Heinersreuth ist eine Gemeinde im Landkreis Bayreuth (Regierungsbezirk Oberfranken) und liegt etwa vier Kilometer nordwestlich der Kreisstadt an der B 85. Zur politischen Gemeinde gehören seit der Gemeindegebietsreform im Jahr 1973 die ehemaligen Gemeinden Altenplos, Cottenbach und Unterwaiz.
Geografie Lage Das Gemeindegebiet wird weitgehend vom Tal des Roten Mains geprägt. Der Fluss durchfließt auf rund fünf Kilometern das Gemeindegebiet von (Heinersreuth) auf (Altenplos). Eine der höchsten Erhebungen des Gemeindegebiets ist der weithin sichtbare Bleyer (), an dessen Hängen sich große Teile des Ortes Heinersreuth befinden.
Großräumig liegt die Gemeinde zwischen dem Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz.
Gemeindegliederung Es gibt 18 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Bleyer ist mittlerweile zur Wüstung geworden.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Altenplos, Cottenbach, Heinersreuth und Unterwaiz. Die Gemarkung Heinersreuth hat eine Fläche von 3,030 km² und ist in 1297 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Denzenlohe, Flur und Tannenbach.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Neudrossenfeld, Bindlach und Bayreuth.
Geschichte Ortsgeschichte und Wappen Der Ort wurde erstmals 1396 als "Heinrichsreute" im Lehenbuch des Burggrafen Johann III. von Nürnberg erwähnt.Staatsarchiv Bamberg, Stb. Nr. 6000; Ziegelhöfer/Hey: Bayreuth Ziegelhöfer, Adam/Hey, Gustav: Die Ortsnamen des ehemaligen Fürstentums Bayreuth. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 37/3 (1920), S. 22. 1398 wurde der Ort in der verkürzten Form „Heinrewt“ erwähnt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 98. Das Wappen der Gemeinde erinnert an die Herren von Weiher, die in Heinersreuth von 1464 bis zu ihrem Aussterben 1604 und in Altenplos von 1464 bis 1549 als Grundherren nachweisbar sind, sowie an die Herren von Wallenrode, die von 1549 bis 1728 in Altenplos ansässig waren. Im Gemeindeteil Altenplos nordwestlich des Kernortes befindet sich das um 1740 erbaute Schloss Altenplos, einst die Residenz der Freiherren von Stein. Das Barockgebäude wurde von dem Architekten Johann Friedrich Grael entworfen und auf den Resten einer spätmittelalterlichen Burg errichtet. Am Schloss wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen, sodass sich das Gebäude in einem guten Zustand befindet.
Heinersreuth bildete mit Bleyer, Denzenlohe und Vollhof eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Heinersreuth 44 Anwesen (ehemals ritterschaftliches Schlossgebäude mit Amtsstube, 1 Höflein, 2 Wirtshäuser mit Bräuhaus, 17 Söldengüter, 1 Schmiede, 1 Mahl- und Schneidmühle, 21 Tropfhäuser). Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte die bayreuthische Amtsverwaltung Heinersreuth.R. Winkler: Bayreuth, S. 366.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Bayreuth. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde Heinersreuth bayerisch. Infolge des Gemeindeedikts wurde Heinersreuth dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Altenplos zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Heinersreuth, zu der Bleyer, Denzenlohe, Tannenbach und Vollhof gehörten; Flur wurde erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Gemeindegebiet gegründet. Die Gemeinde Heinersreuth war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Bayreuth zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Ab 1862 gehörte sie zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Bayreuth (1879 in Amtsgericht Bayreuth umgewandelt).R. Winkler: Bayreuth, S. 474. Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 3,026 km².
Religionen Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch. Die evangelische Versöhnungskirche wurde 1937 eingeweiht. Bis dahin war Heilig Dreifaltigkeit (Bayreuth) zuständig. Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1978 die Gemeinde Altenplos eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Cottenbach und Unterwaiz sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinde Altdrossenfeld hinzu. Am 1. Januar 2011 wurde ein Teil der Gemarkung Bayreuth eingegliedert. Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 3362 auf 3742 um 380 Einwohner bzw. um 11,3 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1996 mit 3914 Einwohnern erreicht. Auf dem Gebiet der Gemeinde lebten am 31. Dezember 2009 3746 Einwohner, nachdem im Jahre 2000 3756 gezählt worden waren. Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerentwicklung der Gemarkungen zwischen 1840 und 1990, wobei die Spalte Sonstige die restlichen Gemeindeteile Dürrwiesen, Lichtentanne und Sorg betrifft. Landwirtschaftlich geprägte Gemeindeteile, wie z. B. Cottenbach, haben eine eher stagnierende Einwohnerzahl, während sich die Einwohnerzahl der Gesamtgemeinde mehr als verdoppelt hat.
Jahr Altenplos Cottenbach Heinersreuth Unterwaiz Sonstige Gesamt 1840 477 229 522 147 49 1424 1871 507 275 645 157 45 1628 1900 475 238 705 184 51 1653 1925 573 272 917 160 52 1974 1939 643 196 991 186 53 2069 1950 759 274 1207 257 74 2571 1956 692 229 1175 227 90 2413 1960 738 215 1178 237 66 2434 1965 797 209 1292 223 96 2617 1970 924 185 1350 229 37 2725 1975 995 186 1464 274 54 2973 1980 1140 189 1585 278 60 3252 1985 1122 192 1613 258 51 3236 1990 1161 209 1956 249 52 3627
Gemeinde Heinersreuth Jahr 1822 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2010 2015 2020Einwohner 399 522 547 553 581 645 658 642 637 659 687 705 766 837 860 917 968 991 1186 1207 1226 1315 3301 3900 3809 3713 3683 3767HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2020 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 54 74 87 87 89 108 138 192 875 1179 1224Quelle
Ort Heinersreuth Jahr 1819 1822 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 297 347 471 541 538 633 832 1134 1173 1263 1626Häuser 46 70 74 95 126 181 423Quelle
Politik Rathaus Das Gebäude des Heinersreuther Rathauses wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Schulhaus erbaut. Nach Eröffnung des heutigen Schulhauses im Jahre 1963 waren zeitweise Mietwohnungen im Gebäude untergebracht. Der Umbau zu einem modernen Rathaus begann im Herbst 1988 und dauerte zwei Jahre. Am 15. September 1990 wurde das Rathaus eingeweiht und mit einem Tag der offenen Tür den Einwohnern vorgestellt. Bürgermeister Bürgermeister von 1996 bis 2014 war Hans Dötsch (SPD). Sein Vorgänger war Arnold Gebelein (SPD). Im Mai 2014 übernahm mit Simone Kirschner (CSU) erstmals in der örtlichen Gemeindegeschichte eine Frau das Bürgermeisteramt.http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/heinersreuth-simone-kirschner-csu-beendet-100-jahre-spd 2020 und 2026 wurde sie als Erste Bürgermeisterin wiedergewählt. Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014, und 2020 und 2026 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: Partei / Liste 2002 2008 2014 2020http://www.heinersreuth.de/buergermeisterin-und-gemeinderat 2026Ergebnisse Gemeinderatswahl 2026 CSU 6 5 7 9 10 SPD 7 7 7 5 4 FWG Heinersreuth-Altenplos 3 2 2 – – Junge Liste Rotmaintal n. a. 2 n. a. n. a. n. a. Bündnis 90/Die Grünen – – – 2 2 Gesamt 16 16 16 16 16 Wegen fehlender Unterlagen beim Wahlvorschlag schloss der Wahlausschuss 1990 die SPD von der Gemeinderatswahl aus. Gemeindesteuern Im Jahr 2010 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 2.216.000 €, davon waren 377.000 € Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto). Wappen Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot. Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde unterhält Partnerschaften mit folgenden Gemeinden: Fehring (Südoststeiermark) Schwarzkollm (Ostsachsen)
Baudenkmäler mini|Angestauter Roter Main in Heinersreuth mit Brücke („Heubruck“)Sanierung der Heubruck muss warten in: Nordbayerischer Kurier vom 29. März 2023, S. 13. der Straße nach Cottenbach
Zweibogige Sandsteinbrücke „Heubruck“Von Panzern befahren in: Nordbayerischer Kurier vom 8. September 2022, S. 12. über den Roten Main aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 2024 wurde bekannt, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden soll.Der neuen Brücke einen Schritt näher in: Nordbayerischer Kurier vom 10. Juli 2024, S. 15. Wiesenmühle Unterkonnersreuth
Bodendenkmäler
Freizeit und Sport Wandern In Heinersreuth gibt es einen Öko-Lehrpfad mit sechs beschilderten Stationen (Dorfrand, Auenwiesen, Wald, Main, Straße, Feld/Rain/Hecke). In der Gemeinde sind drei Übersichtskarten angebracht, auf denen fünf Wanderwege mit Längen zwischen 9 und 16 Kilometern ausgewiesen sind. Sport In Heinersreuth sind seit 1921 mit dem SV Heinersreuth und dem SC Altenplos zwei Sportvereine vertreten, die neben Fußball auch Tennis, Tischtennis, Kegeln und Turnen/Gymnastik anbieten. Die erste Fußball-Herrenmannschaft des SC Altenplos spielte in der Saison 2013/2014 in der Kreisliga II Bayreuth/Kulmbach und schloss die Saison als Tabellendritter ab. Die Mannschaft des SV Heinersreuth spielte in der Saison 2013/2014 in der Kreisklasse Bayreuth-Kulmbach 4 und konnte mit Rang 12 den Abstieg knapp verhindern.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab 2023 nach der amtlichen Statistik 894 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, 1560 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort und 56 Arbeitslose. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei Betriebe, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden 16 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 880 Hektar. Bildung Im Jahr 2024 gab es folgende Bildungseinrichtungen: drei Kindergärten; von insgesamt 220 Kindergartenplätzen waren 203 belegt eine Volksschule mit 10 Lehrern für 150 Schüler (Schuljahr 2010/2011) Verkehr mini|hochkant|Infotafel zur stillgelegten Bahnstrecke Bayreuth–Thurnau–Kulmbach Durch Heinersreuth führt die Bundesstraße 85, die in diesem Abschnitt Teil der Bier- und Burgenstraße ist. Sie verbindet den Ort mit Bayreuth (3,8 km südöstlich) bzw. mit Altenplos (2,5 km nordwestlich). Die Kreisstraße BT 14/BTs 14 führt nach Cottenbach (1,5 km östlich) bzw. über Tannenbach, Dörnhof und Forst nach Eckersdorf zur Bundesstraße 22 (5,2 km südwestlich). Die Gemeinde Heinersreuth beantragte die Herabstufung der B 85 zur Staatsstraße. Das sollte nicht nur durch eine andere Beschilderung, sondern auch durch Rückbau, also Verengung der Straße, umgesetzt werden, um eine Reduzierung des Verkehrs um 70 % zu bewirken. Dies wurde kontrovers diskutiert, da andernorts umgekehrt an der B 85 Fahrbahnen verbreitert werden, um Gefahrstellen zu beseitigen. Hierfür beantragte die Gemeinde Heinersreuth die Verlegung der B 85 auf die A 70, was vom Bayerischen Innenministerium abgelehnt wurde, weil die Straße richtig eingestuft ist. Das Ministerium schrieb in seiner Begründung der Ablehnung, dass eine Entlastung nur durch eine Ortsumgehung möglich ist. Hierfür wurde bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt. Ergebnis war, dass eine Umgehung auf beiden Seiten realisierbar ist. Wegen der 15.000 Fahrzeuge, die täglich durch Heinersreuth fahren, ist von einer hohen Entlastung des Ortskernes durch eine Umgehung auszugehen. Heinersreuth lag an der Bahnstrecke Bayreuth Altstadt–Kulmbach. Der letzte Zug fuhr 1973 durch den Ort. Danach wurde die Strecke stillgelegt, die Gleise wurden entfernt.