Das Fest (Originaltitel: dän. „Festen“) ist der erste nach den Regeln der dänischen Gruppe Dogma 95 produzierte Spielfilm. Das Fest handelt von dem Aufdecken des sexuellen Missbrauchs eines Vaters an zweien seiner Kinder. Vom Nachmittag des einen bis zum Morgen des nächsten Tages erzählt der Spielfilm, wie während einer Familienfeier die Wahrheit über den viele Jahre zurückliegenden Missbrauch sowie den erst vor kurzem erfolgten Selbstmord eines der beiden Kinder ans Licht gebracht wird. Regie führte Thomas Vinterberg, die Kamera Anthony Dod Mantle.

Inhaltsangabe Der Hotelier Helge Klingenfeldt-Hansen feiert seinen 60. Geburtstag auf dem Familiensitz. Kurz vor Beginn der Feier treffen in dem Hotel seine drei Kinder Christian, Michael und Helene auf drei sehr unterschiedliche Arten ein. Beide Brüder sind als Lokalbesitzer in der Gastronomie tätig – Christian erfolgreich in Paris, Michael mit einer Klitsche am Südhafen in Kopenhagen – die Schwester Helene studiert zum Unmut ihrer Eltern seit langer Zeit. Die Stimmung scheint hin- und hergerissen zwischen Wiedersehensfreude, den persönlichen Differenzen der einzelnen Protagonisten und der Trauer über den Selbstmord von Christians Zwillingsschwester Linda. Gemeinsam begrüßen sie dann die ankommenden Gäste. Das Fest beginnt, als Helge und seine Frau Elsie den Saal betreten.

Es ist zu sehen, dass Christian ein enges und freundschaftliches Verhältnis zu den Bediensteten hat. Vor allem Kellnerin Pia, die in Christian verliebt ist, und der Koch Kim, Christians bester Freund aus Kindertagen, scheinen ihm sehr nah zu stehen. Helene geht in Lindas früheres Zimmer, in dem sie nun übernachten soll. Sie sieht sich intensiv um und entdeckt mit Hilfe des neuen Rezeptionisten einen versteckten Brief. Helene liest ihn und reagiert heftig. Hektisch flüsternd lässt sie den Brief in einem Tablettenröhrchen verschwinden. Zum Essen sind schließlich alle um den Tisch versammelt. Als ältester Sohn soll Christian eine Rede halten. Er lässt seinen Vater vor versammeltem Publikum einen der zwei vorbereiteten, verdeckten Redenzettel wählen. Der Vater wählt unwissend den Bogen, auf dem die „Wahrheitsrede“ steht. Distanziert und fast analytisch beschreibt Christian, wie er und seine verstorbene Schwester Linda regelmäßig von ihrem Vater sexuell missbraucht wurden. Es herrscht betretenes Schweigen an der Festtafel. Christian verlässt die Tafel und geht in die Küche zu Kim. Er plant, nun abzureisen. Währenddessen kommt Helenes schwarzer Freund Gbatokai an, welcher kein Dänisch spricht. Kaum ist er aus dem Taxi ausgestiegen, versucht Michael, ihn abzuwimmeln und mittels rassistischer Beleidigungen wegzuekeln, wofür er von Helene beschimpft wird. Doch auch an der Festtafel stößt Gbatokai auf Ablehnung und rassistische Anspielungen.

In der Küche weist Kim Christian deutlich darauf hin, dass seine Geschichte abgetan würde und wirkungslos bliebe, wenn er nicht weiter für die Wahrheit kämpfe. Wie gerufen kommt daraufhin Helge herein und bestreitet alle Vorwürfe. Christian kehrt mit seinem Vater an den Tisch zurück, ergreift das Wort erneut und gibt seinem Vater offen die Schuld an Lindas Selbstmord. Helge stürmt daraufhin aus dem Saal, es entsteht eine Pause. Viele der Gäste wollen das Fest verlassen, was nicht möglich ist, da das Personal auf Kims Anweisung hin sämtliche Autoschlüssel versteckt hat. Christian bleibt allein im Saal. Helge kommt zu ihm und versucht, ihn einzuschüchtern. Die Gäste kommen zurück, das Fest soll weitergehen. Elsie spricht nun; sie betont Christians seelisch labilen Zustand als Jugendlicher und fordert ihn auf, sich bei seinem Vater zu entschuldigen. Hierauf offenbart Christian, dass seine Mutter von dem Missbrauch wusste und nichts unternahm. Er wird von einigen Männern der Feier aus dem Haus gezerrt, kann aber erneut die Feier stören. Zwei Männer und sein Bruder Michael packen den sich heftig wehrenden Christian, schleppen ihn in den nahen Wald und binden ihn an einen Baum.

Im Haus geht das Fest weiter, der Alkohol fließt mittlerweile in Strömen. Nach einem Missverständnis mit Gbatokai beginnt Michael, ein rassistisches Volkslied zu singen, bei welchem die Festgesellschaft mit einstimmt, woraufhin Helene weinend den Saal verlässt. Die gesamte Situation belastet Helene so sehr, dass sie sich übergeben muss, und sie bittet daraufhin Pia, ihr ihre Tabletten zu holen. Pia findet so den Brief und bringt ihn Christian, der sich befreien konnte und wieder im Haus ist. Christian legt dem Toastmaster einen anonymen Zettel an den Platz, auf welchem nach Festtradition der Name der Person steht, die nun eine Rede halten muss. So ist Helene gezwungen, den Brief vorzulesen. Linda schreibt darin, dass sie sich, traumatisiert durch die Angst vor erneutem Missbrauch durch ihren Vater, das Leben nahm. Wieder kehrt Stille ein. Der nun entlarvte Helge beleidigt die beiden von ihm missbrauchten Kinder aufs Heftigste – sie seien nicht mehr wert gewesen – und verlässt tobend den Raum, Elsie folgt ihm. Nachdem sich die meisten Gäste auf ihre Zimmer zurückgezogen haben, erscheint Michael völlig betrunken und außer sich vor dem Nebenhaus und klingelt Helge aus dem Schlaf. Mit Tränen in den Augen prügelt er auf seinen Vater ein, welcher die Schläge und Tritte über sich ergehen lässt. Am Morgen beim Frühstück erkennt Helge seine Schuld an der Zerstörung der Familie und die Unverzeihlichkeit seines Verbrechens an. Nachdem Michael zum Ausdruck gebracht hat, dass sein Vater nun besser die Tafel verlassen solle, damit man frühstücken könne, verlässt Helge allein den Raum, da die Mutter sich weigert, ihn zu begleiten.

Produktionshintergrund mini|Schloss Skjoldenæsholm diente als Drehort Die Geschichte wurde erstmals 1996 von einem Mann namens Allan in einer dänischen Radio-Talkshow erzählt. Nach dem Erfolg von Das Fest recherchierte die Journalistin Lisbeth Jessen über die Hintergründe des doppelten Kindesmissbrauchs. Sie machte Allan ausfindig und brachte ihn mit dem Regisseur Thomas Vinterberg zusammen. Allan gestand der Journalistin jedoch, die Geschichte sei unter dem Eindruck seiner eigenen AIDS-Erkrankung und des AIDS-Todes seines Lebensgefährten frei erfunden. Später erfuhr Thomas Vinterberg, dass Allans Fiktion wiederum auf einer wahren Geschichte beruhte – eine Pflegerin hatte auf einer Familienfeier ihren sexuellen Missbrauch offenbart und davon ihrem Patienten Allan erzähltDas Fest, Arthaus Premium Doppel-DVD, Bonus-DVD, „Der wahre Hintergrund des Films“ (Interview mit Thomas Vinterberg).

Vinterberg drehte den Film im Schloss Skjoldenæsholm, elf Kilometer im Nordosten der Stadt Ringsted. Das Schloss dient seit den 1970er-Jahren als Konferenzzentrum und Hotel. Der Regisseur hat als Taxifahrer, der Helenes Freund Gbatokai zum Fest fährt, auch einen Cameo-Auftritt im Film.

Personen und Personengruppen Helge Helge ist das Familienoberhaupt. Der Zuschauer erlebt ihn als bestimmt, aber lustig und warmherzig.Vgl.: „Das Fest“ 00:09:30–00:12:10; 00:24:41–00:25:10; 00:29:17–00:30:50 Er ist redegewandt, charmant und selbstbewusst. Es fällt schwer, die von Christian vorgebrachten Vorwürfe mit dieser Person in Verbindung zu bringen. Erst im Gespräch mit Christian im verlassenen Saal ist er zum ersten Mal angsteinflößend, unbeherrscht und, wenn auch nur verbal, gewalttätig.Vgl.: „Das Fest“ 00:52:03–00:53:52 Diese Eindrücke häufen sich im Verlauf der Handlung, bis er nach Verlesen des Briefes einen Ausbruch hat.

Doch bereits seine Rede am folgenden Morgen betont wieder sehr seine menschliche Seite.Vgl.: „Das Fest“ 01:34:55–01:37:00 Vinterberg legt in Gesprächen dar, dass es ihm wichtig war, den Zuschauer dieser Person gegenüber keine fixierte Haltung entwickeln zu lassen. Natürlich wird dieser von Helges Taten unsagbar abgeschreckt und angewidert, dennoch empfindet er durch das Spiel von Henning Moritzen eine Art verbotene Sympathie. Der tiefe Respekt Vinterbergs vor allen seinen Figuren wird an diesem Beispiel besonders deutlich. Trotz der Schwere seines Verbrechens wird der Figur Helges die Würde nicht genommen. Er wird nie als Monster, sondern als kranker Mensch dargestellt.Vgl.: Dogma 95. Zwischen Kontrolle und Chaos. Hg. v. Jana Hallberg und Alexander Wewerka. Berlin: Alexander Verlag, 2001. S. 97; 102 f.

Elsie Elsie, die Ehefrau von Helge, tritt kaum merklich in Erscheinung und wird als unscheinbar wahrgenommen. Trotz allem trägt auch sie Verantwortung für den Missbrauch, wenn auch nur in wissender Duldung, da sie Helge mit Christian in eindeutiger Position entdeckte. Laut Christian sah Elsie ihren Ehemann mit heruntergelassener Hose und ihren Sohn auf allen vieren. Helge forderte seine Ehefrau auf, den Raum sofort zu verlassen.

Elsie reagiert auf Christians Äußerungen nervös lächelnd; sie versucht die Glaubwürdigkeit ihres Sohnes zu untergraben. So erzählt sie von dem imaginären Freund „Snut“, der Christian seit Kindertagen begleitet habe, wobei die beiden ein festes Gespann gebildet hätten, gegen das auch die Mutter nicht angekommen sei. Dies scheint sie seit jeher in Unmut zu versetzen. So erklärt sie der Gesellschaft und auch als Vorwurf gegenüber Christian, dass bei der Feierlichkeit höchstwahrscheinlich „Snut“ wieder anwesend gewesen sei und somit Christians Anschuldigungen nicht Wahrheit, sondern eher Phantasie seien.

Elsies Eintritt in den Frühstückssaal am nächsten Morgen erscheint so belanglos, als hätte es den vorherigen Abend nicht gegeben. Lächelnd und die Gäste grüßend geht sie zu ihrem Platz und lässt sich nieder. Auch der Anweisung ihres Sohnes Michael, der seinen Vater bittet zu gehen, begegnet sie mit unsicher lächelndem Gesichtsausdruck. Sie scheint das Ausmaß des Vergehens ihres Ehemannes und auch ihre Schuld des Mitwissens kaum in ganzem Ausmaße begreifen zu wollen oder auch zu können. Insgesamt wirkt Elsie emotional und psychisch von ihrem Ehemann sehr abhängig, wobei sie eine wenig eigenständig entwickelte Persönlichkeit aufweist, allerdings am Ende trotz Bitte ihres Mannes nicht den Saal mit ihm verlässt.Vgl.: „Das Fest“ 01:34:55–01:37:00

Die Kinder Jedes der lebenden Kinder hat auf seine Weise Distanz zum Elternhaus gesucht. Viel davon erfährt der Zuschauer in der Rede der Mutter. Vgl.: „Das Fest“ 00:57:45–01:02:15 Die verstorbene Linda hingegen blieb im Hause der Eltern. Es scheint, als wäre weder die Flucht, wie sie Christian lebt, noch das Aussitzen eine Lösung oder Heilung des Traumas. Sonst erfährt der Zuschauer wenig über Linda, in ihrer Wirkung auf Christian und die anderen ist sie präsent.Vgl.: „Das Fest“ 00:14:07–00:16:06; 01:18:00–01:21:30; 01:25:30–01:26:36 Michael und Helene wissen zu Beginn der Handlung nichts von dem Missbrauch, es ist aber wahrscheinlich, dass sie etwas ahnen.Vgl.: „Das Fest“ 01:03:53–01:04:10

Christian Christian lebt in Paris und betreibt dort erfolgreich ein Restaurant. In Beziehungen ist er ambitionslos und abweisend. Dies wird verdeutlicht, indem er zunächst alle eindeutigen Avancen von Pia abtut.Vgl.: „Das Fest“ 00:20:30–00:20:51 Ihr gegenüber, aber auch generell, ist Christian verschlossen, still und in sich gekehrt. Nur in Situationen höchster emotionaler Anspannung brechen Aggression und Rachsucht aus ihm heraus.Vgl.: „Das Fest“ 01:05:02–01:05:30; 01:07:36–01:08:20