Die Basilica Santuario di Santa Maria del Carmine Maggiore (kurz: Santa Maria del Carmine Maggiore oder Basilica Santuario del Carmine Maggiore) ist eine Karmeliter- und Wallfahrtskirche mit Kloster in Neapel, an der Piazza del Mercato. Es handelt sich in jeder Hinsicht, sowohl religiös als auch historisch und künstlerisch, um eine der bedeutendsten und populärsten Kirchen der Stadt.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore: online-home, gesehen am 30. Oktober 2018

Der wichtigste Tag der Gemeinde ist der 16. Juli, wenn während der Feierlichkeiten der „Beata Vergine Maria del Monte Carmelo“ (Unsere liebe Frau vom Berge Karmel), den ganzen Tag lang ununterbrochen Messen zelebriert werden, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Die Karmelitergemeinde ist außerdem sehr aktiv im karitativen Bereich (Essensverteilung für Arme u. ä.).

Seit 1995 gehört die Basilika zum Weltkulturerbe der UNESCO.Seite der Basilica del Carmine Maggiore auf „gcatholic“, gesehen am 1. November 2018 (Italienisch/Englisch)

Geschichte Die Madonna Bruna mini|Madonna „La Bruna“ (vermutlich Kopie) Kirche und Kloster Santa Maria del Carmine in Neapel sind eng mit Verehrung und Kult der Madonna „La Bruna“ (oder „Vergine Bruna“ = braune Jungfrau) verbunden, die ihren Namen der bräunlichen Farbe ihrer Haut verdankt. Im neapolitanischen Volksmund wird sie liebevoll „Mamma d’o Carmene“ genannt (das heißt: „Mama vom Karmel“).Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : , gesehen am 30. Oktober 2018

Die Ikone ist eine Verkörperung der Vergine Maria del Monte Carmelo und entspricht dem byzantinischen Typus der Glykophilousa oder Eleousa, auf Italienisch della tenerezza (= der Zärtlichkeit): Mutter und Sohn sind in einem Moment liebevoller Zuwendung und Zärtlichkeit abgebildet. Die rechteckige Tafel ist einen Meter hoch und 80 cm breit und könnte ein Werk der toskanischen Schule des 13. Jahrhunderts sein (Siena?).

Der Kult um dieses bedeutende Heiligenbild lässt sich bis auf das 13. Jahrhundert zurückverfolgen.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : Unterseite „storia“, gesehen am 30. Oktober 2018 Zu dieser Zeit gab es vor der Stadt, in der Nähe des Meeres im Gebiet von Campo Moricino, ein kleines Kirchlein, das dem heiligen Nikolaus von Bari gewidmet war. Hier wurde in einer „Grotte“ oder Krypta eine Ikone der Madonna mit Kind aufbewahrt, die nach späterer Überlieferung von den karmelitischen Ordensbrüdern aus Palästina mitgebracht worden war, als sie 1238 den Berg Karmel hatten verlassen müssen. Der genaue Zeitpunkt ihrer Ankunft in Neapel ist nicht bekannt, muss jedoch vor 1268 datiert werden.

Der Kult um die Madonna Bruna verbreitete sich bald in der umliegenden Bevölkerung und wurde auch durch den ständigen Zulauf beim nahegelegenen Markt gefördert. Bereits 1457 wird in einer Bulle von Papst Sixtus IV. erwähnt, dass das popolo napoletano in Scharen zur Kirche kam, die von den Karmeliten Ende des 13. Jahrhunderts an der Stelle des Kirchleins San Nicola di Bari erbaut worden war.

Im heiligen Jahr 1500 organisierte die Bruderschaft der Köche von Neapel eine Pilgerreise nach Rom, an der auch viele andere Menschen teilnahmen und auf die man die Ikone der Vergine Bruna mitnahm.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : Unterseite „mercoledì del carmine“, gesehen am 30. Oktober 2018 Während der Reise, die am 7. April begann, soll die Madonna mehrere Wunder an verschiedenen Menschen gewirkt haben (“...più miracoli a diversi uomini in diverse terre”). Als man am 13. April in Rom ankam, wurde sie zur Verehrung im Petersdom ausgestellt, und der Menschenandrang war so groß, dass der Borgia-Papst Alexander VI. die Pilger aus Neapel aufforderte, Rom zu verlassen, weil die Vergine Bruna zu sehr von den eigenen Heiligtümern Roms ablenke. Die Neapolitaner verließen Rom am 18. April und kamen am 25. in ihrer Heimatstadt an. Während und nach der Reise soll es weitere Wunderheilungen „an Tauben, Blinden und Krüppeln“ („multi miracoli de surdi, et cechi et stroppiati”) durch die Madonna gegeben haben, und von da an wuchs der Zustrom von Wallfahrern noch weiter. Daher wurde die Ikone, die sich bis dahin in der Krypta befunden hatte, nun auf dem Hochaltar von Santa Maria del Carmine ausgestellt.

Ein weiteres wichtiges Ereignis passierte am Mittwoch, dem 24. Juni desselben Jahres 1500, als sich auf Befehl Ferdinands II. von Aragón in der Kirche del Carmine viele Kranke versammelten, um zur Madonna zu beten; auch dabei oder in der Folge soll es wieder zu Heilungen gekommen sein. Daher wurde der Mittwoch zum Wochentag der Vergine Bruna erklärt und ist auch als „mercoledì del Carmine“ bekannt. mini|links|Antonio Joli (?): „Die Piazza Mercato mit der Chiesa del Carmine in Neapel“, 18. Jahrhundert

Die große Verehrung der Madonna Bruna del Carmine durch das neapolitanische Volk und Berichte über ihr wundersames Eingreifen führten 1875 zu Verhandlungen mit dem Vatikan, der schließlich per Dekret vom 29. Juni 1875 an den Kardinal Erzbischof von Neapel, Sisto Riario Sforza, die feierliche Krönung der Madonna bewilligte.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : Unterseite „incoronazione“, gesehen am 30. Oktober 2018 Diese wurde mit einem mehrtägigen großen Fest gefeiert, das vom 2. bis zum 18. Juli desselben Jahres dauerte. Die eigentliche Krönung fand am Sonntag, den 11. Juli, statt. Zur Feier des Tages wurde die Stadt mit Gas illuminiert, und zum Abschluss gab es am 18. Juli ein großes Feuerwerk, dem viele Menschen auf Hunderten von Booten im Golf von Neapel beiwohnten. Es wurde auch eine Gedenkmedaille geprägt, von der je eine als Geschenk an Papst Pius IX., an Kardinal Riario Sforza, den Erzbischof von Neapel, und an Kardinal Borromeo, den Erzpriester des vatikanischen Kapitels, gingen.

In der zweiten Hälfte des 20. und im frühen 21. Jahrhundert verließ die Vergine Bruna ihr Heiligtum fünfmal: zum ersten Mal anlässlich des 700sten Jahrestages des Skapuliers des Karmel zu einer mehrtägigen Prozession, die am 21. Juli 1951 begann und acht Tage dauerte.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : Unterseite „nel secolo scorso“, gesehen am 30. Oktober 2018 1974 wurde die Ikone restauriert. 1990, anlässlich einer Pastoralreise von Papst Johannes Paul II. in die neapolitanische Diözese, wurde die Madonna zur Piazza del Plebiscito gebracht und vom Papst verehrt. 2003 brachte man sie zum 50-jährigen Jubiläum des Erzbischofs von Neapel Monsignore Michele Giordano in die Kathedrale. Während der Pastoralvisite von Papst Benedikt XVI. in Neapel im Jahr 2007 wurde die Madonna wiederum auf der Piazza Plebiscito ausgestellt.

Ursprünge der Kirche mini|Statue des „Corradino“ von Hohenstaufen im Kirchenschiff

Zum ersten Mal dokumentarisch erwähnt werden die Karmeliter in Neapel im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des letzten Erben des Hauses Hohenstaufen, Konradin, der auf Italienisch Corradino genannt wird. Dieser wurde am 29. Oktober 1268 zusammen mit seinem jungen Cousin Friedrich von Österreich „in der Nähe der Eremiten“ (“presso il luogo degli eremiti”) nach seiner Niederlage im Kampf um die Herrschaft in Süditalien von seinem Widersacher Karl von Anjou öffentlich enthauptet und die Körper zunächst provisorisch an Ort und Stelle vergraben. 1269 bekamen sie von den Karmeliten in ihrer Kirche ein christliches Begräbnis.

Nach volkstümlicher Überlieferung soll Corradinos Mutter, Elisabeth von Bayern, persönlich nach Neapel gekommen sein, um für ihren Sohn ein Lösegeld zu zahlen; als sie ihn jedoch tot fand, soll sie das Geld den Karmeliten gespendet haben, zum Wohle seiner Seele. Die Anwesenheit der Elisabeth von Bayern lässt sich historisch nicht verifizieren, es ist aber dokumentarisch belegt, dass die Ordensbrüder im 15. und 16. Jahrhundert jeden Tag eine Messe im Andenken an den “imperador Corradino” (= „Kaiser Konradin“) lasen, und dass dieser Brauch noch bis ins 19. Jahrhundert gepflegt wurde, woraus geschlossen wird, dass es tatsächlich ein Legat gegeben hat.

Am 27. Juni 1270 wurde der Brüdergemeinschaft von Karl I. von Anjou ein Stück Land von 3893,76 Quadratmetern Größe für den Bau einer neuen Kirche, eines Oratoriums und Klosters zuerkannt. Die Bauarbeiten begannen 1283 und dauerten bis ins 14. Jahrhundert, als ein Fra’ Ruggero Prior des Klosters war. Der Bau der neuen Karmeliterkirche wurde vom Herrscherhaus der Anjou sehr unterstützt, unter anderem auch durch eine Schenkung von 1000 Dukaten der Königin Margherita di Borgogna, der zweiten Frau Karls I.; andere großzügige Spenden kamen von Francesca Seripta und Mauro Frezza. Nach dem Tode von Königin Margherita (1308) lasen die Ordensbrüder auch ihr zu Ehren täglich eine Messe und errichteten ihr eine Statue aus Marmor (heute im Museum der Certosa di San Martino), die man lange für ein Abbild von Corradinos Mutter gehalten hat.

Um 1304 existierte nach wie vor das Kirchlein San Nicola, in den folgenden Jahren wurde es jedoch von der neuen Kirche „geschluckt“. Diese wurde mit dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt (ital.: Vergine Assunta) versehen, wie dies zu dieser Zeit bei den Karmeliten üblich und verbreitet war. Die Kirche in ihrer ursprünglichen gotischen Form hatte auf dem Hauptaltar auch tatsächlich ein Bild der Himmelfahrt Mariens, während die Ikone „La Bruna“ bis 1500 in der Krypta verehrt wurde (siehe oben).

Die Weihe mit dem Beinamen „del Carmine“ erfolgte erst 1828, obwohl die Kirche beim Volk schon lange mit diesem Namen bekannt war.

Der Titel „Carmine Maggiore“

Der Titel Carmine Maggiore, den Kirche und Konvent der Karmeliten von Neapel tragen, bezieht sich auf ihre herausragende und führende Rolle: In den Jahren 1321–1333/36 war das Kloster zusammen mit anderen an dem Versuch beteiligt, eine religiöse Provinz des Karmeliterordens im Süden zu bilden. Bei einer neuen Unterteilung der Provinzen im Jahr 1472 wurde sie zum Hauptsitz der Provinz Terra di Lavoro.Website von Santa Maria del Carmine Maggiore : Unterseite „Il Carmine Maggiore“, gesehen am 30. Oktober 2018

Im Jahr 1510 beherbergte die Chiesa del Carmine von Neapel das Generalkapitel des Ordens. Laut Überlieferung gab es so viele Teilnehmer, dass es nicht möglich war, sie alle unterzubringen, man musste auf verschiedene Unterkünfte ausweichen und Geräte aus der Küche der Burg von Capuana ausleihen, d. h. aus der königlichen Küche.

Im Jahre 1524 wurde das Kloster der unmittelbaren Gerichtsbarkeit des Generalpriors des Ordens unterstellt, während sein eigener Prior gewisse Vorrechte über die Provinzen genoss und das Amt eines „commissario“ über 15 sogenannte „grancie“ oder kleinere Klöster bekleidete.

Auf Betreiben von Mitgliedern des Klosters in Neapel wurden weitere 29 Klöster gegründet; vom Carmine Maggiore gingen auch wichtige Impulse für die Reformen des Konzils von Trient aus.

Der Carmine Maggiore hatte wie andere Bettelorden auch sein eigenes Studium, das 1333 in den Rang eines „studium generale“ erhoben wurde. Es wurde im 15. und 16. Jahrhundert besonders gepflegt, und ab 1578 ließ Philipp II. von Spanien dem Kloster zur Erhaltung seiner Ausbildungsstätte eine Zuwendung von 200 Dukaten jährlich zukommen. Zur Zeit von Tanucci im 18. Jahrhundert konnten auch Laien ausgebildet werden, und es existierte bis zur Zwangsschließung des Klosters von 1866. Dank seiner konnten viele Ordensleute des Karmel auf Universitätsprofessuren außerhalb von Neapel aufsteigen. Zu den Meistern aus der Schule der Karmeliter gehörten: Fra’ Augerio, der 1327 Kaplan von König Robert war; Fra’ Giovanni De Signo, mehrfacher Prior des Carmine Maggiore von Neapel, und der Theologe und Bibelwissenschaftler Fra’ Agnello († 1421). Hinzu kommen viele talentierte Redner und Schriftsteller, die sich vor allem mit kirchlichen Themen, Naturwissenschaften und Philosophie beschäftigt haben.

Im alten Königreich Neapel stiegen aus dem Orden des Carmine Maggiore 18 zu Bischöfen und 2 zu Erzbischöfen diverser Diözesen auf. Etwa zwanzig seiner Angehörigen starben im Stand der Heiligkeit.

Masaniello