mini|Kirche St. Peter und Paul

Gerhardshofen ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern).

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im unteren Aischgrund.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Dachsbach, Weisendorf, Oberreichenbach, Emskirchen, Diespeck und Gutenstetten.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 14 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Aichen, Burgstall, Sengersberg und Wiesenmühle sind Wüstungen auf dem Gemeindegebiet von Gerhardshofen und Ziegelhütte gehört heute zum Gemeindeteil Willmersbach.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Birnbaum, Gerhardshofen, Göttelhöf, Kästel und Willmersbach. Die Gemarkung Gerhardshofen hat eine Fläche von 11,735 km². Sie ist in 1692 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6935,37 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eckenhof, Forst, Kleehof, Rappoldshofen und Vahlenmühle.

Geschichte Der Ort entstand wohl während der fränkischen Besiedlung des 9. Jahrhunderts, als zur Waldrodung Forststationen eingerichtet wurdenMax Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 18 f. und ist somit eine karolingische Gründung. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag Gerhardshofen im Herzogtum Franken.

Im Jahre 1235 wurde der Ort als „Gerharteshouen“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname enthält den Personennamen Gerhard, der als Gründer des Ortes angesehen werden kann.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 81. In zwei weiteren Urkunden wurde ein Heinrich Neze von Gerhardshofen des Nürnberger Burggrafen genannt.

Die Herren von Seckendorff erhielten vom Würzburger Bischof Andreas von Gundelfingen einen halben Zehnt im Ort.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 96. Im Jahr 1300 verkaufte Arnold von Seckendorff das Gefälle von der Schmiede in Gerhardshofen dem Kloster Heilsbronn.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 328. Derselbe ließ 1304 den Schmied Conrad Stahel sich freikaufen. 1317/22 hatten die Seckendorffer den Zehnten von drei Äckern und einer Wiese. Im burggräflichen Urbar von 1361/64 ist verzeichnet, dass das burggräfliche Amt Dachsbach die Fraisch über „Gerotshouen“ hatte. In der Folge gehörte das Amt Dachsbach zum Markgrafschaft Bayreuth. Im Salbuch von 1434 ist verzeichnet, dass der halbe Zehnt und der kleine Zehnt in Gerhardshofen dem Amt Dachsbach gehörten.

Im Ersten Markgrafenkrieg (1449–1450) raubten die Nürnberger 118 Kühe und 17 Ackerpferde aus Gerhardshofen und Dachsbach.

Im Jahre 1458 gab es in „Geraltzhoffen“ einen Gerichtssitz. Um 1500 waren neben den Markgrafen die Herren von Lüchau von Brunn, die Herren von Auracher von Birnbaum, die Reichsstadt Nürnberg und das Kloster Birkenfeld begütert.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 97. 1535 gehörten die bestehenden 53 Güter zum Rittergut Brunn, zu den markgräflichen Ämtern Dachsbach und Neustadt an der Aisch sowie den Klosterämtern Birkenfeld und Münchsteinach. Im Dreißigjährigen Krieg wurden fast alle Häuser zerstört, auch die Kirche brannte aus. Im Herbst 1631 wurde Gerhardshofen geplündert.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 237. 1697 gab es bereits wieder 44 Höfe, deren Zahl bis 1792 auf 57 anstieg. Dazu hatten die protestantische Glaubensvertriebenen aus Österreich beigetragen, die sich nach 1648 hier niederließen und in ihrer neuen Heimat maßgeblich zum Wiederaufbau beitrugen.Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Neustadt an der Aisch. Nürnberg 2012 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 27), passim. ISBN 978-3-929865-32-5 mini|Ehemalige Trasse der Nebenbahn Demantsfürth-Neustadt an der Aisch in Gerhardshofen; heute ein Rad- und Wirtschaftsweg Zwar gehörte der Ort zum Hochgericht Dachsbach, doch die Herrschaft Brunn übte dieses Recht auf ihren Gütern selbst aus.

Eine Kirche wurde wahrscheinlich bereits um 1450 zerstört, die Grundsteinlegung für einen Neubau erfolgte 1471, eingeweiht wurde der Neubau 1481. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gerhardshofen 1632 geplündert und gebrandschatzt.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933, S. 243. Die großen Bauschäden des Dreißigjährigen Krieges waren erst Ende des 17. Jahrhunderts wieder behoben. Fast einem Neubau gleich kam eine Renovierung 1795 im Stil des Markgräflichen Barocks. Heute stellt das Gotteshaus nach einer erneuten Renovierung ein Schmuckstück im Aischgrund dar.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Gerhardshofen 57 Anwesen. Das Hochgericht übte teils das brandenburg-bayreuthische Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach aus, teils die Herrschaft Brunn. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte die Herrschaft Brunn inne. Grundherren waren das Fürstentum Bayreuth (31 Anwesen; Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach: 1 Brau- und Schenkstatt, 1 Schenkstatt, 5 Güter, 1 Sölde, 1 Schmiede, 1 Freihaus; Klosteramt Birkenfeld: 1 Wirtshaus, 1 Gütlein, 4 Halbgütlein, 1 Haus; Klosteramt Münchsteinach: 1 Hof, 3 Güter, 3 Sölden; Kastenamt Neustadt an der Aisch: 4 Tropfgütlein; Verwaltung Birnbaum: 2 Gütlein), die Pfarrei Gerhardshofen (5 Güter) und die Herrschaft Brunn (18 Häuser, 3 Handwerkerhäuser).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 97.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Dachsbach und Kammeramt Neustadt. 1810 kam Gerhardshofen an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Gerhardshofen 1811 dem Steuerdistrikt Dachsbach zugeordnet. Im Jahre 1813 entstand die Ruralgemeinde Gerhardshofen, zu der Forst und Vahlenmühle gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Eckenhof von der Ruralgemeinde Pahres nach Gerhardshofen umgemeindet und Kleehof von der Ruralgemeinde Birnbaum.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 221. Die Ruralgemeinde Gerhardshofen war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1919 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt, seit 1972 Finanzamt Uffenheim).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 185. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden jedoch 21 Anwesen dem Patrimonialgericht Brunn. Ab 1862 gehörte Gerhardshofen zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Neustadt an der Aisch (1879 in Amtsgericht Neustadt an der Aisch umbenannt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 9,918 km².

Von 1904 bis 1976 war Gerhardshofen ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Neustadt (Aisch)–Demantsfürth-Uehlfeld.

Exemplarisch für den Widerstand gegen das Erstarken der Ideologie der NSDAP im Raum Gerhardshofen/Dachsbach war der sozialdemokratische Lehrer Oechslein, der in Dachsbach eine öffentliche Versammlung des Republikanischen Reichsbundes organisiert hatte.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken. Das völkische Erwachen in Neustadt a. d. Aisch 1922–1933. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Hrsg. vom Geschichts- und Heimatverein Neustadt a. d. Aisch e. V., Sonderband 4), 3., erweiterte Auflage ebenda 2016, ISBN 978-3-87707-990-4, S. 141–143.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1971 die Gemeinden Birnbaum, Göttelhöf, Kästel und Willmersbach eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kamen Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Reinhardshofen hinzu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1407 auf 2483 um 1076 Einwohner bzw. um 76,5 % – der zweithöchste prozentuale Zuwachs einer Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim im genannten Zeitraum nach Hagenbüchach.

Gemeinde Gerhardshofen nach der Gebietsreform Jahr 1987 2007 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Einwohner 1389 2055 2563 2539 2507 2497 2499 2516 2529 2508 2479 2483HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 404 765 772 772 781Quelle

Gemeinde Gerhardshofen vor der Gebietsreform Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970Einwohner 473 569 520 490 505 491 481 477 503 467 459 425 441 409 414 402 375 336 494 484 428 413Häuser 98 99 86 91 92 89 86 86 92 Quelle Für die Gemeinde Gerhardshofen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Eckenhof (S. 20), Forst (S. 26), Kleehof (S. 48) und Vahlenmühle (S. 97).

Ort Gerhardshofen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2016 2020Einwohner 342 417 379 355 365 318 291 343 328 313 416 1169 1201Häuser 69 73 69 68 67 66 73 134 Quelle auf der Website gerhardshofen.de auf der Website gerhardshofen.de

Politik Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Uehlfeld.

Gemeinderat Die Kommunalwahl 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat:

Sitzverteilung der Parteien JahrWahlbeteiligungCSUFreie WählerWahrheit und GerechtigkeitAktiv in die ZukunftAltes bewahren-Zukunft gestaltenMitbestimmen-MitgestaltenBürgerlisteJungwählerBürgerforum20084 -321121 -201466,13 %3 -2211211202064,96 %532211 - - -

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Reinhard Seefried. Er wurde am 8. März 2026 mit 73,7 % der Stimmen gewählt.

Wappen

Eine Gemeindeflagge gibt es nicht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Männergesangverein Eintracht Gerhardshofen Jugendband Evangelica Jugendband Hangman

Bau- und Bodendenkmäler

Regelmäßige Veranstaltungen Kirchweih in Gerhardshofen jeweils am vorletzten Sonntag im August Alle zwei Jahre findet das Dorffest statt. Seit 2017 findet am Pfingstwochenende das Weinfest der Freiwilligen Feuerwehr statt.

Verkehr Die Bundesstraße 470 verläuft nach Diespeck (6,5 km südwestlich) bzw. nach Dachsbach (1,4 km nordöstlich). Die Staatsstraße 2259 verläuft nach Birnbaum (2 km östlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Eckenhof (0,8 km westlich) und nach Willmersbach (2,5 km südöstlich).

Die Gemeinde gehört zum Tarifgebiet des VGN.

Literatur

Weblinks

Gemeinde Gerhardshofen

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ersterwähnung 1235 Kategorie:Ort an der Aisch Kategorie:Gemeindegründung 1813

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim