com: Sendung Viva Jam – Rammstein, 1997, O-Ton ab 4 Min. 50 Sek. mini|240px|Kruspe während einer Liveperformance von Feuer frei! Nebenprojekt Emigrate und sonstige Mitwirkungen 2004 wurde bekanntgegeben, dass Kruspe die Gründung eines parallelen Musikprojekts namens Emigrate plane. In einem Interview mit laut.de sagte er dazu:
Das Debütalbum trägt ebenfalls den Titel Emigrate und erschien am 31. August 2007. Kruspe spielt nicht nur E-Gitarre, sondern ist auch der Sänger. Weitere Mitglieder der Band waren Henka Johansson (Clawfinger) und Arnaud Giroux. Verschiedene Single-Auskopplungen folgten (My World, New York City sowie Temptation). Am 14. November 2014 erschien das zweite Emigrate-Album, Silent So Long, das Kruspe gemeinsam mit Giroux und dem Apocalyptica-Schlagzeuger Mikko Sirén aufnahm. Kruspe verpflichtete für etliche Songs Gastsänger, unter anderem sind auf dem Album Frank Dellé von Seeed, der mittlerweile verstorbene Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister, Jonathan Davis von Korn, die Sängerin Peaches und Marilyn Manson zu hören.Universal Music: Erfahrt hier mehr über das zweite Emigrate-Album "Silent So Long", 14. Oktober 2014 Im Video zur Single-Auskopplung Eat You Alive mit Seeed-Sänger Dellé ist auch Kruspes Lebensgefährtin Margaux Bossieux, Bassistin bei der New Yorker Punk-Girl-Band Dirty Mary, zu sehen und zu hören.metal-hammer.de: Neues Emigrate-Video "Eat You Alive" Sie übernimmt bei einigen Stücken des Albums auch Gesangsparts.
Auf Tournee möchte Kruspe mit Emigrate nach eigenen Angaben nicht gehen. Im bereits genannten Interview mit laut.de sagte er auch:
In einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer sagte Kruspe im Juni 2017, dass das dritte Emigrate-Album bereits seit zweieinhalb Jahren fertig sei. Er warte seitdem auf den richtigen Zeitpunkt für eine Veröffentlichung.Magazin Metal Hammer: Zwischen den Stühlen – Interviews mit Richard Kruspe und Paul Landers, Heft Juni 2017, S. 25