Grevesmühlen (niederdeutsch: Grevsmœhlen oder als Spottname Kreihnsdörp) ist eine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg im Land Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist eines der 18 Mittelzentren des Landes und Teil der Metropolregion Hamburg. Grevesmühlen ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft, die die Stadt Grevesmühlen mit dem Amt Grevesmühlen-Land bildet.

Geografie Etwa 15 Kilometer nördlich der Stadt befindet sich die Ostsee, ca. 40 Kilometer westlich liegt Lübeck, 20 Kilometer östlich die Hansestadt Wismar. Das Stadtgebiet schließt nördlich mit dem Waldgebiet Steinbrink und dem Santower See ab, westlich mit dem Ortsteil Grenzhausen und dem Börzower Wald, südlich mit der Anhöhe der Upahler Lehmberge und der Stepenitz, östlich mit den Ortsteilen Barendorf und Hoikendorf. Stadt und Ortsteile werden von diversen Waldgebieten sowie landwirtschaftlichen Nutzflächen umschlossen und sind in typischer mecklenburgischer Hügel- und Seenlandschaft gelegen. Der Vielbecker See und der Ploggensee befinden sich in unmittelbarer Nähe des historischen Stadtkerns. Der Santower See, der Everstorfer Wald und das Kalkflachmoor bei Degtow sind Naturschutzgebiete.

Umgeben wird Grevesmühlen von den Nachbargemeinden Damshagen und Warnow im Norden, Hohenkirchen im Nordosten, Gägelow im Osten, Upahl im Süden, Bernstorf im Südwesten sowie Stepenitztal im Westen.

Stadtgliederung Zu Grevesmühlen gehören folgende Ortsteile:

Geschichte Name Der ursprüngliche Name der Stadt von 1226/1230 Gnewesmulne (Mühle des Gnev) veränderte sich 1237 in Gnewismulne, 1272 in Gnewesmolen und 1362 in Greuesmolen (n wird zu r). Die altpolabische Silbe Gněv könnte dabei möglicherweise mit „Zorn“ übersetzt werden (vgl. Sorbisch hněw, gniw). Ergänzt wurde diese Silbe durch die mittelniederdeutsche Silbe Molne für Mühle.Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1. Bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war auch der Name Grevismühlen gebräuchlich. Auch in den Grevesmühlener Kirchenbüchern und dem Siegel der Nikolaikirche wird der Ort oft so geschrieben.

Archäologie Im heutigen Ortsteil Barendorf finden sich sieben Megalithanlagen, darunter das Ganggrab von Jamel, ansonsten vorwiegend restaurierte Urdolmen.Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen Megalithgräber. Deutscher Verlag der Wissenschaft, Berlin 1972.

Mittelalter Grevesmühlen ist eine der ältesten Städte Mecklenburgs. 1226 wurde Gnevesmulne und 1262 als oppidum (Stadt) erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf entstand bereits während der slawischen Siedlungsperiode. Deutsche Kolonisten bauten das slawische Dorf zur Stadt aus. Die Kirche wurde 1230 im Ratzeburger Zehntregister im Bistum Ratzeburg erwähnt. Neben der 1279 erwähnten Burg am Marktplatz und dem 1345 erstmals erwähnten Schloss, welches nach dem Großfeuer am 15. Juni 1659, das fast die gesamte Stadt zerstörte, nicht wieder aufgebaut wurde, besaß die Stadt ein Münzprägerecht von 1525 bis 1567. Grevesmühlen war eine Landstadt in Mecklenburg und bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.mini|Großsteingrab „Teufelsbackofen“ bei GrevesmühlenDie mittelalterliche Stadtbefestigungsanlagen (13. Jahrhundert) mit Mauer, Wiekhäusern, drei Stadttoren (Wassertor und die Doppeltore Wismarsches und Lübsches Tor, 18.–19. Jahrhundert), Außengraben und Wall wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen, sind jedoch am Stadtgrundriss noch ablesbar. Die Burg und die große Stadtbefestigung sind Beleg für die Bedeutung der Stadt in dieser Zeit.

16. bis 20. Jahrhundert Die Stadtbrände von 1725 und 1756 sowie der Siebenjährige Krieg ließen erste Stadterweiterungen erst um 1800 zu. Es entstanden 1850 eine Ziegelei, 1878 die Malzfabrik (seit ihrer Sanierung 2004 ein Standort der Landkreisverwaltung), 1890 eine Molkerei sowie 1898 ein Sägewerk. 1877 legten die in der Stadt ansässigen Juden am Vielbecker Weg einen Friedhof an, der in den 1930er Jahren nicht mehr genutzt wurde, nachdem auch als letzte jüdische Familie die des Textilkaufmanns Max Salomon emigrieren musste.

Neuere Geschichte mini|St. Nikolai, Kirchplatz Am 1. Juli 1950 wurden die Gemeinden Questin und Santow eingegliedert. Von etwa 1965 bis 1975 entstand die Wohnsiedlung Ploggenseering mit rund 600 Wohnungen, deren Modernisierung seit 2021 im Rahmen der Städtebauförderung erfolgte. In den 1970er-Jahren sollte die gesamte Innenstadt durch Neubauten ersetzt werden. Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit seinem Rathaus im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Von 1952 bis 1994 war Grevesmühlen Kreisstadt des Landkreises Grevesmühlen. 1994 entstand durch eine Kreisgebietsreform der Landkreis Nordwestmecklenburg mit Grevesmühlen als Kreisstadt. Grevesmühlen verlor im Zuge der Kreisgebietsreform am 4. September 2011 den Kreissitz an die zuvor kreisfreie Stadt Wismar, blieb aber weiterhin Sitz des überwiegenden Teils der Kreisverwaltung. mini|MalzfabrikZwischen 2015 und 2021 wurde das historische und denkmalgeschützte Areal des Bahnhofsgeländes umfassend neu geordnet. Auf dem Gelände des Güterbahnhofs entstand 2016 ein Nahversorgungszentrum, das Bahnhofsempfangsgebäude wurde 2017 zu einem öffentlichen Kultur-, Sozial- und Jugendzentrum umgebaut und das Bahnhofsumfeld 2021 neu gestaltet.

Zwischen 2019 und 2024 war Grevesmühlen mit 13 anderen Städten in dem Förderprojekt Smart Cities made in Germany. Daraus entstand auch das Projekt Digitale Stadt Grevesmühlen GmbH. Der Stadtteil Ploggenseering wurde 2020 in das Programm Soziale Stadt der Städtebauförderung aufgenommen.Seit 2022 entsteht am Ploggenseering der Schulcampus Grevesmühlen. Der Bau einer Regionalschule wurde 2024 abgeschlossen, 2025 folgte dann eine Schule für individuelle Lebensbewältigung in Trägerschaft der Diakonie Nord Nord Ost. Es folgen ein Zentralgebäude sowie eine Grundschule, beide Objekte befinden sich aktuell im Bau.

2023 wurde im Bereich der Sandstraße ein ca. 2 ha großer Bikepark mit einer dirtline und zwei pumptracks gebaut.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1648 874 1800 950 1820 2.000 1870 4.100 1930 4.800 1939 6.199 Jahr Einwohner 1950 10.518 1964 10.755 1971 11.353 1981 11.946 Jahr Einwohner 1990 11.487 1995 10.976 2000 11.080 2005 11.015 2010 10.654 2015 10.496 Jahr Einwohner 2020 10.439 2021 10.440 2022 10.390 2023 10.252 2024 10.167

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Grevesmühlen besteht aus 25 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,9 % zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2009 Sitze2009 Stimmenanteil2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019Ergebnis der Wahl der Stadtvertretung am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 32,8 % 8 36,8 % 9 34,5 % 8 38,0 % 9 AfD – – – – – – 22,6 % 3 SPD 31,9 % 8 28,7 % 7 30,6 % 8 19,9 % 5 Die Linke 21,2 % 5 18,2 % 5 21,1 % 5 14,3 % 4 grevesmühlen.jetzt 11,7 % 3 12,3 % 3 10,9 % 3 4,1 % 1 FDP 2,4 % 1 0,8 % – 3,0 % 1 1,2 % – NPD – – 3,1 % 1 – – – – Insgesamt 100 % 25 100 % 25 100 % 25 100 % 22

Die Wählergemeinschaft Grevesmühlen benannte sich im Laufe der Wahlperiode 2014–2019 in „grevesmühlen.jetzt“ um und trat 2019 erstmals unter diesem Namen bei der Kommunalwahl an.

Die Liste der AfD bestand bei der Kommunalwahl 2024 nur aus drei Personen, sodass weitere drei Plätze, auf deren Besetzung Anspruch bestanden hätte, in dieser Wahlperiode unbesetzt blieben.

Bürgermeister (Quelle:) 1899–1906: Otto Melz 1907–1931: Philipp von Leitner 1931–1937: Jürgen Berlin 1937–1940: Harald König 1940–1945: Stadtrat Max Prasse in Vertretung des eingezogenen Bürgermeister König 1945: Hugo Griem 1945: Heinrich Sauer 1945: Wilhelm Garbsch 1947–1949: Erich Bachmann 1949–1951: Heinrich Sauer 1951–1955: Walter Busch 1955–1958: Kurt Krüger 1958–1962: Joachim Sildatke 1962–1975: Arno Siefert 1975–1982: Klaus Wienck 1982–1990: Bernd Völker 1990–1994: Roland Anderko (CDU) 1994–2001: Axel Ulrich (SPD) 2001–2016: Jürgen Ditz (parteilos) seit 2016: Lars Prahler (parteilos)

Prahler wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 18. September 2016 mit 50,4 % der gültigen Stimmen gewähltLars Prahler gewinnt Bürgermeister-Wahl. In: Schweriner Volkszeitung, 18. September 2016. und am 9. Juni 2024 mit 68,7 % in seinem Amt im 1. Wahlgang bestätigt. Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.

Wappen

Historisches Stadtwappen

Flagge links|hochkant|mini|20px Flagge der Stadt Grevesmühlen Die Flagge wurde von dem Schweriner Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch gestaltet und am 5. Juni 2014 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge ist Rot – Gelb – Rot (1:1:1) längs gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, jeweils die Hälfte der Höhe der roten Streifen übergreifend, das gelb gesäumte Stadtwappen. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.Hauptsatzung § 2 (PDF; 0,3 MB).

Dienstsiegel Die Stadt Grevesmühlen führt ihr Wappen auf einem großen Dienstsiegel im Durchmesser von 3,5 cm mit der Umschrift und auf einem kleinen Dienstsiegel im Durchmesser von 2,0 cm mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Seit 1992 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Ahrensbök in Schleswig-Holstein, seit 2004 mit der schwedischen Gemeinde Laxå. 2014 wurde mit der ungarischen Stadt Nagymaros ein Partnervertrag unterzeichnet. Im Jahr 2025 hat die Stadtvertretung Grevesmühlen den Abschluss einer Städtepartnerschaft mit der Stadt Itschnja/Ukraine beschlossen. mini|hochkant|St.-Nikolai-Kirche

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Markt mit Gasthof und Markt-Apotheke mini|Kaiserliches Postamt mini|Grevesmühlener Mühle mini|Gedenkstätte für 407 Tote des Untergangs der Cap Arcona mini|Piraten-Open-Air mini|Stadtfest Grevesmühlen

Bauwerke

Frühgotische Stadtkirche St. Nikolai aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, dreischiffige Hallenkirche in Backstein mit begehbaren Turm Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie die Markt-Apotheke (um 1800), das „Älteste Haus“ in der Großen Seestraße 1 (1660), Wohnhäuser August-Bebel-Straße 21, Große Alleestraße 10, sowie in der Hinterstraße und Schulstraße Gründerzeitgebäude: Kaiserliches Postamt in der August-Bebel-Straße, Speicher im Mönchhof (Ende 19. Jahrhunderts), Schule in der Kleinen Alleestraße (1899), Gebäude der ehemaligen Malzfabrik (1893–1898) Ehemaliges Amtshaus am Standort des früheren Schlosses, ursprünglich 1786 bis 1790 ein „fürstliches Haus“, 1821 bis 1928 Amtshaus, 1928 bis 1952 Rathaus, 1952–1995 Polizeihaus, 1965 Abriss und Wiederaufbau, 1995 bis 1997 Totalsanierung, heute Sitz der Stadtverwaltung und Bibliothek Jetziger Sitz der ARGE Nordwestmecklenburg, Goethestraße 1, erstellt 1921 nach Plänen von Karl Krämer; früher Domanialamt, dann Finanzamt, dann Polizeihaus, dann Kommandantur der Roten Armee und bis 1994 umfassend modernisiert Museums- und Vereinshaus am Kirchplatz, erhielt aufgrund der gelungenen Kombination von Alt- und Neubauten 2006 den Sonderpreis Stadtumbau des Landes im Rahmen des Landesbaupreises. Das neugotische Gebäude wurde am 9. Juli 1855 eingeweiht und enthielt vier Klassenräume sowie eine Rektorenwohnung. Bahnhofsempfangsgebäude, errichtet 1873, 2017 umfassend modernisiert Katholische Niels-Stensen-Kirche, 1989/91 entstanden Grevesmühlener Windmühle von 1878, Wahrzeichen der Stadt, heute als Wohnung genutzt Wasserturm, erbaut 1911, diente bis 1967 der zentralen Wasserversorgung der Stadt. Zurzeit wird er als Mobilfunkstation genutzt.

Denkmale und Skulpturen Mittelalterlicher Denkstein des Ludeke Mozellenburch, eine sogenannte Mordwange Skulpturen Der Rufer, Lukullischer Traum, Kreihnsdörp, Elefant