Kleinlangheim ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.
Geografie Geografische Lage Kleinlangheim liegt zwischen den Orten Kitzingen und Wiesentheid sowie zwischen Maindreieck und Steigerwald. Die Landschaft ist dort leicht bergig. Fünf Kilometer südlich ragt der Schwanberg circa 200 Meter aus der Ebene heraus, sieben Kilometer östlich der Friedrichsberg. Durch Kleinlangheim verläuft der Gründleinsbach.
Gemeindegliederung Kleinlangheim besteht aus fünf Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Atzhausen (Kirchdorf) Haidt (Dorf) Kleinlangheim (Hauptort) Pfundmühle (Einöde) Stephansberg (Weiler)
Ehemalige Ortsteile waren Hammermühle, Kastnersmühle, Neumühle, Sandmühle, Wasenmeisterei, Weidenmühle, Wutschenhof und Wutschenmühle.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Atzhausen, Haidt und Kleinlangheim. Die Gemarkung Kleinlangheim hat eine Fläche von 12,550 km². Sie ist in 1921 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 6533,08 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wiesentheid, Rüdenhausen, Wiesenbronn, Großlangheim und Schwarzach am Main.
Naturräumliche Lage Naturräumlich liegen Kleinlangheim und seine Gemeindeteile in zwei Naturräumen, die beide dem Steigerwaldvorland zugerechnet werden. Der Norden mit Haidt und Atzhausen ist Teil des flachen Albertshofener Flugsandgebiets, während um den Hauptort Kleinlangheim die Gebiete der Mainbernheimer Ebene mit mehreren Hügeln beginnen. Als besonders schützenswerter Teil des Flugsandgebietes wurde unter dem Namen Sande am Tannenbusch bei Kleinlangheim ein Naturschutzgebiet eingerichtet.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die ersten menschlichen Spuren tauchten durch den Fund eines Nephritbeils der Zeit um 7000 v. Chr. auf. Es ist das älteste, von Menschenhand stammende Fundstück auf Kleinlangheimer Gemarkung und im Museum in Kitzingen ausgestellt. Rund 1000 Jahre v. Chr. wurden erste Hügelgräber in der Kleinlangheimer Flur angelegt. Ungefähr 500 Jahre später hinterließen Menschen einen Mühlstein, der im Bereich des Rathauses gefunden wurde.
Etwa 50 v. Chr. begann die durchgehende Siedlungsgeschichte. Auf der Ostseite des Gründleinbaches wurden Elbgermanen sesshaft. Bei Ausgrabungen in den 1960er Jahren entdeckte man einen Brandgrubenfriedhof mit über 200 Brandgrubengräbern. Die Siedler verbrannten ihre Toten und gaben die Asche lose oder auch in Urnen in kleine Gruben. Aus der Völkerwanderungszeit ist ein Gräberfeld bekannt, das mit einzelnen Bestattungen im frühen 6. Jahrhundert begann und bis ins 7. Jahrhundert benutzt wurde. Es enthält über 243 Körpergräber und weitere 56 BrandgrubengräberFrank Siegmund, Alemannen und Franken, Walter de Gruyter, Berlin 2000. ISBN 3-11-016788-3. Träger dieser Kultur dürften neben der elbgermanischen Vorbevölkerung vor allem Franken gewesen sein, die ihr Territorium im 6. Jahrhundert enorm ausweiteten und vermutlich auch das Christentum einführten. → Merowingerzeitliches Reihengräberfeld mit Körper- und Brandgräbern (Kleinlangheim)
Erstmals erwähnt wurde der Ort in einer Urkunde von 816, als „Lanchem“ zum Ausstattungsgut des Klosters Megingaudshausen im Steigerwald gezählt wurde. 1427 bekam der Ort das Marktrecht für jährlich vier Märkte verliehen. Drei Jahre später erhielt Kleinlangheim eine Dorf- und eine Marktordnung. Gleichzeitig wurde das Dorf befestigt und konnte nur durch vier Tortürme betreten werden. Das Schafrecht gestand der Markgraf dem Ort 1441 zu. Im Jahre 1484 wurde vermutlich das erste Rathaus errichtet. Die Wehrhaftigkeit durch vorhandene Schützen ist aus einer Einladung zum Landeskleinod-Schießen in Würzburg 1490 ersichtlich. Schon 1491 konnten sich die Bewohner über das Privileg, Viehmärkte abhalten zu dürfen, freuen. Dieses Privileg wurde bis 1908 wahrgenommen.
Ab 1500 lag der Ort im Fränkischen Reichskreis. Im Jahre 1530 verlas der Kleinlangheimer Christian Beyer die Thesen Luthers auf dem Augsburger Reichstag. Beyer, der in Erfurt studiert hatte, war Martin Luthers Ratsherr in Wittenberg und vertrat ihn als Anwalt rechtlich. Im gleichen Jahr wechselten die Kleinlangheimer zum evangelischen Bekenntnis.
1532 existierten schon alle heute noch vorhandenen Mühlen. Außerdem gab es eine Ziegelhütte in der Gemarkung. Als erste Schule diente das 1584 wieder aufgebaute alte Rathaus. Im Jahre 1725 erhielten die Kleinlangheimer Juden die Erlaubnis zum Errichten einer Synagoge, die 1802 erweitert wurde.
1803 kam das ehemals markgräfliche Amt durch Grenzbereinigungen mit Preußen zu Bayern und 1810 zum Großherzogtum Würzburg. Durch die Verträge von Paris fiel Kleinlangheim 1814 wieder an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand im Jahre 1818 die heutige Gemeinde.
20. Jahrhundert 1908 wurde der letzte Viehmarkt abgehalten. Durch den Bau der Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt hatten die Bauern es nun leicht, ihre Rinder nach Schweinfurt zu transportieren und dort zu verkaufen. Dadurch war der Viehmarkt in Kleinlangheim, der größte in Franken, überflüssig geworden. Am Ende des Ersten Weltkrieges kamen wieder Katholiken nach Kleinlangheim. Während der Pogrome am 9. November 1938 wurde die Synagoge zerstört.
Im Jahr 1978 wurde Kleinlangheim Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim mit Sitz in Großlangheim.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 die Gemeinde Atzhausen und am 1. Januar 1978 die Gemeinde Haidt eingegliedert.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1834 1865 1868 1900 1925 1950 1961 1970 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 1239 1254 1293 1408 1279 1806 1432 1462 1507 1680 1717 1683 1614 1734 Quelle der Zahlen ohne Einzelnachweis: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1457 auf 1733 um 276 Einwohner bzw. um 18,9 %.
Religion Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Katholische Kirchengemeinde Evangelisch-Lutherisches Dekanat Kleinlangheim (1807–1893)
Politik mini|Rathaus mit Arkadengang Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat (ohne Bürgermeister) zwölf Mitglieder. Die Kommunalwahl am 15. März 2020 ergab folgende Mandatsverteilung:Ergebnis der Wahl 2020, abgerufen am 27. Juni 2020 CSU 5 Sitze (39,93 %) Bürgervereinigung/Freie Wähler 5 Sitze (46,55 %) Bürgerblock Atzhausen 2 Sitze (13,52 %). Gegenüber der Amtszeit von 2014 bis 2020 blieben CSU und Bürgervereinigung/Freie Wähler unverändert; der Bürgerblock Atzhausen konnte ein Mandat dazu gewinnen, das bisher die nicht mehr kandidierende SPD innehatte.
Bürgermeister Erste Bürgermeisterin: Julia Rönninger-Enck; seit 1. Mai 2026 Zweiter Bürgermeister: Norbert Heß
Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Rathausplatz mit Zugang zur Kirchenburg, Bürgerhaus und Rathaus
Baudenkmäler
Sehenswürdigkeiten Rathaus
Über der Türe im Laubengang des heutigen Rathauses ist die Jahreszahl 1558 als Jahr der Errichtung angebracht. Der von sieben Säulen getragene Arkadengang entstand, als das Rathaus im 17. Jahrhundert umgebaut und verbreitert wurde. Er diente als Markt- und Wiegeplatz sowie als Gerichtsort. Vor dem Bau des Rathauses tagte man im Torhaus der Kirchenburg.
Der restaurierte Sitzungssaal enthält einen alten Ofen mit gusseisernen Platten von 1717 und zwei Gemälde, die einen Hochzeitslader und ein Brautpaar zeigen. Alle tragen die Kleidung des 16. Jahrhunderts.
Kirchenburg
Das Gotteshaus war ursprünglich vom Friedhof umgeben. Im 12. Jahrhundert wurden Kirche und Friedhof mit starken, hohen Mauern befestigt. Schließlich erfolgte der Ausbau der Ummauerung zur Kirchenburg.
Die Gemeinde und der Förderkreis Kirchenburg Kleinlangheim bemühen sich, die Reste der Kirchenburg zu renovieren und zu erhalten.
Friedhof mini|Friedhofskapelle von 1734 Die Siedlungsgeschichte der Elbgermanen ab 50 v. Chr. ist aus dem Brandgrubenfriedhof mit über 200 Brandgruben auf der Ostseite des Gründleinbaches ersichtlich.
Als sich im 6. Jahrhundert die Franken im heutigen Unterfranken niederließen, wurde die Körperbestattung üblich. Die Toten legte man am Rande der Siedlungen nebeneinander so in die Erde, dass der Kopf nach Westen und die Füße nach Osten ausgerichtet waren. Reste solcher Reihengräberfelder, die im ganzen fränkischen Siedlungsraum verbreitet sind, befinden sich meist bei Ortschaften mit der Endung –heim und weisen auf die fränkische Zeit hin. Die in Kleinlangheim wurden bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Mit der Annahme des christlichen Glaubens an der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert war das Ende der Belegung des Gräberfeldes im 7. Jahrhundert verbunden.
Wie in den umliegenden Gemeinden wurden auch in Kleinlangheim die Menschen zunächst um die Kirche herum beigesetzt. Nach der Reformation wurde der Friedhof 1577 an den Ortsrand verlegt. Erst 1734 wurde die Friedhofskapelle gebaut. Die genannte Jahreszahl und der Erbauer, Christian Friedrich Freiherrn von Seckendorff, sind in der Inschrift unter dem Giebel des Westportals festgehalten. Die Ecken des Saalbaus sind abgerundet. Ein Chor ist nicht vorhanden. Auf dem Walmdach befindet sich ein Dachreiter mit Laterne und Kuppel.
An die Gefallenen der Weltkriege erinnert das Denkmal auf der Straßenseite der Kapelle.
Ehemaliger Bahnhof Kleinlangheim lag an der Nebenbahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt, die stillgelegt wurde.
St. Hedwig mini|Katholische Kirche St. Hedwig
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg mit den Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland die Zahl der Katholiken sprunghaft an. Deshalb wurde der Bau eines eigenen Gotteshauses geplant. Schließlich konnte im Juli 1963 die Grundsteinlegung erfolgen und die Einweihung bereits am 20. Juni 1964 gefeiert werden. St. Hedwig wurde als Patronin gewählt. Die Heilige wurde in Kitzingen erzogen, war später Herzogin von Schlesien und stellt die Verbindung zur alten Heimat her. Eine St. Hedwig-Skulptur steht am Eingang. Der Schöpfer dieses Kunstwerkes ist Valentin Lucius Glanzner aus Wiesentheid. Die Altarwand malte 1964 der Frankfurter Rudolf Heinisch.
Bodendenkmäler
Theater Laienspielgruppe spielt jedes Jahr beim Kirchenburgfest an zwei Abenden Das Frauenkabarett Lila Kleinlangheimer, eine Kabarettgruppe aus drei Damen bestehend, ist nicht mehr aktiv.
Museen Privatmuseum in der Kirchenburg
Musik Gesangverein 1910 Kleinlangheim mit Männerchor, Frauenchor und gemischtem Chor Posaunenchor Kleinlangheim
Sport VfL Verein für Leibesübungen Kleinlangheim Schützengilde Kleinlangheim 1490 e. V. Radfahrverein Pfeil 1908 Reit- und Fahrverein Atzhausen
Regelmäßige Veranstaltungen Frühlingserwachen (Markt), Anfang März in der Kirchenburg Das Weinfestival Kleinlangheim findet jedes Jahr am 3. Juni-Wochenende statt. Unter freiem Himmel werden Wein und andere kulinarische Köstlichkeiten bei traditioneller und auch moderner Musik geboten. Kirchenburgfest Der Herbstmarkt findet jedes Jahr am 3. Oktober statt. Es werden einheimische landwirtschaftliche Produkte angeboten. Die traditionell von der Dorfjugend gestaltete Kirchweih findet jedes Jahr am ersten Wochenende im November statt und besteht aus Ausgrabung, Kirchweihumzug, Kirchweihpredigt und Kirchweihzeitung. Der Weihnachtsmarkt findet jedes Jahr am zweiten Adventssonntag an der historischen Kirchenburg statt. Die ortsansässigen Vereine bieten handwerklich hergestelltes Kulinarisches und Selbstgebasteltes an.
Sage Das Wilde Heer Ähnlich wie in den benachbarten Dörfern Feuerbach und Nordheim am Main existieren auch in Nordheim Sagen über das Wilde Heer, das zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag mit dem Sturmwind reiten soll.