mini|hochkant=1.3|Bindlacher Ortskern vom Bindlacher Berg aus gesehen, im Hintergrund Bayreuth und der Sophienberg mini|hochkant|Ortsmitte mit Rathaus (links) und St.-Bartholomäus-Kirche mini|Giebelständige Häuser mit Fensterschürzen in der Bad Bernecker Straße

Bindlach ist eine Gemeinde im Landkreis Bayreuth, Regierungsbezirk Oberfranken, und grenzt im Süden an die kreisfreie Stadt Bayreuth.

Geografie Geografische Lage Der Ortskern von Bindlach liegt im Trebgasttal am Rande des Fichtelgebirges, an dem durch die Benk-Formation geologisch interessanten Höhenzug der Hohen Warte, dem Oschenberg und dem Bindlacher Berg. Im Gemeindeteil Stöckig entsteht aus dem Zusammenfluss von Furtbach und Flußgraben die Trebgast, die bei Trebgast in den Weißen Main mündet. Das weite Tal wurde nicht von ihr, sondern von der wasserreicheren Ursteinach, dem früheren Unterlauf der Warmen Steinach, geschaffen.Fränkische Zeitung vom 10. April 2013, S. 7

Geotope Muschelkalk-Aufschluss am Bindlacher Berg (Geotop-Nummer 472A004).

Gemeindegliederung mini|Gemeindeteil Röhrig an der Staatsstraße 2460 (ehemals Bundesstraße 2) mini|hochkant|Alte Bergstraße (ehemals Reichsstraße 2) auf den Bindlacher Berg

Die Gemeinde Bindlach hat 35 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Des Weiteren gibt es die Wohnplätze Forsthaus, Fuhrmannshöhe, Hermannsthal, Lehen, Lerchenhof und Zollhaus.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Benk, Bindlach, Crottendorf und Euben. Die Gemarkung Bindlach hat eine Fläche von 10,942 km². Sie ist in 3062 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3573 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Allersdorf, Eckershof, Flurhof, Furtbach, Grabenhaus, Röhrig, Ruh, Schleifmühle und Stöckig.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Bad Berneck im Fichtelgebirge, Goldkronach, Bayreuth, Heinersreuth, Neudrossenfeld und Harsdorf.

Name Der Ursprung des heutigen Ortsnamens Bindlach ist umstritten. Bis ins späte 20. Jahrhundert wurde er auf das slawische Pnetluky zurückgeführt. Pnetluky enthält das slawische Verb tlouk, das „schlagen“ bedeutet. Dies lässt die sinngemäße Übersetzung „Dorf der Leute, die Stämme schlagen“ zu. Die weitere Entwicklung der Schreibweise führt über Pintlock, Pintloch, Bindlich, was heute noch umgangssprachlich zu hören ist, schließlich zu Bindlach.

Neuere Forschung führt die Bezeichnung Bindlach auf das altsächsische Binutlaka zurück. Dies wird mit „Binsenlache“ (mit Binsen bewachsenes, stehendes Gewässer) gedeutet.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Jahr 1997 wurden beim Wohngebiet Gries viele Keramikscherben von Tonkrügen und Gefäßen der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur (ca. 1300–800 v. Chr.) gefunden, die auf eine frühgeschichtliche Besiedelung des Bindlacher Raumes schließen lassen. Ausgrabungen im August 1992 haben ergeben, dass zwischen Schleifmühle und Allersdorf eine keltische Siedlung der Zeit um 450 v. Chr. existiert hat.

Um das Jahr 800 n. Chr. sollen durch Karl den Großen deportierte Sachsen hier angesiedelt worden sein. 1963 wurden karolingische Reihengräber aus dem 9. Jahrhundert entdeckt. Als Beweis dafür, dass der Ort schon vor der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 existierte, gilt der Würzburger Altzehnt, den 1317 Heinrich von Wirsberg in Bindlach zu zahlen hatte.

In einer PrivaturkundeUrkunde HU Bamberg 335 - Hauptstaatsarchiv München vom 6. April 1178 wurde „bintlvke“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Pfarrei Bindlach war damals kirchlicher Mittelpunkt des Bayreuther Landes.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 38.

Als Teil des hohenzollernschen Fürstentums Bayreuth lag Bindlach ab 1500 im Fränkischen Reichskreis.

Bindlach bildete mit Eckershof, Flurhof, Lehen, Oschenberg, Röhrig und Schleifmühle eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Bindlach mit Lehen 75 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit und die Dorf- und Gemeindeherrschaft stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Ein Tropfhaus war freieigen. Die restlichen Anwesen unterstanden acht unterschiedlichen Grundherren: bayreuthische Ämter (47 Anwesen): Hofkastenamt Bayreuth (36 Anwesen: 1 Mühle, 1 Schenkstatt, 2 Höfe, 13 Halbhöfe, 2 Viertelhöfe, 11 Sölden, 1 Sölden mit Nebenhaus, 1 Tropfsölde, 2 Tropfhäuser, 1 Badstube, 1 Gemeindeschmiede), Hofkanzlei Bayreuth (4 Anwesen: 1 Halbhof, 2 Sölden, 1 Tropfhaus), Amt Weidenberg (1 Söldengut), Verwaltung Glashütten (1 Tropfhaus), Verwaltung Ramsenthal (6 Anwesen: 1 Gütlein, 1 Söldengut mit Feuerrecht, 1 Söldengütlein, 1 geringes Söldengütlein, 2 Tropfgütlein), das Rittergut Schmeilsdorf (2 Tropfhäuser), das Rittergut Thurnau (2 Tropfhäuser), das Rittergut Guttenberg (1 Zapfenschenke, 11 Wohnhäuser), das Rittergut Steinenhausen (1 Mühle, 2 Tropfhäuser, 2 Wohnhäuser), das Rittergut Birken (2 Tropfhäuser), das Hospital Bayreuth (1 Tropfgütlein), die Pfarrei Bindlach (1 Söldengütlein) und das Gotteshaus Bindlach (1 Söldengut).R. Winkler: Bayreuth, S. 343f.

Als Teil des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth kam Bindlach im Frieden von Tilsit zu Frankreich und wurde 1810 an das Königreich Bayern verkauft. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth.

1812 wurde infolge des Gemeindeedikts der Steuerdistrikt Bindlach gebildet. Außer dem Hauptort gehörten hierzu Allersdorf, Crottendorf, Eckershof, Flurhof, Furtbach, Gemein, Grabenhaus, Hussengut, Lehen, Neuhaus, Röhrig, Röthelbach, Schleifmühle und Zettlitz.R. Winkler: Bayreuth, S. 489f. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Bindlach, zu der Eckershof, Flurhof, Furtbach, Lehen, Röhrig und Schleifmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden die ehemals ritterschaftlichen Anwesen teilweise bis 1848 unterschiedlichen Patrimonialgerichten. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde die Gemeinde Allersdorf mit Grabenhaus eingegliedert. Ab 1862 gehörte Bindlach zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).R. Winkler: Bayreuth, S. 464f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 9,813 km².

Am 29. Juli 1823 brach gegen 13 Uhr in der sogenannten Ecken, dem nach Lehen hin gelegenen Teil Bindlachs, ein Feuer aus. Da fast alle Einwohner auf den Feldern beschäftigt waren, konnte sich der Brand rasch ausbreiten. Die ganze östliche Seite des Dorfs wurde zerstört, 21 der meist noch mit hölzernen Schindeln gedeckten Häuser samt Nebengebäuden wurden ein Raub der Flammen. Durch den beherzten Einsatz eines Zimmermeisters, der die bereits brennende Kuppel des Kirchturms löschte, wurde die Kirche gerettet. Besonders entlang der Hauptstraße wurden bald neue Bauernhäuser errichtet, sie tragen als Jahr der Erbauung im Schlussstein über der Haustür Jahreszahlen ab 1823.21 Häuser ein Raub der Flammen in: Nordbayerischer Kurier vom 29./30. Juli 2023, S. 19.

Neuere Geschichte Der Bindlacher Pfarrer Fehler berichtete im August 1945, in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs seien Bindlach und die umliegenden Ortschaften mit Hunderten englischen Kriegsgefangenen belegt worden. In einer Scheune im Ort habe man eine kleine Anzahl kriegsgefangener Russen untergebracht, deren körperliche Verfassung ein jammervolles Bild geboten habe. Zudem sei Bindlach von Flüchtlingen aus dem Saargebiet, Schlesien und Ostpreußen überfüllt gewesen. Am 14. April hätten die meisten Einwohner weiße Fahnen gehisst. Am Vormittag des 15. April 1945 nahmen Soldaten der US-Armee den weitgehend unversehrt gebliebenen Ort ein.

Ein amerikanischer Militärrabbiner förderte ab Januar 1946 maßgeblich den Zustrom ehemaliger jüdischer KZ-Häftlinge aus überfüllten Flüchtlingslagern. Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde entstanden zwei „Jewish Farms“, landwirtschaftliche Kollektive und handwerkliche Lehrwerkstätten, in denen junge Überlebende des Holocaust auf ein künftiges Leben in Kibbuzim in Palästina vorbereitet werden sollten. Unter dem Namen „Geulim“ wurde im November 1945 ein Vorläufer in Zettlitz eröffnet. In den Jahren 1946/47 wurde der Forkenhof in Theta im Rahmen der Hachschara-Bewegung vom Kibbuz Afikim als Ausbildungsstätte für durchschnittlich 60 Auswanderer genutzt.Bernd Mayer: Die Judenfarmen im Bayreuther Land in: Heimatkurier 4/2006 des Nordbayerischen Kuriers, S. 12 f.

1994 wurde die Gemeinde als staatlich anerkanntes Unterzentrum eingestuft.

Am 5. Juni 2021 traf ein Unwetter mit starkem Regen und schwerem Gewitter die Gemeinde, auf die binnen einer Stunde mehr als 100 Liter Wasser pro Quadratmeter niedergingen. Der Hauptort Bindlach wurde komplett von den Überschwemmungen getroffen. Am stärksten betroffen war der Gemeindeteil Stöckig mit 110 Litern pro Quadratmeter. Selbst 80-jährige Einwohner konnten sich nicht an ein derartiges Hochwasser, bei dem rund 150 Keller vollliefen, erinnern. Mehr als 300 Feuerwehrleute und rund 100 Helfer waren im Einsatz.Plötzlich war das Hochwasser da in: Nordbayerischer Kurier vom 7. Juni 2021, S. 13.„Das kann kein Kanal schaffen“ in: Nordbayerischer Kurier vom 8. Juni 2021, S. 7.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1976 die Gemeinde Crottendorf eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kam Benk hinzu, Euben und Ramsenthal folgten am 1. Mai 1978.

Bereits am 1. Dezember 1973 wurde das im Westen liegende gemeindefreie Gebiet Forst Sankt Georgen aufgelöst. Dabei wurden 123,89 Hektar oder 23,0 Prozent der Fläche des Gebiets im nördlichen Bereich des südöstlichen Gebietsteils in die Gemeinde Bindlach eingegliedert, und der Rest in die Stadt Bayreuth und die damals noch bestehenden Gemeinden Cottenbach und Euben. Auch die Gemarkung Forst Sankt Georgen wurde aufgelöst.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 5180 auf 7333 um 2153 Einwohner bzw. um 41,6 %, das ist der bei weitem höchste Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.

Gemeinde Bindlach Jahr 1822 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2015 2020Einwohner 662 716 791 895 892 911 971 1010 1045 1010 1020 1071 1132 1191 1177 1247 1402 1544 2212 2916 3037 3097 5084 7211 7237 7320HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2020 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 75 101 116 123 131 159 215 367 1164 1856 1925Quelle Für den Einzelort Bindlach werden fälschlicherweise 219 Einwohner angegeben.

Ort Bindlach Jahr 1819 1822 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 360 398 534 560 598 919 1061 2638 1898 1845 2318Häuser 36 62 108 130 179 216 457Quelle

Politik Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2020 Christian Brunner (CSU). Sein Vorgänger war ab 2008 Gerald Kolb (Freie Wähler). Zuvor fungierte Hermann Hübner (CSU) als Bürgermeister, der 2008 zum Bayreuther Landrat gewählt wurde.

Gemeinderat Die Kommunalwahlen in Bayern 2002, 2008, 2014, 2020 und 2026 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

Partei / Liste 2002 2008 2014 2020 2026 CSU 7 6 5 8 9 Grüne n. a. n. a. n. a. 2 2 SPD 6 6 4 4 3 Wahlgemeinschaft Bindlach 4 4 6 3 3 Christlich Soziale Wählervereinigung 2 2 3 2 2 Überparteiliche Wählervereinigung Benk 1 1 1 1 1 BergListe n. a. 1 1 n. a. n. a. Gesamt 20 20 20 20 20

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-gelb-blau.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Bindlach (2012)

Eisenbahn mini|Müllverladestation