Lamonzie-Saint-Martin (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté d’agglomération Bergeracoise. Die Einwohner werden Lamonziens und Lamonziennes genannt.

Geografie

Lamonzie-Saint-Martin liegt etwa 42 Kilometer nordnordöstlich von Marmande, etwa 46 Kilometer südwestlich von Périgueux und etwa acht Kilometer westsüdwestlich von Bergerac am südwestlichen Rand des Départements in der Landschaft des Bergeracois, im Landesteil des touristisch benannten Périgord pourpre. Lamonzie-Saint-Martin liegt am linken Ufer und somit im Einzugsgebiet des Flusses Dordogne. Die Gardonnette, einer seiner Nebenflüsse, markiert die westliche Grenze zur Nachbargemeinde Gardonne. Der Ruisseau de la Peyronnette, ein Nebenfluss der Gardonnette, bewässert ebenfalls das Gemeindegebiet.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Lamonzie-Saint-Martin liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und lakrustinen Kalksteinen aus dem Tertiär. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, die aus dem Känozoikum datieren.

Das Gemeindegebiet liegt fast vollständig in der Schwemmebene der Dordogne. Es erstreckt sich entsprechend auf einem relativ flachen und fast baumlosen Areal, das mit einigen Weinbergen verbreitet wird. Der topografisch höchste Punkt befindet sich im Süden unweit des Lieu-dits la Cassaigne an der Grenze zur Nachbargemeinde Pomport mit Höhe. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Westen mit Höhe beim Austritt der Dordogne aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum befindet sich im Dorf Le Rieu de Laysse und liegt oberhalb des Tals der Dordogne auf etwa Höhe.

Rund 87 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, vorwiegend heterogen, genutzt, rund 8 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 3 % auf Binnengewässer, rund 1 % ist bewaldet.

Umgeben wird Lamonzie-Saint-Martin von den sieben Nachbargemeinden:

Natürliche und technologische Risiken mini|Risikokarte zur Quellung/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Lamonzie-Saint-Martin Natürliche Risiken manifestieren sich in Lamonzie-Saint-Martin neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Dordogne und an den Mündungen ihrer diversen Zuflüsse Dürren Waldbrände Bodensetzungen

Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutschungen in den Jahren 1982, 1993, 1996, 1999, 2018, 2022, 2024, 2025 und 2026 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde jeweils der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehören u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.

Trotz der spärlichen Bedeckung des Gemeindegebiets mit Wald ist Lamonzie-Saint-Martin der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. In verschiedenen Teilen des Gemeindegebiets besteht deshalb zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von einer mittleren Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1992, 2011 und 2017 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko bilden verschmutzte oder potenziell verschmutzte Standorte, die weniger als 500 Meter vom Zentrum entfernt sind. Es handelt sich hierbei um eine frühere Tankstelle und um ein früheres Lager für chemische Düngemittel.

Ein weiteres technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung, das das Gemeindegebiet zentral durchquert. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.

Die Gemeinde liegt flussabwärts des Staudamms Bort-les-Orgues im Département Corrèze, einem Bauwerk der Klasse A (Höhe des Stauwehrs ≥ 20 Meter), das seit 2009 einem sog. Spezifischen Interventionsplan (PPI) unterliegt. Dieser findet Anwendung bei diesem Staudamm der Klasse A mit einem Stauseevolumen von über 15 Millionen m3. Er ist ein Notfallplan, der die Maßnahmen zur Alarmierung der Behörden und der Bevölkerung, die Organisation der Hilfsmaßnahmen und die Umsetzung von Evakuierungsplänen detailliert beschreibt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Gemeinde von der Hochwasserwelle betroffen sein wird, die durch den Bruch dieses Bauwerks entstünde.

Etymologie und Geschichte Lamonzie wurde nicht als erster Name erwähnt. Zunächst erschien Coenobium (Kloster) Sancti Sylvani im Jahr 1131 mit dem Namen des im Limousin verehrten Märtyrers Silvanus, dann im 14. Jahrhundert Domus de la Monsia supra Dordonium () (1363). Erst im 16. Jahrhundert erlangte La Monzie seine Autonomie. Der Name wurde zu Prioratus Sancti Sylvani de Mogia und einfach La Monzia. Der Name des Dorfes geht wie bei Lamonzie-Montastruc auf das okzitanische mongia () zurück. Die heutige Gemeinde ist das Resultat der Fusion von drei früheren Gemeinden während der Französischen Revolution. Die Gemeinde Le Monteil vereinigte sich mit der Gemeinde Lamonzie im Jahre 1794 und ein Jahr später vereinigen sich Lamonzie und die Gemeinde Saint-Martin-de-Gardenne zur Gemeinde mit heutigem Namen. Ein Beleg für Saint-Martin erschien in den Schriften erst im 17. Jahrhundert in Saint Martin de Gardonne (1648). Er kommt vom Namen des Schutzpatrons der Kirche, wahrscheinlich Martin von Tours, und vom Namen des Flusses, der heute Gardonnette heißt. Dessen Name erschien im 13. Jahrhundert als Gardoneta in den Schriften (1226), was ein Diminutiv von Gardonne darstellt. Er kommt aus einem vorkeltischen Wortstamm °vard, begleitet von einem gallischen Suffix, -ona, das auch in Namen anderer Flüsse, wie beispielsweise der Dordogne, vorkommt.Siehe Tanet, Hordé, Seiten 165–166, 189–190

In Lamonzie wurden im letzten Jahrhundert Überbleibsel einer gallorömischen Villa mit Thermen, einem Aquädukt und Teilen eines Sarkophags entdeckt.

Die fast drei Jahrhunderte andauernde „Pax Romana“ endete im Jahr 276. Das Land war nur noch ein Trümmerhaufen. Die Wisigoten und die Franken vollendeten die Vernichtung der gallorömischen Zivilisation. Dann kamen im 8. Jahrhundert die Araber und im 9. und 10. Jahrhundert die Wikinger – ganz zu schweigen von den Feldzügen Karls des Großen gegen die Mauren in Spanien und den erbarmungslosen Kämpfen zwischen den Karolingern und ihren Verwandten, den Herzögen von Aquitanien. Für die Bevölkerung der Umgegend von Bergerac waren das Ende des Römischen Reiches und das Frühmittelalter eine endlose Kette von Tragödien und Verwüstung.

Im Jahr 866 ließ Vulgrin I., Graf von Angoulême und Périgord, in der Provinz, insbesondere entlang der Dordogne, Festungen errichten, um Überfällen der Wikinger zu widerstehen. Reste einer Erdhügelburg sind noch heute im Park von Schloss Saint-Martin erhalten. Eine andere gab „La Mouthe“ bei Monteil ihren Namen. Im Schutz dieser Festungen entstanden Dörfer.

Im Mittelalter entwickelte Lamonzie sich als eine der ältesten Pfarrgemeinden der Region. Sie erhielt ihren Namen nach der Gründung eines Konvents für Nonnen in der Pfarrgemeinde Saint-Sylvain gegen Ende des 10. Jahrhunderts durch Boson I., Graf der Marche und des Périgords. Der Enkel von Boson I. fasste im Jahre 1074 den Entschluss, die Pfarrkirche von Saint-Sylvain und das Priorat an die Abbaye aux Dames Saintes in Saintes zu schenken. Das Kloster wurde in der Folge von den Sarazenen geplündert, dann von den Normannen und später von den Engländern. Im 16. Jahrhundert wurde es schließlich durch protestantischen Truppen vollständig zerstört. Die einfache Kirche aus dem 10. Jahrhundert wurde im 15. und im 17. Jahrhundert restauriert und schließlich durch einen modernen Bau ersetzt.

Die Pfarrei Saint-Martin wurde im 16. Jahrhundert von der Kastellanei Bergerac und Montcuq abgetrennt. Ihre Burg wurde daraufhin Sitz einer Gerichtsbarkeit mit dem Titel einer Baronie und umfasste 1760 die Pfarreien Lamonzie, Saint-Martin, Saint-Laurent und Le Monteil. Die Pfarrgemeinde von Saint-Martin wurde im 16. Jahrhundert von der Kastellanei von Bergerac und Montcuq abgetrennt. Die Burg war fortan Sitz des Gerichtsbezirks, der den Titel eines Baronats trug und 1760 die Pfarrgemeinden Lamonzie, Saint-Martin, Saint-Laurent und Le Monteil umfasste.

Wappen links|mini|125x125px|Wappen der Gemeinde Lamonzie-Saint-Martin Das Wappen lässt sich nach Marie-Thérèse Verdier aus Lamonzie-Saint-Martin folgendermaßen interpretieren. Die Einteilung des Wappens in drei Pfählen spiegelt die Zusammensetzung der drei Pfarrgemeinden, die drei zugehörigen Pfarrkirchen und die drei Schlösser wider. Die drei Sterne links stehen für die drei Gemeinschaften, die ihren eigenen Charakter bewahrten. Ihre goldene Farbe würdigt, dass es jeder früheren Pfarrgemeinde gelungen ist, in guter Harmonie seit mehr als zweihundert Jahren in einer Gemeinde zu leben. Das Wappen einer Äbtissin trägt in seiner Mitte den Glockenturm der Kirche Saint-Sylvain und erinnert an das Nonnenkloster, das gegen Ende des 10. Jahrhunderts gegründet wurde. Die drei silbernen Türme stehen für die drei Schlösser in Lamonzie-Saint-Martin, von denen heute noch zwei existieren.

Einwohnerentwicklung Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Größe der Gemeinde in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen ersten Höchststand von rund 1335 Einwohnern. In der Folge konnte die Zahl der Einwohner auf über 1000 gehalten werden, bis in den 1930er Jahren eine Phase eines zeitweise kräftigen Wachstums einsetzte, die bis heute anhält und neue Höchststände von über 2500 Einwohnern ergibt.

mini|Ortseingangsschild mit Hinweis auf die Städtepartnerschaft Städtepartnerschaften Lamonzie-Saint-Martin unterhält seit 1998 eine Städtepartnerschaft mit: Le Molay-Littry im französischen Département Calvados.

Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Saint-Sylvain

Pfarrkirche Saint-Sylvain Sie befindet sich im Ortsteil Lamonzie. Die einfache romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert wurde zwischen 1892 und 1894 restauriert. Ihr Langhaus wird von zwei Seitenkapellen flankiert. Ihre Westfassade geht nach oben in einen dreieckigen Glockengiebel über. Dieser besitzt drei rundbogenförmige Maueröffnungen unterschiedlicher Größe für die Glocken, darüber eine weitere, kleinere Öffnung. Das Eingangsportal, ebenfalls in Rundbogenform, ist von einem Risalit in der Funktion einer Stützmauer eingerahmt.