mini|hochkant=1.8|Goldkronach vom Leisauer Berg aus gesehen mini|Bayreuther Straße in der Innenstadt mini|Die kanalisierte Kronach am Marktplatz
Goldkronach (, oberfränkisch: Gronich) ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Der Hauptort der Stadt ist staatlich anerkannter Erholungsort und liegt am Fuß des Fichtelgebirges etwa 14 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Bayreuth. Ihre erste Blütezeit erlebte die Stadt im Mittelalter durch den Goldbergbau, der erst in den 1920er Jahren endgültig eingestellt wurde.
Geographie mini|Wegweiser am Ortseingang mini|Informations-Pavillon an einem Geopunkt oberhalb Goldkronachs mini|Kulturlandschaft zwischen Kottersreuth und Leisau
Geographische Lage Goldkronach liegt an der Kronach, die das Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten durchfließt. Sie entspringt mit mehreren Quellbächen westlich von Warmensteinach. Die Kronach prägt den Marktplatz des Hauptortes, trieb in früherer Zeit über den eigens angelegten Mühlbach zwei Wassermühlen an und mündet bei Himmelkron in den Weißen Main. Während sich im flacheren Süden und Westen des Gemeindegebietes, vor allem im Kronachtal, landwirtschaftliche Nutzflächen befinden, markieren die großteils bewaldeten Höhen im Norden und Osten den Aufstieg zum Fichtelgebirge.
Geologie und Goldvorkommen Goldkronach liegt direkt auf der Fränkischen Linie, einer geologischen Störung. Sie trennt die erdgeschichtlich wesentlich älteren, harten Gesteine des Fichtelgebirges von den jüngeren, weichen Gesteinen des Vorlandes. An diesem Bruch in der Erdkruste, einer der bedeutendsten tektonischen Bruchzonen Europas, senkte sich die Vorland-Scholle, während jene des Fichtelgebirges sich hob. So ergibt sich die bemerkenswerte Situation, dass im Stadtgebiet Goldkronachs Gesteinsarten aus mehreren erdgeschichtlichen Perioden an der Oberfläche zu finden sind.Ingrid Burger-Segl: Goldbergbaumuseum Goldkronach. Weiden 2011, S. 20–22.
Auf diese erdgeschichtlichen Verwerfungen sind die Goldvorkommen zurückzuführen. Sie sind auf einen kleinen Raum um den Goldberg begrenzt. Vermutlich nahmen sie ihren Ursprung in Sedimenten und Lavagesteinen mit einem geringen Goldgehalt. Eine genaue Datierung der Goldvererzung steht noch aus. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass die Goldquarzgänge am Goldberg in Zusammenhang mit der Bildung der Alpen in der Kreidezeit stehen.Ingrid Burger-Segl: Goldbergbaumuseum Goldkronach. Weiden 2011, S. 23. Auskunft über die Erdgeschichte geben seit wenigen Jahren die Goldkronacher Geopunkte, die von der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Geopark Bayern-Böhmen und der Wohlfühlregion Fichtelgebirge errichtet wurden. Zudem werden auch geführte Touren angeboten.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Goldkronach hat 32 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Gemeindeteilnamen Friedrichsloh, Kreuzstein, Pfergacker und Sandhof wurden mit Wirkung zum 1. April 2015 erteilt, der Gemeindeteil Lindenberg wurde mit Wirkung zum 1. April 2015 aufgehoben.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Brandholz, Dressendorf, Goldkronach, Goldkronacher Forst (Gemarkungsteil 2), Leisau und Nemmersdorf. Die Gemarkung Goldkronach hat eine Fläche von 3,465 km² und ist in 1337 Flurstücke aufgeteilt.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt an folgende Städte, Gemeinden und gemeindefreien Gebiete (beginnend im Norden, dem Uhrzeigersinn folgend): Bad Berneck im Fichtelgebirge, Weidenberg, Bayreuth und Bindlach.
Geotope Moosmüller-Keller in Goldkronach (Geotop-Nummer 472A012). Ehemaliger Steinbruch an der Otterleite bei Goldkronach (Geotop-Nummer 472A013). Rotliegend-Keller unter dem Schloss Nemmersdorf (Geotop-Nummer 472A014). Kellergasse Goldkronach (Geotop-Nummer 472A017). Schmutzler-Stollen östlich von Goldkronach (Geotop-Nummer 472G003). Diabasfelsen Frankenberg bei Brandholz (Geotop-Nummer 472R002).
Etymologie Goldkronach hieß ursprünglich „Cronach“ oder „Kranach“. Während der erste Namensteil unzweifelhaft später hinzukam und auf die reichen Edelmetallvorkommen verweist, ist der zweite, ältere Teil wohl slawischen Ursprungs. Er stammt wahrscheinlich aus der Zeit bis zum 10. Jahrhundert, als auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Oberfranken slawische oder sorbische Einflüsse eine Rolle bei dessen Besiedlung spielten. Von diesem älteren Namensteil leitet sich wohl auch der Dialektausdruck „Gronich“ ab.
Geschichte mini|Stadtkirche St. Erhard, geweiht 1852 mini|Friedhofskirche, errichtet 1765 mini|Büste Alexander von Humboldts vor dem Schloss Goldkronach mini|An Alexander von Humboldt erinnernde Inschrift mini|Schloss Leisau mini| mini|
Erste Siedlung und Beginn des Bergbaus Die erste urkundliche Erwähnung Goldkronachs geht auf ein Lehensverzeichnis zurück, das im Jahr 1317 angefertigt wurde. Darin sind Orte der Region aufgeführt, die vor der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 bestanden – unter anderem das „dorf kranach“. So ist es wahrscheinlich, dass die erste Ansiedlung bereits vor dem Jahr 1000 an der alten Handelsstraße nach Böhmen entstand.Ingrid Burger-Segl: Goldbergbaumuseum Goldkronach. Weiden 2011, S. 32.
Schon im 13. Jahrhundert lässt sich Bergbau nachweisen. Überall im Fichtelgebirge grub man nach Zinn, Silber, Eisen – und Gold. Goldkronach, das wie die gesamte Umgebung zum Besitz der Grafen von Andechs zählte, wurde dabei am Goldberg und Zoppatenbach das ertragreichste Gebiet des Reiches zugeschrieben. Seitdem ist die Geschichte des Ortes eng mit dem Bergbau verwoben. Über die Grafen von Orlamünde, ein Adelsgeschlecht mit thüringischen Wurzeln, erlangten die zollerschen Burggrafen von Nürnberg 1342 die Herrschaft über den Ort und die damals existierende Burg, die Veste Goldeck.Stadt Goldkronach: Goldkronach. Alexander-von-Humboldt-Stadt. Schwabach 2011, S. 19.
Blüte des Bergbaus und Stadterhebung Das Dorf cranach oder kranach gewann durch den Abbau der Edelmetallvorkommen zusehends an Bedeutung. Burggraf Friedrich V. erhob den Ort am 29. September 1365 in Kulmbach zur Stadt. Damit gestand er gleichzeitig die Übernahme des Iglauer Bergrechts zu – die sogenannte Bergfreiheit. Ansässige und künftige Siedler sollten nach dieser Urkunde „Schutz und Schirm, Freiheit und Recht ohne Ansehen der Person, ob arm oder reich“ erhalten. Aus dem Jahr 1398 stammt der erste schriftliche Nachweis des Namens Goldtkranach. In Bayreuth und in Schwabach ließ man Gulden aus Goldkronacher Gold prägen.
Der bescheidene Wohlstand, den der wirtschaftliche Aufschwung mit sich brachte, spiegelt sich in der 1413 errichteten Kapelle, die – wie ihre Nachfolgebauten – dem heiligen Erhard geweiht wurde. Der letzte erhaltene Überrest ist in den Eingangsbereich des Kirchenbaus aus dem 19. Jahrhundert integriert. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts befand sich der Goldbergbau in der Hochblüte. Goldschmiede aus Bamberg, Nürnberg oder Erfurt besaßen Anteile an den Goldkronacher Bergwerken und verarbeiteten den begehrten Rohstoff weiter.
Mit den Hussitenkriegen kam der Bergbau zwischenzeitlich jedoch zum Erliegen, spätestens, als die Hussiten im Jahr 1430 plündernd durch Goldkronach zogen und das Kloster St. Jobst auf dem Oschenberg zerstörten. Kirchengeschichtlich sind die 1470er Jahre von Relevanz: Nachdem die Goldkronacher Gemeinde urkundlich 1474 von der Nemmersdorfer Mutterkirche getrennt worden war, war die Kapelle zu klein geworden. 1477 errichteten die Bewohner eine erste größere Kirche, die 1737 wegen Baufälligkeit ersetzt werden sollte. Die Lösung von der Nemmersdorfer Gemeinde wurde 1580 vollzogen.
Katastrophen in der Entwicklung der Stadt bedeuteten die Großbrände in den Jahren 1559 und 1613, ehe der Dreißigjährige Krieg den Goldbergbau abermals zum zeitweiligen Erliegen brachte. Markanter Zeitpunkt in der Stadtgeschichte war das Jahr 1655, als erstmals Bürger die kommunale Verwaltung durch vier Bürgermeister und acht Räte übernahmen. Mittlerweile waren die fränkischen Gebiete der Hohenzollern zu den Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth geworden. Nachdem er seit 1662 eine intensivere Wiederaufnahme des Bergbaus betrieben hatte, ließ Markgraf Christian Ernst nach einigen Jahren Ausbeutedukaten prägen.
Alexander von Humboldt Im Jahr 1792 übernahm die zentrale preußische Verwaltung das Gebiet der bis dahin selbständigen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth. Der Goldkronacher Bergbau war mittlerweile fast zum Erliegen gekommen, nachdem die Erträge sich stark verringert hatten. Die Berliner Verwaltung entsandte den 23-jährigen Alexander von Humboldt, um zu prüfen, in welchem Zustand sich Stadt und Bergwerke befanden. Er erstattete Bericht an das zuständige Ministerium und blieb in der Folge als Oberbergmeister in Goldkronach, um den Bergbau unter Anwendung neuer Technik wiederzubeleben.Andreas W. Daum, Alexander von Humboldt. C. H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-73435-9, S. 25 f.
Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Verhüttung zu verbessern, die mit ungeeigneten, schlecht überwachten Öfen, schlechter Kohle, deutlich zu hohem Kalkzuschlag und allerlei anderen Mängeln nur geringe Ausbeute lieferte. Zudem sollte er abbauwürdige Gänge finden und sich um die arbeitstechnische Sicherheit der Bergleute kümmern. Bald erkannte er, dass viele der Probleme mit mangelndem Wissen der Bergleute zu tun hatten. Die technischen Einrichtungen waren teilweise fast primitiv. Wegen der kleinen Lagerstätten war der technische Stand des Bergbaus sehr niedrig. Sie hatten dazu geführt, dass man sich nie zu großen Investitionen entschließen konnte. Entsprechend blieb auch die Ausbeute nur mäßig.
Humboldt führte lange Listen mit Mängeln, die es zu beheben gab, so man das Geld dafür bekam. Schließlich richtete er, anfangs auf eigene Kosten, Bergschulen ein, in denen dem Nachwuchs bergmännisches Grundwissen vermittelt wurden, dazu Rechnen und Rechtschreiben. Die Lehrpläne erstellte er selbst. Die Bergschule im fränkischen Steben blieb bis nach 1850 bestehen.
Humboldt ließ die 1648 stillgelegte Fürstenzeche wieder in Betrieb nehmen, nachdem er alte Bergwerksakten aus dem 16. Jahrhundert intensiv ausgewertet hatte. Ende Juni 1793 startete der Betrieb wieder, 1796 waren bereits 24 Bergleute in der Fürstenzeche beschäftigt.
Humboldts Aktivitäten beschränkten sich allerdings nicht auf organisatorische und technische Neuerungen im Prozess der Edelmetallförderung. Humboldts Name ist in Goldkronach – wie im gesamten Fichtelgebirge – mit Verbesserungen für die Bergleute und ihre Angehörigen verbunden. Dazu gehörte das Büchsengeld für Witwen verunglückter Bergmänner ebenso wie die nun deutlich sichereren und gesundheitsverträglicheren Arbeitsbedingungen in den Gruben und Stollen. 1796 trat Humboldt aus dem Staatsdienst aus, um sich auf Reisen zu begeben. Mit Otto Heinrich Tornesi wurde ein Sohn der Stadt sein Nachfolger. Beide hatten zuvor eng zusammengearbeitet.Stadt Goldkronach: Goldkronach. Alexander-von-Humboldt-Stadt. Schwabach 2011, S. 17–18.
Preußen prägte noch im Jahr 1803 Golddukaten aus Goldkronacher Gold. Einen Eindruck, wie Zeitgenossen die Stadt an der Schwelle zum 19. Jahrhundert erlebten, liefert die Beschreibung des Königlich Preussischen Kirchspiels Goldkronach aus der Feder von Johann Georg Dürrschmidt. „Die Einwohner sind meistens starke und gesunde Leute und haben ein behagliches und städtisches Aussehen, und vorzüglich das Lob, daß sie ihre Berge zu fruchtbaren Feldern umschaffen. Ihre Häuser nehmen sich, obgleich die wenigsten massiv sind, sehr gut aus; die Gassen sind ziemlich gerade, frei von Misthaufen, aber nicht […] gepflastert“, schilderte dieser im Jahr 1800.Johann Georg Dürrschmidt: Beschreibung des königlich preussischen im Fürstenthum Baireuth liegenden Kirchspiels Goldkronach in statistischer, topographischer, historischer, oryktologischer und literarischer Hinsicht. Bayreuth 1800, S. 24. Tatsächlich wurden die heute bewaldeten Höhen um die Stadt in früherer Zeit landwirtschaftlich genutzt.
Unter bayerischer Herrschaft