mini|Aufruf der DPLG zur Zeichnung von Anteilen in der Zeitschrift Export, 1889 mini|Karte des Pondolands und Ost-Griqualands von 1880 Konzessionsgebiet der DPLG Die Deutsche Pondoland-Gesellschaft (DPLG) war eine Berliner Kolonial- und Kommanditgesellschaft mit Wirtschaftsinteressen im südafrikanischen Pondoland. Der Hauptzweck der Gesellschaft war die Verwertung einer durch Emil Nagel mit Pondohäuptern geschlossenen Konzession.
Geschichte Die Gesellschaft ging im Jahr 1886 aus dem Berliner Südafrikanischen Verein hervor.Werner van der Merwe: Sechzig Jahre SADK 1932–1992. Universität Südafrika, Pretoria 1992, ISBN 978-0-86981-750-6, S. 151.Laut Werner Schmidt-Pretoria wurde die DPLG hingegen bereits im Jahr 1885, der Südafrikanische Verein aber erst 1886 durch Otto Kersten gegründet. Werner Schmidt-Pretoria: Deutsche Wanderung nach Südafrika im 19. Jahrhundert. Dietrich Reimer, Berlin 1955 (Namensregister. safrika.org) Der Leutnant a. D. Emil Nagel hatte im Juni 1885 mit den Pondohäuptern Umhlangaso und Umquikela einen Konzessionsvertrag für eine Land- und Kolonisationsgesellschaft abgeschlossen. Die DPLG wollte die im Vertrag genannten Landrechte wirtschaftlich verwerten und deutsche Kolonialisten im Pondoland ansiedeln.Mitteilungen aus der deutschen Kolonialgesellschaft – Abteilung Berlin. In: Deutsche Kolonialzeitung, 1. Jg. (neue Folge), Nr. 47, Berlin 24. November 1888, S. 381 (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg) Gründer und treibende Kraft hinter der Gesellschaft war der Geograph und Afrikaforscher Otto Kersten.Moritz Schanz: Ost- und Süd-Afrika. Wilhelm Süsserott, Berlin 1902, S. 307; . Im August 1889 wurde die Gesellschaft unter dem Namen Deutsche Pondoland-Gesellschaft, Kommanditgesellschaft Dr. Kersten, Bauer & Co. in das Berliner Handelsregister eingetragen.Kleine Mitteilungen. In: Deutsche Kolonialzeitung. 2. Jg. (neue Folge), Nr. 32, Berlin 14. September 1889, S. 179–180 (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg) Das Büro der DPLG befand sich zu dieser Zeit in der Friedrichstraße 71, am heutigen Quartier 206.
Anders als Lüderitz’ Erwerbung in Südwestafrika oder Clemens Denhardts, Gustav Denhardts und Peters’ Ansprüche in Ostafrika war der Privatbesitz im Pondoland nie deutsche Kolonie.Die zeitgenössisch bisweilen verwendete Bezeichnung Deutsch-Pondoland drückte kein staatsrechtliches Verhältnis aus. Die deutsche Pondolandgesellschaft. In: Export – Organ des Centralvereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande, XI. Jg., Nr. 15, S. 216–217; . Vielmehr galt eine Schutzerklärung durch das Reich im März 1887 als „ausgeschlossen“.Ein neues Kolonisationsunternehmen in Süd-Afrika. In: Kolonial-politische Korrespondenz, 3. Jg., Nr. 10, 12. März 1887, S. 77–78. (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg) Wie im Fall der nördlich gelegenen Santa Lucia Bay erkannt die Reichsregierung auch diesen Teil Südafrikas als britische Interessensphäre an. Die DPLG erlangte daher keine kolonialpolitische Bedeutung, sondern blieb ein rein privatwirtschaftliches Unternehmen. Gleichwohl versicherten sowohl die Deutsche Kolonialgesellschaft als auch der Verein für Handelsgeographie der DPLG ihre Unterstützung.Otto Kersten: Südostafrika. In: Deutsche Kolonialzeitung, 2. Jg. (neue Folge), Nr. 10, Berlin 9. März 1889, S. 77. (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg)
Zu den Aktivitäten der Gesellschaft zählt die Pondoland-Expedition von 1887/1888 zur Untersuchung der Bedingungen für Land- und Forstwirtschaft. Die Expeditionsmitglieder erreichten von dem Pondo-Thronfolger Usigkao nach langen Verhandlung am 10. März 1888 eine Bestätigung und Übertragung der Konzession auf die DPLG. Der Landbesitz der Gesellschaft wuchs auf etwa 150.000 Hektar (ca. 1.500 km²), was etwa der Größe der Grafschaft Glatz in Schlesien entsprach.Franz Bachmann: Vereinsnachrichten. In: Export – Organ des Centralvereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande, XI. Jg., Nr. 12, S. 177–178; . Obwohl die Unterstützung durch die DPLG laut des Mitglieds Franz Bachmann gering war, wurde mit dem Aufbau mehrerer Versuchsstationen begonnen, die Konrad Beyrich etwa zwei Jahre lang betrieb.Franz Bachmann: Süd-Afrika – Reisen, Erlebnisse und Beobachtungen während eines sechsjährigen Aufenthaltes in der Kapkolonie, Natal und Pondoland. H. Eichblatt, Berlin 1901, .
Circa 10.000 Hektar des Gesellschaftsgebiets waren Hochwald. Die Gesellschaft setzte besonders in die Holzbestände des Ekossawaldes große Hoffnungen.Otto Kersten: Überseeische Waldwirtschaft. In: Gustav Meinecke (Hrsg.): Koloniales Jahrbuch – Das Jahr 1888, 1. Jg., Carl Heymann, Berlin 1889, S. 61–80; . Auf der dort errichteten Station Intsubana wurden Holzproben gesammelt und an die DPLG nach Berlin geschickt.Franz Bachmann: Ein Ritt durch den Ekossa-Wald und an der Küste von Pondoland (Südost-Afrika). In: Deutsche Kolonialzeitung, 1. Jg. (neue Folge), Nr. 25, Berlin 23. Juni 1888, S. 194–197 (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg) Nahe Port Grosvenor an der Küste des Pondolandes bestand zudem die Station Lambas (auch Lombaas), die Agrarversuchen dienen sollte.Hugh F. Glen, Gerrit Germishuizen (Hrsg.): Botanical exploration of southern Africa. 2. Auflage. In: Strelitzia, 26, South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2010, ISBN 978-1-919976-54-9, S. 83 (biodiversitylibrary.org) In deutschen Zeitungen wurden Investoren zur Zeichnung von Anteilen und Siedler zur Auswanderung aufgerufen.Neue koloniale Unternehmungen – Das deutsche Pondoland-Unternehmen. In: Deutsche Kolonialzeitung, 2. Jg. (neue Folge), Nr. 10, Berlin 9. März 1889, S. 78–79 (Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg)Politische Tagesschau. In: Thorner Presse, VII. Jg., Nr. 85, 10. April 1889, S. 2; Universitätsbibliothek Toruń (PDF; 8,5 MB).
Das Gesellschaftskapital wurde auf der ersten Generalversammlung auf 700.000 Mark festgesetzt. Davon blieben nach Abzug der Abfindung an frühere Erwerber des Landes und der Unkosten der Untersuchungsexpedition noch rund 400.000 Mark als Betriebskapital. Davon wurden 200.000 Mark als Anteile aufgelegt (siehe Abbildung des Aufrufes).Die deutsche Pondolandgesellschaft. In: Export – Organ des Centralvereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande. XI. Jg., Nr. 15, S. 216–217. Über weitere Aktivitäten der Gesellschaft ist wenig bekannt.In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1902 heißt es, Schwierigkeiten mit der britischen Verwaltung hätten eine weitere Entwicklung des Unternehmens verhindert. Moritz Schanz: Ost- und Süd-Afrika. Wilhelm Süsserott, Berlin 1902, S. 307. Die DPLG ist bis in das Jahr 1901 in Berliner Adressbüchern nachweisbar.
Weblinks Deutsche Pondoland-Gesellschaft. In: Archivführer Deutsche Kolonialgeschichte, Fachhochschule Potsdam – Fachbereich Informationswissenschaften (Hrsg.)
Anmerkungen und Einzelnachweise
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