mini|Karte des Knoblauchslands mini|Knoblauchsland mit der Kraftshofer Wehrkirche Knoblauchsland ist die Bezeichnung für eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete seiner Art in Deutschland, dessen Erschließung bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht. Die historisch bedeutsame Kulturlandschaft liegt in der Mitte des Städte-Dreiecks Nürnberg-Fürth-Erlangen in Franken. Das Gemüseanbaugebiet war durch intensive Wechselbeziehungen zu den angrenzenden städtischen Räumen geprägt. Auf der einen Seite stand die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Gemüse und auf der anderen Seite schützte die Stadt Nürnberg die nahe gelegenen Anbauflächen und Bauern in Kriegs- und Notzeiten.

Geographie

Geographische Lage Das Knoblauchsland umfasst die Mitte des mittelfränkischen Städtedreiecks Nürnberg-Fürth-Erlangen. Die genaue Abgrenzung ist nicht einfach zu bestimmen. Neben naturräumlichen Gegebenheiten, wie Geologie und Boden, spielen auch historische und wirtschaftsgeographische Aspekte bei der Einordnung eine Rolle. Im Westen begrenzt die Bundesautobahn 73 das Gemüseanbaugebiet. Die Autobahn verläuft weitgehend entlang der Grenze zwischen Blasensandstein aus dem Keuper und pleistozänen Flusssanden der Regnitzterrassen. Der Sebalder Reichswald stellt die östliche Grenze dar. Die östliche Rodungsgrenze markiert ungefähr die Trennlinie zwischen Keupersandstein und pleistozänen Flugsanden. Da sich auf Sanddünen oftmals nur verhältnismäßig unfruchtbarer Podsol entwickelt, kann die Rodungsgrenze teilweise durch die schlechtere landwirtschaftliche Nutzbarkeit erklärt werden. Im Südosten schließen sich die Freiflächen des Flughafens Nürnberg an den Landschaftsraum an. Im Süden reicht das Knoblauchsland bis an die bebauten Siedlungsräume von Nürnberg und Fürth heran. Im Norden gehören die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Tennenlohe zum Knoblauchsland. Die Brucker Flur ist durch pleistozäne Flugsande und Podsolböden geprägt. Daher zählt Bruck aufgrund seiner geologischen Verhältnisse nicht mehr zum Knoblauchsland.

Ausdehnung Die Landschaft weist eine Gesamtfläche von rund 4000 Hektar (40 Quadratkilometer) auf. Lediglich die Hälfte der Fläche, etwa 1900 Hektar, wird landwirtschaftlich genutzt. Die Längsausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt circa 10 Kilometer und die Breite des Knoblauchslands umfasst etwa 5–6 Kilometer.

Ortschaften im Knoblauchsland mini|Bewässerungsanlagen im Knoblauchsland bei Buch (2013) Im Knoblauchsland sind 20 kleine und größere Dörfer gelegen. Zu Nürnberg gehören Almoshof, Boxdorf, Buch, Groß- und Kleinreuth hinter der Veste, Groß- und Kleingründlach, Höfles, Kraftshof, Lohe, Neunhof, Reutles, Schmalau, Schnepfenreuth und Wetzendorf, wohingegen Bislohe, Sack, Braunsbach, Ronhof und Poppenreuth Teile der Stadt Fürth sind. Tennenlohe gehört zur Stadt Erlangen. Viele dieser Dörfer kamen erst im Zuge der Gebietsreform in Bayern 1972 zu den Großstädten, deren administrativer Teil sie heute sind.

Naturräumliche Zuordnung Das Knoblauchsland ist naturräumlich dem Mittelfränkischen Becken (Mannsfeld und Syrbe 2008) zugeordnet, das Bestandteil der Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land ist.

Geologie und Böden Die flachwellige bis ebene Keuperlandschaft zeichnet sich durch einfache geologische Verhältnisse aus. Im Westen bildet Blasensandstein aus der Hassberge-Formation den geologischen Untergrund. Er steht bis zur Regnitzterrasse an und zieht sich westlich des Flusses fort. Im Osten des Knoblauchslandes lagert über dem Blasensandstein der Coburger Sandstein aus der Hassberge-Formation. Der Blasensandstein und der Coburger Sandstein sind für den Gemüseanbau im Knoblauchsland von besonderer Bedeutung. Die beiden geologischen Schichten sind zusammen rund 30 bis 40 Meter mächtig und bestehen aus Sandstein mit blasenartigen Hohlräumen, welche durch die Verwitterung von Tongallen entstanden sind. Das Gestein ist arm an löslichen Mineralbestandteilen und reich an Letteneinlagerungen. Diese Lettenschichten sind aufgrund ihres hohen Tongehalts wasserstauend. Durch die Verwitterung der Sande mit den Letten entstanden lockere Braunerdeböden, die für eine landwirtschaftliche Nutzung gut geeignet sind. Entlang der Fließgewässer haben sich quartäre Talfüllungen abgelagert und grundwasserbeeinflusste Böden, wie Gleye entwickelt. Nordwestlich von Buch ist der flachgründige Bodentyp Regosol vorherrschend. Nördlich von Großgründlach haben sich Pseudogleyböden ausgebildet.

Fließgewässer mini|Naturnaher, totholzgeprägter Fließgewässerabschnitt der Gründlach nördlich von Boxdorf (Nürnberg) Eine Reihe in Ost-West-Richtung verlaufende Fließgewässer, die in die Regnitz und Pegnitz einmünden, gliedern das Knoblauchsland. Im Süden, beginnend am Marienberg verläuft der Wetzendorfer Landgraben, welcher Wetzendorf, Kleinreuth hinter der Veste und Thon durchquert, bevor er in Schniegling in die Pegnitz einmündet. Südlich von Höfles und Poppenreuth durchfließt der begradigte Schnepfenreuther Landgraben die Kulturlandschaft. Der Bucher Landgraben teilt das Knoblauchsland in einen nördlichen und südlichen Bereich. Im Norden von Nürnberg prägen die Gründlachauen und ihre Nebengewässer den Landschaftsraum. Im Westen begrenzt die Regnitz das Knoblauchsland. Der Eltersdorfer Bach befindet sich im Norden des Knoblauchslandes. Er durchfließt Tennenlohe und mündet in Eltersdorf in die Regnitz.

Klima Das Knoblauchsland liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Der Landschaftsraum befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen/Geiger zählt das Knoblauchsland zum gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über −3 °C. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur bei 9,3 °C und die Niederschlagsmenge beträgt im durchschnittlichen Jahresmittel lediglich 637 mm. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer ist mit 1702 Stunden pro Jahr im bundesdeutschen Durchschnitt relativ hoch. Die Werte der Klimaelemente beziehen sich auf die Messstation Nürnberg Flugfeld am Flughafen.

Schutzgebiete mini|Ausgedehnte Wiesenkomplexe der Grünlachauen bei Neunhof im Landschaftsschutzgebiet Gründlachtal-Ost Die Fließgewässer mit ihren rezenten Auen durchziehen das intensiv genutzte Gemüseanbaugebiet und sind naturschutzfachlich als Biotopverbundachsen von besonderer Bedeutung. Die Auenlandschaft der Gründlach ist auf dem Nürnberger Stadtgebiet als Landschaftsschutzgebiet Gründlachtal – Ost (LSG00536.13) mit einer Gesamtgröße von 352,5 Hektar ausgewiesen. Das 4,8 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Poppenreuther Landgraben (LSG-00523.06) und das 10,9 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Bucher Landgraben, Bisloher Entwässerungsgraben (LSG-00523.09) liegen auf dem Fürther Stadtgebiet. In Erlangen wurde der Hutgraben mit Winkelfeld und Wolfsmantel als 188,3 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet (LSG-00536.13) unter Schutz gestellt.

Fauna Das Knoblauchsland bietet einer Vielzahl an bodenbrütenden Vogelarten geeignete Lebensraumbedingungen. Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn und Wiesenschafstelze sind häufige Bodenbrüter in dieser offenen und kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft. Daneben sind einzelne Nachweise von gefährdeten und zum Teil vom Aussterben bedrohten Vogelarten wie Braunkehlchen, Steinschmätzer und Haubenlerche belegt.

Kiebitz (Vanellus vanellus): Brutvogelkartierungen im Knoblauchsland aus den beiden Jahren 2013 und 2015 haben insgesamt 148 Kiebitzbrutpaare dokumentiert. Diese bayernweit sehr große Kiebitzpopulation auf einem sogenannten Sekundärstandort zeigt die Lebensraumqualität der Kulturlandschaft mit ihrem weiträumigen Offenlandcharakter für diesen stark gefährdeten Wiesenbrüter. Feldlerche (Alauda arvensis): Der gefährdete Steppenvogel wurde mit 244 Brutpaaren im Knoblauchsland beobachtet (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Rebhuhn (Perdix perdix): 37 Brutpaare dieser stark gefährdeten Art wurden im Knoblauchsland kartiert (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Das jagdbare Rebhuhn besiedelt vor allem offenes, reich strukturiertes Ackerland. Die klein parzellierten Feldfluren mit unterschiedlichen Anbauprodukten bieten noch geeignete Lebensraumbedingungen. Allerdings sind wertgebende Habitatstrukturen wie Altgrasstreifen, Staudenfluren sowie Hecken und Feldraine in den letzten Jahrzehnten aufgrund der zunehmenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung beseitigt worden. Auch die Bewässerung, der Gewächshausbau und die Bejagung wirken sich negativ auf die Bestandsentwicklung des Rebhuhns aus. Wiesenschafstelze (Motacilla flava): Mit 77 Brutpaaren wurde die weit verbreitete Wiesenschafstelze im Knoblauchsland nachgewiesen (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Die kleinparzellierten und strukturreichen Anbauflächen bieten gute Habitatbedingungen für diese Art. Haubenlerche (Galerida cristata): Das mittelfränkische Brutvorkommen der in Bayern vom Aussterben bedrohten Haubenlerche galt seit der Jahrhundertwende als erloschen. Im Bereich von Schnepfenreuth und im Umfeld des Boxwaldes wurde die Art im Jahre 2014 als wahrscheinlicher Brutvogel mehrfach kartiert. Verkehr Als landwirtschaftlich geprägtes Gebiet zwischen drei Großstädten wird das Knoblauchsland von Verkehrswegen eher durchschnitten als erschlossen. Teilweise bilden diese auch die Grenzen des Gebiets. Insbesondere der Straßenverkehr ist bedeutend, um die landwirtschaftlichen Produkte an Groß- und Einzelhandel zu liefern. Straße Die Bundesautobahn 73 begrenzt das Gebiet im Westen, während die Bundesautobahn 3 das Gebiet im Osten und Norden passiert bzw. begrenzt. Die Bundesstraße 4 durchzieht das Gebiet von Nord nach Süd und dient bzw. diente früher teilweise als Ortsdurchfahrt. Schiene Die Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg liegt heute am westlichen Rand des Gebietes, jedoch hatte sie früher einen teilweise östlicheren Verlauf. Beim Streit um den „S-Bahn Verschwenk“ wurde auch immer wieder der Einfluss, den diese Maßnahme auf das Knoblauchsland hätte, diskutiert (Näheres im Artikel S-Bahn Nürnberg). Die geplante Stadt-Umland-Bahn Nürnberg–Erlangen–Herzogenaurach würde große Teile des Knoblauchslandes erstmals an schienengebundenen ÖPNV anbinden.

ÖPNV Aktuell ist das Knoblauchsland entlang der Erlanger Straße (B4) nur bis Am Wegfeld an das Nürnberger Straßenbahnnetz angebunden. Dort befindet sich im Moment der zentrale Knotenpunkt aller dort verkehrenden Straßenbahn- und Buslinien. So verkehren von hier die Linien 20, 30 und 290 nach Erlangen, wobei die Linie 290 zwischen Boxdorf und Reutleser Straße einen Umweg über Schmalau und Großgründlach fährt. Die Linie 31 verknüpft nahezu alle Ortskerne und führt von Ziegelstein über Schnepfenreuth und Am Wegfeld weiter über Buch, Kraftshof, Neunhof und Boxdorf nach Großgründlach. Richtung Nürnberger Stadtgebiet knüpft die Linie 30 den Nürnberger Flughafen an und verkehrt weiter über Ziegelstein , Nordostpark und Herrnhütte zum Nordostbahnhof . Die Linie 33 bindet ausgehend vom Flughafen die Ortskerne Lohe und Almoshof an und führt weiter über Am Wegfeld und Höfles in die Fürther Innenstadt mit Endstation Fürth Hauptbahnhof . Ebenfalls von der Fürther Innenstadt ausgehend bedient die Linie 179 Ronhof, Sack, Braunsbach, Bislohe, Schmalau und Großgründlach und verkehrt weiter über Reutles und die Erlanger Straße ebenfalls nach Am Wegfeld . Weiters bindet die Linie 178 Schmalau, Bislohe, Kronach, Ronhof und Poppenreuth an die Fürther Innenstadt an.

Im Zuge der geplanten Stadt-Umland-Bahn Nürnberg-Erlangen-Herzogenaurach soll ein neuer ÖPNV-Knotenpunkt an der Haltestelle Reutleser Weg samt Park+Ride Anlage entstehen. Die Stadt-Umland-Bahn soll die heute bis zu vier parallel verkehrenden Buslinien auf der Erlanger Straße ersetzen.

Luftverkehr