mini|300px|Schlossberg mit Schloss und Rathaus mini|300px|Dachauer Altstadt mit dem Bezirksmuseum Dachau (im Bild Mitte links) mini|Dachauer Altstadt, Quelle: Bayernheft, Nr. 41, S. 1
Dachau ist eine Große Kreisstadt im gleichnamigen oberbayerischen Landkreis und liegt nordwestlich von München in der Metropolregion München.
Geografie Geografische Lage und Landschaft mini|300px|Blick von der Schlossterrasse nach Süd-Ost auf Dachau, die Schotterebene, München und die Alpenkette Die Stadt liegt nordwestlich von München an der Amper an der Nahtstelle zwischen der Münchner Schotterebene, in der das Dachauer Moos liegt, und dem nördlich angrenzenden tertiären Donau-Isar-Hügelland.
Topografie Der höchste Punkt innerhalb der Stadtgrenzen ist der Schlossberg (), der niedrigste Punkt liegt nahe dem Gemeindeteil Prittlbach an der Grenze zur Gemeinde Hebertshausen ().
Natur Zur sehenswerten Natur in Dachau zählen das Dachauer Moos, der Schlossberg mit Hofgarten und Park und entlang der Amper seit 2001 ein Fauna-, Flora-, Habitat (FFH-) und Vogelschutzgebiet. Hier leben auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Im Süden liegt der Stadtwald mit einem Landschaftssee für Brutvögel. Im Stadtwald existiert ein 2,75 km langer „Trimm-Dich-Pfad“. Durch die reizvolle Landschaft entlang der Amper führt der vom ADFC mit 4-Sternen zertifizierte Ammer-Amper-Radweg, der die Ammerquelle mit Moosburg an der Isar verbindet. In der Stadt Dachau stehen 30 Naturdenkmäler: die 100-jährige Stadtlinden (im Jahre 1907 als 10-jähriger Baum gepflanzt) am Widerstandsplatz und der Gottesackerstraße etwa, die Rotbuchen am Wasserturm und dem Rotkreuzheim, die Lindenallee an der Scheierlwiese, die Kastanien am Bahnhof und im Wirtsgarten des „Stadtkellers“ oder die Pappel an der Amperbrücke. Die Würm-Reschenbach-Aue wurde von der Stadt renaturiert.
Aussichtspunkte Beliebte Aussichtspunkte sind die Terrasse des Hofgarten und die Terrasse am Rathaus mit einem weiten Blick über die Schotterebene, München und, besonders bei Föhn, auf die Alpenkette. Einen schönen Ausblick auf das Dachauer Land, Dachau, Schloss und die Altstadt findet man nördlich von Steinkirchen unterhalb des Hohen Berges am östlichen „Hafnerloch“ in einem Eichen- und Buchenhain. Die Freilichtmaler der Künstlerkolonie Dachau liebten diesen Blick: von der sogenannten „Lange Gasse“, einem Feldweg in Etzenhausen im Nordwesten Dachaus über Steinkirchen auf die historische Dachauer Altstadt. Von der Thomawiese, am westlichen Fuß der Altstadt, aus erfasst man die typische Dachauer Stadtsilhouette mit einem Blick. Vom Dachauer Schloss über neues und altes Rathaus, dahinter erhebt sich der Turm der St. Jakobskirche.
Nachbargemeinden Anrainergemeinden sind:
Gewässer Fließgewässer und Kanäle mini|Wassertretanlage im Moorbad-Park am Holzgartenkanal mini|Der Mühlbach in Dachau Dachau liegt in einer Grenzlandschaft. Die flache Münchner Schotterebene mit dem Dachauer Moos stößt hier an den Rand des Tertiären Hügellandes. An der Nahtstelle zwischen beiden Landschaftsformen erstreckt sich die Amper mit ihren flachen Auen.
Die Amper strömt von Westen kommend südlich der Altstadt vorbei, ändert ihren Lauf ab der ehemaligen Papierfabrik in Richtung Nordost und tritt bei Prittlbach kurz hinter der Würmmühle in die Gemeinde Hebertshausen über.
Zahlreiche Bäche durchziehen die Stadt und münden hier in die Amper: Aus dem Hügelland kommen Prittlbach und Webelsbach. Aus dem Moos fließen Ascherbach, Gröbenbach, Forellenbach, Reschenbach, Saubach, Kalterbach und die Würm, die den Starnberger See entwässert, der Amper zu.
Von Westen kommend mündet die Maisach bei Mitterndorf in die Amper. Der Fluss entspringt im Landkreis Fürstenfeldbruck bei Moorenweis und grenzt über weite Strecken das tertiäre Hügelland von der Ebene ab, die sich südlich Richtung Amper ausbreitet.
Von Karlsfeld kommend durchquert die Würm Dachau-Ost und streift die KZ-Gedenkstätte Dachau. Einige hundert Meter hinter der Würmmühle mündet sie kurz vor der Gemeindegrenze zu Hebertshausen in die Amper.
Der Gröbenbach, der seinen Ursprung bei Germering hat, fließt von Dachau-Süd kommend durch das Stadtgebiet und mündet östlich der Martin-Huber-Straße vor der Bahnlinie in die Amper.
Der Ascherbach mündet in Höhe der Festwiese in die Amper. Er kommt aus dem Graßlfinger Moos bei Gröbenzell, Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort befand sich ein Moorbad, welches 1878 von Andreas Deger eingerichtet wurde. Heute befindet sich dort ein Kneippnaturbad.
Der Mühlbach ist ein künstlicher Bach, der ab dem Stromkraftwerk von der Amper abgezweigt wird, parallel zu dieser verläuft und nach der ehemaligen Papierfabrik wieder in selbige mündet. Der Name leitet sich von den in der Vergangenheit häufigen Mühlen ab, die sich das Gefälle zwischen dem Mühlbach und der Amper zu Nutzen gemacht haben. In früheren Zeiten diente er als Badefluss, der Trinkwasserversorgung des Schlosses, den Mühlen und vor allem der Papierfabrik mit ihrem hohen Wasserverbrauch. Westlich der Festwiese ist noch ein Kanal (Lodererbach) vorhanden.
Auf dem Stadtgebiet sind noch Teile des Dachau-Schleißheimer Kanals vorhanden. Dieser Kanal wurde als Teil des Nordmünchner Kanalsystems, zu dem auch der Nymphenburger Kanal gehört, Ende des 17. Jahrhunderts angelegt. Der Kanal wurde als Transportweg zwischen Dachau und dem Schloss Schleißheim genutzt. Das durch den Abriss der drei Flügel des Dachauer Schlosses gewonnene Baumaterial wurde auf diesem Wege nach Schleißheim transportiert. Durch Verwilderung und bewusste Bepflanzung durch die Stadt ist der Kanal nur noch zwischen der Frühlingsstraße und dem Pollnbach als solcher erkennbar. Nach der Stadtgrenze ist der Kanal wieder bis Schloss Schleißheim vorhanden.
Seen Auf dem Stadtgebiet befindet sich ein Badesee in Dachau Süd, der Stadtweiher.
Klima Das Klima ist mild sowie allgemein warm und gemäßigt. „Cfb“ lautet die Köppen-Geiger-Klassifikation. Die Temperatur liegt in Dachau im Jahresdurchschnitt bei 8,1 °C. Jährlich fallen etwa 886 mm Niederschlag.
Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge in Dachau. Selbst der trockenste Monat Februar weist mit durchschnittlich 48 mm noch hohe Niederschlagsmengen auf. Im Vergleich zum niederschlagsreichsten Monat Juni, mit durchschnittlich 118 mm Niederschlagsmenge, liegt die Differenz bei 70 mm.
Die durchschnittlichen Temperaturen schwanken im Jahresverlauf um 19,1 °C zwischen dem wärmsten Monat Juli und dem kältesten Januar. Im Juli werden durchschnittliche Temperaturen von 17,5 °C erreicht. Im Januar liegt die durchschnittliche Temperatur bei −1,6 °C.
alternativtext=Das Foto zeigt die mit sommerlichen Blumen und Gräsern bewachsene Terrasse des Rathauses in Dachau, im Hintergrund die gelbe Schlossmauer von Schloss Dachau |mini|Blick auf Schloss Dachau
Geschichte mini|Stadt und Schloss Dachau, Ansicht um 1750 alternativtext=Schloss Dachau|mini|Hofgartenseite: Schloss Dachau
Frühgeschichte Die altwasserreiche Amper konnte hier durch einige Furten durchquert werden. Die ältesten Funde im Raum Dachau gehen daher bis in die Steinzeit zurück. In der Latènezeit siedelten Kelten in der Umgebung von Dachau.Andreas R. Bräunling: Die Kelten im Dachauer Land. In: Amperland. 47, 2011, S. 302–306.
Römerzeit Der Voralpenraum wurde im Jahre 15 v. Chr. durch die Römer erobert. Die Römer gliederten das Gebiet in die Provinz Raetien ein. Drei römische Straßen kreuzten sich bei der Straßenstation Ambra beim Gemeindeteil Würmmühle an der Amper und führten teilweise durch das heutige Stadtgebiet. Die wichtigsten Verbindungen durch die Straßenstation Ambra (Würmmühle) liefen von Augsburg nach Salzburg, von Kempten nach Salzburg und von Ambra über Partenkirchen ins Inntal. Weitere Verbindungen führten nördlich zur Donau und weiter nach Regensburg, entlang der Amper und Isar zur Donau und weiter nach Passau und eine Verbindung über Föhring Richtung Wasserburg.Hans Bauer: Die römischen Fernstrassen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenführungen. München 2007, S. 52f und 103.Wissenschaftliche Rezension
Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung von Dachau findet sich in einer mittelalterlichen Schenkungsurkunde der Edlen Erchana von Dahauua an den Bischof von Freising, die beide aus dem Adelsgeschlecht der Aribonen stammen. Mit dieser Urkunde überschrieb sie im Jahr 805 n. Chr. ihre fünf Kolonenhöfe samt den dazugehörigen Leibeigenen nach ihrem Tod dem Bischof von Freising.
Die Herkunft des Namens Dachau ist nicht eindeutig geklärt. Er könnte sowohl auf keltische als auch – was wahrscheinlicher ist – althochdeutsche Ursprünge zurückgehen. Danach setzt sich der Name Dachau aus den althochdeutschen Worten dâha (Lehm)Johann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. 2., vermehrte und verbesserte Auflage. Brandstetter, Leipzig 1893, ; Nachdruck der 2. Auflage. Olms, Hildesheim/New York 1973, ISBN 3-487-04571-0, S. 229. und ouwe (von Wasser umflossenes Land) zusammen.Dokumentation der Ausstellung „Frankierte Stadtgeschichte(n)“ Postkarten aus Dachau, S. 9. (PDF-Datei; 10,5 MB) Beide Varianten werden auf den lehmigen Boden des tertiären Hügellandes zurückgeführt.
Ursprünglich stand auf dem ca. 500 Meter hohen Schlossberg eine Burg der Grafen von Dachau aus dem frühen Mittelalter. Die Grafen waren ein Zweig der Grafen von Scheyern. 1182 erwarb Otto I., aus der Pfalzlinie der Wittelsbacher, Burg und Grafschaft Dachau. Sie wurde jedoch in den Jahren 1398 und 1403 zerstört. alternativtext=Der Pfarrplatz in Dachau, Blick auf die Stadtpfarrkirche St. Jakob und ihren Kirchturm.|mini|Der Pfarrplatz in Dachau, Blick auf die Stadtpfarrkirche St. Jakob Die günstige Lage an der Hauptstraße, die München mit Augsburg verband, brachte Dachau einen Aufschwung. Ab dem 12. Jahrhundert diente Dachau als Sommersitz für zahlreiche bayerische Fürsten. Zwischen 1240 und 1270 erhielt Dachau das Marktrecht, entweder von Herzog Otto II. oder seinem Sohn, Herzog Ludwig II. dem Strengen. Von 1467 bis 1501 war Dachau eine Domäne des abgedankten Herzogs Siegmund und so bestand das kurzlebige Herzogtum Bayern-Dachau, das nach dem Tode des Herzogs wieder an Bayern-München zurückfiel.
Frühe Neuzeit mini|Dachau in der Topographia Bavariae (Merian) von 1665 Zwischen 1546 und 1577 wurde das Schloss Dachau von den Wittelsbachern, Herzog Wilhelm IV. und später seinem Sohn Herzog Albrecht V., im Stil der Renaissance umgebaut. Es entstand ein vierflügeliges Renaissanceschloss nebst Hofgarten.
Etwa ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde für die Benutzung der innerörtlichen Straßen ein Pflasterzoll erhoben. Eigens dafür wurde um 1820 das Zollhäusl (18 m²) in der Dachauer Altstadt errichtet. Heute befindet sich darin das Informationsbüro „Naherholung und Tourismus im Dachauer Land“.
Die schlimmste Zeit erlebte die Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg, als der Markt von den Schweden belagert und geplündert wurde. Bis ins letzte Kriegsjahr war Dachau in den Krieg eingebunden: Die Schlacht bei Dachau am 5. Oktober 1648 war die letzte größere militärische Konfrontation des Dreißigjährigen Krieges.
In den Jahren 1715 bis 1717 wurde das Schloss von Joseph Effner dann nach neuester französischer Mode barockisiert. Dachau wurde unter Kurfürst Max II. Emanuel für einige Zeit wieder zu einem bevorzugten Landsitz des Münchner Hofes. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verfielen jedoch die Gebäude, weil der Hof immer seltener nach Dachau kam. Kurfürst Max III. Joseph ließ allerdings noch den Hofgarten umgestalten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden der Nord-, Ost- und Südflügel der Schlossanlage wegen Baufälligkeit abgebrochen, da dem ersten König Bayerns, Maximilian I. Joseph, nach den Napoleonischen Kriegen das Geld für eine aufwändige Instandsetzung fehlte. Der Tanz- oder Gartensaaltrakt blieb bis heute erhalten.