mini|hochkant=1.3| mini|hochkant=1.3|Thierstein – Blick von Osten 200px|mini|Thierstein – Blick von Norden (von der Autobahn A 93 aus) 200px|mini|Thierstein – Blick von Süden Thierstein ist ein Markt im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (Regierungsbezirk Oberfranken) und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Thiersheim.
Geografie Lage Thierstein liegt im Fichtelgebirge nahe der Grenze zur Tschechischen Republik unmittelbar an der Bundesautobahn 93 (Anschlussstelle 10, Höchstädt).
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend: Selb, Hohenberg an der Eger, Thiersheim, Höchstädt im Fichtelgebirge und Marktleuthen. Höchstädt grenzt direkt im Westen an.
Gemeindegliederung Es gibt 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Siedlung Schloßberg ist im Gemeindeteil Thierstein aufgegangen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Birkenbühl, Hendelhammer, Schwarzenhammer (Gemarkungsteil 1) und Thierstein. Die Gemarkung Thierstein hat eine Fläche von 4,187 km². Sie ist in 1221 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3429,55 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dangesbühl, Hohenmühle und Ziegelhütte.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Name Thierstein ist erstmals am 20. März 1340 in einer von Albrecht der Nothaft von Tirstein ausgestellten Urkunde im Kreisarchiv Eger (Cheb) nachgewiesen. Drei Jahre später, am 16. Juli 1343, belehnte Kaiser Ludwig der Bayer Albrecht Nothaft mit der von diesem „auf des Reichß Perg und Poden“ errichteten Burg Thierstein. Am Ende des 14. Jahrhunderts verkaufte die Familie Notthafft die Herrschaft Thierstein, zu der auch die Märkte Thiersheim und Marktleuthen sowie eine Reihe von Dörfern in der Umgebung gehörten, an den Markgrafen Wilhelm I. von Meißen. Von dessen Erben gelangte die Burg mit ihrem Herrschaftsgebiet 1415 an die Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern. Diese besetzten die Burg mit Amtleuten, zu denen unter anderen Oswalt von Truhendingen gehörte. 1603 befahl Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg die Auflassung der Burg und den Bau eines neuen Amtshauses außerhalb des Ortes Thierstein. Die Burg wurde dem Verfall preisgegeben.
Der Markt Thierstein wurde als Burgsiedlung gegründet. Ähnlich wie in Hohenberg an der Eger, wo die markgräfliche Regierung noch 1499 durch die Gewährung von allerlei Freiheiten bestrebt war, „das daselbst vor dem Sloss mehr Mannschaft gemacht würde“, werden auch die Nothafft ihre Burgsiedlung mit allerlei Rechten und Freiheiten ausgestattet haben, um Handwerker und andere Siedlungswillige anzulocken. Dass die Nothafft durchaus in der Lage waren, Privilegien für die in ihrem Besitz befindlichen Orte zu erteilen, beweist eine Urkunde vom 10. Mai 1399, in der Markgraf Wilhelm I. von Meißen den Bürgern zu Thiersheim die Freiheiten, Rechte und Gewohnheiten bestätigte, die sie „vorher von dem Ehrbaren Peter Nothaft gehabt haben“.
Für das 15. Jahrhundert ist für Thierstein eine magistratische Verfassung mit eigenem Ratssiegel nachgewiesen. 1725 wurde der Ort durch ein im Pfarrhaus ausgebrochenes Feuer weitgehend eingeäschert.
Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.
19. und 20. Jahrhundert Am 1. Mai 1914 wurde die Bahnstrecke Holenbrunn–Selb Stadt eröffnet, an der Thierstein mit dem Nachbarort Höchstädt einen Bahnhof erhielt. Der Personenverkehr wurde am 28. September 1986, der Güterverkehr am 28. Mai 1988 eingestellt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden beim Beschuss durch amerikanische Artillerie am 20. April 1945 die Kirche und fünfzehn Wohngebäude zerstört.Die Geschichte unseres Marktes bei thierstein.de, abgerufen am 28. Dezember 2020
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1978 die Gemeinde Birkenbühl sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Schwarzenhammer, die am 1. Juli 1953 ihren Namen erhielt (vorher Hebanz), eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 1365 auf 1149 um 216 bzw. um 15,8 %.
Gemeinderat
Die Kommunalwahlen 2002 bis 2020 führten zu der folgenden Sitzverteilung im Marktgemeinderat:
+ Kommunalwahlergebnisse 2002–2020 Partei/Liste 2002 2008 2014 2020 CSU 7 7 4 3 Freie Wählergemeinschaft36 SPD 5 4 4 3 Alternative für Thierstein n. a. 1 1 n. a. Gesamt 12 12 12 12
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Sechsämterland-Brunnen; im Hintergrund die Burgruine Friedhof Auf dem Ortsfriedhof erinnert ein Massengrab mit Gedenkstein an 69 KZ-Opfer, die durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ihr Leben verloren und dort begraben wurden.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 195 Die KZ-Häftlinge starben auf dem „Evakuierungsmarsch“ vom Konzentrationslager Buchenwald zum Konzentrationslager Flossenbürg vor Erschöpfung oder wurden von SS-Wachmannschaften ermordet; ihre Namen sind unbekannt. Drei von ihnen wurden auf den Thiersteiner Friedhof geführt und dort erschossen, die Leichen der anderen zunächst am Wegesrand oder in Wäldern verscharrt. Ihre Umbettung auf den Friedhof erfolgte im Juni 1945, im Juni 1946 fand in Thierstein eine Trauerfeier statt. Das Mahnmal wurde im August 1948 eingeweiht.Siehe Darstellung in Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern, Schnell und Steiner: Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2483-1, Seite 204–205; mit Karte und Foto des Denkmals.
Bauwerke
Der Burgstall Foerles-Neudürrlas ist ein Burgstall nahe Neudürrlas. Die weithin sichtbare Burgruine ist ein beliebtes touristisches Ziel; vom Bergfried genießt man eine herrliche Rundumsicht über den gesamten Innenraum des Fichtelgebirges bis in das Egerland.
Söhne und Töchter der Gemeinde Gottlieb Adam Johann von Schallern (1766–1827), Arzt Manfred Jena (1948–2025), Justizbeamter und Politiker
Literatur
Harald Stark: Burg und Amt Thierstein. Selber Hefte Bd. 12. Selb 1993. ISBN 3-927313-07-6. Harald Stark: Die Familie Notthafft – auf Spurensuche im Egerland, in Bayern und Schwaben. Weißenstadt 2006. ISBN 3-926621-46-X.
Weblinks
Website der Gemeinde Thierstein Familie Nothafft: Sitz Thierstein
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Kategorie:Ersterwähnung 1340 Kategorie:Markt in Oberfranken Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge