Hopfen und Malz (französischer Originaltitel: Les Maîtres de l'orge, dt. Meister der Gerste) ist eine frankobelgische Comicserie von Jean Van Hamme und Francis Vallès. In sieben Ausgaben wurde diese erstmals von 1992 bis 1999 beim Verlag Glénat veröffentlicht. Eine deutschsprachige Veröffentlichung dieser Alben erschien von 1994 bis 2000 bei comicplus+. 2001 folgte der Sonderband Die Steenforts (Les Steenfort) zum Abschluss der Saga. 2016 bis 2017 veröffentlichte comicplus+ eine gebundene, dreiteilige deutschsprachige Gesamtausgabe, in einer einmaligen Auflage von je 1.000 Exemplaren.
Entstehung und Hintergründe In Belgien, einem Land mit reicher Bierkultur, suchte der Fernsehsender TF1 1980 einen Autor, der sich des Themas annimmt. Den Zuschlag erhielt der Autor Jean Van Hamme für seinen Entwurf, das Leben einer belgischen Brauerdynastie von 1854 bis in die Gegenwart darzustellen.Hopfen und Malz, Gesamtausgabe Band 1, Seite 5, comicplus+ 2016 Der Sender zögerte mit einer Umsetzung. Eine Verwertung des Materials war Van Hamme nicht möglich, da er, zu seinem Bedauern, die Rechte, auch an einer Buchveröffentlichung, auf unbestimmte Zeit, abtrat.
1990 setzte sich Van Hamme über diese Abmachungen hinweg und begann, basierend auf seinem Stoff, mit dem Ausarbeiten eines Comicskiptes. Damit wandte er sich an den Verlag Glénat, seinerzeit bekannt für Comics mit historischen Themen, der ihm den Zeichner Francis Vallès empfahl. Von diesem veröffentlichte Glénat bereits die unlängst abgeschlossene Serie Dorian Dombre.
Die Zusammenarbeit der beiden begann 1991, beinhaltete zu Recherchezwecken auch den Besuch belgischer Brauereien. Aufgrund der geplanten Schaffung von zunächst sieben Alben, bediente sich Jean Van Hamme der Erzählform des Zyklus. Jedes Album spielte in einer anderen Zeit, mit alternden Protagonisten oder deren Nachkommen, in einer sich verändernden Welt unter verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Als Koloristin stieß Marie-Paule Alluard hinzu. Ab 1992 begann die Veröffentlichung des Comics, vor dem Album dabei als Vorabdruck in der französischen Comiczeitschrift Vécu. Durch Eckart Sackmann entstand eine Übersetzung ins Deutsche, die ab 1994 erschien. Für den französischen Markt veröffentlichte Glénat 2014 eine Neuauflage der Alben mit neu gezeichneten Titelbildern.Hopfen und Malz, Gesamtausgabe Band 3, Seite 166, comicplus+ 2017
Handlung Jedes Album bezieht sich vor allem auf die titelgebende Figur. Zu Beginn der Handlung werden jeweils politische und gesellschaftliche Ereignisse und wichtige Gegebenheiten der Zeit, sowie aktuelle Entwicklungen im Brauwesen geschildert, beispielsweise die Erfindung der Kältemaschine, die Entwicklung des Lagerbieres oder die Erforschung der Bierhefe.
Charles, 1854 Charles Steenfort lebt als grüblerischer Einzelgänger als Novize in einem Kloster in den Ardennen. Neben der täglichen Arbeit und dem Beten wird der von seinem Großcousin Joseph in der klostereigenen Brauerei der Braukunst unterwiesen. Dem Abt entgeht nicht, das Charles zwar Interesse für das Brauen zeigt, aber seine klösterlichen Pflichten, wie auch das Erlernen der lateinischen Sprache, vernachlässigt. Joseph verweist darauf stets auf das junge Alter von Charles. Jenseits der Klostermauern, etwa bei einem Badeausflug oder Holzarbeit im Wald, begegnet Charles mehrmals der schönen Adrienne. Diese macht sich einen Spaß daraus, den schüchternen und unbeholfenen Novizen zu necken, macht jedoch kein Geheimnis aus ihrer Sympathie. Beide kommen sich näher und immer häufiger schleicht sich Charles nun aus dem Kloster um heimlich Adrienne zu treffen. Charles erklärt zwar, er sei nur ins Kloster, um Armut und Hunger zu entfliehen, dennoch sträubt er sich noch gegen Adriennes Vorschlag, gemeinsam fortzugehen. Eines Tages werden beide beim Liebesspiel vom Abt ertappt.
Nach seinem Rauswurf aus dem Kloster, kehrt Charles in sein Heimatdorf Dorp zurück. Dort trifft er auf seinen niederländischen Jugendfreund Franz Texel. Dieser erbte nach dem Tod seines Vaters eine stattliche Summe und dessen großes Anwesen, zu dessen Verkauf ihn der örtliche Brauereibesitzer De Ruiter überreden will. Als Magnat gilt De Ruiter als Herr des Dorfes, der größte Teil der Einwohner arbeitet für ihn, die von ihm jedoch ausgebeutet werden und unter kümmerlichen Verhältnissen leben. Charles überredet Franz, selbst Bier zu brauen. Im Kloster habe er die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten erlangt, Franz besäße das nötige Startkapital. Sie erwerben die Liegenschaft des erfolglosen, verstorbenen Kleinbrauers De Lembeek. Charles sieht sich als Idealist, er kennt die Verhältnisse, unter denen die Angestellten von De Ruiters Brauerei arbeiten und leben müssen. De Ruiter sind diese Pläne nicht entgangen. Er beauftragt Louise, Charles' älteren Bruder, der bereits gereizt auf dessen Rückkehr reagierte, diesem diese Pläne auszureden.
Louise scheitert damit, Charles das Brauen auszureden. Er kann sich aber auch nicht seinem Herrn widersetzen, da er mehrere Kinder zu versorgen habe. Dies gipfelt in einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Brüdern. Die ersten Versuche von Charles und Franz, ein gutes Bier zu brauen, scheitern. Auch da ihnen, unter dem Druck von De Ruiter, nur verdorbener Hopfen und schlechtes Malz verkauft wurde. Beide kaufen ihre Zutaten fortan auswärts, was die finanziellen Reserven von Franz auffrisst. Das Bier bessert sich, wird aber nicht überragend. Um dies zu ändern, schleicht sich Charles in sein früheres Kloster, um dort Hefe zu stehlen, wobei Joseph den Dieb zu erkennen glaubt. Er holt seine Geliebte Adrienne zu sich, die immer noch als billige Arbeitskraft unter ihrem Onkel schuften musste. Franz verliert zunehmend die Geduld aufgrund der finanziellen Not und Charles' Perfektionismus, bis dieser ihm die Teilnahme an der Brabanter Messe vorschlägt, wo bei einem Wettbewerb das beste Bier mit 800 Francs in Gold prämiert wird. De Ruiter, der sich selbst nicht die Finger schmutzig machen möchte, übt weiter Druck auf Louise aus. Er versagt diesem finanzielle Hilfe bei dessen an Pneunemie erkrankter Tochter, bis diese „innerfamiläre“ Angelegenheit geklärt sei. Ein nächtlicher Versuch von Schergen, die Brauanlagen zu zerstören, scheitert jedoch. Louise' Tochter Denise stirbt, wofür der Charles die Schuld gibt.
Tatsächlich gibt es auf der Brabanter Messe dieses Mal zwei Gewinner. Den Dauersieger „Speciale Dorp“ aus der Brauerei Alfred De Ruiters sowie das Bier der Brauerei Texel und Steenfort. De Ruiter scheint dies anzuerkennen. Er sucht Charles auf, um diesem ein Angebot zu unterbreiten. Selbst ohne männlichen Nachkommen und angesichts seines Alters, bietet er Charles die Leitung seiner Brauerei an, und ihm zudem alles über Produktion und Verkauf zu lehren. Franz solle er einfach die 400 Francs überlassen. Charles ist bewusst, dass dies eine Falle sein könne, von daher bietet ihm De Ruiter die Hand seiner Tochter an, um diesen Pakt zu besiegeln. Bei der folgenden Vermählung stürzt die aufgelöste Adrienne in die Kirche. Er dürfe sie und ihre Liebe nicht für eine Brauerei verkaufen, sie trage sein Kind im Bauch. Ungerührt wird die verzweifelte und fluchende Adrienne der Kirche verwiesen und Charles heiratet Elise De Ruiter.
Margrit, 1886 Unter der Führung von Charles ist die Steenfort-Brauerei zu beachtlicher Größe angewachsen, mit einem Jahresausstoß von 30.000 hl. Dennoch scheint der gealterte Charles seine jugendlichen Ideale vergessen zu haben. Er wandelte sich zu einem schlimmeren Ausbeuter, als sein Vorgänger und Schwiegervater De Ruiter. Er unterdrückt jegliche Arbeiterbewegung und missbraucht und nötigt junge weibliche Arbeiterinnen sexuell. Da seine Ehe mit Elise De Ruiter kinderlos blieb, adoptierte er Noël, den Sohn seines Bruders, der von ihm aber geringgeschätzt wird. Dieser kehrt aus München zurück, wo er neueste Techniken der Braukunst erlernen sollte. Noël berichtet Charles von der neuen Kältemaschine, sowie neuen untergärigen Biersorten, wie dem Münchner Hell oder Pilsner Bier. All dies weckt Charles' Interesse, da diese Technik und Biersorten in Belgien bislang unbekannt waren und er darin Potential zur Vergrößerung sieht. Allerdings ist er nach wie vor nur Leiter der Brauerei, während seine Frau Elise die Besitzerin dieser ist, die sich allerdings gegen dieses „deutsche Bier“ sträubt. Die Ehe ist längst zerrüttet, zusätzlich wird diese belastet, als ihnen Noël seine Frau präsentiert, die junge Deutsche Margrit, die er überstürzt eine Woche zuvor in München heiratete. Die aufkeimende Arbeiterbewegung und Streiks verärgern Charles, während Noël durchaus Verständnis für die Nöte der Arbeiter zeigt. Charles hat Probleme, die geplante Vergrößerung und Umstellung der Brauerei gegen den Willen seiner Frau durchzusetzen. Zudem bedrängt er die attraktive Margrit. Als ein Arbeiteraufstand vom Militär blutig niedergeschlagen wird und es daraufhin zu Streiks kommt, scheinen seine Pläne gescheitert. Aus Trotz schließt er die Brauerei, zerstört die Brauanlagen und scheidet aus dem Betrieb aus. Ohne nennenswerte Mittel begibt er sich in die alte Brauerei seiner Jugend auf dem verlassenen, inzwischen verfallenen Texelanwesen und schwelgt dort in Erinnerungen an Adrienne und Franz. Margrit sucht ihn auf und es kommt zu einer Affäre zwischen beiden. Aufgrund seines Leumunds und unter dem Rat von Margrit schafft er es, dort eine neue Brauerei zu errichten. Da er die Arbeiter besser bezahlt und die Arbeitszeiten senkt, floriert diese rasch. Auch die neuen Biersorten werden in Belgien gut angenommen. Eines Tages wird Margrit von einem jungen Mann aufgesucht, der sich als Pieter Texel zu erkennen gibt. Er sei der Sohn von Franz und Adrienne, die in Holland heiraten und völlig verarmt starben. Franz habe ihn als Sohn anerkannt, tatsächlich sei er aber der Sohn von Charles, der die schwangere Adrienne verließ. Als Texel erhebe er nun aber Anspruch auf die Brauerei, die Besitzurkunde des Grundstückes weist er ihr vor. Margrit erkennt das Dilemma. Nachts verführt sie Pieter und nutzt die Gelegenheit, dem Schlafenden die Besitzurkunde zu stehlen und zu verbrennen. Pieter sieht keinen anderen Ausweg, als nun die ihm gebotene stattliche Summe und den Vorschlag, nach Amerika auszuwandern, anzunehmen. Noch im Hafen schwört er, eines Tages zurückzukommen, um die Brauerei und das Haus Steenfort zu vernichten. Als Charles zurückkehrt, erzählt Margrit ihm nichts von Pieter und der Geschichte. Sie verbringt eine letzte Nacht mit Noël, ehe sie diesen endgültig für Charles verlässt, dem sie bald den Sohn Adrien gebärt.
Adrien, 1917 Seit drei Jahren tobt der Erste Weltkrieg und Belgien steht unter deutscher Besatzung. Die Brauereien leiden unter Rohstoffmangel, weshalbt der Ausstoß stark gedrosselt werden musste oder das Brauen nur mit alternativen Rohstoffen, wie Hafer, möglich ist. Charles ist längst verstorben, weshalb Margrit nun die Brauerei leitet. Als gebürtige Deutsche nutzt sie ihren Charme und Einfluss bei den deutschen Besatzern, um den Fortbestand der Brauerei zu retten. So verhindert sie etwa, dass Sudkessel und Läuterbottiche des Kupfers wegen abtransportiert und eingeschmolzen werden. Adrien steht indes als Sanitätsoffizier für die belgische Armee an der Front. Als Halbdeutscher zögerte er stets, sich einer Gefechtseinheit anzuschließen, was von Vorgesetzten kritisch beäugt wird. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse soll er in feindlicher Uniform spionieren, was er aus moralischen Gründen ablehnt. Von seinen Vorgesetzten wird er daraufhin degradiert und auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Auch privat ist bei Margrit nun Schmalhans Küchenmeister. Der zuständige Intendant, der ihr wohlgesonnene Baron von Landau, wird, aufgrund seiner zu bevölkerungsfreundlichen Art, abgezogen und durch den grausamen von Bissfeld ersetzt, der kein Mitgefühl zeigt und die Brauerei schließen lässt.