mini|Weckers Heideteich Weckers Heideteich ist ein Naturdenkmal auf dem Gebiet des Paderborner Stadtteils Sande. Es hat eine Größe von etwa 0,5 Hektar.

Lage und Beschreibung Weckers Heideteich liegt inmitten des Sander Bruchs, etwa 300 m nordwestlich des Hofes Wüseke. Während das Naturdenkmal im Norden durch die Sander Bruch-Straße begrenzt wird, markiert die ehemalige Trasse der Bahnlinie Wiedenbrück-Sennelager, im Volksmund auch als "Senneblitz" bekannt, die Südgrenze des Gebietes. Im Osten schließt sich eine flache Düne an, die vor allem von Beständen der Waldkiefer (Pinus sylvestris) eingenommen wird.

Geschichte und Entstehung Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei Weckers Heideteich nicht etwa um ein künstlich angelegtes Gewässer, sondern um einen wohl durch Windausblasung entstandenen Heideweiher. Er enthielt einstmals oligotrophes Wasser und trocknet nahezu jeden Sommer vollständig aus. Noch in den 1950er war das Gelände unter der Bezeichnung Birkhahn-Teich bekannt.Vinzenz Heggen: Zeugnisse unserer Geschichte. Dokumentation geschützter Objekte in Sande. Baudenkmäler, Naturdenkmäler, Naturschutzgebiete. Paderborn-Sande, 2023, Seite 43 Mitte der 1960er Jahre wurde der Weiher kurzzeitig für die Karpfenzucht genutzt, wofür man Wasser aus einem angrenzenden Graben einleitete, der zahlreiche Nährstoffe mit sich führte. Dadurch kam es zu einer deutlichen Veränderung der ursprünglich an das nährstoffarme Milieu angepassten Vegetation. 1976 erwarb die Stadt Paderborn das Gelände, die den Graben verschließen ließ und die Bezeichnung Weckers Heideteich einführte.Vinzenz Heggen: Zeugnisse unserer Geschichte. Dokumentation geschützter Objekte in Sande. Baudenkmäler, Naturdenkmäler, Naturschutzgebiete. Paderborn-Sande, 2023, Seite 43

Flora und Vegetation Noch in den 1960er Jahren wies das Gelände Schwimmblattgesellschaften, Feuchtheiden und Hochmoorbultgesellschaften auf. Mit der Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und dem Scheidigen Wollgras (Eriophorum vaginatum) kamen damals sogar zwei typische Hochmoorarten vor, die die einstige Nährstoffarmut des Gebietes belegen. Im Laufe der Zeit wuchs der Weiher immer mehr mit Weidengebüschen zu. Von den angrenzenden Ackerflächen kam es zu einer weiteren Eutrophierung des Gebietes, die schließlich zu einer fast völligen Verdrängung der typischen Heide- und Moorvegetation führte. Heute dominieren Pflanzenarten, die eher an einen mittleren Nährstoffgehalt gebunden sind. 1989/90 wurden im Gebiet umfangreiche Pflegemaßnahmen durchgeführt und ein Großteil der Weidengebüsche entfernt. Zudem wurde der Oberboden teilweise abgeschoben und der Weiher vertieft. Dadurch konnten sich etliche seltenere Arten wie die Glockenheide (Erica tetralix) und der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) wieder ausbreiten, bzw. neu ansiedeln.

Zu den zahlreichen floristischen Besonderheiten des Gebietes gehören, bzw. gehörten:

Braune Segge (Carex nigra) Fieberklee (Menyanthes trifoliata), noch 1991, danach erloschen Grau-Segge (Carex canescens), nach Ottenströer noch 2007 Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia), noch 2007, 2013 u. 2019F. Ahnfeld, G. Lakmann in: Peter und Gerald Kulbrock: Die neue floristische Kartierung in NRW 2010-2020 - Ergebnisse für Ostwestfalen-Lippe, Teil 1. In: 60. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e.V. über die Jahre 2022 und 2023. Bielefeld 2024, Seite 160 Rosmarinheide (Andromeda polifolia)nach Graebner, Pflanzenwelt der Paderborner Raumes, Seite 94, seit langem erloschen Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum)nach Graebner, Pflanzenwelt, Seite 79, erloschen Schnabel-Segge (Carex rostrata), noch 2007 Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) Sumpf-Blutauge (Comarum palustre), 2013, 2015 u. 2019F. Ahnfeld, P. Kulbrock und G. Lakmann in: Peter und Gerald Kulbrock: Die neue floristische Kartierung in NRW 2010-2020 - Ergebnisse für Ostwestfalen-Lippe, Teil 1. In: 60. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e.V. über die Jahre 2022 und 2023. Bielefeld 2024, Seite 147 Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris), 2007 Weiße Seerose (Nymphaea alba), erloschen

Fauna Im Gebiet wurden zahlreiche Libellenarten festgestellt, darunter (nach Ottenströer 2009) die folgenden Rote-Liste-Arten: Gebänderte Prachtlibelle, Braune Mosaikjungfer, Glänzende Binsenjungfer und Kleine Binsenjungfer. Früher gehörten Wasserralle, Teichralle, Stockente und Rohrammer zu den Brutvögeln.Reinhold Weimann: Vögel der Feuchtgebiete der Senne. In: Beiträge zur Ökologie der Senne, Teil 1. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend (Sonderheft). Bielefeld 1978, Seite 182

Literatur

Paul Graebner: Naturschutzführer des Westfälischen Heimatbundes. Heft 1: Kreis Paderborn. Rheine 1960, Seite 16

Paul Graebner: Die Pflanzenwelt des Paderborner Raumes. Paderborn 1964

Vinzenz Heggen: Zeugnisse unserer Geschichte. Dokumentation geschützter Objekte in Sande. Baudenkmäler, Naturdenkmäler, Naturschutzgebiete. Paderborn-Sande 2023, Seite 43

Oliver Ottenströer: Konzeptentwicklung für einen Biotopverbund in der Kulturlandschaft „Sander Bruch“ – Paderborner Senne mit dem Schwerpunkt Libellen und Amphibien (BACHELORARBEIT).Osnabrück 2009 (PDF)

Mark Saletzki: Die Vegetationsverhältnisse der Naturdenkmäler „Piepenbrink“ und „Weckers Teich“ (Kreis Paderborn). In: 33. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgebung über das Jahr 1991. Bielefeld 1992, Seite 349–368

Mark Saletzki: Zur Entwicklung der Vegetation im Naturdenkmal „Weckers Heideteich“ (Kreis Paderborn) seit 1991. In: Natur und Heimat, 61. Jg. (2001), Seite 65

Weblinks

Weckers Heideteich auf den Seiten des Kreises Paderborn

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Senne Kategorie:Gewässer in Paderborn Kategorie:Naturdenkmal im Kreis Paderborn