Die Landstraße ist der 3. Wiener Gemeindebezirk und entstand 1850 durch Eingemeindung ehemaliger Vorstädte. Sie liegt südöstlich der Inneren Stadt (1. Bezirk) und zählt zu den inneren Bezirken, dem erweiterten Stadtzentrum. Als einziger der Bezirke 3 bis 9, nach deren Eingemeindung an ihrem Rand der Gürtel als Durchzugsstraße angelegt wurde, hat der 3. Bezirk seine Außengrenze nicht an dieser Straße, sondern weiter vom Zentrum entfernt.
Der Bezirk verbindet dicht bebaute Wohnviertel und ein ausgedehntes Botschaftsviertel mit ehemaligen Industrie- und Bahnhofsarealen, die seit dem späten 20. Jahrhundert stark umgestaltet werden. Zu den bekanntesten Bauwerken und Einrichtungen zählen das Schloss Belvedere, das Hundertwasserhaus, das Arsenal, das Wiener Konzerthaus, das Kunst Haus Wien und das Heeresgeschichtliche Museum. Im Bereich Sankt Marx haben sich zudem Forschungseinrichtungen, Medienunternehmen und weitere Dienstleistungsbetriebe angesiedelt.
Geographie mini|Luftbild des inneren Bereiches des 3. Bezirks; Blick nach Nordosten
Lage Der Bezirk Landstraße ist im südöstlichen Zentrum der Stadt Wien gelegen und nimmt eine Fläche von 7,39 km² bzw. 1,8 % der Wiener Stadtfläche ein.3. Bezirk: Landstraße, Stadt Wien, abgerufen am 8. September 2026. Damit liegt die Landstraße flächenmäßig im Mittelfeld der Wiener Gemeindebezirke. Verglichen mit den anderen „inneren Bezirken“ weist sie einen hohen Anteil an Betriebs-, Verwaltungs- und institutionell genutzten Flächen auf. Der Bezirk liegt auf mehreren Terrassen der Donau, wobei der Donaukanal die östliche und die Wien die nordwestliche Grenze bildet. Im Süden reicht das Bezirksgebiet bis an den Laaer Berg und das Arsenal.
Geologie Das Bezirksgebiet der Landstraße wurde vor allem durch die Donau geformt, die im Laufe der Zeit mehrere Terrassen bildete. Insbesondere während der Eiszeit kam es durch Frost zur Bildung großer Schuttmassen, die von der Donau in das Wiener Becken verfrachtet wurden. In den warmzeitlichen Phasen schnitt sich in der Folge die Donau in den Schotterkörper und bildete Terrassen heraus, wobei die Terrassen mit zunehmender Entfernung zur Donau bzw. des Donaukanals immer älter werden. Auf dem Bezirksgebiet liegen drei Donauterrassen, deren Höhe ausgehend vom Donaukanal nach Westen ansteigt. Nahe am Donaukanal liegt die „Zone der rezenten Mäander“, die Stadtterrasse (Risseiszeit) folgt auf der Höhe der Landstraßer Hauptstraße () und die Arsenalterrasse (Mindeleiszeit) auf dem Gelände des Arsenals. Der höchste Punkt befindet sich mit 202 m.ü.A. in der Arsenalstraße, an der Grenze zum 10. Wiener Gemeindebezirk, gegenüber dem Belvedere 21 (Arsenalstraße 1).
Der Aufbau der Terrassen ist mit Ausnahme der jüngsten Terrasse („Zone der rezenten Mäander“) immer gleich. Der Untergrund besteht überwiegend aus Tegel sowie teilweise sandigen Ablagerungen aus dem Pannonium, darüber Kiesschichten die während der Eiszeiten aufgeschüttet wurden. Die oberste Schicht wird aus Löss gebildet, der aus dem Alpenvorland geweht wurde. Bei der jüngsten Terrasse liegen über der Kiesschicht hingegen Ausedimente wie Feinsande und Silite. Die Gesteine der Kiesschicht wurden überwiegend aus Abtragungen der Alpen und der Böhmischen Masse gebildet. An der Landstraßer Hauptstraße erreicht diese Kiesschicht eine Höhe von zwölf Metern. Bei den plattigen Steinen handelt es sich in der Regel um Sandstein aus dem nahe gelegenen Wienerwald. Die runden Gerölle bestehen zum Großteil aus kristallinen Gesteinen wie Granit, Gneis und Quarze. Die Granite stammen ebenso wie die schwarzen Amphibolite aus der Böhmischen Masse. Der graue bis grünliche Gneis wurde aus den Zentralalpen und der Böhmischen Masse abgetragen. Weitere runde bis ovale Kiese bestehen aus Kalk und stammen aus den Nördlichen Kalkalpen.Thomas Hofmann: Landstraßer Geologie. In: Wiener Bezirkshandbücher. 3. Bezirk Landstraße. Wien 2002, S. 23–26;ders.: Thomas Hofmann: Donaustädter Geologie – eine runde Sache. In: Wiener Bezirkshandbücher. 22. Bezirk Donaustadt. Wien 2002, S. 15–18.
Erdberger Mais mini|Erdberger Mais um 1770, Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme Der Erdberger Mais ist ein Gebiet südlich des Donaukanals am östlichen Ende des Bezirks im Osten von Erdberg. Dieses Gebiet entstand aus einer Flussschlinge (Mäander) der (damaligen) Donau, des heutigen Donaukanals, es hat keine definierten Grenzen und liegt ungefähr zwischen Schlachthausgasse und der Trasse der Südosttangente. Als die Ortsteile des heutigen Bezirks entstanden, war es noch (bis in das 18. Jahrhundert) Flussgebiet. Der Name hat nichts mit dem Getreide Mais zu tun, sondern ist ein altes Wort für Jungwald oder Holzschlag, das grammatikalische Geschlecht ist unklar, in der Literatur werden alle drei Artikel verwendet. Sein Umfang ist im 21. Jahrhundert im Wesentlichen nur mehr durch Böschungen und Geländeunebenheiten erkennbar. Ein letzter deutlicher Rest ist in der Baumgasse, Ecke Maiselgasse als Naturdenkmal Nr. 752 „Donauprallhang“ geschützt. Die Donau floss hier noch im 18. Jh. vorbei, heute liegt der (regulierte) Lauf dieses Stroms ca. 2,8 km nördlich. Der relativ weiche Boden der höhergelegenen Donauterrasse wurde ausgespült. Auf diese Weise entstand eine mehr als 10 m hohe Geländekante. Der Prallhang ist die letzte naturnahe und flussmorphologische Struktur.Beschreibung des Naturdenkmals im geografischen Informationssystem von Wien ViennaGIS. (abgerufen am 22. August 2016).Friedrich Hauer, Severin Hohensinner: Wasser, Garten, Stadtfragment. Entstehung und Metamorphosen des Erdberger Maises. In: Wiener Geschichtsblätter. Hrsg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien. 71. Jahrgang. Heft 2/2016. , S. 77–93.
Flächennutzung Nach der Flächennutzungsstatistik von 2001 umfasste die Baufläche der Landstraße 57,96 % (Wien-weit 33,32 %) der Bezirksfläche, damals der siebenthöchste Wert eines Wiener Gemeindebezirks. Der Anteil der Wohnbaufläche am gesamten Bauland betrug für Wien vergleichsweise niedrige 46,54 %. Weitere 25,85 % entfielen auf Betriebsbaugebiet und 22,33 % auf Flächen, die dem kulturellen, religiösen, sportlichen oder öffentlichen Bereich gewidmet waren. Grünflächen nahmen einen Gesamtanteil von 13,18 % ein. Davon entfielen 73,82 % auf Parkanlagen und 11,67 % auf Sport- und Freizeitflächen; der Rest bestand aus Kleingärten, Wiesen und einem kleinen Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche. Da der Bezirk kaum Flächenanteile an seinen Grenzflüssen Wienfluss und Donaukanal hatte, entfielen nur 0,12 % der Bezirksfläche auf Gewässer. Der Anteil der Verkehrsflächen am Bezirksgebiet betrug 28,74 %.Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken ()
+ Flächennutzung in Hektar (2001) Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen 431,88 98,21 0,93 214,14 Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeit-Flächen200,99111,6496,452,6272,5006,095,5411,64
Nachbarbezirke Die Landstraße gehört zu den sogenannten „inneren Bezirken“. Im Nordosten und Osten bildet das rechte Ufer des Donaukanals die Grenze zur Leopoldstadt. Die südliche Grenze verläuft im Zickzack durch das Betriebsbaugebiet der Bezirke Landstraße und Simmering. Im Südwesten grenzt die Landstraße entlang der Arsenalstraße an den Bezirk Favoriten (Grenze ist die Mitte der Hauptfahrbahn), im Westen bildet die Prinz-Eugen-Straße die Grenze zur Wieden. Im Norden trennt schließlich der Wienfluss die Landstraße von der Inneren Stadt.
Bezirksteile mini|Die Gemeinden des späteren Bezirks um 1850 150px|rechts|Bezirksteile der Landstraße Das Bezirksgebiet wurde aus den drei zuvor eigenständigen Ortschaften Weißgerber, Erdberg und Landstraße gebildet; alle drei unterstanden zuletzt der Grundherrschaft des Wiener Magistrats. Neben diesen drei offiziellen Bezirksteilen gibt es im volkstümlichen Verständnis abgrenzbare Viertel, sogenannte Grätzln, wie etwa das Fasanviertel um die Fasangasse oder Sankt Marx. Grundbuchstechnisch besteht der 3. Bezirk aus der Katastralgemeinde Landstraße sowie kleinen Anteilen an der Katastralgemeinde Simmering im Süden des Bezirksgebietes.
Der Bezirksteil Weißgerber liegt im Norden des Bezirksgebietes und umfasst im Wesentlichen das Gebiet zwischen Donaukanal, Wienfluss und Marxergasse. Das Gebiet ist großteils mit Wohnbauten (unter anderem das Hundertwasser-Krawina-Haus) verbaut. Daneben haben sich Institutionen wie Statistik Austria, die Finanzlandesdirektion, das Justizzentrum Wien-Mitte und das Kunst Haus Wien angesiedelt.
Südlich des Bezirksteils Weißgerber liegt der namengebende Bezirksteil Landstraße. Er umfasst zahlreiche Botschaftsgebäude und Wohnanlagen mit einem höheren Grünflächenanteil. Neben mehreren Parks (Teile des Stadtparks, Arenbergpark, Botanischer Garten der Universität Wien) befinden sich auch mehrere Schlösser (Palais Schwarzenberg, Unteres und Oberes Belvedere) in diesem Bezirksteil. Auch die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, das Wiener Konzerthaus und die Münze Österreich befinden sich hier.
Südlich der Marxergasse und östlich der Landstraßer Hauptstraße liegt der Bezirksteil Erdberg. Neben Wohnbauten ist vor allem der Süden von Erdberg von Betriebsflächen dominiert. Auch ein großes Sportzentrum, das Postzentrum, die Zentrale der Wiener Linien und das Staatsarchiv befinden sich hier.
Bei der Schaffung von NS-Groß-Wien per 15. Oktober 1938Verordnung des Bürgermeisters der Stadt Wien über die Einteilung des Gebietes der Stadt Wien in Bezirke vom 15. Oktober 1938 wurden das Arsenal und das südöstlich angrenzende Gebiet vom 10. in den 3. Bezirk transferiert.
Eine statistische Gliederung des Bezirksgebiets besteht in den Zählbezirken, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die elf Zählbezirke auf der Landstraße sind Weißgerber, Landstraße, Belvedere-Diplomatenviertel, Fasangasse, Rudolfspital-Rennwegkaserne, Erdberg, Erdberger Mais – St. Marx, Arsenal, Ungargasse, Altes Gaswerk und Wildganshof.
Wappen rechts|120px|Wappen des Bezirks Landstraße
Das Wappen des Bezirks Landstraße vereint die Wappen jener Orte, aus denen der 3. Bezirk 1850 gebildet wurde. Der vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) obere Wappenteil steht für den Bezirksteil Landstraße. Er zeigt den Heiligen Nikolaus im bischöflichen Ornat. Nikolaus war Patron des Frauenklosters Sankt Niklas. In der rechten Hand hält Nikolaus drei auf einem Buch liegende Kugeln. Diese Kugeln soll Nikolaus im 4. Jahrhundert der Tochter eines verarmten Edelmannes geschenkt haben. Der rechte obere Wappenteil symbolisiert den Bezirksteil Erdberg. Die beiden Erdbeerblüten und die hängende, rote Erdbeere symbolisieren eine unrichtige Herleitung des Namens von Erdberg. Dieser rührt nicht von den Erdbeeren, sondern von einer Ertpurch (Befestigungsanlage) her. Der untere Wappenteil steht schließlich für den Bezirksteil Weißgerber. Die beiden in Kampfposition stehenden, silbernen Böcke entstammen verschiedenen Zunftwappen der Gerber. Diese hatten sich wegen der Geruchsbelästigung außerhalb von Wien ansiedeln müssen.
Geschichte Vorgeschichte Erste Besiedelungsspuren im heutigen dritten Bezirk stammen aus der Bronzezeit. Im 9. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet von den Kelten besiedelt, die die Latène-Kultur verbreiteten. Die keltische Siedlung auf dem Gebiet zwischen dem heutigen Rennweg und dem oberen Schloss Belvedere dürfte bis zur Römerzeit bestanden haben. Mit der Eingliederung des Gebietes befand sich hier eine zum römischen Militärlager Vindobona gehörige Zivilstadt. Durch den Bezirk führten die Munizipalstraße und die Limesstraße. Das Zentrum der Zivilstadt lag auf dem heutigen Gebiet des Aspangbahnhofes. Durch einen Einfall der Markomannen wurde sie um 395 zerstört.
In der Gegend des heutigen Rochusmarktes gab es vor 1529 das Nikolaikloster, nach dem der heutige Bezirksteil Landstraße Nikolai-Vorstadt genannt wurde. In beiden Belagerungen durch die Osmanen erlitt die Vorstadt schwere Zerstörungen.