Die Geschichte der Juden in Coburg begann im Laufe des 13. Jahrhunderts mit ersten Zuwanderungen nach Coburg. Ende des 14. Jahrhunderts war eine größere jüdische Gemeinde entstanden, die aufgrund einer Vertreibungspolitik der sächsischen Landesherren etwa 50 Jahre später wieder aufgelöst war. Anfang des 19. Jahrhunderts ließen sich die ersten Juden wieder in Coburg nieder. Bis 1926 war ihre Zahl auf 316 angewachsen. Sechs Frauen lebten nach dem Holocaust noch in der Stadt, mindestens 62 Einwohner wurden ermordet.

13. bis 18. Jahrhundert mini|hochkant|Judentor in Coburg Für eine Ansiedlung von Juden in Coburg im Laufe des 13. Jahrhunderts gibt es keine direkten Zeugnisse. Es ist aber aufgrund eines Schreibens aus dieser Zeit, in der ein „Isaac von Coburg“ genannt wird, wahrscheinlich. Aus dem Jahr 1301 stammt der erste urkundliche Beleg für eine jüdische Gemeinschaft in Coburg. Die erste Erwähnung des Judentors folgte im Jahr 1321. Der Name deutet auf eine größere Gruppe jüdischer Familien hin. In den Nachbarorten der Pflege Coburg sind zu der Zeit ebenfalls Juden bezeugt. Der Name Judengasse tauchte erstmals 1393 auf und 1429 der Judenberg. Zwei Ende des 14. Jahrhunderts belegte sogenannte Judengruben, Beisetzungsstätten jüdischer Mitbürger, sind ein weiteres Indiz für den Bestand einer größeren jüdischen Gemeinschaft.

Die Coburger Juden waren 1349 auch von Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes in Thüringen oder Bamberg betroffen. Ab 1362 förderte ein Frei- und Schutzbrief von Markgraf Friedrich III. von Meißen die Wiederansiedlung von Juden. Unter dem Schutz der Coburger Landesherren, die die Schutzbriefe in mehrjährigen Abschnitten immer erneuerten, entwickelte sich eine größere jüdische Gemeinde. Um 1400 hatte die Stadt etwa 2000 Einwohner, von denen etwa 3 % Juden waren. Die Judenschule, die gleichzeitig als Synagoge diente, ungefähr in der Judengasse 9 gelegen, wurde erstmals 1393 genannt. Aus dem Jahr 1395 stammt das sogenannte Coburg-Pentateuch, eine reich illuminierte hebräische Handschrift im Umfang von 504 Seiten, bestehend aus einem fünfteiligen Codex, die seit 1854 im Britischen Museum in London aufbewahrt wird. Eine größere kolorierte Zeichnung könnte die Veste Coburg darstellen. Es wurde zufällig 1978 in einer Ausstellungsvitrine durch die in den USA lebende Helene Gutmann entdeckt. Im Jahr 1413 durfte ein Friedhof außerhalb der Stadtmauern angelegt werden. Reste wie ein Grabstein von 1457 wurden 1896 beim Bau des Hauses Judengasse 50 gefunden. Die jüdischen Familien lebten überwiegend von Geldgeschäften, die nach kirchlichem Recht den Christen verboten waren. Zahlreiche Adelsgeschlechter und Klöster, aber auch Bischöfe, schuldeten ihnen Geld. Im Jahr 1422 verbot der Würzburger Bischof Johann II. von Brunn den Umgang und Handel mit Juden und empfahl diese mit einem roten oder anders farbigen Schild zu kennzeichnen. Kurfürst Friedrich II. begann Mitte der 1430er Jahre mit einer Vertreibungspolitik. Herzog Wilhelm III. befahl 1445 die Ausweisung der Coburger Juden. 1447 wurde die Judenschule geschlossen und die jüdische Gemeinde löste sich auf. Das letzte Mitglied der jüdischen Gemeinde wurde 1466 auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Im Jahr 1516 wurde noch der jüdische Einwohner Salomon im Erbbuch eines Hauses unter den Bewohnern aufgeführt. Die Coburger Landesordnung von 1531 bestimmte, keine Juden im Land zu dulden.

In den folgenden Jahrhunderten duldeten die sächsischen Landesherren keine Niederlassung von Juden in Coburg. Trotzdem siedelten sich vereinzelt Juden an. 1598 war Georg Neblthau in der Münze beschäftigt, die 1680 an zwei Juden verpachtet war. 1754 wurde der Konditor Christoph Israel Rosenthal als Steuerzahler erwähnt.

19. Jahrhundert Ein Gesuch des Handelsjuden Salomon Callmann aus Rudolstadt zwecks Niederlassung wurde 1804 abgelehnt, weil die Vertreter der Stadt keine Konkurrenz im Handelsgewerbe haben wollten. Am 27. August 1805 gestattete aber die Landesregierung, gegen die Einsprüche des Coburger Magistrats, den beiden Söhnen des Handelsjuden und Hoffaktors Simon Levi Simon aus Hildburghausen, Joseph und Salomon Simon, die Ansiedlung. Die Söhne lebten in Küps und hatten eine Erlaubnis zum Hausierhandel mit alten Kleidern. Simon stattete seine Söhne mit einem Vermögen von 20.000 Gulden aus. Gemäß den Regelungen des Schutzbriefes von Herzog Franz vom 19. August 1806 waren eine einmalige Zahlung von 1.000 Gulden und eine jährliche Steuer in die herzogliche Kasse zu entrichten. Zusätzlich fielen Abgaben an den Coburger Magistrat und ein Leibzoll für alle Dienstboten an. Schließlich musste ein erblicher deutscher Familienname angenommen werden und es durfte kein Bart nach jüdischer Sitte getragen werden.

Gemäß den geänderten Bestimmungen für die Ansiedlung von Juden durften nicht mehr als drei jüdischen Familien in Coburg ansässig sein. Nur sie erhielten einen herzoglichen Schutzbrief. Nach den beiden Familien der Brüder Simon war die dritte Familie ab 1810 die des Wollhändlers Wolf Löw aus Sulzdorf an der Lederhecke, der 1814 Coburg wieder verließ. Dessen Platz übernahm 1817 der Schnittwarenhändler Bär Moses Friedmann aus Altenkunstadt (1817). Daneben gab es ohne verbriefte Rechte zeitlich befristete Aufenthaltsgenehmigungen, die verlängert werden konnten, und Einzelfallentscheidungen, wie beim Hofzahnarzt Abraham Seligmann aus Hildburghausen in den 1820er Jahren. Gemäß der Sachsen-Coburger Verfassung von 1821 hatten Juden weder das Wahlrecht noch Grund- und Staatsbürgerrechte.

Insbesondere der Coburger Magistrat führte eine restriktive Politik um einen Zuzug oder eine Ausdehnung jüdischer Familien zu begrenzen. Bereits ansässige Juden durften keine Grundstücke erwerben, keinen weiteren Hausstand gründen und damit auch nicht heiraten. Der Kaufmann Moritz Friedmann erhielt nach juristischen Schritten 1850 als erster Coburger Jude die vollständigen Bürgerrechte und musste 1855 in die judenfeindliche Kaufmannsgilde aufgenommen werden.

Mit dem am 3. Mai 1852 veröffentlichten Staatsgrundgesetz für die Herzogtümer Coburg und Gotha wurden die Juden mit den gleichen Rechten und Pflichten ausstattet wie die Christen. Die wirtschaftliche Gleichberechtigung folgte 1863 mit der Einführung der Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit. Mit dem Beitritt Sachsen-Coburgs zum Norddeutschen Bund 1867 wurden die dort geltenden Gesetze zur Gleichstellung aller Konfessionen materielles Recht in Coburg. In den folgenden Jahrzehnten wanderten die Juden aus den umliegenden Landgemeinden nach Coburg ab. 1869 wohnten 12 jüdische Familien mit 68 Mitgliedern in der Stadt. 1873 waren es 25 Familien und 1903 schon 55 Familien. Die meisten kamen aus dem benachbarten Sachsen-Meiningen.

mini|Nikolaikapelle in Coburg 1870 reichten erstmals acht der ansässigen jüdischen Familien ein Gesuch bei der Stadt ein, eine Gemeinde gründen zu dürfen. Da die vier anderen Familien gegen eine Gründung waren, verzögerte sich die Genehmigung. Da eine juristische Institution notwendig war, gründete sich am 4. Januar 1873 die jüdische Kultusgemeinde. Am 28. April 1873 stimmte die Staatsregierung schließlich den Statuten auf der Basis der freiwilligen Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde zu. Damit wurde der Gemeinde der Status einer juristischen Person zuerkannt. Die Gemeinde erhob sogenannte Steuern bei ihren Mitgliedern, die sich nach der Höhe der Einkünfte richtete. Simon Oppenheim wurde als Vorbeter der Gemeinde, Schächter und Religionslehrer angestellt. Als Lehrer unterstand er der Aufsicht des sachsen-meiningischen Landesrabbiners Moritz Dessauer.

Anfangs war die Betstube im Wohnhaus Herrngasse 4 der Familie Simon benutzt worden. Am 20. September 1873, am Sabbat vor dem jüdischen Neujahr folgte die Einweihung der Kapelle St. Nikolaus als Synagoge. Die Stadt Coburg hatte der Gemeinde das Gotteshaus mit der Auflage, für den Unterhaltsaufwand aufzukommen, unentgeltlich überlassen. Nach einem Ersuchen von zwei jüdischen Bürgern 1871 konnte im Juli 1873 die jüdische Gemeinde außerdem von der Stadt für 1.600 Gulden am östlichen Ende des Friedhofs am Glockenberg 2900 Quadratmeter der damaligen Friedhofserweiterung für ein eigenes Bestattungsfeld erwerben.(siehe Jüdischer Friedhof (Coburg)) Die erste Beisetzung war am 12. Juli 1874.

Im Jahr 1875 hatte die jüdische Gemeinde 17 Mitgliedsfamilien, während sich 11 Familien und Einzelpersonen vom religiösen Leben fernhielten. 1878 wurde der Israelitische Frauenverein, 1899 ein jüdischer Geschichtsverein und 1905 ein Wohltätigkeitsverein gegründet.

20. Jahrhundert Nachfolger des Vorbeters Simon Oppenheim wurde 1914 der Lehrer und Prediger Hermann Hirsch, der 1917 ein Internat gründete, das er 1935 formal in eine jüdische Volksschule, faktisch aber in ein Jüdisches Landschulheim umwandelte. 1917 hatte die Gemeinde 77 Mitglieder, 62 Männer und 15 Frauen. Offizielles Mitglied war in der Regel nur ein Familienteil. Die Religionsschule besuchten 21 Jungen und 17 Mädchen. Nach der Vereinigung des Freistaats Coburg mit dem Freistaat Bayern im Jahr 1920 ließ sich die jüdische Gemeinde im Jahr 1922 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkennen. In der Folge durfte sie Mitglied des Verbandes der bayerischen israelitischen Gemeinden werden. Zusätzlich musste sie sich in loser Form einem Rabbinat anschließen. Dies geschah durch Anschluss an den Rabbiner in Bamberg, nicht an den Rabbinatsdistrikt. Der Rabbiner war zuständig für die mit der Erfüllung der religionsgesetzlichen Pflichten. Die praktische Betreuung der Gemeinde oblag weiterhin dem Prediger Hirsch.

Im Ersten Weltkrieg hatte die Kultusgemeinde sieben gefallene Mitglieder zu beklagen. Erste antisemitische Flugblätter wurden im Oktober 1919 in Coburg an zahlreiche Häuserwände geklebt. Die Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens reagierte umgehend und setzte für Hinweise auf die Täter eine Belohnung von 200 Mark aus. Außerdem ließ er Ludwig Holländer am 30. Oktober 1919 einen Vortrag mit dem Thema die antisemitische Gefahr halten. Insbesondere die DNVP mit der ihr nahestehenden Coburger Zeitung reagierten mit antijüdischen Vorträgen und Artikeln darauf, beispielsweise am 20. Februar 1920 mit dem Vortrag von Artur Dinter Die semitische Gefahr. Von 1920 bis 1922 profilierte sich die Coburger Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes mit judenfeindlichen Flugblättern, Plakaten, Artikeln in der Coburger Zeitung und Vorträgen. Am 26. November 1920 wurde erstmals in Deutschland Juden der Zutritt zu einer öffentlichen Vortragsveranstaltung vor 2000 Zuhörern mit dem Thema Das Verbrechen am Volke verwehrt.

Während des Deutschen Tags kam es am 15. Oktober 1922 zu verschiedenen antisemitischen Kundgebungen durch SA-Männer. Dabei wurde unter anderem dem Direktor der Fleischfabrik Großmann, Abraham Friedmann, mit Totschlag gedroht, da Hitler ein Gerücht verbreiteten ließ, dass Friedmann 100.000 Reichsmark zur Störung der Veranstaltungen an Linksextreme gezahlt habe.Jürgen Erdmann: Coburg, Bayern und das Reich 1918–1923. Druckhaus und Vesteverlag A. Rossteutscher, Coburg 1969. S. 106.