Der Stern (Eigenschreibweise stern) ist ein 1948 von Henri Nannen gegründetes aktuelles Wochenmagazin von RTL Deutschland, bis 2021 Gruner + Jahr. Es erscheint donnerstags in einer verbreiteten Auflage von rund 275.000 Exemplaren. Chefredakteur ist Gregor Peter Schmitz.
Profil Der Stern behandelt politische und gesellschaftliche Themen, er bietet Nutzwertjournalismus und klassische Reportagen, zeigt Fotostrecken und porträtiert Prominente. Er wurde früher von Journalisten als eines der deutschsprachigen Leitmedien eingestuft.
Auflage Der Stern hat wie seine direkten Wettbewerber Focus und Spiegel in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Das entspricht einem Rückgang von Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent.
Die verkaufte Auflage überschritt im ersten Quartal 1958 erstmals die Millionengrenze und erreichte im ersten Quartal 1967 mit 1,931 Millionen Exemplaren ihren Höchststand.
Neben der gedruckten Ausgabe (Heftpreis 6,50 Euro) baute der Stern seine digitale Präsenz in den vergangenen Jahren aus. Das Bezahlangebot Stern+ verzeichnete nach Angaben von Meedia rund 33.000 digitale Abonnenten (Stand 2025). Laut der Ad Alliance erreicht der Stern mit seinen digitalen Angeboten, einschließlich Website, App und Videoformaten, ein Millionenpublikum pro Monat.
Geschichte
Gründung Die erste Ausgabe erschien am 1. August 1948 im neu gegründeten Stern-Verlag Henri Nannen, der seinen Sitz im Anzeiger-Hochhaus in Hannover hatte. Dies wurde möglich, nachdem Henri Nannen im Juli 1948 von der britischen Militärregierung die Genehmigung zur Umbenennung der ehemaligen Jugendzeitschrift Zick-Zack in Stern erhalten hatte, für die er einige Monate zuvor die Lizenz übernommen hatte. Das Titelbild der ersten, 16-seitigen Ausgabe des neuen Stern 1948 zierte die junge Hildegard Knef im Heu.
In den ersten 22 Ausgaben des Jahres 1948 zeigte die Zeitschrift großformatige Porträts bekannter Persönlichkeiten auf dem Titelblatt, wobei die Hefte Fotoreportagen mit politischen Essays, Interviews, Kommentaren und humoristischen Beiträgen enthielten.
Nach Auffassung von Historikern, die zur Gründungsgeschichte des Stern publizieren, hatte die Zeitschrift in ihrer Aufmachung das von Kurt Zentner konzipierte Glanz- und Glamourblatt Der Stern zum Vorbild, das im September 1938 auf den Markt kam und sich mit einer Auflage bis zu 750.000 Exemplaren zu einem Verkaufsschlager entwickelte. Nils Minkmar betonte, dass das berühmte Cover der ersten Nachkriegsausgabe mit Hildegard Knef wie ein Duplikat des alten Stern Nr. 25 vom Juni 1939 mit Brigitte Horney wirkt, und verweist darauf, dass Zentner zeitweise für Nannens Stern gearbeitet hat, im zweiten Halbjahr 1951 während Nannens längerem Amerikaaufenthalt sogar für 14 Ausgaben als kommissarischer Chefredakteur. Der Stern thematisierte seine Entstehungsgeschichte 2018 im Rahmen von Veröffentlichungen zu 70 Jahren des Magazins.
1950er bis 1970er Jahre Im Jahr 1950 wurde die Zeitschrift von der englischen Administration nach einem Beitrag über die Verschwendung der Alliierten auf Kosten der Deutschen für eine Woche verboten. Nachdem Gerd Bucerius 1949 schon 50 % am Stern erworben hatte, verkaufte Henri Nannen im Jahr 1951 weitere 37,5 % der Anteile an Bucerius und 12,5 % an den Druckereibesitzer Richard Gruner, der sich 1965 mit den Verlegern John Jahr senior und Gerd Bucerius zur Gruner + Jahr GmbH & Co. KG zusammenschloss. Ab dieser Zeit wurde der Stern auch dort verlegt.
Ab den 1960er Jahren machte Nannen das Blatt politischer und unterstützte mit seinem Heft die neue Ostpolitik Willy Brandts.
In der Einschätzung des Historikers Hubertus Knabe betrieb das Magazin oftmals eine regelrechte Hofberichterstattung aus den sozialistischen Staaten. So wurden wiederholt Artikel veröffentlicht, die auf politische Kampagnen zurückgingen, die seitens der Stasi lanciert worden waren. Dazu zählen die gegen CDU-Politiker wie Heinrich Lübke und Eugen Gerstenmaier gerichteten Vorwürfe im Zusammenhang mit deren angeblichen, sich aber nach 1990 als unwahr erwiesenen Kooperationen mit dem NS-Regime.
Der Herausgeber griff 1962 auch in einen der spektakulärsten Kunstdiebstähle der deutschen Nachkriegszeit ein. Über das Magazin wurde den Dieben der sogenannten Volkacher Madonna von Tilman Riemenschneider ein „Lösegeld“ von 100.000 DM versprochen, sollte das Kunstwerk unbeschadet zurückgebracht werden. Der Aufruf „Gebt die Madonna von Volkach zurück!“ führte zu einer deutschlandweiten Diskussion, in der Nannen mehrfach wegen Hehlerei angezeigt wurde. Die Intervention des Blattes führte schließlich zur Wiederbeschaffung des Diebesgutes aus dem „Madonnenraub“.Gerhard Egert: Der Raub der Rosenkranz-Madonna von Tilman Riemenschneider aus der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten auf dem Kirchberg bei Volkach 1962, Volkach 2003, ISBN 3-930840-11-1.
Am 6. Juni 1971 erschien der Stern mit dem damals spektakulären Titel: „Wir haben abgetrieben!“ (Ausgabe 24/1971). Die Aktion war von Alice Schwarzer initiiert. 374 Frauen bekannten sich öffentlich zu ihrem Schwangerschaftsabbruch. Alice Schwarzer, die Schauspielerin Inge Meysel und die Schriftstellerin Luise Rinser verklagten 1978 erfolglos im Rahmen der sogenannten Sexismus-Klage wegen der „Darstellung der Frau als bloßes Sexualobjekt“ auf Stern-Titelbildern den Stern und Henri Nannen. Anlass war ein Titelbild, das das für schrille Outfits und ihre persönliche Nähe zum Sadomasochismus bekannte Model Grace Jones zeigte und von dem bekannten Fotografen Helmut Newton stammte.
Am 1. Oktober 1976 erschien das erste Mal das Magazin GEO, entwickelt aus der Stern-Redaktion und von dem Fotografen Rolf Gillhausen, der mit Rolf Winter erster Chefredakteur des Magazins wurde.
Im Jahr 1978 interviewten die beiden Journalisten Kai Hermann und Horst Rieck die damals 15-jährige Christiane Felscherinow für die Stern-Reportage „Babystrich“. Aus diesen Interviews entstand das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, das vom Stern in Auszügen abgedruckt und später in viele andere Sprachen übersetzt sowie auch verfilmt wurde.
Am 6. April 1979 wurden die Stern-Journalisten Hans Bollinger und Wolfgang Stiens zusammen mit zwei schwedischen Reportern von libyschen und ugandischen Soldaten beraubt und erschossen. Sie wollten über den Sturz des Diktators Idi Amin berichten. Am 24. Mai 1979 wurde Karl Robert Pfeffer vor seinem Wohnhaus in Beirut erschossen. Der ehemalige Stern-Korrespondent arbeitete damals als freier Journalist.Konfliktgebiete Hintergrund: Getötete deutsche Journalisten. In: Handelsblatt. 8. Oktober 2006.
1980er Jahre Ein Jahr vor ihrem Tod gab die Schauspielerin Romy Schneider dem Stern ein ausführliches Interview. Das Gespräch führte der Journalist Michael Jürgs, die Fotografien stammten von Robert Lebeck. Das Interview erschien 1981 und fand wegen seiner offenen und emotionalen Tonlage große Beachtung. Die Regisseurin Emily Atef griff dieses Gespräch später in ihrem 2018 veröffentlichten Spielfilm 3 Tage in Quiberon auf, der die Entstehung des Interviews nachzeichnet. In einem Interview mit Die Zeit erklärte Atef, Romy Schneider habe sich damals bewusst auf das Gespräch eingelassen, um sich nach Jahren der Kritik durch die deutsche Presse erneut dem Publikum zu erklären. Das Interview sei jedoch für die Schauspielerin emotional belastend gewesen und habe „wieder alles aufgewühlt“.
Im Jahr 1982 veröffentlichte der Stern unter dem Titel Annas Mutter eine mehrteilige Reportage über Marianne Bachmeier, die 1981 im Lübecker Landgericht den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter erschossen hatte. Die Artikelserie basierte auf Interviews, die Stern-Reporter Heiko Gebhardt während der Untersuchungshaft mit Bachmeier führte. Für die exklusiven Veröffentlichungsrechte erhielt sie nach Angaben des NDR ein Honorar von rund 250.000 DM, das sie zur Begleichung ihrer Anwaltskosten verwendete. Die Serie erschien noch vor Beginn des Prozesses und löste eine Debatte über die mediale Vermarktung des Falls und die journalistische Verantwortung des Magazins aus. Der Spiegel-Journalist Gerhard Mauz kritisierte 1982, dass die Veröffentlichung den anstehenden Prozess beeinflussen könne und stellte ethische Fragen zum Zeitpunkt der Publikation.
Auf dem Stern vom 28. April 1983 prangte die Schlagzeile „Hitlers Tagebücher entdeckt“. Eigentlich sollte dies der Beginn einer monatelangen Serie sein. Doch die Tagebücher erwiesen sich als Fälschung. Die Veröffentlichung wurde 1983 zu einem der größten Presseskandale Deutschlands. In einer nachfolgenden Ausgabe desselben Jahres präsentierte der Stern eine Aufarbeitung der Affäre. Die Redaktion legte alle recherchierten Einzelheiten auf den Tisch, darunter auch, wie der Verlag zusammen mit dem Reporter Gerd Heidemann die normalen redaktionellen Abläufe aushebelte, um die Veröffentlichung im Geheimen vorzubereiten. So wurde die Chefredaktion erst spät informiert, die Redaktion erst in der Woche der Veröffentlichung. Im Jahr 2019 rollte der Stern den Fall mit dem zehnteiligen, wöchentlichen Podcast „Faking Hitler“ neu auf. Mit bisher unveröffentlichtem Material schildert er die Beziehung zwischen Konrad Kujau und dem ehemaligen Stern-Reporter Gerd Heidemann.
1987 sorgte das Foto des tot in der Badewanne liegenden Politikers Uwe Barschel, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein 1982–1987, für Aufregung. Der Stern-Reporter Sebastian Knauer hatte den Politiker in seinem Hotelzimmer in Genf tot vorgefunden und fotografiert. Das Foto der Leiche wurde in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen veröffentlicht. Vom Presserat wurde der Stern damals für die zweimalige Veröffentlichung des Bildes gerügt.
1990er Jahre
Zu Beginn des Jahres 1991 berichtete der Stern vermehrt über den Ersten Golfkrieg und veröffentlichte dazu mehrere Titelgeschichten. Der damalige Korrespondent Gerhard Kromschröder dokumentierte in einer Fotoreportage die Zerstörungen in Bagdad und schilderte die Auswirkungen der alliierten Luftangriffe auf die Bevölkerung. Er erhielt damals als einziger deutscher Printjournalist ein Visum für Bagdad.Matthias Iken: Der Hamburger Journalist Gerhard Kromschröder erlebte den letzten Golfkrieg 1991 in Bagdad. Der Irak-Krieg. Erinnerungen eines Augenzeugen. In: Die Welt. 21. März 2003, Nr. 68, S. 34.
Am 10. Januar 1995 wurde der Stern-Korrespondent Jochen Piest in Tschetschenien ermordet als ein tschetschenischer Partisan in den Bergen bei Grosny mit einer Maschinenpistole auf mehrere Journalisten feuerte.
Zum 50-jährigen Jubiläum 1998 legte der Stern über 50 Wochen lang jeder Ausgabe eine Sonderbeilage bei, die jeweils ein Jahr seit der Gründung 1948 behandelte.
Im selben Jahr löste ein Interview des Stern mit Ingeborg Schäuble, der Ehefrau von Wolfgang Schäuble, eine öffentliche Debatte über dessen mögliche Kanzlerkandidatur aus. Darin äußerte sie Zweifel, ob er das Amt anstreben solle, unter anderem wegen der hohen Belastung und seiner Behinderung. Die Aussagen wurden von anderen Medien aufgegriffen und kontrovers diskutiert.Peter Boenisch: Der Rollstuhl. In: Welt am Sonntag. 9. August 1998, Nr. 32, S. 9.Stephan-Andreas Casdorff: Ingeborg Schäuble und die politische Zukunft ihres Mannes – Die Versuchung des Amtes, die Bedenken, die Wahl. In: Stuttgarter Zeitung. 6. August 1998, S. 3.
Hintergrund des Interviews war die langjährige journalistische Begleitung Schäubles durch den Berliner Stern-Politikchef Hans Peter Schütz, der am 12. Oktober 1990 bei dem Attentat auf Wolfgang Schäuble in Oppenau anwesend war. Schütz berichtete über die Tat, bei der ein psychisch erkrankter Mann den damaligen Bundesinnenminister durch Schüsse schwer verletzte. In den folgenden Jahren blieb Schütz ein politischer Beobachter und Gesprächspartner Schäubles.