Der Nationalpark Naratschsee (belarussisch: Нарачанскі, Naračanski; russisch: Нарочанский, Naročanskij) ist ein Nationalpark im nordwestlichen Belarus, der nach dem Naratschsee benannt ist, an dessen Ufern er sich befindet. Er wurde am 28. Juli 1999 gegründet und umfasst eine Fläche von rund 87.135 Hektar (871 km²). Der Park gehört zur Belarussischen Seenplatte und zählt zu den bedeutendsten Kurgebieten des Landes.
Geographie Der Nationalpark liegt im Nordwesten von Belarus in den Rajons Mjadsel und Wilejka der Minskaja Woblasz sowie mit Teilen im Rajon Pastawy der Wizebskaja Woblasz und im Rajon Smarhon der Hrodzenskaja Woblasz. Er erstreckt sich über 34 Kilometer in Nord-Süd- und 59 Kilometer in West-Ost-Richtung.
Die Seenlandschaft entstand vor etwa 15.000 bis 20.000 Jahren beim Rückzug des Gletschers der Waldai-Eiszeit. Gewässer nehmen rund ein Fünftel der Parkfläche ein und gehören zu den Einzugsgebieten von Njemen und Düna; durch das Gebiet verlaufen unter anderem die Flüsse Stratscha, Naratschanka, Usljanka und Swiriza. Im Park liegen 43 Seen, die in vier Gruppen (Naratsch, Mjadsel, Bolduk und Swir) gegliedert werden; der größte unter ihnen ist mit 79,6 km² der Naratschsee, zugleich der größte See von Belarus.
Die Wälder bestehen vorwiegend aus Kiefern, Fichten und Birken; etwa 48 % der Parkfläche sind mit Kiefern- und Birkenwäldern bedeckt. Offene Wiesen und Sumpfgebiete tragen zur ökologischen Vielfalt bei.
Flora und Fauna Im Nationalpark wachsen mehr als 1400 Arten höherer Pflanzen, von denen 114 im Roten Buch von Belarus verzeichnet sind, darunter der Frauenschuh. Die Pflanzenwelt zeichnet sich zudem durch eine große Vielfalt an Moosen, Flechten, Pilzen und Algen aus.
Die Tierwelt umfasst Wirbeltierarten wie Rotwild, Wildschwein, Elch, Reh, Marderhund, Dachs, Baummarder, Nerz, Fischotter, Biber und Bisamratte. Aufgrund des Reichtums an Gewässern und Sümpfen sind rund 220 Vogelarten heimisch, von denen mehr als 51 im Roten Buch verzeichnet sind, etwa Rohrdommel, Fischadler und Kranich. In den Seen und Flüssen kommen etwa 35 Fischarten vor, darunter Hecht, Plötze, Barsch, Brachsen, Silberbrassen und Karauschen.
Geschichte Die Gegend um den Naratschsee zog seit jeher Jäger, Fischer und Reisende an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden am Seeufer Villen, ein Restaurant, ein Yachtclub und ein Hafen für Segelboote; zudem bestand eine Vorortbahnverbindung. 1946 wurden während einer wissenschaftlichen Expedition in den Seen Kusmitschi, Schwakschty und Djagili Mineralquellen und Heilschlamm (Sapropel) entdeckt, woraufhin ein balneologisches Kurgebiet eingerichtet wurde. Ab Ende der 1950er Jahre wurden Ferienlager und Erholungsheime errichtet; 1963 wurde das Sanatorium Naratsch eröffnet. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstand in der Region das größte Kurgebiet des Landes. Der Nationalpark wurde am 28. Juli 1999 gegründet, um Landschaften, die biologische Vielfalt und den Genpool von Flora und Fauna zu bewahren.
Schutzzweck und -maßnahmen Der Nationalpark wurde eingerichtet, um die einzigartigen Naturkomplexe rund um den Naratschsee, wertvolle Landschaften sowie die genetische und biologische Vielfalt der Belarussischen Seenplatte zu erhalten und für Naturschutz, Wissenschaft, Bildung, Tourismus, Erholung und Kur nutzbar zu machen. Das Gebiet ist in Zonen gegliedert: Auf streng geschützte Flächen entfallen etwa 8,4 %, hinzu kommen eine Kur- sowie eine Wirtschaftszone.
Der Park umfasst 36 Naturdenkmäler von nationaler und lokaler Bedeutung. Zu den besonders wertvollen Naturkomplexen zählen die Schutzgebiete Blaue Seen (Landschaftskomplex), Tscheremschizy und Schwakschty (hydrologische Komplexe), die Halbinsel Tschereuki (geologischer Komplex) sowie Nekassezki, Rudakowo und Passynski (biologische Komplexe). 2002 wurde an den Ufern von Naratsch und Mjastro ein nach S. A. Gomsa benannter dendrologischer Garten mit etwa 400 Gehölz- und Krautarten angelegt, der auch ein Waldmuseum beherbergt.
Tourismus Im Nationalpark befindet sich das größte Kurgebiet von Belarus mit elf Sanatorien und Gesundheitszentren. Es wurden rund 30 touristische Routen für mehrtägige Wander-, Rad- und Wassertouren entwickelt; an den Ufern von neun Seen liegen 16 Zeltplätze. Zu den bekanntesten Lehrpfaden gehören die Wege durch den Naturkomplex Blaue Seen und über die Halbinsel Tschereuki.
Weblinks
Offizielle Website des Nationalparks
Einzelnachweise
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