Amrum (Öömrang: Oomram, dänisch Amrum) ist eine Nordfriesische Insel. Sie liegt südlich von Sylt und westlich von Föhr und gehört zum Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Mit einer Fläche von 20,47 km² (ohne den 10 km² großen Kniepsand) ist sie nach Sylt, Föhr und Pellworm die viertgrößte Insel dieser Inselgruppe. Amrum liegt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. In den drei Gemeinden Nebel (mit den Inseldörfern Steenodde und Süddorf), Norddorf auf Amrum und Wittdün auf Amrum leben etwa 2300 Einwohner. Die Kommunen gehören zum Amt Föhr-Amrum. Hauptwirtschaftszweig des Seebades Nebel sowie der Seeheilbäder Wittdün und Norddorf ist der Fremdenverkehr. 2023 wurden insgesamt 1,1 Millionen Übernachtungen registriert.
Geographie Lage und Umgebung mini|NASA-Satellitenbild von Amrum mit dem westlich angelagerten Kniepsand und dem kleinen westlich vorgelagerten Jungnamensand. Östlich der Insel liegt Föhr. Amrum ist eine der Nordfriesischen Inseln. Mit einer Fläche von 20,46 km² ist sie die zehntgrößte Insel Deutschlands. Im Westen grenzt Amrum an den unmittelbar vorgelagerten Kniepsand, der in die offene Nordsee übergeht. Im Osten grenzt Amrum an das Wattenmeer. Die östliche Nachbarinsel Föhr kann über eine circa acht Kilometer lange Wattwanderung erreicht werden. Die Wattfläche zwischen den beiden Inseln wird zentral durch das Amrumtief durchschnitten, das nach Süden in die Norderaue mündet. Von der nördlichen Nachbarinsel Sylt ist Amrum durch das Vortrapptief getrennt, von den Halligen im Süden durch das Rütergat.
Die fünf Orte der Insel liegen überwiegend im Osten der Insel – von Nord nach Süd – Norddorf, Nebel, Süddorf, Steenodde und Wittdün.
Geologie und Hydrologie mini|Amrumer Dünengebiet mini|An der Südspitze Amrums liegt der Wriakhörnsee Amrum gehört neben Sylt und Föhr zu den drei nordfriesischen Geestkerninseln. Der Geestkern von Amrum ist etwa 6 km lang und ungefähr 2,5 km breit. Er wird begrenzt durch die Linie Leuchtturm-Steenodde, das Wattufer von Steenodde bis Norddorf und die westliche Dünenkante und wird von einer flach gewölbten, saalekaltzeitlichen Moräne gebildet, die vor etwa 125.000 Jahren entstand. Im Norden und Süden dieses Geestkerns entstanden Sandakkumulationen und im mittleren Teil der Kniepsand, dessen Fläche rund 10 km² beträgt. Der Sandflug hat seit dem 13./14. Jahrhundert zur Bildung von 9 km² Dünen geführt, die zum Teil bewachsen sind. Höchste Erhebung ist die Düne A Siatler (deutsch: Setzerdüne) mit 32 Metern über NHN. Sie liegt südwestlich von Norddorf und ist mit einer Plattform als Aussichtsdüne ausgebaut.
Nördlich von Norddorf liegt die etwa 0,5 km² große Norddorfer Marsch. Zwischen Steenodde und Wittdün befindet sich ein weiteres kleineres Marschgebiet. Beide Gebiete werden durch Deiche vor Überflutungen geschützt. Bei Niedrigwasser kann man die Nachbarinsel Föhr durch eine Wattwanderung erreichen.
Auf dem Geestrücken liegen Wald- und Heidegebiete, die im Wesentlichen einen Streifen in Nord-Süd-Richtung bilden. Westlich davon befindet sich über die gesamte Länge der Insel ein Dünengebiet. Die maximale Breite dieses Gebietes beträgt über einen Kilometer, die Länge etwa zwölf Kilometer. Insgesamt nimmt es etwa 700 Hektar ein. Dort finden sich Primär-, Weiß- und Graudünen. Mehrere frühere Wanderdünen wurden bepflanzt. Aufgrund ausgedehnter Schutzgebiete sind die Amrumer Dünen die einzigen der Westküste, die von Möwen und Enten zum Brüten genutzt werden.Neuhaus, Beinker, Bründel, Lange: Dünen an der Schleswig-Holsteinischen Westküste. In: Umweltbundesamt und Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches Wattenmeer/Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): Umweltatlas Wattenmeer. Band 1: Nordfriesisches und Dithmarsches Wattenmeer. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998/1999, ISBN 3-8001-3491-8, S. 92–93. Nach Norden hin läuft das Dünengebiet zur Odde aus.
mini|Der Kniepsand Westlich des Dünengürtels schließt sich auf ganzer Länge der Kniepsand an. Er stellt einen der breitesten Sandstrände Europas dar. Er ist weder geologisch Teil der InselGeorg Quedens, Hans Hingst, Gerhard Stück, Ommo Wilts: Amrum. Landschaft, Geschichte, Natur. Amrum 1991, S. 12. noch gehört er mit seiner Fläche zu den Inselgemeinden, da er verwaltungstechnisch als Meeresgebiet gilt. Er ist ein Hochsand, dessen Nordteil noch bis Mitte der 1960er Jahre von Amrum durch einen Priel getrennt war und langfristig um die Nordspitze der Insel herumwandert.
Amrum liegt auf einer Süßwasserlinse, aus der es sein Trinkwasser bezieht.Wasserwerk steigert seine Leistung. sh:z, abgerufen am 16. September 2015.
Gebiet und Flächennutzung Die Insel Amrum umfasst eine Fläche von rund 20 Quadratkilometern (ohne den 10 Quadratkilometer großen Kniepsand). Die Geest nimmt davon mit rund 11 Quadratkilometern den größten Teil ein. Auf den Geestflächen östlich des Waldes auf Amrum sowie in den beiden Marschgebieten wird extensive Land- und Viehwirtschaft betrieben. Es handelt sich größtenteils um Weiden, auf denen unter anderem Angus- sowie Hereford-Rinder gehalten werden. Gewerbegebiete gibt es in Nebel und Norddorf.
Nebel Norddorfauf Amrum Wittdünauf AmrumGesamtregionalstatistik.de: Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung vom 31.12.2015 für die Gemeinden Nebel, Nordorf auf Amrum sowie Wittdün auf Amrum. Abgerufen am 11. Juli 2017. Siedlungs- und Verkehrsfläche 157 63 56 276 Gebäude und Freifläche insgesamt in ha 107 39 30 176 davon Wohnen 87 29 23 139 davon Gewerbe/Industrie 5 1 1 7 Betriebsfläche (ohne Abbauland) 2 1 1 4 Erholungsfläche insgesamt in ha 8 4 8 20 davon Grünanlage 2 1 7 10 Friedhofsfläche 1 – – 1 Verkehrsfläche 39 18 17 74 davon Straße, Weg, Platz 39 18 11 68 Landwirtschaftsfläche insgesamt 454 131 19 604 davon Moor – – – – davon Heide 47 9 9 65 Waldfläche 150 25 9 184 Wasserfläche 4 8 7 19 Abbauland – – – – Flächen anderer Nutzung (ohne Friedhofsfläche) 431 364 169 964 davon Unland 427 364 169 960 Gesamtfläche 1196 590 260 2046
Maßnahmen für den Insel- und Küstenschutz Amrum liegt sehr lagestabil in der See. In der Küstenentwicklung gab es in der Vergangenheit keine großen Verluste. Reste von steinzeitlichen Findlingsgräbern in der flachen Nordsee nordwestlich von Amrum weisen darauf hin, dass der Geestkern einmal größer war und durch das Meer abgetragen wurde. Dennoch wurde der Küstenerosion vor Wittdün mit dem Bau von Längs- und Querwerken entgegengewirkt. Die Wittdüner Marsch und die Norddorfer Marsch werden durch Überlaufdeiche vor Überflutung von Osten her – in eingeschränktem Maße – geschützt. Zum Schutz der Überflutung der Norddorfer Marsch von Westen her wurden an der Seeseite in entstandenen Dünenlücken Deiche errichtet, die zurzeit vollständig übersandet sind. An der Wattseite vor Norddorf und Nebel gibt es Lahnungsfelder. Im äußersten Nordosten der Insel liegt die Amrum-Odde, die von der Entwicklung des Kniepsandes noch nicht profitiert hat. Dort sind die Randdünen zum Teil so schmal, dass vereinzelt Dünendurchbrüche bei schweren Sturmfluten möglich sind.
Verwaltungsgliederung mini|Die Außenstelle des Amtes Föhr-Amrum in Nebel. mini|Gemeindekarte der Insel Amrum Insel und Kirchspiel Amrum waren bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 (zusammen mit Westerland-Föhr) Teil der Westerharde, die als dänische Verwaltungseinheit innerhalb der Königlichen Enklaven an der schleswigschen Nordseeküste fungierte. In der preußischen Zeit kam die Insel zum Kreis Tondern (ab 1920: Kreis Südtondern). Durch die Kreisgebietsreform von 1970 wurde der größte Teil des Kreises Südtondern mit den Kreisen Eiderstedt und Husum am 26. April 1970 zum neuen Kreis Nordfriesland zusammengelegt, dem Amrum seither angehört.
Am 27. Juni 1871 schlossen sich alle Ortschaften auf der Insel zur Landgemeinde Amrum zusammen. 1889 wurde daraus der Amtsbezirk Amrum gebildet. Nach Ausgliederung von Wittdün (13. Oktober 1912) und Norddorf (25. Juli 1925) benannte sich der Rest der Landgemeinde am 23. Februar 1926 in Nebel um. Diese drei Kommunen mit insgesamt etwa 2300 Einwohnern bestehen bis heute.
1948 wurde der Amtsbezirk aufgelöst und die drei Gemeinden bildeten fortan das Amt Amrum, das 1970 mit dem überwiegenden Teil des Kreises Südtondern zum Kreis Nordfriesland kam.
Im Zuge der Verwaltungsstrukturreform haben sich die Gemeinden des Amtes Amrum mit den Gemeinden der Insel Föhr zum 1. Januar 2007 zum Amt Föhr-Amrum zusammengeschlossen, dessen Verwaltungssitz in Wyk ist. In der ehemaligen Amtsverwaltung in Nebel befindet sich nun eine Außenstelle der Verwaltung.
Der nördlichste Ort der Insel ist das Nordseeheilbad Norddorf. Es wurde zusammen mit Süddorf als erstes Dorf der Insel urkundlich erwähnt.
Nebel, an der Wattseite gelegen, ist heute der größte Ort der Insel. Er wurde in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts als drittes Inseldorf nach Norddorf und Süddorf gegründet. Der Ortsname leitet sich vermutlich von den Worten nei und bel ab, wobei ersteres „neu“ bedeutet und letzteres auf dem altdänischen Begriff boli (Siedlung) beruht (vergleiche Niebüll, Nieblum). Die ersten Häuser dieser neuen Siedlung gruppierten sich um die zuvor für zwei Jahrhunderte zwischen Norddorf und Süddorf auf freiem Feld stehende St.-Clemens-Kirche. Der westliche Teil von Nebel wird Westerheide genannt. Süddorf gehört zu den ältesten Dörfern Amrums und ist heute ein Ortsteil von Nebel. Hier steht der markante Amrumer Leuchtturm einige hundert Meter westlich des Ortes Wittdün. Steenodde, ebenfalls ein Ortsteil von Nebel und an der Wattseite gelegen, war über lange Jahre der einzige Hafenort der Insel, bis ihn Wittdün als wichtigster Fährhafen ablöste. Großdün ist eine kleine Siedlung nördlich des Leuchtturms.
Das Nordseeheilbad Wittdün liegt an der Südspitze der Insel und ist am deutlichsten vom Tourismus geprägt.
Klima Amrum hat Seeklima. Die Insel liegt im atlantischen Klimakeil und ist durch eine relative Luftfeuchtigkeit im Mittel von 84 % und eine mittlere Jahrestemperatur von gut 8,5 °C geprägt. Die Durchschnittstemperaturen betragen im August zwischen 14 und 19 °C, im Januar und Februar zwischen −1 und 3 °C. Pro Tag scheint die Sonne im Mittel 4,7 Stunden; monatlich gibt es durchschnittlich elf Regentage.Klima Amrums bei klima.org; abgerufen am 22. August 2014. Die gemittelte Niederschlagsmenge liegt zwischen 800 und 850 Millimetern. Von 1961 bis 2000 wurden an der Beobachtungsstation am Amrumer Schmaltief 15 Winter mit Eisaufkommen registriert. Die Häufigkeit von Eisbildung liegt damit bei 37 Prozent. Die längste Dauer eines Eiswinters war 72 Tage, der Durchschnitt sind 33 Tage.
Auf Amrum herrscht aufgrund der salzhaltigen Luft und des relativ starken Windes Reizklima. In: muko.info, abgerufen am 22. August 2014.
Der Klimaklassifikation von Wladimir Köppen zufolge gilt für Amrum die Einteilung Cfb. Diese Einteilung nach Klimazone (C), Klimatyp (Cf) und Klimauntertyp (b) gibt für Amrum durch die vorherrschende zyklonale Westwindwetterlage ein warm- und feucht-gemäßigtes Klima mit warmen Sommern an.
Schutzgebiete mini|Wanderer an der Odde Auf Amrum gibt es vier Schutzgebiete und den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Amrumer Teil), die der Verein Öömrang Ferian im Auftrag des Landesamtes für Natur- und Umweltschutz und des Landesamtes für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer betreut. Das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen liegt im Westen der Insel. Es wurde 1971 ausgewiesen, umfasst fast alle Dünengebiete der Insel und gehört zu allen drei Inselgemeinden. Die Amrumer Odde bildet den nördlichsten Teil der Insel und liegt nordöstlich der Ortschaft Norddorf auf Amrum. Das Gebiet wurde 1936 als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet Amrumer Ostküste erstreckt sich entlang der Uferlinie an der Wattseite der Insel.