Adolf Seger (* 2. Januar 1945 in Freiburg im Breisgau; † 4. Juli 2026 ebenda) war ein deutscher Ringer. Er war zweifacher Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 und zweifacher Weltmeister im Welter- bzw. Mittelgewicht (Freistil). Bei den Ringer-Veteranen (Masters) holte er zehnmal den Weltmeistertitel.
mini|Deutsche Nationalmannschaft der Freistilringer 1978 (Adolf Seger in der hinteren Reihe, Zweiter von links)
Persönlicher Werdegang Adolf Seger stammte aus einer ringkampfbegeisterten Familie: Sein Vater und seine fünf Brüder waren alle als Ringer aktiv. Seinen ersten Ringkampfunterricht erhielt der fünfjährige Adolf von seinem Vater. Sportliches Vorbild war sein älterer Bruder Edmund (1937–2019), der in der deutschen Ringernationalmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom kämpfte.
Adolf Seger war verheiratet und dreifacher Familienvater. 42 Jahre lang war er als Briefträger bei der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post AG in Zähringen tätig; seit Januar 2010 war er im Ruhestand.Andreas Strepenick: Houdini auf der Matte. Die Freiburger Ringerlegende Adolf Seger ist 75 Jahre alt geworden. In: Der Sonntag vom 5. Januar 2020, S. 7. In seiner Freizeit engagierte er sich in der Kommunalpolitik, für wohltätige Zwecke und die Sportförderung. Seger war nach Ende seiner aktiven Karriere weiter sportlich fit und aktiv im Tischtennis, im Radsport und beim Krafttraining. So war er austrainiert und hielt weiter sein Wettkampfgewicht. Er war zudem in seinem Verein AV Germania St. Georgen als Trainingspartner und Coach tätig.
Sportlicher Werdegang Adolf Seger startete im Freistil (Welter- und Mittelgewicht), und er war oftmaliger Deutscher, Europa- und Weltmeister. Zu seinen größten Erfolgen zählten auch die Medaillengewinne bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München und den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal. Seger gilt als einer der besten deutschen Ringer aller Zeiten. Er hat insbesondere die Kampftechniken am Boden weiterentwickelt. Mit dem nach ihm benannten Seger-Griff hat er zahlreiche Schultersiege erzielen können.
Adolf Seger hatte schon als junger Ringer große Gesundheitsprobleme. Bereits Mitte der 1960er Jahre laborierte er nicht nur an dem ringertypischen „Blumenkohlohr“, sondern vor allem auch an Schulter-, Rücken- und Knieverletzungen. In dieser Zeit war Seger in ständiger Behandlung im Universitätsklinikum Freiburg. Die Verletzungen verzögerten seine internationale Sportkarriere um etliche Jahre.
Segers Kraft und Athletik gehörten weltweit zum Besten im Ringkampfsport. Das anstrengende Training und „Gewicht machen“ vor Wettkämpfen bewogen Seger im Jahr 1975, vom Welter- ins Mittelgewicht zu wechseln.
In den 1990er und 2000er Jahren wurde Adolf Seger zehnfacher Freistilweltmeister bei den Ringer-Veteranen (Masters); dies ist weltweit bislang unerreicht. Sein hierfür erzieltes Preisgeld von 15000 US-Dollar spendete Seger der Kinderkrebshilfe.
Für seine sportlichen Leistungen war er am 11. September 1972 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden.Sportbericht der Bundesregierung vom 29. September 1973 an den Bundestag - Drucksache 7/1040 - Seite 72
Internationale Erfolge Jahr Platz Wettbewerb Gewichts-klasse Bemerkung 1969 3. EM in Sofia Welter mit Siegen über Ludovic Ambrus, Rumänien, Pauli Tuuri, Finnland, Janusz Pajak, Polen, einem Unentschieden gegen Miklos Urbanovics, Ungarn u. einer Niederlage gegen Juri Gussow, UdSSR 1969 5. WM in Mar del Plata Welter mit Siegen über Pasqual Palombo, Argentinien u. Niederlagen gegen Sarbeg Beriaschwili, UdSSR und Matti Poikala, Finnland 1970 6. EM in Berlin Welter mit Siegen über Robert Blaser, Schweiz und Josef Völc, CSSR, einem Unentschieden gegen Giuseppe Spagnoli, Italien und Niederlagen gegen Sarbeg Beriaschwili u. Jan Karlsson, Schweden 1970 2. Turnier in Genua Welter hinter Jan Karlsson und vor Robert Blaser 1970 5. WM in Edmonton Welter mit Siegen über Giuseppe Spagnoli, David Briers, Südafrika und Robert Blaser, einem Unentschieden gegen Angel Petrow, Bulgarien und einer Niederlage gegen Dandsandardschaagiin Sereeter, Mongolei 1971 7. WM in Sofia Welter mit Siegen über Janusz Pajak, Polen, Pete Symons, USA und Francisco Lebeque, Kuba und Niederlagen gegen Ludovic Ambrus und Mohammad Farhangdoust, Iran 1972 1. EM in Kattowitz Welter mit Siegen über Mehmet Uzun, Türkei, Stefanos Ioannidis, Griechenland, Ludovic, Ambrus, Michael Busse, Polen und Roman Marsagaschwili, UdSSR z. trotz einer Niederlage gegen Jancho Pawlow, Bulgarien 1972 Bronze OS in München Welter mit Siegen über Francisco Lebeque, Alfred Wurr, Kanada, Juri Gussow, Miklos Urbanovics und Mansour Barzegar, Iran und Niederlagen gegen Jan Karlsson und Wayne Wells, USA 1973 1. EM in Lausanne Welter mit Siegen über Kazimierz Kos, Polen, Peter Spycher, Schweiz, Jozsef Rusznyak, Ungarn, Frank Birke, DDR, Christo Stantschew, Bulgarien und Viktor Silbermann, UdSSR 1973 5. WM in Teheran Welter mit Siegen über Mitsuo Degawa, Japan und Panwar, Indien, einem Unentschieden gegen Mansour Barzegar und Niederlagen gegen Jancho Pawlow u. Ruslan Nuralijewitsch Aschuralijew, UdSSR 1974 2. EM in Madrid Welter mit Siegen über Nikoaes Palaskas, Griechenland, Dan Karabín, Tschechoslowakei, Jancho Pawlow und Servet Aydemir, Türkei u. Niederlagen gegen Jan Karlsson und Ruslan Aschuralijew 1974 4. WM in Istanbul Welter mit Siegen über Stanley Dziedzic, USA, Dandsandardschaagiin Sereeter und Kazimierz Kos u. Niederlagen gegen Viktor Silbermann, Israel und Jancho Pawlow 1975 6. EM in Ludwigs-hafen am Rhein Welter mit Siegen über Jan Lachoda, Polen und Servet Aydemir und Niederlagen gegen Dan Karabín u. Pawel Pinigin, UdSSR 1975 1. WM in Minsk Mittel mit Siegen über Apostolos Mersiakaris, Griechenland, Wassil Sjulschyn, UdSSR, Ismail Abilow, Bulgarien, Mehmet Uzun, Vasile Iorga, Rumänien u. István Kovács, Ungarn 1976 1. EM in Leningrad Mittel mit Siegen über Wiktor Nowoschilow, UdSSR, Jan Gorski, Polen, István Kovács und Ismail Abilow 1976 Bronze OS in Montreal Mittel mit Siegen über Anthony Shacklady, Großbritannien, André Bouchoule, Frankreich und Henryk Mazur, Polen und Niederlagen gegen Wiktor Nowoschilow u. John Peterson, USA 1977 5. EM in Bursa Mittel mit Siegen über Georgios Pahtas, Griechenland und Daima Pereira, Spanien und Niederlagen gegen Hassan Zangiew, UdSSR und Mehmet Uzun 1977 1. WM in Lausanne Mittel mit Siegen über Jan Gorski, Polen, Dsewegiin Düwtschin, Mongolei, Christopher Campbell, USA und István Kovács und trotz einer Niederlage gegen Magomedchan Arazilow, UdSSR 1978 2. EM in Sofia Mittel mit Siegen gegen Georgios Polychronidis, Griechenland, Pawel Szabo, Tschechoslowakei, István Kovács und Tiberiu Sereghely, Rumänien und einer Niederlage gegen Schukri Ljutwiew, Bulgarien 1978 2. WM in Mexiko-Stadt Mittel mit Siegen über Richard Deschatelets, Kanada, Akira Ōta, Japan, Dsewegiin Düwtschin, István Kovács und John Peterson und Niederlagen gegen Schukri Ljutwiew u. Magomedchan Arazilow 1979 3. EM in Bukarest Mittel mit Siegen über Günter Busarello, Österreich, Efraim Kamberow, Bulgarien u. Reşit Karabacak, Türkei und Niederlagen gegen Oleg Alexejew, UdSSR und István Kovács 1979 5. WM in San Diego Mittel mit einem Sieg über Alan Thompson, Australien und Niederlagen gegen John Peterson u. Magomedchan Arazilow 1980 12. EM in Prievidza Mittel nach Niederlagen gegen Vasile Tiganas, Rumänien und Günter Busarello
Deutsche Meisterschaften Jahr Platz Gewichts-klasse Ergebnis 1967 3. Welter hinter Otto Alt, Schifferstadt u. Peter Nettekoven, Dortmund 1969 2. Welter hinter Reinhard Zeiher, Brötzingen u. vor Günter Niedermaier, Hallbergmoos 1970 2. Welter hinter Reinhard Zeiher u. vor Günter Niedermaier 1971 1. Welter vor Wolfgang Engel, Baienfurt u. Fritz Sauer, Ladenburg 1972 1. Welter vor Reinhard Zeiher u. Konrad Schluttenhofer, Freising 1973 1. Welter vor Reinhard Zeiher u. Peter Schöffler, Freiburg im Breisgau 1974 1. Mittel vor Bernhard Dunke, Efferen u. Willibald Liebgott, Freiburg 1975 1. Mittel vor Hubert Krämer, Haslach u. Martin Dassler, Untertürkheim 1976 1. Mittel vor Willibald Liebgott u. Hubert Krämer 1977 1. Mittel vor Heribert Metz, Waldaschaff u. Detlef Englich, Witten 1978 1. Mittel vor Detlef Englich u. Karl-Heinz Fettel, Freiburg 1979 1. Mittel vor Willibald Liebgott u. Alexander Senn, Freiburg 1980 1. Mittel vor Hans-Joachim Klötzing, Witten u. Heribert Metz
Anm.: alle Wettbewerbe im freien Stil, OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaften, EM = Europameisterschaften, Weltergewicht, bis 74 kg, Mittelgewicht, bis 82 kg Körpergewicht
Zitate über Adolf Seger
Quellen Fachzeitschriften Athletik aus den Jahren 1965 bis 1975 und Der Ringer aus den Jahren 1976 bis 1980 Documentation of International Wrestling Championships der FILA, 1976 Hundert Jahre Ringen in Deutschland, Verlag Der Ringer, Niedernberg, 1991, Seiten 200, 228 u. 229 Munzinger Sportarchiv
Filme Fitness California, Dokumentarfilm von 2024
Weblinks
Adolf Seger: Veteranen-Weltmeister und Muskel-Mann (2000) Autogrammkarte von Adolf Seger
Einzelnachweise
Kategorie:Weltmeister (Ringen) Kategorie:Europameister (Ringen) Kategorie:Deutscher Meister (Ringen) Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1972 Kategorie:Träger des Silbernen Lorbeerblattes Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1976 Kategorie:Ringer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann