Der Salzburger Dom verfügt seit 1995 über sieben selbstständige Orgeln: auf der Westempore steht die Hauptorgel aus dem Jahre 1988, auf den Pfeileremporen der Vierung befinden sich fünf nach 1990 geschaffene Instrumente, außerdem steht ein transportables Truhenpositiv zur Verfügung, das meist im linken Querarm, neben der Nord-Sakristeitür, abgestellt ist.Um die Lebenszykluskosten gering zu halten, weisen alle sieben Orgeln des Salzburger Doms mechanische Spiel- und Register-Trakturen auf.Im Gegensatz dazu haben elektrische und elektronische Bauteile eine MTTF von 15 Jahren (MTTF = Mean Time to Failure, deutsch: mittlere Betriebsdauer bis zum Ausfall).Vorbilder für gemeinsames Musizieren in mehreren Klangkörpern, abwechselnd mit solistischem Spiel, findet man vor allem in Italien. Im Drei-Konchen-Chor des Salzburger Doms kann in fünf Gruppen musiziert werden: vor dem Franziskusaltar und auf den vier Emporen. Die Aufstellung ähnelt der Musizierpraxis im Dom bis 1859: im Presbyterium und auf den vier Emporen. Seit 1995 ist diese Situation wieder hergestellt.Die alte große Orgel, die 75 Jahre nach Eröffnung des Domes geschaffen worden war, hatte nur eine „Nebenrolle“ in der Dommusik: sie erklang als Festorgel lediglich beim Ein- oder Auszug des Erzbischofs durch das Westtor.
Große Orgel (1988) Entsprechend dem Gesamtkonzept wurde die große Orgel auf der Westempore so disponiert, dass sie der stilistischen Ausrichtung der süddeutsch-österreichischen Orgelbautradition entspricht. Neu entstand ein Rückpositiv, weil von ihm eine besondere Präsenz des Tones im akustisch schwierigen Raum erwartet wurde. Nach einer ersten, zunächst erfolglosen Kontaktaufnahme 1981 übergab die Orgelbaufirma Hansueli Metzler (Dietikon/Schweiz) das neu erbaute Werk nach mehrjähriger Arbeit 1988 seiner Bestimmung. Die Orgel wurde am 1. Juni 1988 gesegnet und in Dienst genommen. Das Instrument hat 58 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal und zählt zu den besten Domorgeln Österreichs. Die letzte Reinigung und Überprüfung der Orgel durch die Firma Metzler erfolgte im Jahr 2018. I Rückpositiv C–g3 Quintade 16′ C–Gis als ′ Praestant 8′ Coppel 8′ Holzflöte 8′ C–fis0 mit Coppel 8′, sonst 19. Jh. Principal 4′ Rohrflöte 4′ Octave 2′ teilweise Egedacher Waldflöte 2′ Larigot ′ Sifflöte 1′ Scharf IV–V 1′ Sesquialtera II Krummhorn 8′ Vox Humana 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 Principal 16′F–h0 im Prospekt, 19. Jh. Octave 8′ Hohlflöte 8′ Viola 8′ Grossquinte ′ Octave 4′ Nachthorn 4′ Terz ′ Quinte ′ Superoctave 2′ Mixtur major IV–V 2′ Mixtur minor V–VI ′ Trompete 16′ Trompete 8′ Clairon 4′ Cornet V 8′ auf eigener Lade im Kronpositiv, 8′-Chor 19. Jh. III Schwellwerk C–g3 Bourdon 16′ Principal 8′ teilweise 19. Jh. Gedackt 8′ Salicional 8′ Piffaro 8′ Octave 4′ 19. Jh. Flauta 4′ Gemshorn 4′ Nasard ′ Doublette 2′ Tierce ′ Mixtur V 2′ Fagott 16′ Trompete 8′ Schalmey 8′ Tremulant Pedal C–f1 Principal 32′ C–F als Quinte ′ Praestant 16′ C–f0 Prospekt 19. Jh. Holzprincipal 16′ C–f0 aus Principal 32′ Subbass 16′ teilweise 19. Jh. Octavbass 8′ Spitzflöte 8′ Octave 4′ Bauernflöte 2′ Hintersatz VI ′ Bombarde 16′ Fagott 16′ Trompete 8′ Clairon 4′ Zimbelstern Schalenglocken im Rückpositiv Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: Plenotritt, Zungentritt Stimmart: Werckmeister III, modifiziert.
Anmerkungen
Vierungsorgeln (Kuppelorgeln) Im Frühjahr 1990 wurden die bautechnischen Voraussetzungen zur Wiedererrichtung der Pfeileremporen und der dortigen Vierungsorgeln nach Plänen des niederländischen Architekten Corneille F. Janssen geschaffen. 1985 hatte der Denkmalpfleger Corneille Jansson das Ausschreibungsverfahren zur Wiedererrichtung des Ensembles der Orgeltribünen im Kuppelraum gewonnen. Die Gehäuse der Orgeln wurde von Jansson nach dem baukünstlerischen Motiv der „Serliana“ entworfen, benannt nach dem Architekten Sebastiano Serlio (1475–1555).In England wird es als „Scamozzi-Window“ bezeichnet, da das „Serliana“-Motiv von Vincenzo Scamozzi bekannt gemacht wurde.
Östliche Vierungsorgeln (1991) Ähnlich wie die Sängertribünen sollten die beiden östlichen Vierungsorgeln nicht als Stilkopie, sondern in bewusstem Bezug zur historischen Situierung und in der Abstimmung mit der heutigen Kirchenmusikpraxis geplant, doch weitgehend nach dem überlieferten Bestand des 18. Jahrhunderts disponiert werden. Orgelbaumeister Johann Pirchner aus Steinach am Brenner in Tirol erhielt den Auftrag zum Bau der zwei rein mechanischen zweimanualigen Orgeln, welche 1991 gesegnet werden konnten.Zur auf der Website der Orgelbaufirma
Die Epistelorgel am südöstlichen Kuppelpfeiler (Hoforgel) I Hauptwerk CDE–d3 Prinzipal 8′ Bleigedackt 8′ Oktav 4′ Spitzflöte 4′ Quint ′ Oktav 2′ Mixtur ′ II Nebenwerk CDE–d3 Copel 8′ Gedackt 4′ Prinzipal 2′ Nasat ′ Pedal CDE–a0 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Quintbass ′ Koppeln: II/I, I/P, II/P
Die Evangelienorgel am nordöstlichen Kuppelpfeiler (Heilig Geist-Orgel) I Hauptwerk C–d3 Prinzipal 8′ Viola 8′ Oktav 4′ Nachthorn 4′ Nasat ′ Oktav 2′ Mixtur ′ II Nebenwerk C–d3 Copel 8′ Rohrflöte 4′ Prinzipal 2′ Cornet ′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Posaune 8′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Tremulant
Westliche Vierungsorgeln (1995) Weil Künstler aus Italien den größten Anteil an Bau und Ausstattung des Salzburger Domes haben, entschied man sich, auf den beiden westlichen Kuppelemporen italienische Orgeln zu installieren. Dafür konnten zwei italienische Orgelbauer aus Friaul-Julisch Venetien gewonnen werden, nämlich Francesco Zanin aus Codroipo (Toskanische Renaissanceorgel) und Franz Zanin aus Camino al Tagliamento (Venezianische Orgel).
Zusatzregister sorgen in beiden Orgeln für besondere klangliche Effekte: Usignolo (Vogelgesang) in der Renaissanceorgel sowie Campanelli (Glockenspiel) und Tamburo (Trommelwirbel) in der Venezianischen Orgel. Zudem ist auf beiden Instrumenten gemeinsam die Teilung mehrerer Register bei c1/cis1 möglich. Dadurch ist es möglich, in zwei unterschiedlichen Klangfarben auf nur einem Manual zu spielen, was die authentische Interpretation der alten italienischen und spanischen Orgelmusik ermöglicht.
Die Renaissance-Orgel am südwestlichen Kuppelpfeiler Die Renaissanceorgel wurde nach dem Vorbild toskanischer Renaissanceorgeln, mit dem System der Springlade, erbaut.
Manual FF–c3 (kurze Oktave) Principale I–III Ottava Quinta Decima Decima Nona Vigesima Seconda Vigesima Sesta Vigesima Nona Trigesima Terza e Sesta Voce umana Flauto in VIII Cornamuse Angehängtes Pedal FF–d0 (kurze Oktave) Spielhilfen: Ripieno-Tritt Nebenregister: Usignoli (Vogelgezwitscher) Nebenzug: Tremolante (Kanaltremulant)
Die Continuo-Orgel am südwestlichen Kuppelpfeiler Das Gehäuse des Continuo-Werks ist an das der Renaissance-Orgel optisch ident angebaut, die Spielanlage befindet sich ein paar Schritte südlich der Renaissance-Orgel. Manual C–c3 Bordone 8′ Flauta a camino 4′ Principale 2′ Angehängtes Pedal C–H Die Venezianische Orgel am nordwestlichen Kuppelpfeiler Die Orgel am nordwestlichen Kuppelpfeiler wurde im venezianischen Stil des 18. Jahrhunderts erbaut.
I Positivo C–f3 Principale Ottava Quinta Decima Decima Nona Vigesima Seconda Flauto Cornetta Tromboncini II Grand’ Organo C–f3 Principale Ottava Quinta Decima Decima Nona Vigesima Seconda Vigesima Sesta Vigesima Nona Trigesima Terza e Sesta Voce umana (ab cis1) Flauto in VIII Flauto in XII Cornetta Violoncelli Pedal C–h0 Contrabassi 16′ Tromboni 8′ Ottava di Contrab. Continuo-Register: Copula 8′ Nebenregister: Tamburo (Trommel), Campanelli (Glockenspiel) Nebenzüge: Koppelausschaltung II/P, Schiebekoppel I/II, Ripinieno (Kurbel)
Truhenorgel (1989) Eine sogenannte „Truhenorgel“ oder Truhenpositiv wird je nach Erfordernis an verschiedenen Stellen des großen Kirchenraumes und auch außerhalb des Domes, zum Beispiel bei Prozessionen eingesetzt.
Das Exemplar des Salzburger Domes wurde 1989 vom Orgelbaumeister Johann Pircher erbaut. Sie steht auf Rädern und verfügt über 224 Pfeifen. Truhenorgel C–g3 Copl 8′ Rohrflöte 4′ Prinzipal 2′ Nasard 1 1/3′
Weblinks
Unterseite der Orgel-Landschaft auf den Webseiten des Salzburger Domes
Einzelnachweise
Kategorie:Salzburger Dom Kategorie:Orgel in Österreich