mini|Emil Krebs Emil Krebs (* 15. November 1867 in Freiburg in Schlesien; † 31. März 1930 in Berlin) war ein deutscher Sinologe, Diplomat, Dolmetscher und Übersetzer. Er war als Vielsprachler bekannt und beherrschte 68 Sprachen.Cecile und Oskar Vogt Archiv, Düsseldorf, Interview Dr. Zwirner/Mande Krebs im Hirnforschungszentrum Berlin-Buch 1930; Nachruf Prof. Dr. Eduard Erkes, Litterae Orientales 1931, S. 13–14; EH: Seiten 104–107 und 142–143 Diese Sprachkenntnisse ermöglichten es ihm, im Auswärtigen Amt in Berlin aus über 40 Fremdsprachen zu übersetzen.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, S. 160, 179–181; EH Seite 82 Seine Privatbibliothek umfasste Bücher und Schriften in 111 Sprachen.Inventaraufstellung aus dem Jahr 1932 (in privater Hand); Buch Emil Krebs. Kurier des Geistes. Oase Verlag, Badenweiler 2011, S. 178–179; EH Seiten 117–118 und 129–137

Leben Die frühen Jahre Emil Krebs war der Sohn des Zimmermeisters Gottlob Krebs und seiner Ehefrau Pauline geb. Scholz; er hatte neun Geschwister. Von 1870 bis 1887 wuchs er in Esdorf, Kreis Schweidnitz, auf. Schon in der Dorfschule zeigte sich sein Interesse an Sprachen, als er sich intensiv mit einem zufällig gefundenen französischen Wörterbuch beschäftigte. Von 1878 bis 1880 besuchte er die Höhere Realschule in Freiburg (Schlesien), von 1880 bis 1887 das Evangelische Gymnasium in Schweidnitz. Auf dem Lehrplan des Gymnasiums standen Latein, Französisch, Althebräisch und Altgriechisch. Daneben erlernte der Gymnasiast autodidaktisch Neugriechisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Arabisch und Türkisch. Am 17. März 1887 legte er das Abitur ab. Zu diesem Zeitpunkt waren ihm bereits zwölf Fremdsprachen geläufig.Berliner Illustrierte Zeitung, Ausgabe 1930, Nr. 22, S. 979/981; Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Band 2, S. 147–153. EH: Seiten 2–5

Im Sommersemester 1887 studierte Krebs Theologie und Philosophie an der Universität Breslau, ab dem Wintersemester 1887/88 Rechtswissenschaft an der Universität Berlin und gleichzeitig Chinesisch am neugegründeten Seminar für Orientalische Sprachen. Das Examen legte er am 24. Juli 1890 mit „gut“ ab.Zitat des Leiters des SOS, Prof. Eduard Sachau: „Derselbe (gemeint ist Krebs) ist nach dem Urtheile des kommissarischen Direktors des betreffenden Seminars ein sehr begabter junger Mann und erscheint für sprachliche Studien in hervorragender Weise veranlagt.“ Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Band 2 Seiten 7/8; EH: Seiten 7/8 Das erste juristische Staatsexamen an der Universität Berlin folgte am 12. Juni 1891. Anschließend war er Gerichtsreferendar beim Königlich-preußischen Amtsgericht in Gottesberg (Schlesien). Ab Ostern 1892, inzwischen Referendar am Kammergericht in Berlin, wurde er Mitglied der türkischen Klasse beim Seminar für Orientalische Sprachen. Die vorgesehene Prüfung nach drei Semestern, für die er bereits zugelassen war, fand nicht mehr statt, da Krebs für das Auswärtige Amt nach Peking ging.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs Band 2; EH: Seiten 9/10

Aufenthalt in China von Dezember 1893 bis März 1917 Am 30. September 1893 trat Emil Krebs als Dolmetscher-Aspirant in den Auswärtigen Dienst ein.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs Band 1–3. EH: Seiten 19–67 Sein erster Einsatz führte ihn nach China. Nach seiner Ankunft am 5. Dezember 1893 bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking wurde er am 10. Juni 1896 zum zweiten Dolmetscher bestellt.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Band 1 S. 81/82. EH: Seite 21 ff.

Das Deutsche Reich nahm die Ermordung zweier Missionare in der Provinz Shantung zum Anlass, im November 1897 Tsingtao als Bürgschaft für seine „Schadensersatzforderungen“ zu besetzen. Vom 10. November 1897 bis zum Februar 1898 war Krebs dem zur Besetzung von Kiautschou entsandten deutschen Geschwader zur Dienstleistung als Dolmetscher und Übersetzer zugeteilt und anschließend an das Kaiserliche Gouvernement für das Schutzgebiet Kiautschou abgeordnet. Dort war er Vorstand der chinesischen Kanzlei und Bezirksamtmann und als solcher auch als Richter für chinesisches Recht tätig.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Bd. 1, S. 133/135.; EH: Seiten 24/25 Sein Einsatz in Kiautschou endete am 30. September 1900.

Anschließend kehrte er nach Peking zurück, wo am 20. Juni 1900 der deutsche Gesandte Clemens von Ketteler beim Boxeraufstand ermordet worden war. Dort kam es zum ersten Zusammentreffen mit dem Gesandtschaftssekretär Gustav von Bohlen und Halbach. Aufgrund seiner Chinesischkenntnisse und seiner Erfahrung im Umgang mit chinesischen Amtsträgern wurde Krebs am 16. Juli 1901 durch den Reichskanzler Bernhard von Bülow zum Ersten Dolmetscher im Range eines Legationssekretärs („Secrétaire interprète“) ernannt.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Bd. 1, Seiten 140/141; EH: Seiten 28 und 67 Seine Aufgaben und seine Stellung in der Gesandtschaft änderten sich dadurch erheblich. Die Gesandten, aber auch deren Vertreter, sprachen kaum Chinesisch, die chinesischen Geschäftsträger oft keine Fremdsprache.„Da die chinesischen Diplomaten bisher nur in den seltensten Fällen eine andere als die Landessprache verstanden, gewann die Stellung des Ersten Dolmetschers in Peking eine ähnliche Bedeutung als diejenige in Konstantinopel. Sie kam auch äußerlich schon darin zum Ausdruck, dass der Erste Dolmetscher in Peking infolge seines Verkehrs mit einheimischen Kreisen verhältnismäßig größere Repräsentationspflichten zu erfüllen hatte als der Vertreter des Gesandten, der Erste Legationssekretär, mit dem er im Gehalte in derselben Gehaltsklasse stand. Dem gemäß war auch die dem Ersten Dolmetscher in Peking durch den Haushalt bewilligte Ortszulage erheblich höher als die des Ersten Legationssekretärs.“ Schreiben des Auswärtigen Amts an das Reichsfinanzministerium. Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Bd. 2, Seiten 156/157; EH: Seite 47 Auch von chinesischer Seite wurde er als Experte für Chinesisch, Mongolisch, Mandschurisch und Tibetisch sowie Koreanisch und Japanisch konsultiert.„Legationsrat Krebs, eine polyglotte Berühmtheit, wurde oft selbst von chinesischen Autoritäten in grammatischen Fragen zu Rate gezogen.“ Botschafter Werner Otto von Hentig: Mein Leben – Eine Dienstreise ab S. 32; EH: Seite 144

Am 15. Februar 1912 wurde Krebs zum Legationsrat befördert, obwohl er sich geweigert hatte, das Konsulatsexamen abzulegen.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Bd. 2, Seiten 156–157; EH: Seite 31 Am 5. Februar 1913 heiratete er auf dem Deutschen Kaiserlichen Konsulat in Shanghai Frau Amande Heyne geb. Glasewald. Im Februar und März 1914 oblag ihm die Vertretung des Gesandten von Haxthausen während dessen Dienstreise nach Mittel- und Südchina. Schließlich wurden ihm am 8. August 1914 auch die standesamtlichen Befugnisse bei der Gesandtschaft übertragen.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Bd. 2 ohne Seitenangaben; EH: Seite 49 Privat hatte Krebs unter anderem Kontakt zu Mitgliedern des chinesischen Kaiserhauses und dem ersten Präsidenten Chinas Yuan Shikai.

Nach dem im März 1917 im Zuge des Ersten Weltkriegs erfolgten Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China wurde am 25. März 1917 die deutsche Gesandtschaft aufgelöst und die Diplomaten traten die Heimreise an.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Band 2, Seite 75; EH: Seiten 52–53

Rückkehr nach Berlin 1917 mini|Grabstein von Emil Krebs, 2017 () Nach seiner Ankunft in Berlin am 23. Mai 1917 wurde Krebs ab dem 1. Januar 1918 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Die „Nachrichtenstelle für den Orient“ (ab November 1917) und ab März 1921 der „Chiffrierdienst der japanischen Abteilung, Abt. II“ des Auswärtigen Amts nutzten aber weiter seine Sprachkenntnisse. Erst 1923 erhielt er wieder eine Festanstellung beim Sprachendienst des Auswärtigen Amts als Übersetzer und Prüfer."(...) Im Auswärtigen Amt arbeitet eine Kraft, die in der hervorragenden Weise dazu geeignet wäre, die Übersetzungen aus einer ganzen Reihe von Sprachen sachlich und sprachlich zu überprüfen. Diese Kraft ist Herr L.R. Krebs, der die phänomenale Fähigkeit besitzt, aus ca. 45 Sprachen in amtlich verwertbarer Form in das Deutsche übersetzen zu können und damit ein erstaunliches Maß von Kenntnissen über die kulturellen Verhältnisse der einzelnen Länder verbindet." Spätere Aussage des damaligen Leiters des Sprachendienstes Paul Gautier (1889–1965): „Krebs ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter.“ Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs, Band 2 S. 179–181; EH: Seite 82 Nebenamtlich war Krebs ab Mai 1922 als Dolmetscher für die finnische Sprache bei Gerichten und Standesämtern in Berlin und im Regierungsbezirk Potsdam tätig. Bemühungen des Auswärtigen Amts, Krebs eine seinen Fähigkeiten entsprechende Dozentenstelle am Seminar für Orientalische Sprachen zu vermitteln, scheiterten am Widerstand des damaligen Leiters Prof. Otto Franke, der etwa 20 Jahre zuvor mit Krebs in Peking tätig gewesen war.Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Personalakte Emil Krebs Band 2 S. 172–174.; EH: Seiten 78–80

Unabhängig vom Auswärtigen Amt bemühte sich bereits ab 1917 der Essener Industrielle Gustav Krupp von Bohlen und Halbach um eine Krebs’ Sprachkenntnissen entsprechende Tätigkeit für seinen früheren Pekinger Kollegen,Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Essen, Historisches Archiv Krupp, FAH 4 E847; EH: Seiten 83–94 unter anderem bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften in BerlinSchreiben vom 11. November 1917 an Kultusminister Schmitt-Ott: „Den Professoren de Groot und Müller sei der Gedanke, ‚Krebs in Deutschland zu behalten und seine Fähigkeiten für den Dienst der Wissenschaft zu gewinnen, höchst sympathisch‘.“ Historisches Archiv Krupp, FAH 4 E847; EH: Seite 86 und beim Deutschen Überseedienst. Einstellungsvoraussetzung war jedoch die Kündigung beim Auswärtigen Amt und somit der Fortfall seiner Bezüge. Krebs lehnte das ab. Krupps Bemühungen, das Auswärtige Amt für einen weiteren Einsatz von Krebs in China zu gewinnen, blieben ohne Erfolg.„Auch dieser [Krebs] ist seit über 25 Jahren in China tätig gewesen und wohl der beste Kenner der chinesischen, wie aller orientalischer Länder, den es überhaupt auf der Welt gibt. Auf seine Kraft für die Zukunft in China zu verzichten, erscheint mir gänzlich unmöglich; denn er ist, zumal als Sprachkenner, überhaupt nicht zu ersetzen.“ Historisches Archiv Krupp, FAH 4 E847, Schreiben vom 24. November 1919; EH: Seiten 91 und 99

Am 31. März 1930 starb Krebs in seiner Wohnung in Berlin-Westend, Linden-Allee 26, an einem Gehirnschlag. Auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof fand er seine letzte, heute noch in einer Patenschaft betreute Ruhestätte (Epiphanien-Gartenblock I, Gartenstelle 81).

Nachlass