mini|hochkant|Bernhard Albrecht Moll: Einziges existierendes Bild von Bredemeyer, Philadelphia 1783. Franz BredemeyerEs existieren zahlreiche Varianten des Familiennamens bis hin zu Brettermayer. (* 1758; † 1839Vor dem 28. Mai. Vgl. Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener Zeitung, 3. Juni 1839, S. 775 (). in SchönbrunnNeuer Nekrolog der Deutschen. 17. Jahrgang, 1839, 2. Theil, Bernhard Friedrich Voigt, Weimar 1841, S. 1196 ().) war ein in Wien tätiger Gärtner. Er nahm 1783–1788 an der Märter-Expedition zur Beschaffung von Pflanzen, Tieren und Mineralien teil, wobei er selbständig Martinique, Puerto Rico und Venezuela bereiste. Ab 1827 leitete er die Hofgärten und die Menagerie in Schönbrunn.

Leben Bredemeyers Herkunft ist ungeklärt. Wenn man aus der Verbreitung seines Familiennamens schließen darf, stammte er aus Niedersachsen. Sein Handwerk lernte er möglicherweise auf einem der Schlösser der Hocharistokratie in Mähren.Vgl. untenstehende Liste der Gesellschaften, denen Bredemeyer angehörte, und die Biografie von Franz Boos. In Schönbrunn wurde er Gehilfe von Hofgärtner Ryk van der Schot.

Teilnehmer der Märter-Expedition

Mit ca. 24 Jahren erhielt Bredemeyer die Chance, mit den Botanikern Franz Joseph Märter und Matthias Leopold Stupić, dem Maler Bernhard Albrecht Moll und van der Schots erstem Gehilfen Franz Boos an einer Mission zur Beschaffung exotischer Pflanzen, Tiere und Mineralien teilzunehmen, die von Kaiser Joseph II. finanziert wurde. Das Expeditionsteam reiste von April bis September 1783 über Brüssel, Paris und Le Havre nach Philadelphia, wo es kurz nach dem formellen Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs eintraf. Bredemeyer ging mit Moll auf Botanisierreise und fuhr im Dezember mit ihm auf dem Seeweg nach Charleston (South Carolina), wo sie im Januar 1794 wieder mit den anderen Forschern zusammentrafen.

In der Folge kehrten Moll und Stupić der Expedition den Rücken und ließen sich in Charleston nieder. Auch Boos und Bredemeyer wurde von Märter Ungehorsam, Letzterem zudem Gleichgültigkeit vorgeworfen. Er betrage sich, .Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 37 f. (an Cobenzl, Charleston, 15. Juni 1784). Von Juni bis November brachte Bredemeyer von Charleston aus den ersten Transport von Sammelgut über London und Ostende nach Wien zurück. Wie Märter befürchtet hatte, ging es dabei nicht ohne Verluste ab.

Trotzdem entsandte Joseph II. Bredemeyer Ende 1784 wieder nach Amerika, worum dieser gebeten hatteHelga Hühnel: Kaiserliche bereisen Amerika. In Elisabeth Zeilinger (Hrsg.): Österreich und die Neue Welt, Symposion in der Österreichischen Nationalbibliothek, Tagungsband (Biblos-Schriften 160), Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1993, S. 95–102, hier: S. 99 f.. Dies zeigt, dass Märter kein so schlechter Chef war, wie der Kaiser nach dem Absprung von Moll und Stupic gemeint hatte.Vgl. Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 141–144 (Märter an Born, Cap-Français, 30. Oktober 1785, Abschrift). In Begleitung des Gärtners Joseph Schücht fuhr Bredemeyer über Bordeaux nach Saint-Pierre auf Martinique, wo er im März 1785 eintraf. Zwar blieb er dort lange ohne Nachricht vom Expeditionsleiter, doch benützte er den Aufenthalt zum Botanisieren. Als Märter im Juni Bredemeyer und Schücht in Martinique abholen wollte, zwang ihn Seekrankheit, auf Guadeloupe haltzumachen. Die Gärtner trafen ihn erst im August in Cap-Français (Cap-Haïtien) auf Saint-Domingue (Haiti).Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 129 f. (Märter an Cobenzl, Cap-Français, 18. August 1785). Obwohl zeitweise alle drei krank warenErnst Moriz Kronfeld: Kaiser Joseph II. Cap-Expedition (1786 bis 1788). In: Wiener Zeitung, 15. Juni 1894, S. 3–5, hier: S. 4 ()., bereiste Bredemeyer bis im Februar 1786Ignatius Urban (Hrsg.): Symbolae Antillanae seu Fundamenta florae Indiae occidentalis, Band 3, fratres Horntraeger, Lipsiae 1902 f., S. 27 (). als erster Botaniker überhauptHenri Alain Liogier: Botany and Botanists in Puerto Rico. In: Annals of the New York Academy of Sciences, Band 776, Nr. 1 (The Scientific Survey of Puerto Rico and the Virgin Islands), Juni 1996, S. 41–53 (doi:10.1111/j.1749-6632.1996.tb17410.x), hier: S. 42. das spanische Puerto Rico.

Mission nach Venezuela Im Februar 1786 wurden Bredemeyer und Schücht von Märter nach Venezuela entsandt.Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 220 f. (Instruktion für Bredemeyer und Schücht, Cap-Français, 7. Februar 1785). Über Puerto Rico und den Hafen La Guaira erreichten sie im März Caracas. Ursprünglich hätte wohl Boos dorthin reisen sollen. Jedenfalls gab Märter Bredemeyer dessen Papiere mit, was bis heute für Verwirrung sorgt.Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 205–207, 228 (Schücht an Cobenzl, Caracas, 31. Dezember 1786); Helga Lindorf: Notices on the Austrian expedition in a Venezuelan document dated 1787 and comments on botanical names linked to the collectors. In: Acta Botanica Venezuela 27/1, Caracas 2004, S. 57–64 (unpaginiertes ). Die Gärtner wurden der Wirtschaftsspionage verdächtigtHelga Lindorf: Notices on the Austrian expedition in a Venezuelan document dated 1787 and comments on botanical names linked to the collectors. In: Acta Botanica Venezuela 27/1, Caracas 2004, S. 57–64 (unpaginiertes ); dieselbe: Entre lo clandestino y lo permittido, Dos exploraciones botánicas del siglo XVIII documentadas en archivos venezolanos. In: Bitácora-e Revista Electrónica Latinoamericana de Estudios Sociales, Históricos y Culturales de la Ciencia y la Tecnología 2017/1, S. 36–56 (), hier: S. 44–49. und kämpften mit Geldsorgen. Für diese Schwierigkeiten machte man in Wien offenbar Märter verantwortlich, den Bredemeyer aber in Schutz nahm: Er habe ihn in Saint-Domingue als kennen gelernt, .Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 313 f. (Bredemeyer an Cobenzl, Caracas, 15. September 1787).

In der Umgebung von Caracas fand Bredemeyer die Arzneipflanze Sabadill (Schoenocaulon officinale), die er 1807 beschrieb.Naturgeschichte der Giftpflanzen, die in der Oesterreichischen Pharmakopie officinäl sind. (…) Bearbeitet und herausgegeben von einer Gesellschaft von Aerzten und Kräuterkennern. v. Reilly, Wien 1807, S. 7, 106–108 (). Im September ritten er und Schücht ostwärts nach Guatire, Caucagua und Capaya (alle im heutigen Bundesstaat Miranda).Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 313 f. (Bredemeyer an Cobenzl, Caracas, 15. September 1787). Laut Nikolaus Joseph von Jacquin: Plantarum rariorum horti cæsarei Schœnbrunnensis descriptiones et icones, Band 1, C. F. Wappler, Viennæ 1797, S. IV (), wären sie viel weiter ostwärts, bis ins Innere der Halbinsel Paria (Bundesstaat Sucre) und in die Nachbarschaft des Orinoco-Deltas, gelangt. 13 Jahre vor Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland sahen sie bei Capaya im tropischen Regenwald der Küstenkordillere den Amerikanischen Kuhbaum (Brosimum utile).Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 224–227 (Rechnung von Bredemeyer und Schücht, 10. Februar–31. Dezember 1786), hier: fol. 225 verso; Alexander von Humboldt, Aimé Bonpland: Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802, 1803 und 1804. 3. Theil, J. G. Cotta, Stuttgart/Tübingen 1820, S. 180–193, 221 f. (); Johann Baptist Rupprecht: Der Süd-Amerikanische Kuhbaum. (Palo de Vaca.) In: Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener Zeitung, 31. August 1838, S. 1213 (). Von März bis Mai 1787 hielten sie sich westlich von Caracas in den Tälern des heutigen Bundesstaats Aragua und den Llanos (Ebenen) auf.Österreichische Nationalbibliothek, Cod. ser. N. 3517, fol. 270/273 (Bredemeyer an Cobenzl, Caracas, 1. Juni 1787). Im April 1788 schifften sie sich in La Guaira wieder ein.Österreichische Nationalbibliothek , Cod. Ser. N. 3517, fol. 350 f. (Bredemeyer an Cobenzl, La Guaira, 20. April 1788). Über das niederländische Curaçao, wo sie den amerikanischen Schoner The Commerce charterten, erreichten sie im Juli AmsterdamÖsterreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. N. 3517, fol. 362 f. (Bredemeyer an Cobenzl, Amsterdam, 7. Juli 1788). Laut Ignatius Urban (Hrsg.): Symbolae Antillanae seu Fundamenta florae Indiae occidentalis, Band 3, fratres Horntraeger, Lipsiae 1902 f., S. 158 (), hätte Bredemeyer in Curaçao noch botanisiert. und im September Wien.

Auch wenn der Botaniker Nikolaus Joseph von Jacquin entsprechende Hinweise unterließ, stammen viele Pflanzen, die er im Prachtwerk Plantarum rariorum horti cæsarei Schœnbrunnensis descriptiones et iconesÜbersetzung: Beschreibungen und Abbildungen seltenerer Pflanzen des Schönbrunner kaiserlichen Gartens. (1797–1804) beschrieb, von Bredemeyer. Dessen Pflanzensammlung wurde später nach Berlin verkauft.Helga Hühnel: Kaiserliche bereisen Amerika. In Elisabeth Zeilinger (Hrsg.): Österreich und die Neue Welt, Symposion in der Österreichischen Nationalbibliothek, Tagungsband (Biblos-Schriften 160), Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1993, S. 95–102, hier: S. 102/Anm. 22; vgl. Leopold Joseph Fitzinger: Geschichte des kais. kön. Hof-Naturalien-Cabinetes (1. Abtheilung). In: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 21. Band, k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1856, S. 433–479, hier: S. 457, 479 (). Seinen Unterlagen entnahm der Botaniker Carl Ludwig Willdenow unter anderem eine Beschreibung von Kakaoplantagen in Venezuela unter rot blühenden, von Papageien bevölkerten Bucarés (Korallenbäumen).Carl Ludwig Willdenow: Einige seltene Gewächse. In: Der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin neue Schriften, 3. Band, Berlin 1801, S. 413–432, hier: S. 429–431 (). Nach Bredemeyer sind heute eine Pflanzengattung und verschiedene Pflanzenarten benannt.Helga Lindorf: Notices on the Austrian expedition in a Venezuelan document dated 1787 and comments on botanical names linked to the collectors. In: Acta Botanica Venezuela 27/1, Caracas 2004, S. 57–64 (unpaginiertes ).

Direktor von Hofgärten und Menagerie mini|Unter Bredemeyers Leitung erstelltes Giraffenhaus im Tiergarten Schönbrunn (Zustand von 2010).