Das Spätkeltische Rundheiligtum auf der Flur Horres liegt an der Landstraße 105 zwischen der saarländischen Gemeinde Gersheim und deren Ortsteil Reinheim. Es wurde im Jahr 2006 bei geomagnetischen Untersuchungen, nur etwa 20 Meter neben dem Hügel 1 der 2005 freigelegten keltischen Hügelgrabanlage Horres, zwischen den Seitenflügeln eines römischen Gebäudes entdeckt.

Befund 0,40 Meter unter der Oberfläche wurde ein ca. 4 Meter breiter und ca. 1,5 Meter tiefer Kreisgraben freigelegt, der, unter der Berücksichtigung der Bodenerosion und des Abtrages von Boden durch Ackerbau, bei der Entstehung ca. 1,70 bis 1,80 Meter tief gewesen sein muss. Der Graben wurde 1 Meter tief in den Kalkfelsen eingearbeitet. Er umschließt ein Podest aus Kalkstein, das einen Durchmesser von 9,5 Metern innehat. Im Süden wurde der Kreisgraben zum Teil durch ein römisches Wasserbecken, das 0,10 Meter in die Sole des Kreisgrabens eingelassen ist, überbaut und teilweise zerstört. Ebenso wurde bei dieser Baumaßnahme ein Teil des Podestes zerstört. Die Anlage liegt zwischen den beiden Seitenflügeln eines, nach dem 1. Jahrhundert n. Chr. entstandenen, römischen Gebäudes. Sowohl die Wände, als auch der Boden des Kreisgrabens, waren nur grob ausgearbeitet. Im Podest wurden eine 0,15 Meter tiefe, 7 Meter lange und 2 Meter breite Vertiefung, die in WSW-OSO-Richtung verläuft sowie drei Pfostengruben festgestellt.

Nachdem der Boden des Wasserbeckens und die Verfüllung des Kreisgrabens abgetragen worden waren, konnten an der Innenseite des Kreisgrabens 16 Pfostengruben gefunden werden, wobei drei Pfostengruben unter der Mauer des Wasserbeckens lagen und nicht näher untersucht werden konnten. An der Außenseite des Kreisgrabens wurden 22 Pfostengruben gefunden, wobei 26 postuliert werden können, da vier Pfostengruben unter der Mauer des Beckens liegen und ebenfalls nicht untersucht wurden, um das Mauerwerk des Beckens nicht zu beschädigen. Die ursprünglich eingesetzten Holzpfosten, mit geschätzten 0,25 Meter bis 0,30 Meter Durchmesser, waren nach Fundlage mit Kalksteinen verkeilt. Nach der Entfernung der Pfosten wurden einige mit Steinen verfüllt. In 13 der 35 untersuchten Pfostengruben konnten 16 keltische Potinmünzen gefunden werden. Im Bereich des Wasserbeckens wurden in zwei weiteren Pfostengruben je ein halbierter As und ein Antoninian gefunden. Daneben wurden in der Verfüllschicht des Kreisgrabens und im Wasserbecken weitere Münzen sowie zahlreiche römische Keramiken, vier Fibeln, das Bruchstück eines Lochgürtelhakens und eine Öllampe gefunden.Walter Reinhard: Das Rätsel des Kreisgrabens von Reinheim Horres. In: Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau (= Denkmalpflege im Saarland. Band 3). Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Gersheim 2010, ISBN 978-3-9811591-2-7, S. 262–286.

Gegenstände Funde aus der Verfüllschicht des KreisgrabensBezeichnungMaterialBeschreibungDatierungAnzahlNauheimer FibelBronzeMit vierfacher Spirale und unterer Sehne. Der Bügel ist mit einer Kerbleiste verziert.LT D1 bis früh augusteisch1ScharnierfibelBronzeMit Eisenachse und abgesetzter KopfplatteAnfang 2. Jahrhundert n. Chr.1ScharnierfibelBronzeMit seitlichen Fortsätzen und EisenachseAnfang 2. Jahrhundert n. Chr.1ScharnierfibelBronzeQuerprofiliert. Bügel mit einem Querwulst verziert.1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.1ÖllampeBronzeMit gerundeter Schnauze1. Jahrhundert n. Chr.1Bruchstück eines LochgürtelhakensBronze1. Jahrhundert v. Chr.1

Münzen Aufgrund der Fundlage lässt sich heute bei der Mehrzahl der Münzen nicht sagen wie oder warum sie in die Kreisgrabenanlage und das Wasserbecken gelangten. Eine Ausnahme bilden die Potinmünzen in den Pfostengruben des Kreisgrabens. Bei diesen Münzen kann davon ausgegangen werden, dass sie absichtlich in den Pfostengruben deponiert wurden (Wohingegen die beiden römischen Münzen erst bei der Anlage des Wasserbeckens eingebracht wurden). Dafür spricht, dass in 13 der untersuchten Pfostengruben 16 Potinmünzen gefunden wurden. Es ist unwahrscheinlich, dass die 16 keltischen Münzen alle zufällig, zum Beispiel durch Verlust, in die Pfostengruben gelangt sind. Vielmehr ist hier von einem Bauopfer auszugehen. Diese Art des rituellen Bauopfers ist ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis in das 1. Jahrhundert n. Chr. zu beobachten.Colin Haselgrove: The incidence of iron age coinage on archeological sites in Belgic Gaul. In: Jeannot Metzler, David Wigg-Wolf (Hrsg.): Die Kelten und Rom: Neue numismatische Forschungen. Fond de Gras/Titelberg, Luxemburg, 30.4.–3.5.1998 (= Studien zu Fundmünzen der Antike. Band 19). Philipp von Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3577-5, S. 247–296. Eine Datierung von keltischen Münzen ist meist nur innerhalb eines Zeitraumes von 25 bis 50 Jahren möglich. So kann anhand der keltischen Fundmünzen der Bau der Kreisgrabenanlage auf die Zeit zwischen 150 und 80 v. Chr. bis an die Wende des 2. zum 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden.

Einige in der Verfüllschicht des Kreisgrabens, dem Wasserbecken und den Pfostengruben gefundenen Potinmünzen kommen in der Region nur selten oder gar nicht vor. So sind die Potinmünzen LT 5284 in Südwestdeutschland und Lothringen nicht bekannt. Von LT 7396 konnten bisher nur drei Stück in Trier und ein Exemplar im Elsass gefunden werden und Scheers 186 Class II ist in Deutschland und dem Elsass überhaupt nicht bekannt. Ebenso ist Scheers 187 in Lothringen belegt, wurde aber in Deutschland und dem Elsass bisher nicht gefunden. Dies lässt auf wesentliche überregionale Kontakte schließen. Es ist aufgrund der Fundlage anzunehmen, dass die verschiedenen Gruppen über einen längeren Zeitraum in Kontakt zueinander standen. Dies gilt neben der Kreisgrabenanlage ″Horres″ für das gesamte Siedlungsgebiet von Reinheim. Eine weitere Besonderheit stellt der Umstand dar, dass keine der gefundenen Münzen dem Stamm der Mediomatriker zugeordnet werden kann, obwohl die Region Reinheim zu deren Gebiet gehörte. Die in den Pfostengruben gefundenen Potinmünzen des Typs LT 7376 und LT 7417 können alle dem Stamm der Senonen zugeschrieben werden. Die in den Pfostengruben gefundenen Münzen Scheers 186 Classe II und Scheers 187 sind in dem Gebiet zwischen Maas und Seine verbreitet, während LT 5284 westlich von Paris gefunden werden kann und Scheers 193 dem Stamm der Remer zuzuordnen ist. Insgesamt wurden in den Pfostengruben, dem Kreisgraben und in dem Wasserbecken 34 keltische Münzen sowie sechs römische Münzen gefunden:David Wigg-Wolf: Fundmünzen aus Reinheim ″Horres″ und Umgebung. In: Walter Reinhard: Das Rätsel des Kreisgrabens von Reinheim Horres. In: Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau (= Denkmalpflege im Saarland. Band 3). Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Gersheim 2010, ISBN 978-3-9811591-2-7, S. 291–303.

Keltische Münzfunde in Kreisgraben, Pfostengruben und WasserbeckenMünzartPrägungReferenzFundortAnzahlPotinmünzeau taureau: MALTHenri de la Tour: Atlas de monnaies gauloises. E. Plon, Nourrit et Cie, Paris 1892 (Digitalisat). 5284Kreisgraben1Potinmünzeau taureau oder au taureau et lis?ScheersSimone Scheers: La Gaule Belgique. Traite de numismatique celtique. 2. Auflage, Peeters, Louvain 1983, ISBN 2-801-70209-9. 187? / LT 5284? / DTLouis-Pol Delestrée, Marcel Tache: Nouvel atlas des monnaies gauloises. 4 Bände, Editions Commios, Saint-Germain-en-Laye 2002–2008. 229?Pfostengrube1Potinmünzeau cheval et globulesLT 7396Pfostengrube5Potinmünzeau cheval et globulesLT 7396Pfostengrube5Potinmünzeà tête d’indienLT 7417Pfostengrube1Potinmünzeau sanglierScheers 186 class Ic?Kreisgraben1Potinmünzeau sanglierScheers 186 class II / DT228Kreisgraben1Potinmünzeau sanglierScheers 186 class II / DT228Pfostengrube3Potinmünzeau taureau et au lisScheers 187Kreisgraben8Potinmünzeau taureau et au lisScheers 187, DT 229Pfostengrube3Potinmünzeau taureau oder au taureau et lis?Scheers 187? / BMCCoins of the Roman Empire in the British Museum. Trustees of the British Museum, London 1923–1962. 284?Pfostengrube2PotinmünzeRemiScheers 191Mauer Wasserbecken1PotinmünzeRemiScheers 193 / LT8135Pfostengrube1Bronzemünzenicht zuweisbarnicht zuweisbarWasserbecken1

Anmerkungen zu den Abkürzungen in den Referenzen

Römische Münzfunde in Kreisgraben, Pfostengruben und WasserbeckenMünzartPrägungReferenzDatierungFundortBemerkungAnzahlAsRepublikCrawMichael H. Crawford: Roman Republican Coinage. 2 Bände, Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1974, ISBN 0-521-07492-4. 173/1…196/1169 bis 158 v. Chr.Kreisgraben1AsRepublikCraw 50/3–219/2209 bis 146 v. Chr.Kreisgrabenhalbiert1Triens / QuadransRepubliknicht zuweisbar2. Jahrhundert v. Chr.Kreisgrabenhalbiert1AsÜbergangszeitRPCAndrew Burnett, Michel Amandry (Hrsg.): Roman Provincial Coinage (RPC). British Museum Press/Bibliothèque Nationale de France, London/Paris 1992 ff. 51736 v. Chr.Pfostengrubehalbiert1AntoninianGallischer KaiserElmGeorg Elmer: Die Münzprägung der gallischen Kaiser in Köln, Trier und Mailand. In: Bonner Jahrbücher. Band 146, 1941, S. 1–106, doi:10.11588/bjb.1941.0.73981.260 bis 275 n. Chr.Pfostengrubegallische Münzstätte; barbarisiert1FollisConstantinus I / ConstantinsöhneElm335 bis 340 n. Chr.WasserbeckenUmschrift: GLORIA EXERCITUS1

Anmerkungen zu den Abkürzungen in den Referenzen

Keramiken Da es sich bei der in der Verfüllschicht gefundene Keramik um bekannte Gefäße handelt, dient deren Analyse der Frage, wann der Kreisgraben mit ihnen verfüllt wurde und damit der Bestimmung des Zeitpunktes der Zerstörung der Anlage. Die gefundenen Keramiken setzten sich aus den Gattungen Terra Sigillata, grau-belgischer Ware bzw. Terra Nigra, rauwandig-tongrundiger Ware, glattwandig-tongrundiger Ware sowie einem Stück rot-belgischer Ware zusammen. Da fast alle in der Verfüllschicht des Kreisgrabens gefundenen Formen von Tellern und Gefäßen auch in dem, als Referenz für provinzialrömische Keramik geltenden, Lager Hofheim vorhanden sind, ist eine Bestimmung des Herstellungsdatums möglich. Hinzu kommt, dass sich auf einem Terra Sigillata Teller, der fast vollständig zusammengesetzt werden konnte, der Töpferstempel des Lucundus vorhanden war. Unter Umständen kann es sich auch um den Stempel mehrerer Töpfer mit gleichem Namen handeln. Terra Sigillata Geschirr mit diesem Stempel ist häufig anzutreffen. Die Entstehungszeit von Geschirr mit diesem Stempel wird zwischen 30 und 80 n. Chr. angenommen. Für die Terra Sigillata Ware des Kreisgrabens kann, durch Vergleiche mit dem Lager Hofheim, festgestellt werden, dass die Keramik in claudischer bis neronischer Zeit hergestellt wurde. Für die belgische Ware, die rauwandig-tongrundige Ware sowie die glattwandig-tongrundige Ware liegen Vergleichsfunde aus dem Lager Hofheim vor, die diese als frühe Formen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. ausweisen. Insgesamt ergibt sich aus diesen Befunden und den Vergleichen mit den Funden aus dem Lager Hofheim, dass die gefundene Keramik in den beiden Jahrzehnten in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in claudischer bis neronischer Zeit hergestellt wurde. Nicht zu klären ist, wie lange das im Kreisgraben gefundene Geschirr in Verwendung war. Römisches Geschirr dürfte auf Grund seiner Beschaffenheit für nicht viel länger als zehn Jahre nutzbar gewesen sein. Dann war es durch Verschleißerscheinungen unbrauchbar.

Die Gesamtheit der Keramikfunde im Kreisgraben lässt darauf schließen, dass sie aus einem Haushalt stammen und zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig in den Kreisgraben gelangten. Diese Befunde lassen den Schluss zu, dass der Kreisgraben in der Zeit zwischen 70 und 80 n. Chr. in einem Zuge verfüllt wurde. Insgesamt wurden in der Schicht 1 des Kreisgrabens 76 Bruchstücke römischer Keramik gefunden:Martin Frey: Die römische Keramik aus Schicht 1 des Kreisgrabens. In: Walter Reinhard: Das Rätsel des Kreisgrabens von Reinheim Horres. In: Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau (= Denkmalpflege im Saarland. Band 3). Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Gersheim 2010, ISBN 978-3-9811591-2-7, S. 304–317.