mini|Philippe Marie Crozier (vor 1912) Philippe Marie Crozier, auch Philippe Marius Crozier (* 31. Januar 1857 in Lyon, Frankreich; † Februar 1944 in Genf, Schweiz) war ein französischer Diplomat.G. Ruffy: Qui êtes-vous? In: Annuaire des contemporains - notices biographiques, Seiten 38 und 57 (PDF). Éd. Delagrave, Paris 1924Bibliothèque nationale de France: Philippe Crozier (1857-1944)
Während des Deutsch-Französischen Krieges hatte er 1870 an der Verteidigung des belagerten Paris und der Schlacht von Le Bourget teilgenommen.Bibliothèque nationale de France: La Revue diplomatique vom 10. November 1907 Nach dem Krieg trat er 1875 in die École polytechnique ein, die er 1877 (bzw. 1880) als Unterleutnant der Artillerie abschloss. Er trat dann in den diplomatischen Dienst und wurde 1881 Stabschef des Außenministers.Ralph H. Picket: An Effort for Franco-Austrian Rapprochement, Seiten 46-49. Verlag Pi Gamma Mu, University of Bridgeport 1957 Weitere Missionen führten ihn unter Außenminister Alexandre Ribot zunächst nach London, Bern und 1893 nach Luxemburg.
Crozier war seit 1889 Ritter, 1893 Offizier und 1900 Kommandeur des Ordens der französischen Ehrenlegion.
Auf Vorschlag des französischen Außenministers Gabriel Hanotaux wurde Crozier im April 1895 Protokollchef der Französischen Republik.Bibliothèque nationale de France: Journal officiel de la République française vom 11. April 1895 Unter Außenminister Théophile Delcassé wurde er 1902 französischer Gesandter in Kopenhagen, unter Außenminister Stéphen Pichon dann im Januar 1907 als französischer Botschafter in Österreich-Ungarn nach Wien entsandt.Französische Botschaft in Wien: Les Ambassadeurs de France du XVIIIème siècle à nos joursRaymond Poincaré: Memoiren - Die Vorgeschichte des Weltkrieges (1912-1913), Seiten 160–186. Paul-Aretz-Verlag, Dresden 1928 In Wien verfolgte er eigenmächtig seine Vision, mit Österreich-Ungarn ein ähnliches Neutralitätsabkommen auszuhandeln wie es Frankreich 1902 mit Italien erreicht hatte und Österreich-Ungarn damit aus dem Dreibund zu lösen. Als sich Crozier in diesem Zusammenhang sehr für Österreichs finanzielle Interessen in Frankreich engagiert hatte (z. B. für eine Zulassung österreichischer und ungarischer Staatsanleihen an der Pariser Börse), wurde er schließlich im Mai 1912 vom französischen Ministerpräsidenten Raymond Poincaré, der auch Außenminister war, aus Wien abberufen und durch den Botschafter Alfred Chilhaud-Dumaine ersetzt.
Nach dem Ersten Weltkrieg bzw. nach dem Ende von Poincarés Präsidentschaft warf Crozier 1921 Poincaré vor, die Chance einer Entente zwischen Österreich-Ungarn, Frankreich und Russland ausgeschlagen zu haben. Poincaré wies in seinen Memoiren darauf hin, dass, selbst wenn es Crozier gelungen wäre, eine österreichische Neutralität im Falle eines deutschen Angriffs auf Frankreich zu erkaufen, Frankreich aber bei einem österreichisch-deutschen Krieg gegen Russland wegen der Französisch-Russischen Allianz nicht neutral bleiben konnte.
In Poincarés Auftrag hatte Finanzminister Louis-Lucien Klotz (der wie Poincaré die österreichisch-ungarischen Anleihen abgelehnt hatte) Crozier statt eines neuen Botschafterpostens einen Posten im Verwaltungsrat der Société Générale verschafft. Die Société repräsentierte Crozier bis 1914 im Aufsichtsrat der österreichischen Agrarbank bzw. der österreichischen Länderbank und bis 1943 in verschiedenen anderen Positionen (Compagnie franco-espagnole du chemin de fer de Tanger à Fès, Banque franco-japonaise, Compagnie générale du Maroc, Compagnie des Phosphates de l’Océanie).
Einzelnachweise
Kategorie:Französischer Botschafter in Dänemark Kategorie:Französischer Botschafter in Österreich Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Kommandeur) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1857 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann