Tschirn ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz.
Geografie Geografische Lage Tschirn liegt im Naturpark Frankenwald. Im Gemeindegebiet entspringen die Bäche Tschirner Ködel (speist die Trinkwassertalsperre Mauthaus), die Grümpel und die Dober in unmittelbar nächster Nähe. Durch den Ort verlaufen der Fränkische Marienweg und der Seenweg.
Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Dobermühle (Einöde) Tschirn (Pfarrdorf) Die Einöden Gemeindeschneidmühle, Röttersmühle und Waffenhammer sind ehemalige Gemeindeteile, die mittlerweile abgebrochen wurden.
Geschichte Bis zum 15. Jahrhundert Der Ort wurde 1276 als „Schirn“ erstmals urkundlich erwähnt. Tschirn, auch „Schirn“, „Zirn“, oder „Zschirn“ geschrieben, ist ein slawischer Name, der vom tschechischen černý (schwarz) abgeleitet ist und etwa Schwarzwald, Fichten- oder Tannenwald bedeutet.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 224.
Die Gründung des Ortes an der Hochstraße Kronach–Lehesten, einer der kürzesten Verbindungen ins Thüringische, vollzog sich um die Jahrtausendwende in der Zeit des Geschlechtes der Steinberger und der Schweinfurter Grafen von Henneberg. 1187 waren die Güter im weltlichen Besitz der von Schaumberg, 1276 wurden „Schirn“ (Tschirn) und „Pressans“ und die Kirchen in diesen Eigengütern an das Kloster Langheim abgetreten. Am 18. Dezember 1388 ging das „Eygen“ Teuschnitz mit 31 Orten, darunter auch Tschirn mit dem Patronatsrecht nebst den dazugehörenden Siedlungen Hois, Priesterich und Oßla durch Kauf an das Hochstift Bamberg über. Tschirn gehörte von 1388 bis 1803 bis zur Säkularisation zum unbestrittenen Besitz des Hochstifts Bamberg.
Der um die Mitte des 14. Jahrhunderts wütenden Pest fielen alle Einwohner von Hois und Priestrich zum Opfer. Die Orte erloschen.
Um 1414 machten die Bürger Tschirns regen Gebrauch von der bereits 1234 erlassenen Bergwerksgerechtigkeit. Erz wurde abgebaut, verhüttet und in Waffenschmieden verarbeitet. Damals hatte der Ort 152 Familien und 600 Einwohner, 84 Häuser, ein Pfarramt, eine Schule und eine Pfarrkirche, eine Revier- und Forstwartei, eine Mahl- und zwei Schneidmühlen mit Waffenhammer.
Dreißigjähriger Krieg Der Dreißigjährige Krieg verschonte Tschirn nicht. 1632 wurde Pfarrer Johann Cuno im Pfarrhaus von einem schwedischen Soldaten ermordet. Der Pfarrer soll sich als Metzger verkleidet haben, wurde jedoch, als er die heiligen Geräte vor den räuberischen Landsknechten schützen wollte, erkannt und niedergemacht. Die Bauern rächten den „merttrer von Tschirn“, sie verfolgten seinen Mörder und erschlugen ihn im Grund zwischen Tschirn und Rappoltengrün. Der Sage nach geht heute noch die arme Seele des Schweden zu nächtlicher Stunde um. Für das Heimatfest 1957 hatte der Heimatdichter Andreas Bauer („Bauern-Andres“) diese Vorgänge zu einem Theaterspiel unter dem Titel Von Not und Tod und schwerer Zeit verarbeitet. Es wurde von einer Tschirner Laienspielgruppe unter Regie des Autors auf dem freien Platz vor dem Pfarrhaus aufgeführt.
In der Folgezeit des Dreißigjährigen Krieges suchten Rinderpest, Ruhr, Typhus und Blattern die Menschen heim. Missjahre, Teuerung und Unwetter brachten immer wieder große Not.
18. bis 20. Jahrhundert Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Tschirn mit Dober- und Gemeindeschneidmühle eine Realgemeinde, bestehend aus 74 Anwesen (4 Güter, 3 Dreiviertelgüter, 27 Halbgüter, 5 Viertelgüter, 28 Tropfhäuser, 5 halbe Tropfhäuser, 1 Mahl- und Schneidmühle und 1 Mahlmühle). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Teuschnitz aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Kastenamt Teuschnitz. Neben den Anwesen gab es 1 Pfarrkirche, 1 Pfarrhof, 1 Schulhaus, 1 Gemeindehirtenhaus und -schmiede und 1 Halbgut, das zu der Zeit unbewohnt war.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 513. Dortr wurden abweichend 77 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
Infolge der Säkularisation kam Tschirn nach Bayern. Mit dem Ersten Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Tschirn gebildet, zu dem Dobermühle, Gemeindeschneidmühle, Rappoltengrün und Waffenhammer gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Tschirn, zu der Dobermühle, Gemeindeschneidmühle und Waffenhammer gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Teuschnitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Rothenkirchen (1919 in Finanzamt Rothenkirchen umbenannt). 1837 wurde Tschirn dem Landgericht Nordhalben überwiesen. Von 1862 bis 1880 und von 1888 bis 1931 gehörte Tschirn zum Bezirksamt Teuschnitz, von 1880 bis 1888 und ab 1931 zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Nordhalben (1879 in Amtsgericht Nordhalben umbenannt), seit 1929 ist das Amtsgericht Kronach zuständig. Die Finanzverwaltung übernahm 1929 das Finanzamt Kronach.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 603. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 25,120 km², die 9,780 km² im Jahr 1904 und 9,384 km² im Jahr 1964 betrug.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 704 auf 516 um 188 bzw. um 26,7 %.
Gemeinde Tschirn Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2008 2010 2015 2017Einwohner 525 608 594 589 602 616 637 671 643 663 684 651 700 716 729 786 772 808 927 914 870 823 797 736 564 536 553 529HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als „Wohngebäude“ bezeichnet. 97 111 111 117 128 157 168 204 209 209Quelle
Ort Tschirn Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 441 564 592 618 618 767 898 812 785 732Häuser 77 107 113 124 154 166 203Quelle
Politik Bürgermeister Bürgermeister ist Klaus Daum (CSU).
Gemeinderat Der Gemeinderat von Tschirn hat acht Mitglieder unter der Leitung des ehrenamtlichen Bürgermeisters.
2026 CSU / Liberale Bürger – LB 4 Alternative für Tschirn 4 Gesamt 8 Sitze
(Stand: Kommunalwahl am März 2026)
Wappen und Flagge Tschirn führt mit der ministeriellen Zustimmung vom 11. April 1957 (Nr. I B 1 - 3000 - 29 T/5) ein Wappen.
Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge zeigt drei Streifen in der Farbenfolge Rot, Weiß und Blau entsprechend den Hauptfarben im Gemeindewappen. Klemens Stadler: Die Wappen der oberfränkischen Landkreise und Gemeinden
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Katholische Pfarrkirche St. Jakobus, Ostfassade mini|Katholische Pfarrkirche St. Jakobus, Orgel
Am früheren Ortsteich, beim Haus Nummer 97 (heute Kronacher Straße 8), befand sich zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen die Sandsteinfigur des Heiligen Nepomuk mit der Inschrift im Sockel: „Johan Hader schmittmeister von Tschirn und die sämhdliche Gutt thäter haben zur Ehre Gottes und des He Johann von Nepomuc diese bildnus setzen lassen. Ano 1774“. Die Statue wurde 1998 nach einer Renovierung an die Abzweigung Eckstraße/Kronacher Straße versetzt. Von der gleichen Art steht etwa 100 Meter nördlich der Pfarrkirche ein Vesperbild, die Muttergottes, den vom Kreuz abgenommenen Christus haltend. Diese Sandsteinfigur war einst bemalt.
Von 1865 bis 1871 bauten die Tschirner die heutige Pfarrkirche im neugotischen Stil. Sie birgt neben wertvollen Kleinodien mehrere Holzfiguren (die älteste ist wohl die um 1500 entstandene stehende Muttergottes), vier Altarbilder, Kreuzweg und vier Evangelisten von Kunstmaler Lorenz Kaim aus Kronach, sowie eine Steinmeyersche Orgel.
Bodendenkmäler
Burgstall Tschirn
Wanderwege In der Nähe befinden sich Wandermöglichkeiten auf gut markierten Strecken – der nahe Rennsteig, der Seenweg und die beiden Europäischen Fernwanderwege E3 und E6. Eine Teilstrecke des Grünen Bandes bildet kilometerweit die Landesgrenze zu Thüringen. Durch den Ort führen die Porzellanstraße und die Frankenwaldhochstraße. Des weiteren wurden von der neu gegründetetn Ortsgruppe des Frankenwaldvereins zwei neu Wanderwege ausgeschildert. Zum einen der R21 "Alter Teich Weg" sowie das Frankenwaldsteigla "Dobertal-Weg".
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Land- und Forstwirtschaft sowie Heimarbeit boten in früheren Jahrhunderten nur ein Existenzminimum. 1894 wurde die Schiefertafelindustrie gegründet, die 1902 nach Nordhalben abwanderte. Versuche, in den 1920er und 1930er Jahren Schiefervorkommen abzubauen, scheiterten.Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Tschirn 2001 – Autor: Günter Böhnlein, Tschirn
Größter Arbeitgeber in Tschirn war das 1985 eröffnete Zweigwerk der Dr. Franz Schneider GmbH mit 160 Mitarbeitern. Nach einer Insolvenz wurde Schneider 2023 vom indischen Automobilzulieferer Samvardhana Motherson International übernommen und unter dem Namen Samvardhana Motherson Innovative Autosystems (SMIA) weitergeführt.
Verkehr Die Staatsstraße 2198 führt über Rappoltengrün nach Teuschnitz (5 km westlich) bzw. nach Nordhalben (4,2 km südöstlich). Die Staatsstraße 2200 führt nach Effelter (4,7 km südwestlich). Die Kreisstraßen KC 7/K 182 führt nach Brennersgrün (4,8 km nördlich). Die Kreisstraßen KC 16 führt an der Hubertushöhe vorbei nach Nurn (8,2 km südlich).
Persönlichkeiten Ehrenbürger Peter Frank (Lehrer in Tschirn)- seit 30. Dezember 1931 (†) Hans Hagel (Geistlicher Rat, Pfarrer in Tschirn) – seit 8. November 1953 (†) Ludwig Widenmayer (Forstoberrat in Tschirn) – seit 2. Juni 1952 (†) Josef Hader (Bürgermeister) – seit 16. September 1958 (†) Rudolf Höfinger (Pfarrer) – seit 28. März 1965 (†) Franz Schneider (* 9. Februar 1929 in Wilhelmsthal; † 15. April 2020), Unternehmer – seit 28. November 1997
Pfarrer von Tschirn
Literatur Günter Böhnlein: Tschirner Geschichte(n). Was wir wissen, machen und erzählen auf stolzen Bergeshöh'n. 2019. Eigenverlag Pixelbändiger Tschirn. Günter Böhnlein: Pfarrei- und Kirchengeschichte St. Jakobus d.Ä. Tschirn. 2021. Eigenverlag Pixelbändiger Tschirn.
Rudolf Pfadenhauer (Hrsg.): Tschirn im Frankenwald. Eine Gemeinde erinnert sich 1276–2001. ISBN 3-000-08814-8
Weblinks
zur Website der Gemeinde Tschirn (PDF; 1,45 MB)
Einzelnachweise
Anmerkungen Die Wüstung Gemeindeschneidmühle wird als Einöde und Gemeindeteil in der Ortsdatenbank geführt. Die Ortsdatenbank ist nicht immer aktuell, da die Gemeinden die Änderungen oft nicht mitteilen.
Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Frankenwald Kategorie:Ersterwähnung 1276 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft