George Washington Pittrich (* 22. Februar 1870 in Dresden; † 17. März 1934 in Nürnberg) war ein deutscher Komponist und Kapellmeister.
Leben Pittrich besuchte das Konservatorium für Musik und Theater in Dresden von 1884 bis 1890, zu dessen Lehrplan theoretische Fächer und Tasten-, Saiten- sowie Blasinstrumente zählten. Zudem wurden die Schüler in Redekunst und in Gesang unterwiesen. Ebenso gehörte zum Lehrprogramm eine Bühnenausbildung.W. Lexis: Die Hochschulen für besondere Fachgebiete im Deutschen Reich. Berlin 1904, S. 219, Abschnitt: „Königliches Konservatorium für Musik und Theater in Dresden“, S. 219, . Das Konservatorium wurde 1856 als Privatlehranstalt gegründet und beim 25-jährigen Bestehen im Jahre 1881 verlieh ihm der König von Sachsen das Prädikat „Königliches Konservatorium“. Seine Lehrer am KonservatoriumBerichte des Königl. Konservatoriums für Musik zu Dresden. Studienjahre 1884/85 bis 1989/90. Dresden 1885–1890; Digitalisat SLUB Dresden waren: Ferdinand Braunroht (* 1856; † 1913)Braunroth, Ferdinand. In: Hugo Riemanns Musik-Lexikon. 8. vollständig umgearbeitete Auflage. Berlin/Leipzig 1916, S. 116; für Harmonielehre, Kontrapunkt und Klavier; Felix Draeseke (* 1835; † 1913) für Formenlehre und höhere Komposition; Adolf Hagen (* 1851; † 1926), für Orchester-, Kompositionslehre und Direktionskenntnis sowie Direktionsübung; Emil Robert Höpner, Kreuzorganist (* 1846; † 1903)Inschrift des Grabkreuzes auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden; Grab Höpner ab 1885 (1902 Ruhestand) und Lehrer am KonservatoriumBericht des Königl. Konservatoriums für Musik zu Dresden, Schuljahr 1879/80, S. 4 für Klavier seit 1874 und seit 1. November 1885 für Orgel;Bericht des Königl. Konservatoriums für Musik zu Dresden, Schuljahr 1885/86, S. 4 Theodor Fürchtegott Kirchner (* 1823; † 1903) für Partiturspiel; Emil Naumann (1827–1888) für Musikgeschichte und Alfred Bertrand Roth (* 1855, † 1938) für Klavier als Spezialfach.Pittrich, George Washington. In: Grande Musica – A Digital Library for Music Lovers. (englisch) Kurzbiografie: Pittrich, George Washington Einen vom Rat der Stadt Dresden gestifteten Orgelpreis bekam Pittrich 1888 nach sechsmonatigem Orgelunterricht bei Emil Höpner.Georg Pittrich. In: Ernst Roeder: Das Dresdner Hoftheater der Gegenwart. Biographisch-kritische Skizzen der Mitglieder. E. Person’s Verlag, Dresden/Leipzig, 1896, S. (271–280) 272
Anlässlich des 40. Jahrestages der Übernahme der Schirmherrschaft über das Dresdner Konservatorium durch den sächsischen Kronprinz wurden 1898 in Anwesenheit des nunmehrigen Königs Albert von Sachsen auf der Festveranstaltung u. a. zwei von Pittrich komponierte Lieder vorgetragen: „Hoffnung“ und „Du allein“.Der Klavier-Lehrer. Musikpädagogische Zeitschrift. Organ der deutschen Musiklehrer-Vereine und der Tonkünstler-Vereine zu Berlin, Köln, Dresden, Hamburg und Stuttgart. Herausgegeben von Prof. Emil Breslaur, Nr. 6, 15. März 1898, XXI. Jahrgang, S. 78 Spalte 1 Im Rahmen eines Konzerts des Konservatoriums im Herbst 1888 spielte Pittrich auf der Orgel der Dresdner Kreuzkirche das „Präludium und Fuge für Orgel“ in H-Moll von Johann Sebastian Bach sowie die „Sonate für Orgel, zu vier Händen“, in D-Moll von Gustav MerkelNeue Zeitschrift für Musik vom 1. Oktober 1888; Nr. 42 S. 458 gemeinsam mit seinem Mitschüler Paul Claußnitzer aus Niederschöna, der den Orgelunterricht bei Höpner ebenfalls besucht hatte und auch das Reifezeugnis als Organist bekam.Bericht des Königl. Conservatoriums für Musik zu Dresden, 1888/89, S. 11 (Clausnitzer) bzw. S. 12 (Pittrich) sowie S. 32 (beide Orgelspieler). Im Juli 1890 beteiligte sich Pittrich an einem Liederabend in Schandau. Er spielte am Konzert-Flügel die „Sonate As-Dur Op. 110, 1. Satz“ von Beethoven und eine „Etüde“ in C-Moll von Chopin sowie ein von ihm selbst komponiertes Werk, eine Nocturne in Fis-Dur.Neue Zeitschrift für Musik, Organ des Allgemeinen Deutschen Musikvereins, 57. Jahrgang (Band 86), Leipzig 1890, S. 413
Nach seiner musikalischen Ausbildung, die er mit Auszeichnung abschloss, erhielt Pittrich 1890 eine Stelle als Korrepetitor an der Hofoper in Dresden. Bei Theaterproben hatte er durch Klavierspiel die Schauspieler anstelle des Orchesters zu begleiten. Außerhalb seiner hauptberuflichen Tätigkeit wirkte der junge Pianist vorübergehend 1892 als Leiter bzw. Dirigent des Dresdner Männergesangvereins „Liedergruß“Georg Pittrich. In: Ernst Roeder: Das Dresdner Hoftheater der Gegenwart. Biographisch-kritische Skizzen der Mitglieder. E. Person’s Verlag, Dresden/Leipzig, 1896, S. (271–280) 279 in „Meinholds Säle“ mit Übungsstunden einmal wöchentlich.Adressbuch Dresden 1892, 2. Teil, V. Abschnitt, S. 148 Spalte 2; Digitalisat SLUB Dresden
Er füllte zudem die Position eines Musiklehrers am Sächsischen Hof von 1895 bis 1898 aus.Pittrich, George Washington. In: Hugo Riemanns Musik-Lexikon. 11. Auflage. Band M-Z. Bearbeitet von Alfred Einstein. Max Hesses Verlag, Berlin 1929, S. 1398 f. George Washington Pittrich war in dieser Funktion zeitweilig Lehrer der damaligen Kronprinzessin am sächsischen Königshof, Luise.Nachruf für Georg Pittrich, Chordirektor, Komponist. In: Deutsches Bühnen-Jahrbuch, Band 46, [Theatergeschichtliches Jahr- und Adressenbuch]. Hrsg.: Genossenschaft der deutschen Bühnen-Angehörigen, Berlin 1935, S. 57
Mitarbeit im Tonkünstler-Verein Pittrich trat nach Ende seines Studiums am Dresdner Konservatorium 1890 als Pianist und Komponist dem 1854 gegründeten Tonkünstler-Verein zu Dresden bei,Aufnahme von G. Pittrich laut „Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band 1890/91, S. 8 der auch auswärtige Mitglieder hatte.Berichte über den Tonkünstler-Verein zu Dresden; Digitalisate SLUB Dresden Er lernte dort vor allem bisher nicht einstudierte musikalische Werke kennen, bildete sich durch gemeinsames Musizieren weiter und stellte eigene Kompositionen vor. Die von ihm komponierte und damals nur als Manuskript vorhandene „Fantasie für Pianoforte und Streichorchester“ trug Pittrich 1893 in einer Übungsstunde des Vereins erstmals vor.Pittrich auf der Übungsveranstaltung vom 27. Februar 1893 laut dem „Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band 1896/97, S. 25 Von ihm komponierte Lieder kamen 1898 unter seiner Mitwirkung am Klavier zur Aufführung. Als Sänger stellte sich Ernst Wachter (1872–1931) vom Königlichen Opernhaus in Dresden dem Tonkünstler-Verein zur Verfügung.„Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band , 1897/98, S. 23; Digitalisat SLUB Dresden Als Kapellmeister in Hamburg„Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band , S. 45 und Frankfurt am Main„Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band 1900/01, S. 49 ist Pittrich in den Berichten über den Tonkünstler-Verein als auswärtiges Mitglied benannt, nachdem er im Berichtsjahr 1897/98 noch als Korrepetitor und Komponist im Mitglieder-Verzeichnis bei den Dresdner Künstlern aufgeführt wurde.„Bericht über den Tonkünstler-Verein zu Dresden“, Band , S. 48
Auszeichnungen Pittrich wurde das Reifezeugnis als Pianist, Komponist und Dirigent zugesprochen auf Beschluss des Lehrerkollegiums des Konservatoriums vom 16. März 1890,19. Bericht des Königl. Conservatoriums für Musik in Dresden, 34. Studienjahr 1889/90, Dresden 1890, S. 36 nachdem er im Jahr zuvor bereits das Zeugnis als Organist erhalten hatte.18. Bericht des Königl. Conservatoriums für Musik in Dresden, 33. Studienjahr 1889/90, Dresden 1889, S. 32 Als Kompositionsschüler aus der Klasse des Konservatoriums-Lehrers Felix Draeseke erhielt er für die Partituren zur Musik der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach und der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy zu William Shakespeares Sommernachtstraum eine Prämie aus der Friedrich-Pudor-Stiftung im Schuljahr 1989/90.19. Bericht des Königl. Conservatoriums für Musik in Dresden, 34. Studienjahr 1889/90, Dresden 1890, S. 40 Er bekam ein „Preiszeugnis“ für vorzügliche Leistungen als Klavierspieler aus der Klavier-Klasse von Bertrand Roth.19. Bericht des Königl. Conservatoriums für Musik in Dresden, 34. Studienjahr 1889/90, Dresden 1890, S. 37
Im Jahre 1894 wurde dem Komponisten und Korrepetitor am Hoftheater der königlich-sächsische Verdienstorden, das Albrechtskreuz, verliehen.Adressbuch. Wohnungs-und Geschäftshandbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden für das Jahr 1895. Bearbeitet mit Unterstützung der Königlichen Polizei-Direction, Band 41, Dresden , (Druck begonnen am 05.011.1894, beendet 24.12.184); 1 Teil II. Abschnitt S. 566 unter „Pittrich, Gg. Washington“ Es war das Jahr, in welchem Anfang Februar die von Pittrich komponierte Oper Marga in Dresden aufgeführt wurde und „einen vollen Erfolg erzielte“.Georg Pittrich. In: Ernst Roeder: Das Dresdner Hoftheater der Gegenwart. Biographisch-kritische Skizzen der Mitglieder. E. Person’s Verlag, Dresden/Leipzig, 1896, S. (271–280) 275
Unfall Pittrich wurde im August 1894 an der Ostsee in der Nähe von Lohmen auf Rügen von einer Giftschlange gebissen. Dadurch schwollen Hand und Arm bis zur Achsel gefährlich an. Er musste nach Greifswald reisen, „wo ein Universitätsprofessor der Blutvergiftung wirksame Mittel entgegenstellen konnte“, berichtete zeitnah aus Sachsen am 23. August die deutschsprachige amerikanische Zeitung Indiana Tribüne über den „Correpetitor der Königl. Hofoper Georg Pittrich“ in Dresden.Indiana Tribüne, Verlagsort Indianapolis, 17. Jahrgang, 23. August 1894, S. 2; Deutsche Lokal-Nachricht aus Dresden „Viel hätte nicht gefehlt und der junge Künstler hätte ein vorzeitiges Ende gefunden“, schrieb der Dresdner Schriftsteller und Redakteur Roeder zum Unfall des damaligen Mitglieds der „Königlichen musikalischen Kapelle“ und jungen Komponisten Pittrich. Philipp Ernst Roeder (* 1862; † 1897) erwähnte in der biographischen Skizze auch, dass es sich um den Biss einer Kreuzotter auf der Insel Rügen handelte, den die Greifswalder Universitätsklinik erfolgreich behandelte.Georg Pittrich. In: Ernst Roeder: Das Dresdner Hoftheater der Gegenwart. Biographisch-kritische Skizzen der Mitglieder. E. Person’s Verlag, Dresden/Leipzig, 1896, S. (271–280) 280; Reprint 2010: ISBN 978-1-160-35945-0
Ein Jahr zuvor wurde Pittrich den Zeitungslesern von Indiana Tribüne als „junger Komponist“ im Zusammenhang mit der Ankündigung seiner einaktigen Oper „Mara“Gemeint ist die einaktige Oper Marga: Titelblatt: Marga. Oper in einem Aufzuge. Musik von Georg Pittrich vorgestellt, die als „erste Novität in der Dresdener Hofoper“ aufgeführt wurde. Dabei hob die Nachricht aus Dresden die erstklassige Besetzung hervor, z. B. mit der Kammersängerin Therese Müller (* 1850; † 1930), genannt Malten.Indiana Tribüne, 17. Jahrgang, Nr. 38, 26. Oktober 1893, S. 2 Überschrift der Nachricht: Aus Dresden schreibt man
Am Klavier begleitete Pittrich Dresdner Sängerinnen bei auswärtigen Auftritten, so die Königlich-Sächsische Hofopernsängerin Maria Bossenberger (1872–1919) am 29. März 1898 bei ihrem Liedvortrag in Leipzig im Rahmen der Liszt-Vereinskonzerte.Signale für die musikalische Welt, 1898; S. 386
Kapellmeister an mehreren deutschen Theatern