mini|Der Yotsuya-Campus Sophia-Universität (, Jōchi Daigaku; Latein: Universitas Sedis Sapientiae) ist eine römisch-katholische Universität kirchlichen Rechts in Japan.Annuario Pontificio 2014, Seite 1757 Sie liegt in Kioi-chō, Chiyoda, Tokio und gilt als Elite-Privatuniversität.

Geschichte Im 16. Jahrhundert bewertete der Jesuitenmissionar Franz Xaver den Charakter der Japaner hoch und schrieb einen Brief nach Rom mit der Hoffnung auf eine Universität in der japanischen Hauptstadt.

Einem Wunsch von Papst Pius X. folgend, wurden von der Ordensleitung drei Jesuiten nach Japan berufen. Am 18. Oktober 1908 kam Joseph Dahlmann SJ mit Henri Boucher SJ, vorheriger Leiter einer Jesuitenakademie in Schanghai, und dem Amerikaner James Rockliff SJ, ein in Österreich ausgebildeter gebürtiger Engländer und ehemaliger Superior in einer Jesuitenprovinz in den Vereinigten Staaten, in Yokohama an.Harald Fuess: „Deutsche Jesuiten in Japan“ (PDF; 99 kB), abgerufen am 3. März 2012 1911 gründeten sie die rechtsfähige Stiftung und den Schulträger „Jōchi Gakuin“. 1913 erfolgte die Gründung der Hochschule als Jōchi Daigaku, später Sophia-Hochschule, auf der Grundlage des Fachschulerlasses durch Hermann Hoffmann SJ. 1928 erlangte diese auch die staatliche Anerkennung des Universitätsstatus aufgrund des Universitätserlasses.

Bis 1928 war die Hochschule noch nicht konsolidiert; während des Ersten Weltkriegs waren keine deutschen Kräfte mehr nachgekommen und 1923 zerstörte ein Erdbeben die Schulgebäude größtenteils. Zudem vernichtete die Inflation 1923 in Deutschland den Fonds der Bischöfe für die Sophia-Universität. Vom Niveau her entsprach sie eher einem deutschen Gymnasium bzw. einer deutschen Sprachschule; nur der kommerzielle Kurs wurde auf Englisch gelehrt. Lange Zeit blieb sie mit maximal 150 Studenten, darunter nur etwa zehn Prozent Katholiken, die kleinste der 25 staatlich anerkannten Privatuniversitäten. Nach dem Erdbeben von 1923 wurde 1930 mittels einer Anleihe bei der Englischen Jesuitenprovinz an alter Stelle ein Neubau für 3000-4000 Studenten errichtet. Die Studentenzahl stieg vom Frühjahr 1935 allmählich an und erreichte 1940 448, davon 180 im Universitätskurs. Es bedurfte einer studentischen Initiative, dass 1931 mit einem Werk sozialer Hilfe in einem Slumviertel im Norden Tokyos begonnen wurde, geleitet von dem Jesuitenpater Hugo Lasalle. 1937 wurde das Kulturheim der Universität für öffentliche Vorträge gegründet. Dort konnte zwei Jahre später ein Institut zur Erforschung der christlichen Geschichte in Japan errichtet werden, wie überhaupt die wissenschaftliche Leistung der Universität und ihr Veröffentlchungswesen sich vergrößert hatte. Mit der 25-Jahr-Feier der Universität am 3. November 1938 konnte die Aufbaukrise als überwunden gelten.Dieser Absatz nach: Schatz, Die Sophia-Universität

Im Jahre 2004 überwiegen die Studentinnen, doch fand die Einführung der Koedukation erst 1957 statt.

Der Name Sophia wurde 1926 aus dem Sedes Sapientiae (Sitz der Weisheit) der Lauretanischen Litanei abgeleitet (die Grundbedeutung von Sophia ist auf Griechisch „Gottes Weisheit“). Der erste Rektor war der deutsche Philosoph Hermann Hoffmann SJ.

Bis 1948 lag die Sophia-Universität in der Verantwortung der Niederdeutschen Provinz des Jesuitenordens, seitdem in der neugegründeten japanischen Vizeprovinz des Ordens. Das Erzbistum Köln unter Joseph Kardinal Frings finanzierte in den 1950er Jahren den weiteren Ausbau der UniversitätNorbert Trippen: Josef Kardinal Frings (1887-1978): Sein Wirken für die Weltkirche und seine letzten Bischofsjahre. F. Schöningh 2005, Kap. 5 Die Förderung der Sophia-Universität, ebenso wie die deutsche Regierung unter Konrad Adenauer sowie Unternehmen wie Volkswagen, Zeiss und Krupp.

Organisation Etwa 1.500 Hochschuldozenten unterrichten auf vier Campus (Yotsuya, Mejiro Seibo, Ichigaya, Shakujii) über 12.000 Studenten in Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Die Hochschule verfügt über einen japanischsprachigen und einen englischsprachigen Campus. Auf dem japanischen Campus machen die Fakultäten für Fremdsprachen den größten Anteil aus. Für die deutsche Sprache gibt es drei Fakultäten: deutsche Sprache, deutsche Literatur und Germanistik.„Die Sophia Universität in Tokio“, TU Berlin, abgerufen am 3. März 2012 Mit 148 Partnerinstituten in 35 Nationen ist sie eine besonders international geprägte Universität.

Präsidenten waren: 1910–1913: Hermann Hoffmann SJ (1863–1937), deutscher Philosoph 1913–1937: Hermann Hoffmann SJ (1863–1937), deutscher Philosoph 1937–1940: Hermann Heuvers SJ (1890–1977), deutscher Kulturwissenschaftler 1940–1946: Paul Yachita Tsuchihashi SJ (1866–1965), japanischer Geisteswissenschaftler„Born A Japanese Samurai, And Truely Lived As A Jesuit“, abgerufen am 4. März 2012 1946–1953: Naojiroo Murakami, japanischer Geschichtswissenschaftler 1953–1968: Takashi Oizumi SJ, japanischer Geisteswissenschaftler 1968–1975: Mikao Moriya, japanischer Ingenieurwissenschaftler 1975–1981: Giuseppe Pittau SJ (1928–2014), italienischer Rechtswissenschaftler 1981–1984: Mutsuo Yanase SJ, japanischer Ingenieurwissenschaftler 1984–1987: Tomosuke Hashiguchi, japanischer Geisteswissenschaftler 1987–1993: Masao Tsuchida SJ, japanischer Geisteswissenschaftler 1993–1999: Keiji Otani, japanischer Geisteswissenschaftler 1999–2005: William J. Currie SJ (* 1935), US-amerikanischer Kulturwissenschaftler 2005–2017: Yoshiaki Ishizawa (* 1937), japanischer Sprachwissenschaftler seit 2017: Yoshiaki Terumichi (* 1962), japanischer Ingenieurwissenschaftler

Fakultäten Shakuji-Campus: Theologie Yotsuya-Campus: Philosophie Humanwissenschaften Jura Wirtschaftswissenschaften Fremdsprachen Liberal Arts (bis 2006 Vergleichende Kulturwissenschaften) Naturwissenschaften und Technik

Publikationen Die japanologisch-wissenschaftliche Zeitschrift Monumenta Nipponica wird halbjährlich von der Universität herausgegeben.

Graduiertenabteilung Theologische Abteilung Philosophische Abteilung Literarische Abteilung Abteilung der Liberal Arts (2005 gegründet) Juristische Abteilung Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung Abteilung für Fremdsprachen Abteilung für Naturwissenschaften und Technik

Bekannte Hochschullehrer Ludvík Armbruster SJ (1928–2021), Professor für Philosophie Bruno Bitter SJ (1898–1988) Inoguchi Kuniko (* 1952), Professorin für Rechtswissenschaften, ständige Vertreterin Japans bei der Abrüstungskonferenz in Genf und Staatsministerin für geschlechtliche Gleichstellung und Staatsministerin für Jugendangelegenheiten und Maßnahmen gegen die sinkende Geburtenrate José Llompart SJ (1930–2012), Professor für Rechtsphilosophie und Strafrecht Klaus Luhmer SJ (1916–2011), Professor für Pädagogik, langjähriger Verwaltungsleiter (Kanzler) der Sophia-Universität Adolfo Nicolás SJ (1936–2020), von 1971 bis 2002 Professor für systematische Theologie; 2008–2016 Generaloberer der Societas Jesu (Jesuitenorden) Klaus Riesenhuber SJ (1938–2022), Professor für Philosophie Ogata Sadako (1927–2019), ehemalige Professorin für Politikwissenschaften und frühere Hohe Flüchtlingskommissarin der Vereinten Nationen Johannes Siemes SJ (1907–1983), Professor für Philosophie Matsushita Mitsuo, (* 1933), Professor für Rechtswissenschaften und ehemaliges Mitglied des WTO Appellate Body

Bekannte Absolventen Asama Yoshitaka, Drehbuchautor und Regisseur vieler Filme, z. B. Twilight Samurai Saitō Hideo (1902–1974), Komponist Agnes Chan, Sängerin Nishida Hikaru, Sängerin und Schauspielerin Hayami Yū, Schauspielerin, Anime-Sprecherin Inoue Hisashi (1934–2010), Schriftsteller Kumi Saori, Schriftstellerin Ebata Kensuke, Japan-Korrespondent von Jane's Defense Weekly (Experte für Außen-, Militär- und Verteidigungspolitik) Tatsumi Takayuki, amerikanischer Literaturwissenschaftler, Science-Fiction-Kritiker, Professor der Keiō-Universität Hosokawa Morihiro (* 1938), 79. Ministerpräsident von Japan Nishiyama Yuriko, Manga-Autorin, z. B. Harlem Beat Robert Whiting, Schriftsteller (japanische Kultur), z. B. The Chrysanthemum and the Bat über japanischen Baseball Natsu Miyashita (* 1967), Schriftstellerin Crystal Kay (* 1986), Sängerin Beni (* 1986), Sängerin Kōichi Mashimo (* 1952), Anime-Regisseur

Bekannte Austauschstudenten Jürgen Morhard 1981/82, Botschafter in Sri Lanka Franz Waldenberger 1983/84, Professor für japanische Wirtschaft an der Universität München und für 2014–2019 Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio

Literatur Bruno Bitter (Hrsg.): Sophia Universitaet, 1913–1938, Tokio 1938 Peter Milward: The History of Sophia, In: Yanase, Musuo (Hrsg.): The Future Image of Sophia University: Looking Toward the 21st Century. Tokio: Sophia University, 1989, S. 55–75. S. Noma (Hrsg.): Sophia University. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 1446. Theodore Geppert: „The Early Years of Sophia University“, Tokio 1993 100 Jahre Sophia-Universität Tokio, Sonderheft der Zeitschrift Weltweit. Das Magazin der Jesuitenmission 2013 Digitalisat Die Sophia-Universität. In: Klaus Schatz, Geschichte der deutschen Jesuiten (1814-1983), Bd. III 1917-1945, Münster: Aschendorff 2013, S. 297–304.

Siehe auch Liste der Universitäten und Hochschulen in Japan St. Ignatius (Tokio)

Weblinks

Homepage (japanisch und englisch)

Einzelnachweise

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