Die Marksman, auch HMS Marksman (Kennung: F66 / G23 / F85 / G35 / H96), war ein Zerstörer (Flottillenführer) der gleichnamigen Klasse der britischen Marine, der von 1915 bis 1919 in Dienst stand.

Geschichte Das bei Hawthorn, Leslie & Co. in Hebburn bestellte Schiff sollte Flottillenführer der gleichzeitig bestellten Zerstörer der M-Klasse werden. Der Neubau mit der BauNr. 473, der am 12. Mai 1915 vom Stapel lief, erhielt daher den mit M beginnenden Namen Marksman, so wie das bei White als Flottillenführer für die L-Klasse entstehende Schwesterschiff den Namen Lightfoot erhielt. Der Neubau war das erste Schiff für die Royal Navy mit dem Namen Marksman, den ursprünglich ein Zerstörer der M-Klasse erhalten sollte, der mit zwei anderen geplanten Schiffen vor Auftragsvergabe gestrichen wurde, um Mittel für den Bau der beiden Flottillenführer freizustellen. Die Marksman war einer von sieben Flottillenführern der nach ihrDittmar/Colledge: British Warships 1914–1919. S. 65. oder der gleichzeitig bestellten Lightfoot benannten Klasse.

Einsatzgeschichte Im November 1915 kam die Marksman als Flottillenführer zur neugebildeten „Twelfth Destroyer Flotilla“. Diese fünfte Zerstörerflottille der Grand Fleet verfügte anfangs mit Maenad, Mindful und Nessus nur über drei Zerstörer, die sich das Depotschiff Blake mit der 2nd DF und 11th DF teilte. Bis zum Mai 1916 kamen mit Marvel, Mischief, Mameluke, Mary Rose, Munster, Napier, Noble, Obedient, Onslaught, Narwhal, Nonsuch, Opal und Menace dreizehn weitere Zerstörer der M-Klasse zur Flottille. Ab Januar 1916 wurde die Flottille vom Kreuzer Royalist der Arethusa-Klasse geführt, der im Mai durch den Flottillenführer Faulknor der gleichnamigen Klasse ersetzt wurde. Als Depotschiff diente schon ab Dezember 1915 die Diligence (ex Tabaristan) der Flottille.

In der Skagerrak-Schlacht sicherte die „12th Destroyer Flotilla“ in Zusammenarbeit mit der „4th Destroyer Flotilla“ die Grand Fleet. Die Flottille war mit beiden Führerbooten und vierzehn Zerstörern im Einsatz, nur Mameluke und Napier waren wegen einer Werftliegezeit in Glasgow nicht einsatzbereit. Am 30. Mai war die Flottille unter Captain Stirling auf der Faulknor am Abend wegen eines Schadens auf der Marlborough zurückgefallen. Gegen 1:43 am Morgen des 1. Juni sichtete Obedient Schiffe auf Ostsüdost-Kurs in der langsam einsetzenden Dämmerung.Bennet: Skagerrakschlacht. S. 168 Die nicht identifizierten Schiffe gaben falsche Erkennungssignale und der letzte Angriff auf die deutsche Hochseeflotte begann bei fast idealen Bedingungen. Die Faulknor ging dazu fast auf Gegenkurs und lief so auf die hintere Gruppe der Flottille zu, die von der Marksman geführt wurde. Marksman wich bei noch sehr schlechter Sicht aus und verlor den Anschluss zur Flottille, den die ihr folgenden vier Zerstörer Opal, Menace, Munster und Mary Rose jedoch hielten. So erfuhr die Marksman nur über Funk vom Angriff vom Angriff der Flottille, deren erste sechs Zerstörer 17 Torpedos auf die deutschen Geschwader feuerten, ehe deren Artilleriefeuer die übrigen Zerstörer vertrieb. Stirling versuchte über das Gefecht zu berichten und setzte drei Meldungen ab, aber keine erreichte den britischen Oberbefehlshaber Jellicoe.Bennet: Skagerrakschlacht. S. 169 Hätten ihn die Meldungen erreicht, hätte Jellicoe wenden und die Hochseeflotte noch vor ab 4:30 Uhr und ihrem Einlaufen in den Schutz der deutschen Minenfelder erreichen können. Der Angriff der „12th Destroyer Flotilla“ erzielte auf der Pommern mindestens einen Treffer, der in einem der 17- cm-Magazine des Linienschiffes explodierte und eine gewaltige Explosion verursachte. Die Pommern sank mit der gesamten Besatzung von 839 Offiziere und Mannschaften. Ob die Faulknor oder die Onslaught das Linienschiff mit einem Torpedo trafen, ist unklar. Beschädigt wurden die britischen Zerstörer Nessus (7 Tote) und Onslaught (5 Tote, darunter der Kommandant).

Marksman fand nach einer halben Stunde Anschluss an einige Zerstörer der 13th Flotilla, geführt vom Kreuzer Champion mit dem Befehlshaber aller Zerstörer der Grand Fleet. Mit diesen kam sie in ein Gefecht mit den deutschen Torpedobooten, die die Besatzung des manövrierunfähigen Schlachtkreuzers Lützow abgeborgen und diesen dann selbst versenkt hatte. Champion konnte dabei einige Treffer auf G 40 erzielen. Später fischte die Marksman noch einen einzelnen Schiffbrüchigen aus dem Wasser, den Kommandanten des gesunkenen Zerstörers Ardent der „4th Flotilla“Bennet: Skagerrakschlacht. S. 162.. Gegen 6:00 Uhr traf sie dann auf den nach einer Kollision mit dem Flottillenführer Broke schwerbeschädigten Zerstörer Sparrowhawk der „4th Flotilla“. Alle Versuche der Marksman, die Sparrowhawk abzuschleppen, scheiterten. So übernahm die Marksman schließlich die Restbesatzung des Zerstörers, darunter auch Überlebende der versenkten Tipperary, um dann die Sparrowhawk mit ihrer Artillerie zu versenken.Bennet: Skagerrakschlacht. S. 160.

Mitte Juli 1916 hatte die britische Führung Hinweise, das die Kaiserliche Marine einen Hilfskreuzer zum Handelskrieg in den Atlantik entsenden wolle. Um dies zu unterbinden, setzte die Royal Navy vierzehn Kreuzer, dreizehn Hilfskreuzer und achtzehn Zerstörer ein. Im Rahmen dieser Suche bewachten Marksman und ihr Schwesterschiff Gabriel den Seerau zwischen Fair Isle und den Orkneys vom 11. bis zum 13. Juli, ohne deutsche Aktivitäten zu entdecken. Nach der Skagerrakschlacht kam es zu Umgliederungen und zum Austausch von Schiffen zwischen den Flottillen. Die Marksman verblieb aber bei der 13. Flottille bis zum August 1917, als sie durch den neuen Flottillenführer Valhalla der V-Klasse ersetzt wurde. Führungsschiff der 13th DF war seit Januar 1917 die Saumarez der Parker-Klasse. Zu den siebzehn Zerstörern der Flottille gehörte seit Dezember 1916 auch ein erster Zerstörer der R-Klasse mit der Strongbow.

Die Marksman wurde der „6th Destroyer Flotilla“ bei der Dover Patrol zugeteilt, die zu dieser Zeit über zwei Führungskreuzer (Active und Attentive), vier weitere Flottillenführer mit Swift, Broke, Faulknor und Botha sowie 34 Zerstörer, das Torpedoboot TB 15 und sechs Patrouillenboote verfügte. Die Zerstörer gehörten verschiedenen Klassen an. Neben sieben Zerstörern der Tribal-Klasse (Afridi, Amazon, Saracen, Crusader, Mohawk, Viking und Zubian) verfügte die Flottille über 17 Zerstörer der modernen M-Klasse sowie noch acht alte Boote der C- und zwei der B-Klasse. Der Großverband sicherte die Dover-Sperre (engl. Dover Barrage) zwischen Folkestone und Cap Griz Nez, die ein Eindringen feindlicher Kräfte in den Kanal verhindern sollte. Die Sperre bestand aus Minensperren und Stahlnetzen und wurde von vielen kleinen Booten bewacht. Obwohl es ihren U-Booten immer wieder gelang, die Sperre zu überwinden, griff die Kaiserliche Marine die Sperre auch mit ihren in Flandern stationierten Großen Torpedobooten im Oktober 1916 und im April 1917 an. Die großen Zerstörer und die Flottillenführer, wie die Marksman, patrouillierten meist auf zwei Routen, um die Sperre zu schützen. In der Nacht auf den 15. Februar 1918 befanden sich Marksman und Swift auf der „West Barrage Patrol“ und weitere vier Zerstörer auf der „East Barrage Patrol“, als sieben deutsche Hochseetorpedoboote die Dover Barrage angriffen. Wegen unzureichender Unterrichtung konnte keines dieses sechs Schiffe die deutschen Angreifer stellen, die acht Wachboote an der Sperre versenktenversenkt wurden der Trawler James Pond (360 ts) und die Drifter Christina Craig, Clover Bank, Cosmos, James Pond, Jeannie Murray, Silver Queen und W. Elliott; auf den gesunkenen und beschädigten Booten starben etwa 100 Mann und weitere sieben schwer beschädigten. Sich widersprechende und ungenaue Meldungen verhinderten auf britischer Seite ein wirksames Eingreifen der Zerstörer.

Im April wurde die Marksman mit ihren Schwesterschiffen Lightfoot und Kempenfelt zur 11th Destroyer Flotilla versetzt, wo sie als normale Zerstörer eingesetzt wurden. Diese Flottille diente zum Schutz der Grand Fleet, wurde von den Flottillenführern Seymour und Valorous geführt und verfügte über 16 weitere Zerstörer der M- (1), R- (6) sowie der V- und W-Klasse (9). Im Juli 1918 wurde die Marksman zur Northern Patrol versetzt und leitete am 12. Juli 1918 die Suche nach dem deutschen U 151 zwischen den Shetlands und Färöern. Der von einer Feindfahrt bis zur US-amerikanischen Küste heimkehrende U-Boot-Kreuzer und konnte von den Briten mit Hydrophonen nahe der Insel Suðuroy geortet werden und der Zerstörer Beagle fuhr zwei Angriffe mit Wasserbomben. U 151 entkam unbeschädigt und lief unter seinem Kommandanten Korvettenkapitän Heinrich von Nostitz und Jänckendorff am 20. Juli in Kiel ein. Marksman blieb bei der Northern Patrol Force mit Basis in Dundee bis zum Kriegsende.MARKSMAN, 11.11.18 – Northern Patrol Force, Dundee, Patrol and Escort Forces (pl)

Endschicksal Die Marksman wurde am 25. November 1919 in Devonport außer Dienst gestelltMarksman Paid off und am 8. November 1921 zum Abbruch verkauft, der dann in Deutschland erfolgte.

Literatur Vic Cassells: The Destroyers: their battles and their badges. Simon & Schuster, East Roseville, NSW 2000, ISBN 0-7318-0893-2. Maurice Cocker: Destroyers of the Royal Navy, 1893–1981. Ian Allen, 1983, ISBN 0-7110-1075-7. Frederik James Dittmar, J.J. Colledge: British Warships 1914–1919. Ian Allan, Sheppertone 1972, ISBN 0-7110-0380-7. Norman Friedman: British Destroyers: From Earliest Days to the Second World War. Seaforth Publishing, Barnsley 2009, ISBN 978-1-84832-049-9. Antony Preston: Destroyers. Hamlyn, ISBN 0-600-32955-0. Conway’s All The World’s Fighting Ships 1906–1921. Conway Maritime Press, 1985, S. 72 f. Jane’s Fighting Ships of World War I. (Hrsg. John Moore), Studio (London 1990), ISBN 1-85170-378-0.

Weblinks

Destroyer MARKSMAN 1915 LIGHTFOOT destroyer leaders (1915-1916) World War 1 at Sea – Ships of the Royal Navy, 1914-1919, 8. DESTROYER LEADERS ships in the Marksman-class Marksman Type Leader, S.100 in Jane’s Fighting Ships 1919

Einzelnachweise

Kategorie:Marksman-Klasse Kategorie:Schiff im Ersten Weltkrieg Kategorie:Hawthorn, Leslie