Die Schmalspurbahn Zittau–Kurort Oybin ist eine sächsische Schmalspurbahn in der Oberlausitz, die ursprünglich von der Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahn (ZOJE) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Zittau von der früheren Schmalspurbahn Zittau–Hermsdorf ab und führt über Olbersdorf nach Kurort Oybin im Zittauer Gebirge.
Eigentümer und Betreiber ist seit 1996 die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG).
Geschichte Vorgeschichte Mit der Bahnstrecke Zittau–Löbau der Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft erhielt Zittau 1848 einen Eisenbahnanschluss. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde das Zittauer Umland mit weiteren Bahnstrecken erschlossen, so wurde 1859 die Bahnstrecke Reichenberg–Zittau und 1875 die Bahnstrecke Zittau–Hagenwerder (mit Verlängerung nach Görlitz) eröffnet. Obwohl sich bereits ein gewisser Ausflugsverkehr ins Zittauer Gebirge entwickelte, hatte der sächsische Staat kein Interesse zum Bau einer Bahnstrecke.
Nachdem 1883 mit dem Bau der Schmalspurbahn Zittau–Reichenau begonnen worden war, setzte sich vor allem Alfred Moschkau stark für eine Schmalspurbahn ein. Zusammen mit Max Alexander Thiemer und 16 weiteren Bürgern gründete er noch im selben Jahr ein Komitee, welches den Bahnbau vorantreiben wollte. Da der sächsische Staat in den 1870er Jahren zahlreiche insolvente und unrentable private Bahngesellschaften aufkaufen musste, wollte man keine weiteren privaten Gesellschaften zulassen. Erst als eine Kaution gestellt wurde, durften überhaupt Vorarbeiten zum Bahnbau beginnen. Diese Aufgabe wurde zunächst an die Firma Davy, Donath & Co. übertragen, später wurde die Firma Reymer & Masch damit beauftragt.
Aber die von Gastwirten und lokalen Fabrikanten aufgebrachten Geldmittel reichten gerade so für Projektierungsarbeiten aus, an eine Finanzierung des eigentlichen Bahnbaus war nicht zu denken. Da auch die Oberlausitzer Bank nicht in das Projekt einsteigen wollte, gründete sich am 28. August 1888 die Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahn-Gesellschaft, deren Kapital in Höhe von 1,5 Mio. Mark von der Bank Sörgel, Parrisius & Co. stammte. Die Konzession für den Bahnbau erhielt die Gesellschaft am 28. März 1889.
Bau und Inbetriebnahme mini|links|Blick vom Oybin Zwar wurde mit dem Bahnbau bereits am 26. Juni 1889 begonnen, der „erste Spatenstich“ fand aber erst 1,5 Monate später – am 9. August 1889 – statt. Noch während des Bahnbaus wurden die Streckenführung sowie die Lage einiger Stationen leicht verändert. Da die ZOJE die Strecke nach Reichenau bis Streckenkilometer 1,65 sowie die schon vorhandenen Anlagen in Zittau mitnutzen durfte, waren insgesamt etwa 14 km Gleis zu verlegen. Im Zittauer Stadtgebiet musste zum besseren Hochwasserschutz der Lauf der Mandau reguliert werden, weshalb die Strecke in Zittau nur provisorisch angelegt wurde. Nachdem schon im Herbst 1889 die ersten Fahrzeuge angeliefert wurden, fuhr im Sommer 1890 der erste Bauzug mit einer der neuen Lokomotiven. Im Herbst 1890 verzögerte sich die Fertigstellung durch schlechtes Wetter bis Anfang November 1890.
Die feierliche Streckeneröffnung fand am 24. November 1890 statt, da aber noch während der Einweihung die Strecke durch ein Unwetter beschädigt wurde, wurde vorerst nur der Abschnitt Zittau–Bertsdorf planmäßig befahren. Erst am 15. Dezember 1890 konnte der durchgehende Zugbetrieb aufgenommen werden. Die Betriebsführung übernahmen von Anfang an die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen.
Bis zur Verstaatlichung Der Rollbockbetrieb wurde 1897 aufgenommen, nachdem sich ein Unternehmer vier Rollböcke angeschafft hatte, zwei Jahre später kaufte die ZOJE selbst zwei weitere Rollböcke.
Am 7. August 1904 kam es zu einem schweren Unfall, bei dem neun Personen schwer verletzt wurden, als zwischen Bertsdorf und Oybin zwei Züge zusammenstießen. Der Unfall belastete die Gesellschaft stark, da nach der Reparatur der zwei stark beschädigten Lokomotiven LAUSCHE und TÖPFER der ohnehin schon geringe Überschuss fast völlig aufgebraucht war.
Bereits 1898 hatte die ZOJE wegen des schlechten Betriebsergebnisses einen ersten Versuch unternommen die Schmalspurbahn für 1,6 Mio. Mark an den sächsischen Staat zu verkaufen, denn die Bahn erwirtschaftete nicht genug Gewinn, um eine Dividende auszuzahlen und notwendige Erweiterungen zu finanzieren. Dem Staat war die Bahn allerdings zu teuer. Auch ein zweiter Verkaufsversuch 1901 scheiterte. 1903 unternahm die Gesellschaft einen dritten Versuch, diesmal für 850.000 Mark. Am 1. Juli 1906 wurde die Schmalspurbahn für 770.000 Mark an den Staat verkauft, zuvor hatte die Staatsbahn allerdings schon Erweiterungen finanziert.
Zweigleisiger Ausbau Die Reisendenzahlen verdoppelten sich innerhalb weniger Jahre (1891: 246.777, 1909: 523.000). Dabei wurden die größten Beförderungsleistungen im Ausflugsverkehr an Sonn- und Feiertagen sowie während der Sommerferien erbracht. Am Spitzentag, dem Pfingstmontag 1909, wurden 12.337 Personen befördert. Dabei kamen die Beförderungswünsche innerhalb weniger Stunden, was eine höchst ungleiche Auslastung der Züge bedeutete und zu Missstimmungen zwischen den Reisenden und dem für die Sicherheit verantwortlichen Personal führte.Reiner Preuß: Zweigleisiger Betrieb bei einer Schmalspurbahn. In: Sächsische Heimatblätter. 5/1990, S. 277–80.
Zur Verbesserung wurden vier Varianten untersucht: Erweiterung der Betriebsmittel, Verlängerung der Zittauer Straßenbahn ins Gebirge, Elektrifizierung der Schmalspurbahn oder Umbau auf Normalspur. Die Generaldirektion der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen fand schließlich eine andere Lösung, die folgt begründet wurde:
Der 7,8 km lange zweigleisige Ausbau der Strecke einschließlich der Bahnhöfe Zittau Vorstadt (Erweiterung der Gleise und Neubau Empfangsgebäude) und Oybin (Erweiterung des Empfangsgebäudes) sowie Streckenverlegung in Olbersdorf zur Beseitigung eines Bahnübergangs wurde 1910 von beiden Kammern des Landtages genehmigt.Mitteilungen über die Verhandlungen des (sächsischen) Landtages (1910). Dritter Band. S. 3003 ff.Mitteilungen über die Verhandlungen des ordentlichen Landtages im Königreiche Sachsen während der Jahre 1909–1910. Erste Kammer. S. 782 ff. Die Kosten wurden (ohne den Brückenbau über die Dorfstraße in Olbersdorf) mit 783.000 Mark veranschlagt.
Der zweigleisige Betrieb begann am 15. April 1913. An guten Tagen wurden 5000 bis 7000 Personen befördert. Die Fahrzeit zwischen Zittau Vorstadt und Oybin mit Halt auf allen Unterwegsbahnhöfen von 38 Minuten im Jahr 1936 wurde erst Jahrzehnte später wieder erreicht. Die Strecke Zittau–Oybin war neben der Borkumer Kleinbahn, der Rhein-Haardtbahn und der Bahnstrecke Mannheim–Weinheim der Oberrheinischen Eisenbahn seinerzeit eine der wenigen Schmalspurbahnen in Deutschland mit zweigleisigem Betrieb.
In den Jahren 1943 und 1944 wurde das zweite Streckengleis zwischen Bertsdorf und Kurort Oybin abgebaut. Das infolge des Zweiten Weltkrieges nicht mehr neu beschaffbare Oberbaumaterial wurde auf den Strecken Zittau–Hermsdorf und Friedland–Hermsdorf weiterverwendet, um dort die zulässigen Achslasten anheben zu können. Ab Dezember 1944 waren dort auch die schweren Zittauer Einheitslokomotiven zugelassen.Erich Preuß, Reiner Preuß: Schmalspurbahnen in Sachsen. 2. Auflage. transpress Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-71205-9, S. 180.
Nach dem Beschuss eines Personenzuges durch die Rote Armee am Ende des Zweiten Weltkrieges war der Zugverkehr zwischen dem 7. und 21. Mai 1945 unterbrochen. Das zweite Gleis zwischen Zittau Vorstadt und Bertsdorf wurde im Herbst 1945 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut,Matthias Hengst: Maßstäbliche Gleispläne und Hochbauten Sächsischer Schmalspurbahnen. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1993, , S. 84. die schon begonnene Demontage der gesamten Schmalspurbahn wurde aber abgebrochen.
Zwischenzeitliche Stilllegungspläne Mit der ab 1974 geplanten Erweiterung des Tagebaus Olbersdorf wurde auch die Zukunft der Strecke unsicher, da sie dem Abbau im Wege stehen würde. Im Jahr 1981 wurde beschlossen, den Reiseverkehr ab Herbst/Winter 1990 einzustellen, und perspektivisch durch eine Schnellstraßenbahn zu ersetzen. Der Güterverkehr sollte noch bis 1991 aufrechterhalten werden. Die Bahn wurde deshalb aus der Liste der zu erhaltenden Schmalspurbahnen gestrichen.
Neue Perspektiven mini|Güterverkehr im Bahnhof Zittau Süd (1990) Nach den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen 1989/90 gab es jedoch eine Neuorientierung in der Energiepolitik, so dass die Erweiterung des Olbersdorfer Tagebaus hinfällig wurde. Im Mai 1990 wurde das 100-jährige Jubiläum der Strecke gefeiert. Wegen der geplanten Stilllegung der Strecke war die Streckenunterhaltung auf das notwendige Mindestmaß reduziert werden. Im Herbst 1990 wurde auf längeren Streckenabschnitten der Oberbau vollständig erneuert.
Der unrentable Güterverkehr wurde im März 1993 eingestellt.
Auf Weisung des Bundesverkehrsministeriums sollte sich die Deutsche Bahn (DB) aus dem Betrieb der sächsischen Schmalspurbahnen zurückziehen. Da die Bahn große Bedeutung für den Fremdenverkehr besitzt, entschied sich der Freistaat Sachsen, eine mögliche Privatisierung zu unterstützen. Am 28. Juli 1994 gründeten der Landkreis und die Anliegergemeinden die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG). Diese übernahm am 1. Dezember 1996 Strecke, Gebäude, Fahrbetriebsmittel sowie die Betriebsführung von der Deutschen Bahn.
Streckenbeschreibung Verlauf mini|Vereinfachtes Höhenprofil samt Anschlussstrecke nach Jonsdorf Die Strecke zweigt formal am Streckenkilometer 1,647 von der früheren Strecke Zittau–Hermsdorf ab und unterquert in einem Rechtsbogen den Neißeviadukt () um dann Zittau südlich zu umfahren. Die zunächst bis Zittau Süd fallende Strecke erreicht hier mit 232 m.ü.NN ihre niedrigste Stelle und steigt danach bis Kurort Oybin kontinuierlich an. Nach Zittau Süd wird auch die Mandau überbrückt (), welche in den Anfangsjahren auf einer provisorischen Holzbrücke überquert wurde, da im Einzugsbereich der Schmalspurbahn die Mandau nach mehreren schweren Hochwassern verlegt wurde.
Nach dem Bahnhof Zittau Vorstadt verläuft die Strecke in südlicher Richtung entlang der Staatsstraße 133. Bei Streckenkilometer 6,55 passiert die Strecke die Olbersdorfer Brücke. Während zuvor die Strecke östlich der Ortschaft Olbersdorf verlief, überquert die Strecke die August-Bebel-Straße und führt fortan westlich des bebauten Ortsgebietes bis zum Bahnhof Bertsdorf.
Betriebsstellen
Abzw Neißebrücke Die Abzweigstelle der Strecke nach Reichenau wurde 1890 eingerichtet, hier begann die ZOJE-Strecke. Für den von der ZOJE zu stellenden Wärter wurde ein kleines mit Ziegelsteinen ausgemauertes Fachwerkgebäude errichtet. Bis 1946 war der Abzweig besetzt, danach wurden bis 1960/61 nur noch zwei Gleisanschlüsse über das nicht mehr genutzte Streckengleis Richtung Reichenau bedient.
Zittau Süd mini|Bahnhof Zittau Süd (2012) Der Bahnhof Zittau Süd (bis 1950: Zittau Schießhaus) wurde erst 1897 gebaut. Zunächst noch außerhalb des bebauten Stadtgebietes gelegen, wuchs die Bebauung in den folgenden Jahrzehnten um den Bahnhof herum. Neben Wohngebäuden entstanden auch zahlreiche Fabriken, von denen nach 1945 zahlreiche ein eigenes Anschlussgleis erhielten. In den 1960er und 1970er Jahren wurden die Anschlussgleise wieder entfernt. Heute ist der Bahnhof unbesetzt.
Zittau Casernenstraße Die auch Haltestelle Zittau Kasernenstraße genannte Betriebsstelle war nur provisorisch angelegt worden. Nach der Mandauregulierung war die Station überflüssig und wurde 1897 zugunsten von Zittau Schießhaus aufgelassen.
Zittau Vorstadt Zunächst nur eine eher kleine Station, entwickelte sich der Bahnhof Zittau Vorstadt noch in den ersten Jahrzehnten zu einem wichtigen Zwischenbahnhof, da der Großteil des Ausflugsverkehrs hier begann und endete.