mini|Ein Solotaucher mit einem Doppelflaschenpaket und einer Notfallflasche an der linken Seite Solotauchen ist das Tauchen ohne einen Buddy, besonders beim Gerätetauchen, aber auch beim Apnoetauchen.

Manche Taucher ziehen das Solotauchen dem Tauchen im Buddysystem vor und betrachten sich damit als eigenverantwortlich für ihre Sicherheit.

Freizeit-Solotaucher sollten über besondere Fähigkeiten und Ausrüstung verfügen, um auszugleichen, dass ihnen kein anderer Taucher im Notfall Hilfe leisten könnte. Die nötigen Fähigkeiten und Verfahren können unter anderem in speziellen Tauchausbildungen erlernt werden, die eine Prüfung beinhalten und zu einer Zertifizierung führen. Während die meisten Tauchorganisationen früher vom Freizeit-Solotauchen abrieten, wird es seit den späten 1990er Jahren teilweise akzeptiert und für erfahrene Taucher eine entsprechende Ausbildung zu taucherischer Selbstständigkeit und redundanter Ausrüstung angeboten.

Definition Solotauchen wird definiert als Tauchen, das komplett oder teilweise ohne einen Buddy geplant und durchgeführt wird. Dies gilt auch:

wenn ursprüngliche Buddys nach einer (geplanten, zumindest aber in Betracht gezogenen) Trennung unabhängig voneinander weiter tauchen, wenn andere Taucher zwar in der Nähe, aber nicht für die Sicherheit des Solotauchers mitverantwortlich sind, oder wenn Mittaucher objektiv nicht in der Lage sind, auf einen eventuellen Notfall angemessen zu reagieren.

Das ungeplante Tauchen ohne Buddy, weil man beispielsweise den Kontakt zu diesem während eines Tauchgangs verloren hat, ist der Definition nach kein Solotauchen, denn es fehlt dabei in der Regel an der entsprechenden Vorbereitung und Ausrüstung. Man taucht in diesem Fall alleine und hat nach den Richtlinien der Tauchsportverbände den Tauchgang auf dem kürzesten möglichen Weg zu beenden.

Der Begriff Solotauchen wird fälschlicherweise auch angewendet, wenn Buddys nicht aufmerksam genug oder in ausreichender Nähe sind, um effektiv als Buddy zu fungieren. Dies wird auch als „Same-Ocean-Buddy-Tauchen“ bezeichnet.

Üblicherweise nicht als Solotauchgänge bezeichnet werden Tauchgänge, bei denen der Taucher zwar alleine im Wasser ist, aber über eine Leinen- und/oder Sprechverbindung mit einem Unterstützungsteam an der Oberfläche verbunden ist, wo auch ein Sicherungstaucher zur Verfügung steht. Dies ist regelmäßig der Fall beim oberflächenversorgten Tauchen, Berufstauchen, Rettungstauchen und Tauchen mit einem Panzertauchanzug.

Geschichte Ursprünglich waren die meisten Tauchgänge Solotauchgänge, während das Buddytauchen in erster Linie für Freizeittaucher in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.

mini|hochkant=1|Arbeitstaucher sind bis heute in der Regel alleine im Wasser.

Freitaucher, die z. B. nach Schwämmen oder Perlmuscheln suchten, tauchten traditionell alleine oder mit einem Assistenten an der Oberfläche zur Unterstützung beim Einbringen eines Fanges bzw. einer Ernte. Viele frühe Taucherglocken waren nur groß genug für einen einzelnen Benutzer. Als das oberflächenversorgte Tauchen entwickelt wurde, war es üblich, dass nur ein Taucher im Wasser war, sofern die Arbeit nicht mehr Taucher erforderte. Dies ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, wobei mittlerweile ein Sicherungstaucher den eigentlich arbeitenden Taucher absichert, der in ständigem Kontakt mit dem Oberflächenteam steht.

Das Sporttauchen hat seine Wurzeln in einer Vielzahl kleiner Schnorchel- und Speerfischer-Vereine aus den Jahrzehnten um den Zweiten Weltkrieg. In den 1940er Jahren – nach der Erfindung des Atemreglers durch Cousteau und Gagnan – wurden die ersten Unterwasser-Atemgeräte für Sportzwecke in den Einzelhandel gebracht. Als sich die Sportart in den 1950er Jahren ausdehnte, begannen mehrere Sportorganisationen – insbesondere die Young Men’s Christian Association (YMCA) – Tauchkurse für begeisterte Schwimmer anzubieten, womit auch die Festlegung von damals als geeignet erachteten Regeln für das Sporttauchen einsetzte. Das Buddysystem wurde analog zur „Schwimme nie alleine“-Regel der YMCA-Schwimm- und Rettungsschwimmkurse für nützlich gehalten. Unabhängig davon führte Cousteau ein Buddysystem, nachdem sich in der frühen Zeit des Forschungstauchens mehrere schwere Tauchunfälle ereignet hatten. Die nützlichen Aspekte des Buddytauchens hatten sich bereits entwickelt, darunter die gegenseitige Überprüfung der Ausrüstung vor Tauchgängen, die verbesserte Hilfeleistung bei möglichem Hängenbleiben in Leinen und Netzen oder bei Versagen von Ausrüstungsteilen, sowie die Verstärkung des Gemeinschaftserlebnisses. Die YMCA hatte erheblichen Einfluss auf die Brevetierung von Tauchern in den ersten 50 Jahren dieser Sportart. Als verschiedene Tauchkurse von aufkommenden Zertifizierungsorganisationen wie der National Association of Underwater Instructors (NAUI), der Professional Association of Diving Instructors (PADI) und dem British Sub-Aqua Club (BSAC) aufgenommen wurden, inspirierte das Prinzip des Buddytauchens zu einem der beiden Mantras des Freizeittauchens: „Halte nie den Atem an!“ und „Tauche nie allein!“

Anfang bis Mitte der 1990er Jahre wurden Solotaucher öffentlich sichtbarer und offener über ihre alternative Philosophie zum sicheren Tauchen, obwohl die Freizeittauchbranche am Buddysystem festhielt. Erst 1999 führte Scuba Diving International (SDI) einen speziellen Kurs zum Solotauchen ein. Mehrere andere Organisationen folgten diesem Beispiel und führten Kurse mit dem Titel „Self-reliant Diver“ (Selbstständiger Taucher) und Variationen dieses Begriffes ein. Letzteres mit dem Gedanken, die Fähigkeiten des Tauchers zu verbessern, ohne notwendigerweise allein zu tauchen. Auf dem „Rebreather Forum 3“ im Jahr 2012 war eine nennenswerte Minderheit der Teilnehmer der Ansicht, dass es unter bestimmten Umständen akzeptabel sei, mit einem Rebreather solo zu tauchen.

Bis heute haben viele Taucher große Vorbehalte gegenüber dem Solotauchen, sodass teilweise nicht offen über das Thema gesprochen wird, obwohl viele Taucher zumindest gelegentlich solo tauchen. Besonders Tauchlehrer sprechen oft nur mit vorgehaltener Hand über das Thema, da sie Repressionen ihrer Zertifizierungsorganisationen befürchten.

Gründe für das Solotauchen

Schwächen des Buddysystems

Grundsätzlich sollen beim Tauchen Unfälle und Gefahrensituationen nach Möglichkeit vermieden, zumindest aber schadfrei überlebt werden. Beim Tauchen in einer Gruppe von zwei oder drei Personen wird dies erreicht, indem die Taucher kooperieren und sich im Bedarfsfall gegenseitig retten oder eine Rettung unterstützen. Tauchbuddys sind in einer Notsituation häufig zwingend auf die gegenseitige Hilfe angewiesen.

Das Buddysystem funktioniert nur, solange alle Taucher im Team in der Lage sind, den anderen Tauchern nötigenfalls Hilfe zu leisten. Dies ist aber in vielen denkbaren Situationen nicht der Fall:

mini|Eine Tauchlehrerin (Mitte) mit zwei Schülern. Tauchlehrer sind faktisch nicht Teil eines funktionierenden Buddyteams, da sie mit Schülern tauchen, die unter Umständen noch nicht in Rettungstechniken ausgebildet sind. Auch eine Gruppe aus Tauchschülern ist kein wirksames Buddyteam. Auch sehr unerfahrene Taucher oder Taucher, die sehr selten tauchen, können unter Umständen nicht erfolgreich Hilfe leisten, da sie sich noch stark auf sich selbst konzentrieren müssen und Notfalltechniken nicht, bzw. nicht mehr beherrschen. Werden sie in einer Notsituation gefordert, ist die Gefahr groß, dass sie selbst in Gefahr geraten und in der Folge verunfallen. Unselbstständige Taucher können von ihrem Buddy in vielerlei Hinsicht abhängig sein, z. B. hinsichtlich der Navigation, der Tiefenkontrolle, eines Sicherheitsstopps oder sogar der Bedienung der Ausrüstung. Auch wenn ihr Tauchpartner nicht direkt in eine Notsituation gerät, sondern sie nur von diesem getrennt werden, kann hieraus eine Gefahrensituation entstehen, wenn der unselbstständige Taucher nicht mehr die notwendige Unterstützung erhält. Dieses Phänomen resultiert aus dem Buddysystem, da sich manche Taucher zu sehr darauf verlassen, dass immer ein Buddy anwesend ist. Wenn Taucher z. B. auf Reisen in zufällige Buddyteams zusammengestellt werden, kennen sich die Teammitglieder oft nicht oder nur flüchtig und können teilweise nur schlecht vorab kommunizieren, auch aufgrund von sprachlichen Unterschieden. Hieraus kann folgen, dass sowohl die Interessen des anderen, als auch eventuelle Eigenheiten oder Besonderheiten dem Tauchpartner nicht bekannt sind. Das wiederum kann zu verschiedenen Vorstellungen über den Ablauf des Tauchgangs führen, aber auch zu Problemen bei der Hilfeleistung in Notsituationen. (Beispielsweise wenn Vorerkrankungen nicht bekannt sind.) Eine ähnliche Problematik ergibt sich bei auch nur unterschiedlicher Interessenlage für den Tauchgang. Wenn die Taucher unterschiedliche Ziele verfolgen, ist die Gefahr groß, dass sie sich weit voneinander entfernen, bzw. nicht aufeinander achten und sich möglicherweise sogar voneinander trennen. mini|Ein Unterwasserfotograf konzentriert sich auf die Komposition seines nächsten Fotos. Unterwasserfotografen und -videografen sind oft nicht in echten Buddyteams eingebunden, da sie sich stark auf die Aufnahme der gewünschten Bilder zu konzentrieren und weniger auf den Tauchpartner. Sie sind dann oft nur „Same-ocean-Buddys“, was bedeutet, dass sie von ihren Buddys weit entfernt sind, oder so auf ihre Kamera fokussiert sind, dass sie eine Notsituation nicht rechtzeitig bemerken würden. Dies bringt viele erfahrene Unterwasserfotografen dazu, solo zu tauchen, da sie einem Buddy nicht rechtzeitig Hilfe leisten könnten, solche Hilfe aber auch nicht von einem Buddy erwarten. Selbes gilt oft für Unterwasserjäger, die sich auf ihre Beutetiere zu konzentrieren.

In diesen Situationen müssen sich die Taucher, bzw. deren Buddys darüber im Klaren sein, dass sie zwar formal im Buddysystem tauchen, dieses aber im Ernstfall sehr wahrscheinlich scheitern würde. Sie sind daher eher als Solotaucher zu sehen und sollten sich entsprechend vorbereiten.

Auch wenn die Tauchpartner sich fachgerecht gegenseitig absichern, kann das Buddysystem an sich zu zusätzlichen Gefahren führen. Eine Möglichkeit hierfür ist eine Art Gruppenzwang. Wenn ein Taucher sich unwohl fühlt oder tatsächliche Probleme hat, ist es möglich, dass er den Tauchgang dennoch aus falscher Rücksicht auf die Interessen des anderen Tauchers nicht abbricht und somit ein negatives Taucherlebnis hat. Dies kann auch beidseitig auftreten, wenn eigentlich beide Taucher z. B. aufgrund der Bedingungen den Tauchgang lieber nicht durchführen würden, es aber trotzdem tun.

Grundsätzlich ergibt sich beim Buddytauchen das Problem, dass der Tauchgang unterbrochen oder abgebrochen werden muss, wenn sich die Tauchpartner aus den Augen verlieren. Dies kann aus mangelnder Aufmerksamkeit oder Ablenkung passieren und wird durch schlechte Sichtverhältnisse begünstigt. Es kommt vor, dass Taucher im Wasser verwechselt werden und ein Taucher sich irrtümlich einer anderen Gruppe anschließt, die nicht bewusst auf ihn achtet. In Einzelfällen wollen Taucher Restriktionen des Solotauchens umgehen und tauchen mit einem Buddy ab, den sie dann aber alleine lassen. Der verbliebene Taucher muss den Tauchgang dann den Richtlinien für das Buddysystem entsprechend nach kurzer Suche abbrechen und zur Oberfläche zurückkehren.

Die Schwächen des Buddysystems ergeben sich also nicht aus dem System an sich, sondern aus dessen oft mangelhafter Ausübung. Solotaucher geben oft an, sich daher nicht auf andere Taucher verlassen zu wollen und sich selbst bestmöglich vorzubereiten.

Weitere Gründe