Hochzeitsbräuche (oder Hochzeitsgebräuche) sind Traditionen, die rund um das Thema Eheschließung und Heirat entstanden sind, insbesondere Hochzeitsrituale.
Hochzeitsbräuche in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Kranzbinden
Kranzbinden (Brauch): Es war eine bestimmte Form der Hochzeitsvorfeier, die es in Verbindung mit einem besonderen „Festspiel“ nur in Bremen gegeben hat und die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Dieser bremische Hochzeitsbrauch begann etwa Anfang des 19. Jahrhunderts und hielt sich bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, wobei das Kranzbinden immer auf das wohlhabende Bürgertum Bremens beschränkt blieb und dort den Polterabend ersetzte. Wenige Tage vor der Hochzeit veranstaltete die beste Freundin der Braut bei sich zu Hause ein Fest und lud dazu die Braut und deren Freundinnen sowie den Bräutigam mit seinen Freunden ein. Zunächst kamen die jungen Frauen zusammen und banden den Brautkranz, der der Braut sogleich aufgesetzt wurde, sowie einen kleineren Myrtenkranz. Danach kamen die jungen Männer hinzu und es wurde ausgelost, wer von den noch ledigen Kranzflechterinnen „als nächste heiraten würde“. Die Verlosung erfolgte im Rahmen eines szenischen Festspiels nach einem eigens verfassten Stück, die Mitwirkenden waren meist aufwendig kostümiert. Die ausgeloste „Vizebraut“ oder „Myrtenbraut“ wurde dann mit dem kleineren Kranz geschmückt. Nach einem Abendessen gab es zum Abschluss einen Tanzball.
Verwandte Bräuche gab es auch in anderen Regionen in Deutschland; so sind einfacher gehaltene „Kranzbinden“-Bräuche aus Südthüringen und Niederbayern bekannt, während in einigen Gegenden in Niedersachsen zwischen Polterabend und Hochzeitstag ein sogenannter „Kranzbindetag“ bekannt war. Vereinzelt ist das Kranzbinden heute noch anzutreffen.
Kränzen In Ostfriesland, dem Saterland, dem Münsterland und Teilen des Emslands ist es üblich, dass die Nachbarn, und in jüngerer Zeit auch Freunde und Familie einige Tage vor der Hochzeit einen aus Tannenzweigen geformten Kranz anfertigen und ihn am Vorabend der Hochzeit über der Hauseingangstür des Brautpaares anbringen. Dabei wird dieser von den männlichen Nachbarn gebunden. Die weiblichen Mitglieder haben die Aufgabe, weiße und rote Rosen und Schleifen aus Papier anzufertigen. Während der Bogen gebunden wird und die Rosen hergestellt werden, wird dem Brautpaar eine leere Flasche mit einem vertrockneten Tannenzweig übergeben, um für die Bogenbinder Getränke einzufordern. Dieser Aufforderung kommt das Brautpaar bereitwillig nach. Das Anbringen des Kranzes am Vorabend der Hochzeit ist Aufgabe der männlichen Nachbarn. Anschließend wird der Bogen von den weiblichen Nachbarinnen mit den Schleifen und Rosen dekoriert. Die traditionelle Aufteilung der Aufgaben zwischen Männern und Frauen wird in der jüngeren Zeit jedoch toleranter gehandhabt. Während des Aufsetzens des Bogens muss das Brautpaar im Haus bleiben. Es wird zur Abnahme des Bogens aus dem Haus gebeten. Der Abend endet mit einem fröhlichen Umtrunk aller Beteiligten.
Hose verbrennen Im Münsterland wird bei einem Junggesellenabschied/Polterabend die Hose des zukünftigen Bräutigams verbrannt, als Symbol, dass der Junggeselle nun die Hosen nicht mehr anhat. Die Hose wird in einem vom Junggesellen gegrabenen Loch verbrannt. Dabei trinken die Begleiter traditionell ein Pinnchen (2 cl) Korn, um das Ritual zu begießen. Die Flasche wird zusammen mit der Hose vergraben und ca. ein Jahr später mit allen Teilnehmern wieder ausgegraben. Um das Glück des Brautpaares zu erhalten, muss danach die Flasche Korn leergetrunken werden.
Häckselstreuen
Häckselstreuen (Brauch): Die Freunde/Verwandten – meist nur die Jüngeren – reisen von der Wohn-/Elternanschrift der Braut zur Wohn-/Elternanschrift des Mannes, wobei eine Spur gelegt wird, die diese beiden Orte miteinander verbindet. Der Weg führt vorbei an (fast) allen Anschriften der unverheirateten, ehemaligen Partner(-innen) von Braut und Bräutigam. Bei den Verflossenen wird so lange Häcksel (Stroh) gestreut, bis sich der Betroffene durch Herausgabe von Bier und Schluck erkenntlich zeigt. Die Fahrt findet in der Regel ohne das Paar statt, endet aber bei ihm. Mit dem restlichen Stroh wird (im Rahmen der Möglichkeiten) das Haus und der Garten des Paares eingedeckt, anschließend gegrillt, gefeiert und getrunken oder ein Lagerfeuer entzündet, je nach Örtlichkeit. Dies geschieht dann auch mit dem Paar, bei dem Paar. Der Start- und Zielort sind so änderbar, dass es eine schöne Reise und einen netten Abend im Grünen ergibt, z. B. auf dem elterlichen Hof. Benötigt werden ein Traktor, ein Anhänger, Stroh, Musik, Getränke und das Wissen der Freunde, mit wem das Paar fest zusammen war. Die Ehemaligen werden vorher natürlich informiert, damit sie auch da sind und da sie auch Getränke vorhalten müssen und eventuell, je nachdem wie das Verhältnis ist, sind sie ja auch später noch gern gesehen.
Der Brauch ist in die Kritik geraten, nachdem es vereinzelte Unfälle gab, bei denen Personen während der Fahrt vom Anhänger fielen, oder es zu starken Verschmutzungen der öffentlichen Straßen gekommen ist.
Da in der heutigen Zeit der großen Mobilität die Wohnorte der Braut und des Bräutigams oft weit auseinanderliegen, hat sich der Brauch nur dort halten können, wo die logistischen Voraussetzungen noch zu finden waren, meist bei Paaren mit Bezug zu landwirtschaftlichen Betrieben.
Ähnlich dazu ist der „Maistrich“ zwischen zwei Verliebten. Er wird in der Nacht zum 1. Mai von Freunden mit Kreide gezogen, und zwar der gesamte Weg vom Haus ihrer Eltern zum Haus seiner Eltern (bzw. vom eigenen Haus); wird vorrangig bei Paaren gemacht, die noch nicht öffentlich bzw. noch nicht sehr lange als Paar gelten.
Sägen mini|Paar sägt Holzstamm
Sägen (Brauch): In einigen Regionen wird nach der Trauung ein auf einem Sägebock liegender Holzstamm gemeinsam von Braut und Bräutigam zersägt. Man verwendet dafür eine Schrotsäge, bei der es darauf ankommt, stets abwechselnd zu ziehen, damit sie sich nicht verklemmt. Dieser Brauch steht für die gemeinsame, gleichberechtigte Arbeit, die das Brautpaar in seiner Ehe versuchen möchte. Er symbolisiert die notwendige Balance von Reden und Hören, von Aktivsein und Seinlassen und die notwendige Aufmerksamkeit für die jeweiligen Bedürfnisse des Partners.
Letsch
Früher verlas der Pfarrer an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen die drei vorgeschriebenen Aufrufe zur Eheverkündigung im Hochamt von der Kanzel. Im Anschluss an den ersten Aufruf – die Letsch – kamen die Freunde und Bekannten der Brautleute im Elternhaus der Braut zu einem Umtrunk zusammen. Eine echte Letsch findet daher an einem Sonntag statt, meist drei Wochen vor der Trauung. Der Umtrunk beginnt gegen Mittag und dauert oft bis tief in die Nacht. Zur Letsch wird nicht förmlich eingeladen – wer kommen mag, der kommt. Heute ähnelt die Letsch häufig einem Polterabend, der auf das Poltern verzichtet.
Polterabend miniatur|Scherben nach einem Polterabend
Der Polterabend ist ein sehr alter Brauch, der vermutlich noch aus vorchristlichen Zeiten stammt. Durch das Zerschlagen von Steingut und Porzellan sollen böse Geister vertrieben werden. Keinesfalls darf Glas zerschlagen werden, da es als Unglückssymbol gilt. Die Scherben müssen vom künftigen Brautpaar gemeinsam zusammengekehrt werden. Traditionell findet der Polterabend am Tag vor der Trauung statt.
Brautentführung
Meist sind es die guten Freunde, die die Braut entführen. Dabei ziehen die Entführer mit der Braut von Kneipe zu Kneipe, wobei der Brautführer oder der Bräutigam jedes Mal die Zeche zahlen soll. Heute wird es meist toleranter gehandhabt. Die Entführer gehen an einen bestimmten Ort, z. B. ein öffentliches Gebäude, und hinterlassen ein paar Hinweise, um die Suche zu erleichtern. Das Auslösen kann mit einer Aufgabe für den Bräutigam verbunden sein, beispielsweise einer künstlerischen Darbietung, Abwaschen für die nächsten Wochen oder Ähnlichem.
In Österreich und Bayern ist es heute (vorzugsweise bei Bauernhochzeiten) üblich, vor der Auslösung der Braut Gstanzl zu singen.
In Niederösterreich ist es üblich in das nächste Café, Wirtshaus oder ähnliches zu gehen – die Maskleute und die Braut – und dort zu trinken, zu singen und zu warten, bis der Bräutigam kommt. In den meisten Gegenden soll der Brautführer, manchmal der Bräutigam oder der Brautvater (eher selten die Trauzeugen) die Zeche der Entführer bezahlen.
Dieser Brauch geht zurück auf das vermeintliche Recht der ersten Nacht im Mittelalter. Einem Mythos zufolge hatten der Klerus und der Adel im Mittelalter das Recht, ihre weiblichen Untergebenen in der Hochzeitsnacht zu entjungfern. Damals sollen die Bräute von den Vasallen der Obrigkeit aus den Hochzeiten abgeholt worden sein (entführt). Die Geschichtswissenschaft sieht in diesem Recht eher eine literarische Fiktion.Walter Krämer, Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer, Band 2. Eichborn Verlag, Frankfurt 1996, S. 161.
Brautschuh Früher war es Brauch, dass die Braut ihre Brautschuhe von gesparten Pfennigen bezahlte. Heute wird dieser Brauch mit Euro-Cents fortgeführt. Dadurch soll die Sparsamkeit der Braut symbolisiert werden. Während der Hochzeitsfeier gibt es den Brauch der Brautschuhversteigerung. Der Braut wird ihr Schuh „entwendet“. Anschließend wird der Schuh unter den Hochzeitsgästen symbolisch versteigert. Dabei legen die Gäste ihre Gebote in den Brautschuh. Zum Schluss ersteigert der Bräutigam den Schuh samt den bis dahin eingeworfenen Beträgen. Das Geld bleibt beim Brautpaar, der Bräutigam gibt den Schuh an seine Braut zurück.
Brautstrauß miniatur|links|Zwei typische, kompakt gebundene Brautsträuße miniatur|Braut wirft Brautstrauß zu unverheirateten Frauen miniatur|links|Kompakt gebundener Brautstrauß aus Rosen, Freesien, Päonien
Traditionell ist es die Aufgabe des Bräutigams, den Brautstrauß zu besorgen. Diesen überreicht er dann vor oder in der Kirche seiner Braut. Zum Ende der Feier existiert der Brauch des Brautstraußwerfens. Es versammeln sich alle unverheirateten Frauen hinter der Braut. Den Brautstrauß zu fangen gilt in Mitteleuropa und in Amerika als Omen für eine baldige Hochzeit.
Blumenschmuck zur Hochzeit gab es durch alle Zeiten. Der Brautstrauß, wie er heute noch Verwendung findet, taucht das erste Mal in der Renaissance auf und diente einem sehr praktischen Sinn. Durch die damals übliche vernachlässigte Körperhygiene und den oftmals exzessiven Einsatz von Weihrauch verbreitete sich während einer Hochzeit in der Kirche schlechte Luft. Die Brautsträuße der Renaissance waren reine Duftsträuße, die durch ihren intensiven Geruch die Braut vor Ohnmachtsanfällen während der Trauung bewahren sollten.
Ist die Braut Jungfrau, bestehen Strauß und Kranz aus Myrte; bei der zweiten Hochzeit werden traditionell dafür Orangenblüten verwendet.
Autokorso und Hochzeitsauto oder Hochzeitskutsche
mini|Mercedes 170 DS, Baujahr 1953 als Hochzeitsauto im Juni 2007 mini|links|Schimmelgespann vor einer Hochzeitskutsche
Häufig wird auf den Fahrten nach der Hochzeit das Brautpaar von einem Autokorso begleitet. Dabei hupen die begleitenden Autos, was in Deutschland laut der StVO eine Ordnungswidrigkeit darstellt, oder dem Auto, in dem das Brautpaar sitzt, werden Blechdosen angebunden, die beim Fahren laut scheppern, was ebenfalls verboten ist. In manchen Gegenden ist es auch üblich, den Autokorso auf dem Weg von der Trauung zur Feier anzuhalten und Wegezoll zu verlangen. Dieser Zoll (in Norddeutschland Schatten genannt) wird üblicherweise mit Schnaps oder anderen hochprozentigen Alkoholika beglichen, die an die am Weg Stehenden ausgegeben und mit den Brautleuten gemeinsam getrunken werden, bevor diese die Fahrt fortsetzen können.
In Altbayern machen dies die Kinder des Dorfes oder die Ministranten bei der Hochzeit. Hierbei wird von jedem Hochzeitsgast etwas Geld hergegeben.