Zigeunerbraten sind in der Kochkunst bestimmte gewürzte Schweine- oder Rinderbraten. Es handelt sich, wie bei Gerichten mit vergleichbaren Namen, nicht um ein Gericht speziell mit Bezug auf Sinti und Roma.
Allgemeines Der Name wurde der Soldatensprache entnommen und bezeichnete das Fleischrösten im Freien, so auch der Begriff Zigeunerfleisch. „Nach Zigeunerart“ hergestellte Speisen meint in der Regel mit Paprika, Tomaten, Speck und Zwiebeln zubereitet und teils scharf mit Paprikapulver gewürzt. Zigeunerbraten können auch aus gepökeltem Fleisch gemacht werden.
Tradition in der Schweiz Jedes Jahr an Pfingsten bräteln die Grabser auf der Alp Gamperney ein traditionelles Gericht „Zigeuner“, das sind dünn geschnittene marinierte Plätzli auf Spiessen, die am offenen Feuer gebraten werden. Mit einer Zwiebelschwitze übergossen werden sie direkt vom Spiess gegessen. Am alljährlichen Churer Fest werden „Rindszigeuner“, „Zigeunerspiesse“ und „Zigeuner“ (Rindfleisch mit Brot) verkauft.
Tradition in Österreich Ein Zigeunerrostbraten ist in Österreich ein gedünsteter Rostbraten mit Paprikaschoten, Zwiebeln, Speck, Schinken und Pfefferoni.
Namensherkunft und Geschichte Die meisten der mit dem Bestimmungswort „Zigeuner-“ benannten Gerichte entstammen der österreichischen Küche und haben ihre Wurzeln in der ungarischen Küche. In Ungarn heißt der Zigeunerbraten „Cigánypecsenye“ und in der Slowakei „Cigánska“.
Zigeunerbraten waren mindestens schon im 19. Jahrhundert bekannt und wurden beispielsweise in den Feldküchen der K.u.K. Armee, der Italienischen Armee bzw. Schweizer Armee oder bei Volksfesten zubereitet. Am ehemaligen Feiertag am Zehntausend-Rittertag in Chur wurden die Schützen durch eine Feldküche verpflegt, der namentlich die Zubereitung des Zigünerbratens als Aufgabe zufiel. Das Fleisch wurde so geschnitten, dass es zusammenhängend auf einen Spieß gesteckt und am Feuer gebraten werden konnte, der Zigeunerbraten wurde mit Fett begossen und am Spieß serviert.
Victor Aimé Huber erzählte in seinem Reisebericht über „Slavonische Zustände“ 1847, wie Zigeunerbraten am Spieß geröstet wurde:
Diskussion um die Bezeichnung In der Kochkunst, der Küchensprache und in Kochrezepten ist beim negativ konnotierten Bestimmungswort „Zigeuner-“ nicht die Ethnie, sondern die intensive Verwendung von Paprika als Zutat ausschlaggebend.Hannah Dingeldein/Eva Gredel (Hrsg.), Diskurse des Alimentären: Essen und Trinken aus kultur-, literatur- und sprachwissenschaftlicher Perspektive, 2017, S. 118–119 Mit „à la zingara“ wird in der internationalen Küche eine Garniturform, eine Zubereitung und die Verwendung geschmacklich dominierender Zutaten (Paprika, Zwiebeln) bezeichnet. Hierzu gehören Zigeunerbraten, Zigeunersauce oder Zigeunerschnitzel.
Einzelnachweise
Kategorie:Fleischgericht (Schwein) Kategorie:Fleischgericht (Rind) Kategorie:Österreichische Küche Kategorie:Schweizer Küche Kategorie:Deutsche Küche Kategorie:Verpflegung (Militär)