Oslo (deutsch [], norwegisch , [] oder []) ist die Hauptstadt sowie das wirtschaftliche und politische Zentrum des Königreichs Norwegen. Sie trug in der Vergangenheit auch den Namen Christiania (1624 bis 1924) bzw. Kristiania (alternative Schreibweise von 1877/1897 bis 1924).
Die Kommune Oslo hat Einwohner (Stand: ). Sie bildet eine eigenständige Provinz (Fylke) und ist zudem Verwaltungssitz für die benachbarte Provinz Akershus. Das Stadtgebiet Oslos, also der Tettsted Oslo, erstreckt sich über mehrere Kommunen und hat Einwohner (Stand: ). Damit ist Oslo die mit Abstand größte Stadt des Landes. In der Region Groß-Oslo, zu der neben Oslo 30 weitere Kommunen gerechnet werden, leben mehr als 1,7 Millionen Menschen (Stand: 2023).
Ortsname Beide o werden – wie in den meisten Wörtern – im Norwegischen wie deutsch u ausgesprochen, also [] oder [].
Herkunft Oslo findet in der Form Ósló ab dem Jahr 1225 in schriftlichen Quellen Erwähnung. In alten westnorwegischen Quellen existiert die Form Ásló. Im 14. Jahrhundert kamen der latinisierte Name Anslo(a) und der mittelniederdeutsche Name Anslo hinzu.
mini|links|alt=Foto eines Flusses, der steil abfällt. An der rechten Seite befindet sich eine Hängebrücke, links ein größeres Gebäude|Der laut einer lange verbreiteten Theorie namensgebende Fluss Alna
Zum Ursprung des Namens von Oslo, der sich aus der ersten Silbe Ós- bzw. Ás- und der zweiten Silbe -lo zusammensetzt, gibt es mehrere Theorien. Die Nachsilbe -lo bedeutet den meisten Theorien zufolge „Wiese an einem Gewässer“. Umstrittener ist die Herkunft der ersten Silbe. Lange Zeit galt das altnordische Wort óss (deutsch Flussmündung) als Ursprung für den Stadtnamen. Diese Theorie wurde durch den Geistlichen Peder Claussøn Friis (1545–1614) in seiner 1613 fertiggestellten Veröffentlichung Norrigis Bescrifuelse geprägt. Seine Theorie ist weiterhin verbreitet, auch wenn sie mittlerweile wissenschaftlich weitgehend abgelehnt wird. Friis sah die Mündung der Alna, die laut seiner Theorie früher Loelva oder Loen geheißen habe, als namensgebend an. Ein Grund für die heutige Ablehnung ist, dass die frühere Form Anslo eine nasale Aussprache nahelegt, die es weder im altnordischen Wort óss noch in der urnordischen Vorform *ōsa- gab. Zudem gebe es sowohl den Namen Oslo als auch den Namen Alna bereits länger als die Bezeichnung Loen oder Loelva.
Statt der Bedeutung „Flussmündung“ gilt für die erste Silbe der Ursprung in *ansu- oder *ansa- als wahrscheinlicher. Im Falle von *ansu- (im Altnordischen áss oder óss) würde sich der Ortsname auf heidnische Götter beziehen, im Falle von *ansa- (im Altnordischen áss) auf „Hügel“ oder „länglicher Grat“. Gegen den Ursprung in *ansa- spricht, dass *ansa- im Altnordischen im Gegensatz zu *ansu- nie in der Form óss existierte. Auch ist der in diesem Fall wahrscheinlich namensgebende Ekeberg, der im Altnordischen Eikaberg hieß, geografisch eher als Berg als als Hügel zu sehen.
Frühere und weitere Namen der Stadt Nach einem großen Stadtbrand 1624 wurde die Stadt unter König Christian IV. von Dänemark und Norwegen etwa einen Kilometer nordwestwärts verlegt und in Christiania umbenannt. Im Jahr 1877 änderte sich unter dem schwedisch-norwegischen König Oskar II. die offizielle Schreibweise in der Matrikel und im Staatskalender in Kristiania, während die Stadtverwaltung bis 1897 die ursprüngliche Schreibweise beibehielt. Erst 1924, zwanzig Jahre, nachdem Norwegen seine Eigenständigkeit errungen hatte, wurde beschlossen, der Stadt nach rund 300 Jahren zum 1. Januar 1925Reichsbahndirektion in Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 3. Januar 1925, Nr. 1. Bekanntmachung Nr. 15, S. 7. wieder den ursprünglichen Namen Oslo zu geben.
Oslo wurde nach einem Gedicht von Bjørnstjerne Bjørnson („Sidste Sang“, 1870) auch als Tigerstaden (deutsch Tigerstadt) bezeichnet. Bjørnson sah Oslo als gefährliche und unbarmherzige Stadt. Vor dem Rathaus und vor dem Bahnhof erinnern Tigerskulpturen an diesen Namen, der seinen negativen Klang inzwischen verloren hat. Auch Knut Hamsun stellt die Stadt im Roman Hunger von 1890, norwegisch und dänisch „Sult“, nach seinen Empfindungen äußerst negativ dar.
Seit Dezember 2023 hat die Stadt Oslo mit Oslove auch einen südsamischen Namen. Vom norwegischen Sameting nachgeordneten Verwaltungsorgan für samische Ortsnamen, dem Samisk stedsnavntjeneste, war zuvor von diesem Namen abgeraten worden, da er nur in wenigen schriftlichen Quellen belegt sei.
Geschichte Frühzeit Prähistorische Spuren finden sich in den Felsritzungen am Ekeberg. In der Heimskringla, einer Geschichte der norwegischen Könige, behauptet der isländische Gelehrte Snorri Sturluson, dass Oslo von König Harald III. gegründet worden sei. Der Historiker Peter Andreas Munch datierte die Gründung auf 1048. Ausgrabungen der jüngeren Zeit haben indes christliche Gräber aus der Zeit um 1000 zum Vorschein gebracht. Aus diesem Grund beging die Stadt im Jahr 2000 ihr tausendjähriges Jubiläum, während 1950 erst der 900. Geburtstag begangen worden war.
Oslo im Mittelalter alternativtext=Foto einer Festung mit zwei Türmen und einem Gewässer im Vordergrund|mini|Festung Akershus Oslo war lange Marktplatz für die reichen Höfe aus dem bei Oslo gelegenen Tal Groruddalen. Unter Olav Kyrre wurde Oslo Bischofssitz und religiöses Zentrum für die Region Østlandet. Die mittelalterliche Stadt hatte zwei Burgen, den Königshof und die Bischofsburg. Innerhalb der Stadtmauern gab es neun Kirchen, darunter die St. Clemens und die Hallvardskathedrale, ein Hospital und etwa 400 Stadthäuser von Kaufleuten und Handwerkern. Die Wohnhäuser bestanden aus Holz.
Unter König Håkon V. (1299–1319) erreichte das mittelalterliche Oslo seinen Höhepunkt. Da er der erste König war, der dauerhaft in Oslo residierte, wird Oslo ab 1299 als Hauptstadt gerechnet. Oslo verfügte zu dieser Zeit aber über kaum für eine Hauptstadt typische Institutionen. König Håkon V. veranlasste in seiner Zeit den Bau der Festung Akershus. Im Spätmittelalter entwickelte sich Oslo zu einer wichtigen Kaufmanns- und Residenzstadt und es ließen sich hanseatische Kaufmänner aus Rostock nieder. Die Einwohnerzahl soll in dieser Zeit zwischen 3000 und 4000 Personen erreicht haben.
Im Jahr 1308 wurde Oslo von Herzog Erik av Södermanland geplündert. Die Festung Akershus hingegen überstand die Belagerung. Im Jahr 1349 erreichte der Schwarze Tod Oslo und führte dazu, dass etwa drei Viertel der Einwohner starben. Die Stadt, die mit ihren vielen Holzhäusern und engen Gassen stark brandgefährdet war, wurde wiederholt von Stadtbränden heimgesucht, jedoch immer wieder aufgebaut. Nach der Reformation verfielen das Kloster und die meisten der zahlreichen Kirchen. Nach den Bränden wurden diese Gebäude abgetragen und die Steine für andere Bauzwecke verwendet. Im Jahr 1567 brannte die Bevölkerung auf Anordnung die Stadt selbst ab, damit sie den Schweden nicht mehr als Unterschlupf dienen konnte.
Neuaufbau nach dem Stadtbrand von 1624 mini|Der Rådmannsgården aus dem Jahr 1626, das älteste Haus Oslos Im Jahr 1624 kam es zu einem großen Stadtbrand, der drei Tage andauerte. Das alte Oslo, das sich im heutigen Stadtviertel Gamlebyen befand, wurde danach nicht wieder aufgebaut. Auf Befehl des dänischen Königs Christian IV. – Norwegen war zu dieser Zeit Provinz Dänemarks – wurde die Stadt stattdessen auf die andere Seite der Bucht Bjørvika zur Festung Akershus ins heutige Stadtviertel Kvadraturen verlegt. Zugleich erhielt die Stadt nach König Christian IV. den Namen Christiania. In der Bevölkerung stieß die aufgezwungene Umsiedlung auf Widerstand, unter anderem, da beim Stadtbrand teilweise noch Keller und Fundamente erhalten geblieben waren. Das neu aufgebaute Christiania begann nur langsam anzuwachsen.
Die neu erbaute Stadt wurde nach dem Idealbild der Renaissance mit rechteckigen Quartieren und breiten Straßen errichtet und erhielt eine Festungsanlage mit Bastionen. Die Häuser baute man nun in Stein oder aus gemauertem Fachwerk, um das Ausbreiten von Bränden zu verhindern. Das alte Oslo lag nun außerhalb der Stadtmauern von Christiania. Trotz königlichen Verbots wurde es wieder besiedelt, hauptsächlich von Armen und Landlosen, die sich das teure Leben im modernen Christiania nicht leisten konnten.
In den 1660er-Jahren wurde die Verwaltungsgliederung Norwegens einer größeren Reform unterzogen und Christiania Teil des Akershus Stiftsamt. Von Ulrich Friedrich Gyldenløve, dem dänischen Statthalter in Norwegen, und dem Generalleutnant Jørgen Bjelke wurde Christiania im Jahr 1670 als wichtigste Stadt Norwegens beschrieben. Grund für diese Position war die Funktion der Stadt als Verwaltungszentrum und die Festung Akershus, die Christiania militärische Bedeutung verschaffte. In der Stadt lebten viele Angehörige des Militärs. Im Jahr 1769 wurde bei der ersten Volkszählung in der Stadt ein Wert von 7469 Einwohnern ermittelt.
Ausbau der neuen Hauptstadt ab 1814 mini|Karte, das Wachstum zwischen 1624 und 1839 zeigend mini|Königliches Schloss Im Jahr 1814 wurde Christiania nach der Schließung des Kieler Friedens und dem damit einhergehenden dänischen Verzicht auf Norwegen die neue Hauptstadt des nun nahezu selbstständigen Landes, das sich nun in einer Union mit Schweden befand. Den Status als Hauptstadt erhielt Christiania lediglich de facto, eine gesetzlich offizielle Hauptstadt gab es nicht. Im Jahr 1814 hatte die Stadt unter 15.000 Einwohner und war hinter Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens. Als Hauptstadt war Christiania vergleichsweise klein, Kopenhagen hatte etwa zum gleichen Zeitpunkt rund 100.000 Einwohner. Zudem hatte Christiania neben dem Dom und der Festung Akershus zunächst kaum Monumentalbauten. Aufgrund des neuen Status als Hauptstadt wurde begonnen, neue Verwaltungs- und Monumentalbauten zu erbauen. Errichtet wurden unter anderem das Königliche Schloss, verschiedene Regierungsbauten und Gerichte. Die Universität Oslo war bereits kurz zuvor im Jahr 1811 gegründet worden und sie blieb bis 1946 die einzige Universität Norwegens.
Christiania entwickelte sich im 19. Jahrhundert nicht nur zum politischen und kulturellen Zentrum des Landes, sondern auch die Industrielle Revolution in Norwegen nahm ihren Ursprung in der Stadt. Industrielles Zentrum der Stadt war vor allem das Gebiet entlang des Flusses Akerselva. Dort siedelten sich unter anderem Textil- und Tabakfabriken, Brauereien und Gießereien an. Die Schiffswerften der Stadt entwickelten sich zu den bedeutendsten des Landes. Der Ausbau des Verkehrs- und Kommunikationsnetzwerkes des Landes wurde in dieser Zeit mit Christiania im Mittelpunkt vorgenommen. Diese Zentralisierung stieß allerdings zunehmend auf Widerstand im Rest des Landes.
Im Jahr 1842 wurde Christiania aus Akershus herausgenommen und ein eigenes Fylke. Aufgrund der ansteigenden Einwohnerzahlen kam es im 19. Jahrhundert wiederholt zu Eingemeindungen. So wurde von der Kommune Aker zunächst im Jahr 1859 ein Gebiet mit 9551 Einwohnern an Christiania überführt. Das eingegliederte Areal galt als Armenviertel und die Kommune Aker hatte zuvor aktiv versucht, die Fürsorgeverantwortung für die dort ansässigen, größtenteils in Christiania arbeitenden Einwohner an die Nachbarkommune zu überführen. Von Seiten der Kommune Christiania wurde die Eingliederung zunächst lange hinausgezögert. Zu den armen Vorstädten in Aker zählte unter anderem Grønland. Im Jahr 1878 wurde ein weiteres Gebiet – dieses Mal mit 18.970 Einwohnern – von Aker an Christiania überführt. Zuvor hatte sich in Aker zwischen 1859 und 1878 die Einwohnerzahl fast verzehnfacht und war von 2540 auf 24.980 angestiegen. Die zunehmende Industrialisierung hatte auch Aker zu wirtschaftlichem Aufschwung verholfen. Vor der Grenzjustierung im Jahr 1879 bestand im Gegensatz zur Eingemeindung aus dem Jahr 1859 deshalb auch Uneinigkeit darüber, wie viel Land Christiania eingemeinden durfte. Es gingen schließlich unter anderem Frogner und Vålerenga an Christiania über.