Das Val Terragnolo, auch als Valle di Terragnolo bekannt, ist ein orographisch linkes Seitental des Etschtales im Trentino (Italien). Das im Deutschen auch als Laim- oder Leimtal bezeichnete Tal war bis zum 19. Jahrhundert eine deutsche Sprachinsel.

Geografie Lage und Umgebung Das Tal liegt im Südosten der Provinz Trient und grenzt im Osten unmittelbar an die Provinz Vicenza in der Region Venetien. Es führt vom Passo della Borcola halbkreisförmig in Ost-West-Richtung bis vor die Tore Roveretos und mündet dort in das Vallagarina, wie dieser Abschnitt des Etschtales genannt wird. Durchflossen wird das tief eingeschnittene Kerbtal auf der gesamten Länge von 18 Kilometern vom Leno di Terragnolo (deutsch: Laim- oder Leimbach), einem Sturzbach, der bei San Colombano klammartig in den Torrente Leno mündet.Bruno Bais: Storia della Valle di Terragnolo. Ricerche e documenti S. 12

Eingegrenzt wird es im Süden vom Massiv des Pasubio, im Nordosten grenzt es an die Hochebene von Folgaria und im Nordwesten an den Monte Finonchio, die alle zu den Vizentiner Voralpen zählen.

Administrative Gliederung Das Tal gehört zum größten Teil zur Gemeinde Terragnolo. 33 der 37 im Tal liegenden Orte gehören dieser Gemeinde an. Lediglich der untere Talbereich fällt in das Gemeindegebiet von Trambileno, mit dem Weiler Ca’ Bianca und den Einzelsiedlungen Maso al Fò und Ronchi, sowie in das Gemeindegebiet von Rovereto mit den Weilern Cisterna, Pinteri und Senter.

Klima Das Klima im Tal wird von den zahlreichen Höhenstufen beeinflusst, die vom submediterranen bis in den subalpinen Bereich reichen. In Piazza dem Gemeindesitz der Gemeinde Terragnolo auf betrug im Zeitraum von 1990 bis 2003 die Jahresdurchschnittstemperatur 10,4 °C. Am kältesten war es im Dezember und Januar mit einer Durchschnittstemperatur von 1,9 °C und am wärmsten im August mit 20,4 °C. Im Winter sind die Werte aufgrund von Inversionswetterlagen und aufgrund der starken Sonneneinstrahlung der Südhanglage höher als beispielsweise im nur hohen Rovereto im Etschtal.Antonio Sarzo: Il paesaggio dell’abbandono nel circondario agreste di Senter (Valle di Terragnolo, Trentino) S. 114

Die Niederschlagsmenge betrug in Piazza im Zeitraum von 1923 bis 2003 im Jahresdurchschnitt 1138 mm. Es handelt sich dabei um typische Werte der italienischen Voralpen mit Minimumwerten im Winter und zwei fast gleich hohen Maximumwerten im Frühjahr und Herbst. So fallen in den Monaten Januar und Februar etwa 10 % sowie im Mai/Juni und im Oktober/November etwa 40 % der jährlichen Niederschlagsmenge. Hangneigung und Ausrichtung sind zudem für das Auftreten von zahlreichen Mikroklimata verantwortlich.Antonio Sarzo: Il paesaggio dell’abbandono nel circondario agreste di Senter (Valle di Terragnolo, Trentino) S. 115–116

Geomorphologie und Geologie mini|links|Obere Talbereich mit den Orten Baisi, Zoreri, Soldati, Campi und Incapo Das Terragnolotal ist ein asymmetrisches Kerbtal fluvioglazialen Ursprungs, das am Talende in eine Klamm übergeht. Es wurde von den Gletschern der Riß- und Würm-Kaltzeit geformt, so bedeckte in der Würmeiszeit ein Seitenarm des Etschgletscher das Tal. In der dazwischen und danach liegenden Warmzeit sorgte abfließendes Wasser für die Tiefenerosion, die das Tal kennzeichnen. Reste von Moränen- und Flussablagerungen sowie Findlinge, die sich im Val Terragnolo finden, sind ebenso Zeugnisse dieser Vergangenheit, wie die von Gletschern geformten Terrassen, auf denen in der Folgezeit die Ansiedlungen entstanden.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 40, 107

Die im Tal vorherrschenden Gesteinsschichten sind Sedimentgesteine, vorrangig Hauptdolomit, aber auch Knollenkalke, wie der Veroneser Marmor sowie oolithische und mikritische Kalke. Erwähnenswert ist der Noriglio Graukalk, eine Kalksteinsubformation, die vom Geologen Richard Lepsius nach dem Ort Noriglio benannt wurde, einem am nordwestlichen Rand des Terragnolotals gelegenem Stadtteil von Rovereto und ebenfalls im Val Terragnolo vorkommt. Im Tal eingelagert ist aber auch Eruptivgestein aus dem Tertiär. Zum Talboden hin finden sich dagegen überwiegend fluviatile Sedimente.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 28Commissione italiana di stratigrafia della Società geologica italiana (Hrsg.): Carta geologica d'Italia – 1:50.000: catalogo delle formazioni (Fascicolo VII). S. 125

Aufgrund der geologischen Gegebenheiten ist das Tal von Verkarstung betroffen. Karstgewässer stellen auch die bedeutendsten Zuflüsse des Leno di Terragnolo dar.

Flora und Fauna Da sich das Val Terragnolo über mehrere Höhenstufen und damit verbundenen unterschiedlichen Klimabereichen ausbreitet, die zudem von der Hangneigung und Ausrichtung beeinflusst sind, weist es eine reichhaltige Biotopvielfalt auf. Die Höhenstufen reichen vom subalpinen Bereich am Pasubio bis zum planaren Bereich bei San Colombano am Zusammenfluss des Leno di Terragnolo mit dem Leno di Vallarsa auf etwas mehr als . So finden sich im untersten Bereich thermophile Arten wie die Terpentin-Pistazie oder die Onosma helveticum subsp. tridentinum eine Unterart der Onosma helvetica. Die unteren Höhenstufen sind an den südlich und südwestlich ausgerichteten Hängen durch submediterrane Laubmischwälder in Form von Niederwäldern mit Manna-Eschen, Europäische Hopfenbuchen und an trockenen, sonnigen Stellen mit Flaumeichen gekennzeichnet. Anzutreffen sind auch die Gemeine Hasel und der Perückenstrauch. Unter den Kulturpflanzen finden sich Weinreben und Echter Buchweizen. Letzterer wurde in der Vergangenheit von der Bevölkerung für die Zubereitung von schwarzer Polenta angebaut.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 41–43 Da landwirtschaftliche Nutzung nur mit Hilfe von Terrassen gestützt durch von Trockenmauern möglich war, entstanden zudem künstlich geschaffene Habitate für Mauerfugen- und Mauergesellschaften.Antonio Sarzo: Il paesaggio dell’abbandono nel circondario agreste di Senter (Valle di Terragnolo, Trentino) S. 138–139

An den Nordhängen reichen dagegen die Laubmischwälder mit Traubeneichen und Winter- aber auch Sommerlinden sowie Feldahorn bis fast zur Talsohle hinunter und vermischen sich dort mit Arten des submediterranen Laubmischwald, der an den Südhängen bis auf über hinaufreicht. Auf dieser Höhe finden sich auf den Nordhängen bereits Buchenwälder mit Weißtannen und Gemeiner Fichte vermischt. Heimisch sind in dieser Höhenstufe, die an den Südhängen zum Großteil nur am oberen Talrand und gegen Talende vorzufinden ist, aber auch Arten wie der Bergahorn und der Alpen-Goldregen. Abgelöst wird diese Höhenstufe ab etwa von Lärchen und Zirbelkiefern und anschließenden Alm- und Wiesenflächen.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 44–45

Die Vielfalt von Lebensräumen mit Feuchtgebieten, Trockenzonen bis hin zu Gras und Felshabitaten, sind Heimat zahlreicher Spezies. Darunter auch seltene oder bedrohte Arten wie der Schneehase, Steinadler, Auerhuhn, Birkhuhn und der Mauerläufer. mini|hochkant|Das klammartige Talende mit dem Torrente Leno di Terragnolo bei San Colombano

Geschichte

Wirtschaft Die Wirtschaft des Tales basierte über Jahrhunderte auf den drei Pfeilern Forst-, Land- und Almwirtschaft. Während Land- und Almwirtschaft aufgrund der geographischen Gegebenheiten zum Großteil nicht über die Bedeutung einer reinen Subsistenzwirtschaft hinausreichten, stellte der Holzhandel lange Zeit die wichtigste Einkommensquelle dar. Heute übersteigt die Zahl der Pendler, die insbesondere in Rovereto beschäftigt sind, bei weitem die Zahl der im Tal beschäftigten, so dass man von einer Pendlergemeindesituation sprechen kann.Il Trentino in schede – Institut für Statistik der Autonomen Provinz Trient (italienisch) abgerufen am 22. November 2018

Forstwirtschaft Der Wald wurde auf verschiedene Weise genutzt, wobei nur das hochwertige Bauholz gehandelt wurde. Dieses wurde über den Leno getriftet und in Rovereto umgeschlagen. Holz, dass keinen Marktwert besaß, diente der Bevölkerung vor allem als Brennholz, in geringerem Masse wurde es auch für die Holzkohlegewinnung und zur Befeuerung von Kalköfen genutzt. Blätter und Zweige bestimmter Arten, wie der Hopfenbuche oder der Mannaesche dienten als Zusatzfutter für Ziegen. Buchenblätter als Strohersatz in den Stallungen. Durch die intensive Nutzung entstand der charakteristische Niederwald, der 50 % der gesamten Waldfläche ausmacht und nur von geringen forstwirtschaftlichen Wert ist.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 133–136

Landwirtschaft Bis in die 1950er Jahre spielte die Landwirtschaft eine wichtige Rolle für den Lebensunterhalt der Bewohner. Aufgrund mehrerer Faktoren trug sie aber nicht wesentlich zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse bei. Die geographischen Bedingungen und der dadurch bedingte niedrige Mechanisierungsgrad, fehlende Infrastrukturen, starke Fragmentierung der Eigentumsverhältnisse aufgrund der Realteilung sowie der auf bestimmte Arten eingeschränkte Anbau, sind nach wie vor Faktoren, die sich negativ auf eine erwerbsgerichtete Nutzung der Landwirtschaft auswirken.Giampietro Braga: Le valli del Leno: Vallarsa e valle di Terragnolo S. 151

Damit erklärt sich auch der Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche um über 60 % in den letzten 150 Jahren. Machte diese in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch über ein Viertel der Gesamtfläche aus, waren es 2014 nur noch 11 %. Gleichzeitig stieg die urbanisierte Fläche um das Dreifache auf etwa 3,3 % der Gesamtfläche an, während die Waldflächen um 19,4 % zunahmen und 2014 83 % der Gesamtfläche ausmachten.Osservatorio del Paesaggio Trentino (Hrsg.): Paesaggi rurali della Valle del Leno: criticità e prospettive di rivitalizzazione per il paesaggio terrazzato della Valle del Leno tra Rovereto e Terragnolo: dicembre 2017 S. 16–20

Der Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche zeigt sich insbesondere beim Rückgang des Terrassenanbaus. Letzterer ist in Höhen zwischen 226 und 1215 m vorzufinden und bedeckt etwa 11 % des Tales. Im Vergleich zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden aber in den 2010er Jahren noch nur etwas mehr als 29 % der Terrassen bewirtschaftet, was etwas mehr als 3 % der Gesamtfläche ausmachte. Nach wie vor bewirtschaftet sind vor allem jene Felder und Wiesen, die in der Nähe von Straßen liegen, während abseits und schwierig zu erreichende Terrassen aufgegeben und vom Wald vereinnahmt wurden.Osservatorio del Paesaggio Trentino (Hrsg.): Paesaggi rurali della Valle del Leno: criticità e prospettive di rivitalizzazione per il paesaggio terrazzato della Valle del Leno tra Rovereto e Terragnolo: dicembre 2017 S. 13

Bis in die 1950er Jahre spielte der Weinbau in den unteren westlichen Talbereichen und der Anbau von Kirschen eine gewisse Rolle. 2010 gab es laut Statistik noch 15 landwirtschaftliche Betriebe, davon vier mit Viehhaltung und insgesamt 16 Kühen.

mini|links|Almflächen am Passo della Borcola

Almwirtschaft