mini|Blick vom Schafberg auf den historischen Ortskern von Himmelkron mit dem ehemaligen Zisterzienserinnen-Kloster und seiner Stiftskirche mini|Weißer Main mit Klosterberg

Himmelkron (oberfränkisch: Gluschde bzw. HimmlgrohE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 200. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „glūschde“ bzw. „himmlgrōⁿ“.) ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern.

Geographische Lage Das Pfarrdorf Himmelkron liegt auf einer Höhe von an der Mündung des Streitmühlbaches (auch Rohresbach genanntHelmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 16.) in den Weißen Main, einem Quellfluss des Mains, dessen Quelle am Ochsenkopf im Fichtelgebirge 30 km entfernt ist. Umgeben wird es von den Randlagen des Frankenwaldes, des Fichtelgebirges und des Fränkischen Jura.

Der schmale Taleinschnitt des Streitmühlbaches nach seiner Quelle in Rohrersreuth () in die geologische Formation Fränkische Linie bietet eine Aufstiegshilfe für zwei Verkehrsadern zur Überwindung des Höhenunterschiedes vom Tal des Weißen Mains zur Münchberger Hochfläche (zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge). Die Bahnstrecke von Bamberg nach Hof an der Saale, Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn, erhielt 1848 für die 158 Höhenmeter eine Rampe, die Schiefe Ebene, mit einer Steigung von bis zu 25 ‰. Den gleichen Höhenunterschied überwindet die Autobahn A 9 München–Berlin.

Der Hauptort erstreckt sich auf einer ca. 1 km langen Anhöhe zwischen den Tälern des Mains und des Streitmühlbaches, sowie im Tal des Streitmühlbaches. Am nordwestlichen Ende beim Zusammenfluss der beiden Gewässer fällt die Anhöhe auf drei Seiten steil ab, der Bergsporn ist der ideale Ort für die Errichtung einer Burg und in der Nachfolge der Klosteranlage. Am anderen südöstlichen Ende bei der Kreuzung der beiden Verkehrsadern B 303 und A 9 wurde 1996 weithin sichtbar die Autobahnkirche St. Christophorus errichtet.

Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Das Gemeindegebiet umfasst die Gemarkungen Gössenreuth, Himmelkron, Himmelkroner Forst und Lanzendorf. Die Gemarkung Himmelkron hat eine Fläche von 5,847 km². Sie ist in 1318 Flurstücke aufgeteilt mit einer durchschnittlichen Fläche von 4436 m². In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hermeshof, Schiefe Ebene, Schwärzhof, Streit, Streitmühle und Ziegelhütte.

Geschichte Der Ort hat seinen Ursprung auf der rechts des Weißen Mains gelegenen, ursprünglich slawischen Siedlung „Pretzendorf“Pretzendorf: Auf slawische Siedlungen in Oberfranken weisen u. a. die Namensbestandteile itz und gast hin (wie entlang des Weißen Mains bei den benachbarten Gemeinden Kremitz, Trebgast, Ködnitz und Fölschnitz).

Pretzendorf enthält den slawischen Personennamen Pred. mit der Burg Castrum Prezendorff. Sie wurde wohl von den Andechs-Meranien gegründet.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 12.

Klosterzeit 1279–1569 Zu Weihnachten 1279 schenkte Otto III., Graf von Weimar-Orlamünde (* 1244, † 1285), der als Landesherr auf der Plassenburg von Kulmbach residierte, die Burg dem Zisterzienserorden zur Gründung eines Frauenklosters. Sie war im Besitz der Grafen von Weimar-Orlamünde, deren Grafschaft auf dem Gebiet des heutigen Thüringens lag.

Zur Schenkung gehörten auch die dazugehörigen Äcker, Wiesen, Wälder, Mühlen, Gewässer und die mit ihnen verbundenen Rechte. In der Stiftungsurkunde wird der Name des Klosters mit „corona coeli“ (Krone des Himmels) festgelegt. Sein Motiv für die großzügige Stiftung war der Wunsch nach Vergebung aller unserer Sünden und zum Heil unserer Seelen.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 9 Sechs Jahre nach der Schenkung verstarb er. Der Name Himmelkron galt zunächst nur für den Klosterbezirk. Erst um 1600, nach der Klosterzeit, ging der Name auch auf das Dorf über. 1602 wurde ein größerer Friedhof an der Straße nach Lanzendorf angelegt, der den Friedhof an der Klosterkirche ablöste. Seitdem wurde der Name Pretzendorf nicht mehr erwähnt.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach. S. 60.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 103.

Die ersten Nonnen kamen wahrscheinlich aus dem Kloster Sonnefeld bei Coburg, dem nächstgelegenen Frauenkloster der Zisterzienser. Agnes von Weimar-Orlamünde († 1354), die Tochter des Klosterstifters Otto III., war Äbtissin des Klosters. Beide haben ein Denkmal im Altarraum der Stiftskirche, den Sarkophag des Grafen Otto und das Epitaph der Äbtissin Agnes. Noch im 13. Jahrhundert erging der Auftrag zum Bau der Kirche und geeigneter Klostergebäude südlich der Kirche. Mit drei Gebäuden aus dem 13. und 14. Jahrhundert umschließen sie den Klosterhof. Die gotische Klosterkirche, die der Maria geweiht ist, zeigt die typischen Merkmale einer Zisterzienserkirche, hohe Kirchenfenster, schlichte Strebepfeiler und einem Dachreiter mit Glockenstuhl. Er sitzt über eine durchgehende Trennwand, der die Kirche in einen östlichen Teil, der Laienkirche, und dem westlichen Teil, dem Klausurbereich für die Nonnen mit Kapelle und Nonnensaal im ersten Stock trennt. Nur über zwei schmale Fenster war ein Sichtkontakt vom Nonnensaal in die Laienkirche möglich, um den Gottesdienst verfolgen zu können.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 32.

Unter der 11. Äbtissin Elisabeth von Künsberg (1460–1484) wurde 1473 der Kreuzgang errichtet, der den Klosterhof an allen vier Seiten umschloss. Eine Steinplastik an der Ostseite und ein Relief an der Westseite des noch vorhandenen Teils weisen auf sie hin. Musizierende Engel und im Ostjoch Herolde der Ritterorden mit Ordensketten schmücken das Kreuzrippengewölbe. An der Kirchenwandseite sind acht Sandsteinreliefs angebracht mit Darstellungen, die den Nonnen zur Meditation dienten. Dem ersten Relief mit dem Schmerzensmann folgt ein siebenteiliger Credo-Zyklus: Schöpfung – Jesusknabe – Verkündigung an Maria – Geburt Jesu – Geiselung, Kreuzigung und Grablegung – Vorhölle und Auferstehung – Himmelfahrt, Sitz zur Rechten Gottes. Auch wenn vom Kreuzgang nur noch der nördliche Flügel übriggeblieben ist und die ursprünglich vorhandenen Figuren auf den Konsolen verschwunden sind, ist der Kreuzgang einer der sehenswertesten Baudenkmäler, die „Perle von Himmelkron“.A. Krainhöfer, H. Meißner, H. Meyer, R. Stelzer: Himmelkron mit Lanzendorf und Gössenreuth, zwischen altem und neuem Jahrhundert, S. 16 Markgraf Friedrich III. von Bayreuth (1735–1763) ließ 1750 drei Flügel abreißen.

1516 erfolgte durch die 13. Äbtissin Magdalena von Wirsberg (1499–1522) eine Erweiterung um einem zusätzlichen Klostertrakt an der Westfassade der Kirche. Ein Relief am äußeren Toreingang aus dem Jahr 1518 zeigt die Äbtissin mit dem Ordensgründer Bernhard von Clairvaux, auf der Inschrift an Südseite am inneren Toreingang wird sie namentlich erwähnt. Die letzten baulichen Ergänzungen mit Umfassungsmauern und Tore in der Ära der Klosterzeit veranlasste die 15. Äbtissin Apollonia von Waldenfels (1529–1543). Mit der Reformation endete die Klosterzeit. Der Landesherr Markgraf Georg von Brandenburg-Kulmbach (1527–1543), ein früher Anhänger des Protestantismus, wollte 1528/29 das Kloster zu einem protestantischen Stift umwandeln.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 42. Der Bischof von Bamberg widersprach, auch die Klosterinsassen waren zunächst dagegen. 1548 trat die 16. und letzte Äbtissin Margarethe von Döhlau (1543–1569) und mit ihr das gesamte Kloster zum Protestantismus über. Auf ihrem Epitaph in der Klosterkirche ist nicht mehr der Krummstab das Insigne ihres Amtes, sondern das Kreuz. Ihr Tod 1569 gilt allgemein als Ende der Klosterzeit.

Markgrafenzeit 1569–1791 Mit dem Ende des Klosterlebens übernahmen die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach / von Brandenburg-Bayreuth aus der fränkischen Nebenlinie der Hohenzollern das Kloster und erweiterten es nach ihren Bedürfnissen zu einer Sommerresidenz und einem Jagdschloss. 1604 verlegte Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth (1603–1655) die Residenz von der Kulmbacher Plassenburg nach Bayreuth. Für die Erweiterung des Klosterkomplexes wurde im Südwesten ein Schlosstrakt angefügt, der Prinzenbau (Bauzeit 1699–1719) mit dem Roten-Adler Saal.Der Festsaal / Roter-Adler-Saal wird heute von der Gemeinde für repräsentative Zwecke benutzt. Die Bauausführung des Prinzenbaus oblag Johann David Räntz nach Entwürfen von Antonio Porta, der auch ab 1700 das gotische Kirchenschiff der Stiftskirche im barocken Markgrafenstil umgestaltete. Neben dem vorhandenen geschlossenen (oberen) Klosterhof entstand aus dem unteren Klosterhof ein geschlossener Schlosshof. Im Kloster wurde eine Erziehungsanstalt für adlige, später auch für bürgerliche Waisenkinder eingerichtet.

Zur Benutzung als Jagdschloss gehörte auch die südlich von Himmelkron bei Nenntmansreuth gelegene Falkenhaube () aus dem Jahr 1722 für die Reiherbeize mittels Falken (heute Hotel Schloss Falkenhaus).

Zur Unterhaltung der höfischen Gesellschaft wurde 1662–1663 vom Markgraf Christian Ernst (1655–1712) die Baille-Maille-Lindenallee angelegt. Sie bestand aus vier Reihen zu je 200 Linden und einer Spielstraße für das Paille-Maille Ballspiel. Später wurde sie am westlichen Ende mit einer Brücke über den Main ergänzt. Nur diese Brücke und eine Linde sind aus der Entstehungszeit erhalten geblieben.

In der Kapelle unterhalb des Nonnensaals befindet sich die Fürstengruft, in der zwei Markgrafen und zwei Prinzen in Sarkophagen beigesetzt sind.

Markgraf Georg Friedrich Karl (* 1688 / 1726–1735), er hatte die Fürstengruft eingerichtet und wurde 1735 als erster hier beigesetzt. Prinz Albrecht Wolfgang (* 1689, † 1734), Bruder der beiden regierenden Markgrafen, Generalfeldmarschall unter Kaiser Karl VI., gefallen 1734 bei Parma, in Himmelkron beigesetzt 1742 Während der Napoleonischen Kriege (1805–1809) drangen Soldaten Napoleons 1806 in die Fürstengruft ein und zerschlugen den äußeren Marmordeckel. Sie wussten, dass der Beigesetzte 60 Jahre zuvor in der Schlacht bei Parma 1734 in den Truppen der Habsburger gegen ihre Vorfahren gekämpft hatte. Den Ortsbewohnern gelang es, sie zu vertreiben.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 53 Markgraf Friedrich Christian (* 1708 / 1763–1769) in Himmelkron beigesetzt 1769 Prinz Christian Heinrich von Brandenburg-Kulmbach (* 1661, † 1708), in Himmelkron beigesetzt 1738 Unter Markgraf Friedrich III. (1735–1763) wurden drei Flügel des Kreuzganges abgebrochen, Klostermühle und Klosterbrauhaus verkauft.Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 44 Mit Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander (1769–1791) endete die Markgrafenzeit in Himmelkron. Die beiden Fürstentümer Bayreuth und Ansbach führte er in Personalunion. Er hatte keine Nachkommen und trat 1791 die Fürstentümer gegen eine Leibrente an den preußischen Staat ab. Schloss und Kloster wurden an Privatleute für Eigentumswohnungen verkauft, die Lindenallee gegen den Willen der Bevölkerung von preußischem Militär abgeholzt. Eine schwierige Zeit für Himmelkron begann.

Nach der Niederlage Preußens 1806 gegen das napoleonische Frankreich in der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde von 1806 bis 1810 das markgräfliche Fürstentum Bayreuth eine Provinz des französischen Kaiserreiches. Während der französischen Besatzung litt das Dorf unter den „schrecklichen Lasten, Einquartierungen, Contributionen und Lieferungen“. (Postler).Helmuth Meißner: 700 Jahre Himmelkron, Geschichte und Geschichten, Namen und Daten, S. 53 1810 wurde das Fürstentum Bayreuth an das 1806 gegründete Königreich Bayern übergeben.

Dunkles Jahrhundert 1792–1892