Schönberg ist eine Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Schönberger Land, dem neben den Städten Schönberg und Dassow sechs weitere Gemeinden angehören. Schönberg ist ein Grundzentrum für seine Umgebung.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 Die Stadt war historisch die Hauptstadt des zu Mecklenburg-Strelitz gehörigen Fürstentums Ratzeburg.

Geografie mini|Oberteich mini|Blick über den Oberteich auf die St.-Laurentius-Kirche Geografische Lage Schönberg liegt etwa 15 Kilometer östlich von Lübeck am Fluss Maurine. Das hügelige Gebiet östlich und westlich des Maurinetals erreicht Höhen bis 83 m ü. NHN (Bockholzberg). Stehende Gewässer im Ortsbereich sind der in der Stadt gelegene Oberteich mit einer Größe von elf Hektar, die Rupensdorfer Teiche und der Schilfteich.

Die Gemeinde ist Teil der Metropolregion Hamburg und liegt im Einzugsbereich der Großstadt Lübeck.

Stadtgliederung Bis 1937 bestand Schönberg aus drei rechtlich selbstständigen Gemeinden: der Stadt Schönberg, deren Gebiet vom Ratzeburger Ende bis zum Kalten Damm reichte der Gemeinde Amtsgebiet Schönberg um die Amtsstraße (zwischenzeitlich Straße des Friedens) und die Lübecker Straße mit den Verwaltungsgebäuden der Gemeinde Bauhof Schönberg, der Domäne Bauhof an der Dassower Straße, dem ehemaligen bischöflichen Tafelgut, deren Pächter gleichzeitig Gemeindevorsteher war.Heidemarie Frimodig: Schönberg im Ratzeburger Land: ein Lesebuch. Books on Demand, 2003, ISBN 978-3-8311-4928-5, S. 15 f.

Zu Schönberg gehören heute folgende Ortsteile:§ 1 der Hauptsatzung der Stadt Schönberg (PDF; 296 kB)

Nachbargemeinden In Uhrzeigerrichtung, beginnend im Norden, grenzen folgende Städte und Gemeinden an Schönberg: Dassow, Stepenitztal, Menzendorf, Roduchelstorf, Siemz-Niendorf, Lüdersdorf und Selmsdorf.

Geschichte Vom 13. Jahrhundert bis heute mini|Fürstentum Ratzeburg mit dem Hauptort Schönberg, westliche Exklave des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz (Karte: 1866–1934) Schönberg wurde 1219 als Sconenberge erstmals urkundlich erwähnt.MUB I, Nr. 250 books.google.de Es wurde Anfang des 14. Jahrhunderts unter Bischof Markward von Jesowe Residenz der Bischöfe von Ratzeburg. Das Hochstift Ratzeburg, allgemein Land Boitin genannt, fiel nach dem Dreißigjährigen Krieg als Fürstentum Ratzeburg an Mecklenburg und gehörte ab 1701 zum Herzogtum Mecklenburg-Strelitz.

Die Ortsteile Malzow (als Malsowe) und Rupensdorf (als Rubenestorp) wurden bereits 1194 im Isfriedschen Teilungsvertrag erstmals urkundlich erwähnt.

Während der Befreiungskriege wurde Schönberg am 4. September 1813 Schauplatz eines Scharmützels zwischen den sich zurückziehenden französischen Truppen unter François Antoine Lallemand und Soldaten der Hanseatischen Legion unter dem Major Friedrich Wilhelm Ludwig von Arnim-Suckow, der am folgenden Tag bei Wesloe fiel. In dessen Verlauf zerstörten die französischen Truppen die Brücke über die Maurine und setzten die Häuser an der Straße, die zur Brücke führte, in Brand. 21 Häuser wurden dabei zerstört.Christian Ludwig Enoch Zander: Geschichte des Kriegs an der Nieder-Elbe im Jahre 1813: mit 7 Plänen. Lüneburg: Herold & Wahlstab 1839 (Digitalisat), S. 195f.

1822 erhielt Schönberg als Hauptort und Verwaltungssitz der Exklave das Stadtrecht. Verwaltungsbehörde war die Landvogtei für das Fürstentum Ratzeburg, Eingangsgericht das Justizamt der Landvogtei für das Fürstentum Ratzeburg. 1879 entstand das Amtsgericht Schönberg. Nach der Reichseinigung von 1871 stand Schönberg im wirtschaftlichen Schatten des benachbarten Lübeck.

1821 wurde zunächst eine Holländerwindmühle, 1848 unmittelbar daneben an der Maurine, die heute noch als Wohngebäude genutzte Friedrich-Wilhelm-Mühle erbaut. 1907 wurde die Windmühle in den Nachbarort Selmsdorf umgesetzt und brannte dort am 13. März 1922 ab.Wassermühle Schönberg auf zwillingswindmuehlen.de 1905 kaufte Anton Oltmann aus der holsteinisch-mecklenburgischen Müllerfamilie Oltmann beide Mühlen. 1908 baute Oltmann in der Wassermühle eine 56 PS-Turbine ein, 1921 einen Walzenstuhl. Beides wurde von der Mühlenbauanstalt Amme, Giesecke & Konegen geliefert.Amme, Giesecke & Konegen, Aktiengesellschaft: Zeitgemäße Getreidemühlen: Neubauten, Umbauten, Vergrößerungen. Braunschweig 1925, S. 28 Die Wassermühle blieb bis 1945 im Besitz der Familie. Ab 1945 wurde die Mühle treuhänderisch verwaltet, 1952 wurde der Müller Hans Oltmann, wie viele andere Müller, enteignet und die Mühle in das „Eigentum des Volkes“ überführt. Die Mühle war noch bis 1992 in Betrieb.Eckart Redersborg: Mühlen und Müller der Müllerinnung Grevesmühlen. Zaltbommel/Niederlande: Europäische Bibliothek, 1994. Nr. 47 und 48

1934 wurden die Ämter Grevesmühlen und Schönberg im Zuge der Wiedervereinigung der beiden Mecklenburgs zum Landkreis Schönberg zusammengelegt, Sitz der Kreisverwaltung war Schönberg.

Die Kreisverwaltung wurde 1949 in das 20 Kilometer östlich gelegene Grevesmühlen verlegt.

Durch die Lage an der innerdeutschen Grenze wurde die Stadt hart getroffen und erholt sich seit der Wiedervereinigung langsam. Der Altstadtkern wurde ab 1994 mit Hilfe der Städtebauförderung gründlich saniert.

Im August 2018 geriet Schönberg bundesweit in die Schlagzeilen, weil Unbekannte zweimal Hakenkreuze an eine Stelle im Ort gemalt hatten, an der zuvor ein syrisches Kind bei einem Unfall ums Leben gekommen war.

Von 1952 bis 1994 gehörte Schönberg zum Kreis Grevesmühlen (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1994 liegt die Stadt im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Eingemeindungen Am 1. April 1937 wurde die Gemeinde Amtsgebiet Schönberg und am 1. April 1938 die Gemeinde Bauhof Schönberg in Schönberg eingemeindet., abgerufen am 24. März 2016 Am 1. Juli 1950 wurden die Gemeinden Groß Bünsdorf, Klein Bünsdorf, Kleinfeld und Rupensdorf sowie am 1. Januar 1951 Petersberg eingegliedert. Am 1. Januar 2019 wurde die Gemeinde Lockwisch in die Stadt Schönberg eingemeindet. Lockwisch wurde bis dahin vom Amt Schönberger Land mit Sitz in der Stadt Schönberg verwaltet.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4655 1995 4357 2000 4462 2005 4462 2010 4335 2015 4347 Jahr Einwohner 2020 4699 2021 4676 2022 4444 2023 4408 2024 4321

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik mini|Schönberger Rathaus in Fachwerkbauweise (Markt 15)

Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Schönberg besteht aus 16 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 SPD 19,9 % 4 44,6 % 7 Kommunale Wählergemeinschaft Schönberg (KWG) 46,7 % 8 37,8 % 6 CDU 16,7 % 3 16,8 % 3 Einzelbewerber Egbert Lippold – – 0,8 % – Die Linke 12,7 % 2 – – Einzelbewerber Rainer Jörke 2,9 % 1 – – Einzelbewerber Burkhard Golla 1,1 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 16

Bürgermeister 1873–1914: Ludwig BickerSchornsteinsprengung endgültig abgesagt. In: Ostsee-Zeitung, 29. Mai 2019. 1914–1920: Karl Koch 1926–1933: Karl Koch 2004–2009: Michael Heinze (Die Linke) 2009–2011: Lutz Götze (Die Linke) 2011–2014: Michael Heinze (Die Linke) 2014–2019: Lutz Götze (SPD) 2019–2024: Stephan Korn (Kommunale Wählergemeinschaft Schönberg) seit 2024: Lutz Götze (SPD)

Nach der Kommunalwahl 2004 war Michael Heinze (Die Linke) Bürgermeister der Stadt. Mit über 72 % der abgegebenen Stimmen wurde er bei den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 wiedergewählt. Als danach bekannt geworden war, dass Heinze bis 1989 neben seiner früheren Funktion als Kommandeur der Grenztruppen der DDR auch Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit war,Der Stasi-Bürgermeister. 3sat, 13. August 2009 wurde er am 14. Juli 2009 vom Stadtrat (Mehrheitsentscheidung) seines Amtes enthoben. Die genannten Vorgänge wurden ab August 2009 vom Innenministerium des Landes überprüft. In: Ostsee-Zeitung, 7. August 2008 Am 12. November 2009 wurde Lutz Götze (Die Linke) zum stellvertretenden und damit amtierenden Bürgermeister gewählt. Das Schweriner Verwaltungsgericht entschied dann am 9. Juni 2011, dass die Bürgermeisterwahl 2009 gültig war. Heinze konnte also in sein Amt zurückkehren.Michael Heinze zurück im Amt. svz.de, 10. Juni 2011

Die Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 gewann Lutz Götze (SPD) mit 53,8 % der Wählerstimmen.Götze neuer Bürgermeister in Schönberg. In: Ostsee-Zeitung, 26. Mai 2014 Am 26. Mai 2019 wurde er durch Stephan Korn (Kommunale Wählergemeinschaft Schönberg) mit 63,1 % der gültigen Stimmen abgelöst.Kantersieg für Korn und KWG. In: Ostsee-Zeitung, 27. Mai 2019.

Seit 2024 ist wieder Lutz Götze Bürgermeister der Stadt Schönberg. Er wurde am 9. Juni 2024 mit 54,5 % der gültigen Stimmen gewählt.Amtliches Endergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024. In: ndr.de, 10. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)

Wappen

Historisches Wappen

Flagge Die Flagge wurde von dem Weimarer Heraldiker Michael Zapfe gestaltet und am 22. Oktober 1997 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge ist gleichmäßig längs gestreift von Blau, Gelb und Rot. In der Mitte des gelben Streifens liegt, auf jeweils ein Viertel der Höhe des blauen und des roten Streifens übergreifend, ein roter Schild mit einem schwebenden weißen Hochkreuz, das von einer gelben Fürstenkrone überhöht wird. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 3:2.Hauptsatzung § 2 (PDF).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT SCHÖNBERG • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.

Städtepartnerschaften Ratzeburg in Schleswig-Holstein, seit dem 3. Oktober 2005 Färgelanda im Västra Götalands län.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke und Denkmäler mini|hochkant|Stadtkirche St. Laurentius Altstadt Rathaus, zweigeschossiges Fachwerkgiebelhaus unter einem Krüppelwalmdach, etwa 1800 errichtet. Zum Rathaus wurde es 1925 und dabei im Inneren stark verändert. Das Stadtwappen über dem Eingang wurde 1922 in Sgraffito-Technik ausgeführt.Gerd Baier, Horst Ende, Brigitte Oltmans, Gesamtredaktion Heinrich Trost Die Bau- und Kunstdenkmale in der mecklenburgischen Küstenregion mit den Städten Rostock und Wismar Henschel Verlag GmbH, Berlin 1990, ISBN 3-362-00523-3, Seite 69 St.-Laurentius-Kirche mit der historischen Winzer-Orgel von 1847, die bis heute als größte noch vorhandene Orgel Winzers fast vollständig original erhalten ist Lutherdenkmal an der St.-Laurentius-Kirche Spätgotische Mordwange (Sühnestein), ebenfalls an der Kirche Volkskundemuseum, dokumentiert die kulturelle Eigenständigkeit der Stadt im ehemaligen Fürstentum Ratzeburg Freilichtanlage des Bechelsdorfer Schulzenhauses von 1525 Denkmal von 1951 im Stadtpark für die Opfer des Faschismus Büste von Rudolf Hartmann (kommunistischer Landtagsabgeordneter und Heimatdichter, der 1945 im KZ Mauthausen ermordet wurde) vom Bildhauer Hans-Peter Jaeger aus dem Jahre 1985. Das Kunstwerk wurde geschändet und beschädigt, es befindet sich seit 1990 im Heimatmuseum.

Regelmäßige Veranstaltungen Schönberger Musiksommer, seit 1987 jährlich in der St.-Laurentius-Kirche

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Neben mittelständischen Unternehmen der Möbelproduktion (Fa. Palmberg) und der IT-Branche sowie dem Hersteller von Aerosol-Ventiltechnik (LINDAL Group) gibt es zahlreiche kleinere Handwerksunternehmen.

Verkehr mini|Bahnhof Schönberg (Meckl)