mini|Brauerei in Riem Die Brauerei Staatliches Hofbräuhaus in München (auch: Hofbräu München) ist ein Staatsbetrieb (Wirtschaftsunternehmen) des Freistaates Bayern mit Sitz in München-Riem (Hofbräuallee 1). Oberste Aufsichtsbehörde ist das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.

Die Sortimentsbrauerei stellt ober- und untergärige Biere her, die unter der Dachmarke Hofbräu München vertrieben werden. Das Staatliche Hofbräuhaus produzierte 348.928 Hektoliter Bier im Jahr 2022.

Das Unternehmen ist ferner Eigentümer großer Gastronomieobjekte wie dem „Hofbräuhaus am Platzl“, dem „Hofbräukeller“, dem „Bachmaier Hofbräu“, dem „Hofbräu Obermenzing“, dem „Alten Wirt“ in Moosach, dem Harlachinger Jagdschlössl, alle in München, sowie dem Seehof in Herrsching und dem Münchner Hofbräu in Coburg, die alle verpachtet sind. Als eine von sechs Brauereien schenkt das Staatliche Hofbräuhaus sein Bier auch auf dem Münchner Oktoberfest aus. Das Hofbräu-Festzelt ist eines der größten auf dem Oktoberfest und ebenfalls verpachtet. Als Franchise-Geber verfolgt das Staatliche Hofbräuhaus in München das Ziel, weltweit Hofbräuhäuser zu etablieren.

Geschichte mini|Königliches Hofbräuhaus – München (1903; heute Hofbräuhaus am Platzl) Gründung Der bayerische Herzog Wilhelm V. veranlasste die Errichtung eines eigenen Brauhauses, des Hofbräuhauses. Anfang September 1589 wurde Heimeran Pongratz, zuvor im Benediktinerkloster von Geisenfeld in der Hallertau beschäftigt, als erster Braumeister des Hofbräuhauses verpflichtet. Am 27. September legte die Hofkammer Herzog Wilhelm den Bauantrag vor. Im Frühjahr 1591 konnten die Bauarbeiten im damaligen Hennen- und Badehaus des „Alten Hofes“ abgeschlossen werden. Das erste Hofbräuhaus stand zwischen dem Ostflügel des Alten Hofs und dem ehemals als Stadtgraben dienenden Pfisterbach (jetzt Sparkassenstraße) nördlich des Zerwirkgewölbes. Der herzogliche Hof in München konnte von nun an mit eigenem Braunbier versorgt werden, nachdem er sich zuvor aus Einbeck hatte beliefern lassen.Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 16–18.Verein Münchener Brauereien e. V. (Hrsg.): Das Münchner Reinheitsgebot von 1487, Festschrift zum 500jährigen Jubiläum, München 1987, S. 46, 93.

Ab Oktober 1602 gab es in München erste Brauversuche mit Weißbier. Zuerst wurde im Tag- und Nachtwechsel mit dem Braunbier in den Räumlichkeiten des alten Hofbräuhauses am Alten Hof gebraut. Durch den schnellen Erfolg wurde bald ein Neubau für ein Weißes Brauhaus notwendig. Im Januar 1607 starteten die Bauarbeiten dafür in der Graggenau an dem Platz, der später „Am Platzl“ genannt werden sollte. Bereits 1661–1665 musste das Weiße Hofbräuhaus wieder umgebaut und erweitert werden.

Ein weiteres Vorrecht, das exklusiv dem Hofbräuhaus zukam und das Maximilian wiederum eine lukrative Einnahmequelle sicherte, war das Bockbier. Der Braumeister Elias Pichler braute 1614 das erste Münchner Bockbier im Hofbräuhaus. Pichler wurde eigens aus Einbeck abgeworben, um ein Bier mit hoher Stammwürze zu brauen, das an den Geschmack des Einbecker Bieres erinnerte. Bis 1818 war es das alleinige Vorrecht des Hofbräuhauses, Bockbier zu brauen.Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 21–23.Gattinger, Karl: Bier und Landesherrschaft. Das Weißbiermonopol der Wittelsbacher unter Maximilian I. von Bayern 1598–1651, München 2007, S. 61–70.Kirchner, Bernd H. D. (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München: 1897–1997: 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt, Pöcking/Starnberg 1997, S. 23.

Königreich Bayern mini|Schutzmarke 1879: HB mit Krone 1806 wurde Bayern Königreich und das Hofbräuhaus „Königliches Hofbräuhaus“.

Ab 1802 wurde im Hofbräuhaus fast ausschließlich Braunbier gebraut. 1808 zog die Braunbierbrauerei schließlich aus Platzgründen vom Alten Hof in die größeren Räume des Weißen Hofbräuhauses am Platzl.

Anfang des 19. Jahrhunderts fanden sich immer mehr Gäste im Hofbräuhaus ein, was den Stadtbrauern und den Münchner Wirten ein Dorn im Auge war. 1815 wurde sogar dagegen geklagt. 1828 verfügte König Ludwig I. den sogenannten „Minuto-Verschleiß“, um die „Gastung“ im Hofbräuhaus selbst einzuführen. Damit war die Bewirtung im Hofbräuhaus gestattet und 1828 begann der heutige Hofbräuhausbetrieb. Ludwig dankte im Revolutionsjahr 1848 ab und übergab den Thron an seinen Sohn Maximilian. Maximilian II. sah sich weiterhin mit den Klagen der Münchner Privatbrauereien und Wirte wegen des erfolgreichen Hofbräuhauses konfrontiert. Kurzzeitig dachte der König deshalb darüber nach, das Hofbräuhaus zu privatisieren, was allerdings einen Sturm der Entrüstung im Volk hervorrief. 1852 übergab Maximilian II. das Hofbräuhaus daher an den bayerischen Staat.

Unter Ludwig II. ließ der Brauereidirektor Johann Nepomuk Staubwasser 1879 das Hofbräu Markenzeichen HB mit Krone beim Landgericht München anmelden. Kurz darauf erfolgte auch die Anmeldung beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin „allein für die Firma Königliches Hofbräuhaus München“. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es eng im Hofbräuhaus. Gaststätte und Brauerei teilten sich die ohnehin beengten Verhältnisse. Prinzregent Luitpold von Bayern beschloss 1893, die Brauerei auszugliedern und an die Innere Wiener Straße im Stadtteil Haidhausen zu verlegen. Am 10. August 1896 konnte der erste Biersud in der neuen Braustätte, dem Hofbräukeller, angesetzt werden. Für das Hofbräuhaus am Platzl gab es andere Pläne. Der junge Chemnitzer Architekt Max Littmann wurde von der königlichen Baubehörde ausgewählt, um das Hofbräuhaus als Bierpalast größer, heller und moderner zu gestalten. Nach einem Jahr Umbau- und Neubauarbeiten wurde das neue Hofbräuhaus im Stil der Neorenaissance am 22. September 1897 feierlich eröffnet. Die von Max Littmann konzipierte äußerliche Form hat es bis heute behalten.Landeshauptstadt München (Hrsg.): 175 Jahre Oktoberfest 1810–1985, Festschrift, München 1985, S. 11–13.Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 24–33.Dering, Florian & Eymold, Ursula (Hrsg.): Das Oktoberfest 1810–2010. Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, München 2010, S. 16–22.Bernd H. D. Kirchner (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München: 1897–1997: 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt, Pöcking/Starnberg 1997, S. 26–32.

Erster und Zweiter Weltkrieg Mit dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) begannen schwierige Jahre für das Hofbräuhaus. Die schwierige wirtschaftliche Situation, Exportstopp sowie die Kontingentierung von Getreide und Kohle führten zu einem dramatischen Rückgang der Umsatzzahlen. 1918 wurde im Rahmen der Novemberrevolution die Wittelsbacher Monarchie abgesetzt. Am 8. November 1918 rief Kurt Eisner, Schriftsteller und Journalist, Gründungsmitglied der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), Bayern zum Freistaat aus. Am Palmsonntag, den 13. April 1919 wurde im Festsaal des Hofbräuhauses von Betriebs- und Soldatenräten die Kommunistische Räterepublik ausgerufen.

Knapp ein Jahr später, am 24. Februar 1920, benannte sich ebenfalls im Festsaal des Hofbräuhauses die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) in NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) um. Am selben Abend verkündete der damals noch unbekannte Adolf Hitler das Parteiprogramm der NSDAP. Unmittelbar nach dem Machtantritt Hitlers, begannen die Nationalsozialisten ab 1934 jeden 24. Februar an die Parteigründung zu erinnern und den Jahrestag im Hofbräuhaus zu feiern. Dem Maler Hitler diente das Hofbräuhaus bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg als Motiv. Hier fand er auch Käufer für seine Bilder. Am 4. November 1921 fand die sogenannte „Feuertaufe der SA“ im Hofbräuhaus statt. Die Sturmabteilung (SA) traf im Festsaal auf sozialistische Arbeiter, die versuchten die Versammlung zu sprengen. Es kam zu einer Saalschlacht mit Verletzten auf beiden Seiten. Am 25. Februar 1939 schrieb der Sekretär des Führers Martin Bormann an den bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, dass der Führer Adolf Hitler anordnete, dass das Hofbräuhaus künftig nicht mehr den Zusatz „königlich“ führen dürfte. Die offizielle Bezeichnung sollte vielmehr künftig „Das Hofbräuhaus zu München“ lauten. Das Hofbräuhaus wurde tatsächlich umbenannt, jedoch in „Staatliches Hofbräuhaus“.

Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 wurde das Hofbräuhaus durch Luftangriffe fast völlig zerstört. In der Nacht zum 25. April 1944 fielen die ersten Bomben, drei weitere Luftangriffe sollten folgen. Der Betrieb wurde in der Ruine aufrechterhalten. Auch die Brauerei in der Inneren Wiener Straße wurde Ziel der Bombenangriffe. 60 Prozent der Sudstätten wurden dabei zerstört.Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 34–35.Bauer, Richard; Hockerts, Hans Günter; Schütz, Brigitte; Till, Wolfgang und Ziegler, Walter (Hg.): München – Hauptstadt der Bewegung. Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus, München 2002, S. 12.Stattreisen München (Hg.): Spaziergänge in die Vergangenheit Münchens. 18 Touren für Genießer, Cadolzburg 2013, S. 47.Weyerer, Benedikt: München 1919–1933. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte, München 1993, S. 100f.Brief von Martin Bormann vom 25. Februar 1939 an Ministerpräsident Ludwig Siebert: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MF (Finanzministerium) 70360

Neuanfang und Wiederaufbau mini|Hofbräuhaus am Platzl mini|Schwemme im Hofbräuhaus am Platzl Im Herbst 1945 übernahm Valentin Emmert als erster Wirt nach dem Krieg die Hofbräuhaus-Ruine. Notdürftig flickte er die zerstörten Räume wieder zusammen, so dass der Gastronomie-Betrieb aufrechterhalten werden konnte. Anfangs gab es Dünnbier gegen die Vorlage von Brotmarken, doch bereits 1948, noch vor der Währungsreform, wurde das erste Faschingsfest im Hofbräuhaus mit prominenten Gästen gefeiert, darunter Theodor Heuss, der 1949 der erste Präsident der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland werden sollte. In den 1950er Jahren begann auch der Wiederaufbau des Hofbräuhaus-Gebäudes. Rechtzeitig zur 800-Jahr-Feier Münchens wurde die Renovierung des Festsaales fertig und der Maibockanstich konnte vor 2000 geladenen Gästen gefeiert werden. Bis das gesamte Hofbräuhaus wiederaufgebaut war, sollte es bis 1965 dauern. Auch das erste Oktoberfest nach dem Zweiten Weltkrieg konnte bereits 1949 stattfinden. 1950 war ein Meilenstein in der Oktoberfestgeschichte, denn zum ersten Mal eröffnete der Oberbürgermeister der Stadt München, Thomas Wimmer, mit dem Anzapfen des ersten Fasses im Schottenhamel-Zelt auch offiziell das Oktoberfest mit dem legendären „O’zapft is“. 1950 und 1951 wurde mit Steinkrügen und Oktoberfestbier von Hofbräu München angezapft. Die Familie Schottenhamel konnte sich in diesen Jahren nicht mit der Spaten-Brauerei auf den Bierpreis einigen und bezog kurzerhand die benötigte Biermenge vom Hofbräu. Ab 1952 war Hofbräu auch mit einem eigenen Festzelt auf dem Oktoberfest vertreten. Zum Jahr der Olympischen Sommerspiele in München 1972 wurde auf dem Oktoberfest das neue Hofbräu-Festzelt vorgestellt, die damals größte Festhalle auf der Wiesn. Bei einer Länge von 82 und einer Breite von 62 Metern überdachte sie eine Fläche von 5.084 Quadratmetern, zu denen noch etwas mehr als 2.000 Quadratmeter Biergarten kommen. Sie bot knapp 10.000 Oktoberfest-Besuchern Platz.Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 37.Dering, Florian & Eymold, Ursula (Hrsg.): Das Oktoberfest 1810–2010. Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, München 2010, S. 13, 179.

Die moderne Brauerei