mini|Mehdi Zana (1995) Mehdi Zana (* 20. Dezember 1940Mehdi Zana'nın vefat haberi Kürtleri üzdü in Silvan, Provinz Diyarbakır; † 29. August 2026 in Diyarbakır) war ein kurdischer Politiker, Bürgermeister von Diyarbakır in der Türkei und Ehemann von Leyla Zana.

Leben 1963 wurde er Mitglied der Arbeiterpartei der Türkei (TİP) und der Devrimci Doğu Kültür Ocakları. Von diesem Zeitpunkt an wurde sein weiteres Leben bestimmt von langen Haftzeiten. Wieder und wieder wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Insgesamt verbrachte Mehdi Zana 16 Jahre hinter Gittern: 1967, 1971 bis 1974, 1980 bis 1991 und nochmals eineinhalb Jahre in der Zeit 1994 bis 1995. Es wurden ihm sogenannte „Meinungsverbrechen“ zur Last gelegt, weil er zum Beispiel Kurdisch gesprochen hatte, oder er hatte angeblich „nationale Gefühle“ verletzt oder aber die Abtrennung der kurdisch besiedelten Regionen vom türkischen Staatsgebiet angestrebt (so genannte „Separatismus-Propaganda“). 1975 heiratete der damals 34-jährige Mehdi Zana eine entfernte Verwandte, die zwanzig Jahre jüngere Leyla (* 3. Mai 1961). 1975 wurde das erste Kind des Paares – Sohn Ronay – geboren.

1977 wurde Mehdi Zana mit Unterstützung der Sozialistischen Partei Kurdistans (Özgürlük Yolu) (deren Mitbegründer er war) von 54 Prozent der Wahlberechtigten zum Bürgermeister von Diyarbakır, der „Hauptstadt“ des kurdisch besiedelten Ostens der Türkei, gewählt.Gerd Schumann: Der Unbeugsame, Junge Welt, 9. Oktober 2010 In der Folge versuchte er die Lage der verarmten und diskriminierten Bevölkerung zu verbessern. Trotz leerer Kassen und Sperrung der Gelder für die Stadt vonseiten der türkischen Regierung baute er in den ärmsten Vierteln der Stadt eine Basisversorgung (z. B. Kanalisation, Elektrizität und Müllbeseitigung) auf.

Der Militärputsch vom 12. September 1980 stoppte alle diese Bemühungen und Pläne. Der Verhängung des Kriegsrechts, Auflösung des Parlaments, Verbot aller Parteien, Gewerkschaften und Vereine durch den nun ausschließlich aus Militärs bestehenden sogenannten Nationalen Sicherheitsrat (MGK – Milli Güvenlik Kurulu), folgte die landesweite Hetzjagd auf Mitglieder des türkischen Parlaments, Minister, Führer von politischen Parteien und Gruppierungen, Gewerkschafter, Akademiker und Journalisten – kurz, auf alle „Elemente“, die nach Auffassung der nun herrschenden Militärjunta nicht in ihr Bild der idealen kemalistischen Republik passten.»Wir schaffen eine völlig neue Türkei« Ex-General und Parteichef Turgut Sunalp und sein Berater Kamran Inan über Folter, Militärdiktatur und Demokratie, Der Spiegel 31. Oktober 1983»In einer Minute hundert Jahre zurück« Das türkische Militär läßt wählen - bleibt aber weiter an der Macht., Der Spiegel 31. Oktober 1983

Nach dem Putsch wurden in der gesamten Türkei die Militärgefängnisse wieder in Betrieb genommen.Zeitschrift für linke Theorie: Kurze Geschichte des Widerstandes in den Gefängnissen seit 1980 650.000 Menschen wurden aus politischen Gründen verhaftet. Auch Mehdi Zana wurde seines Amtes enthoben, am 24. September 1980 in Istanbul verhaftet, wegen „Separatismus-Propaganda“ angeklagt und eingekerkert – für die nächsten 11 Jahre seines Lebens. Zunächst in der Militärakademie Istanbul: „Die Zelle war 1,80 Meter lang, 1,80 hoch und 70 Zentimeter breit. Ich war wie lebendig im Sarg begraben.“Wie lebendig im Sarg begraben, taz, 27. September 2010, auf kurdistan.org vom 26. Juni 1998 Es folgten grausamste Folterungen durch sadistische Gefängniswärter: Tagelange Dunkelhaft, Schläge, Fußtritte bis zur Bewusstlosigkeit, stundenlange Verhöre mit verbundenen Augen, Elektroschocks an den Genitalien, Scheinerschießungen. Nach über einem Monat wurde Zana zunächst ins Militärgefängnis Nr. 1 in Diyarbakır verlegt. Nach dem Putsch war das Gefängnis dem Militär unterstellt worden.

Schließlich erfolgte die Überführung in ein anderes Gefängnis in Diyarbakır, ein Gefängnis, das Zana in seinen Erinnerungen als „Hölle Nummer 5“ bezeichnete, wo die „Brutalität und der Sadismus der Wärter die menschliche Vorstellungskraft überstiegen“ (Mehdi Zana). 34 Menschen starben zwischen 1981 und 1984 in diesem Gefängnis, Dutzenden wurden irreparable Verletzungen zugefügt, nahezu jede Art von Folter wurde hier vom sadistischen Wachpersonal an den Gefangenen angewandt. Zwanzig (der 34) Menschen wurden in diesem Gefängnis zu Tode gefoltert, 5 starben während der zahlreichen Hungerstreiks, mit denen die Gefangenen versuchten, sich zur Wehr zu setzen, 9 Menschen setzten ihrem Leben selbst ein Ende um den Folterqualen zu entkommen. Mehdi Zana wurde in noch zwei weitere Gefängnisse verlegt, beteiligte sich an insgesamt drei Hungerstreiks der Gefangenen. Im Mai 1991 wurde er schließlich vorzeitig entlassen.

Zana lebte lange im schwedischen Exil und konnte 2004 in die Türkei zurückkehren.

Namensänderung Mehdi Zana wurde als Mehdi Bilici geboren. Doch in seiner aktiven Zeit bei TİP schrieb er mehrere Schriften als Reaktion gegen Nihal Atsız. Diese unterschrieb er mit Zana, der kurdischen Übersetzung seines Nachnamens. Als er wegen dieser Schriften vor Gericht kam, sagte er dem Richter, dass dies sein Nachname sei. Per Gerichtsentscheid wurde dann Zana als sein Nachname festgelegt.

Bücher Mehdi Zana: Hölle Nr. 5. Tagebuch aus einem türkischen Gefängnis. ISBN 3-89533-209-7

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