Mauer Wappen Karte 140px|Wappen von Mauer 280px Mauer (1894–1938: Mauer bei Wien) ist eine ehemals selbstständige Ortschaft, heute Teil des 23. Wiener Gemeindebezirks Liesing und eine der 89 Wiener Katastralgemeinden.

Geografie mini|Pfarrkirche Mauer am Maurer Hauptplatz mini|Katastralgemeinde Mauer im Wiener Bezirk Liesing mini|Das Gebiet der heutigen Katastralgemeinde Mauer auf einer Karte von 1872 Die heutige Katastralgemeinde Mauer nimmt eine Fläche von 639,57 Hektar ein und ist damit der nach Inzersdorf zweitgrößte Liesinger Bezirksteil.

Der Heurigen- und Villenort liegt am Rand des Wienerwalds und gehört zu den teureren Wohngegenden Wiens. Die Katastralgemeinde Mauer grenzt im Norden an die Hietzinger Katastralgemeinden Auhof (siehe Lainzer Tiergarten und Siedlung im ehemaligen Lainzer Tiergarten) und Rosenberg (im Hietzinger Bezirksteil Speising), im Osten an den Liesinger Bezirksteil Atzgersdorf, im Süden an den Bezirksteil Liesing und im Westen an den Liesinger Bezirksteil Kalksburg.

Im unverbauten Westen Mauers befindet sich mit dem auch als Gemeindewald bezeichneten und nördlich an den Lainzer Tiergarten grenzenden Maurer Wald ein Teil des Wienerwalds. Hier liegen der Wilde Berg () und die Antonshöhe (), die beiden höchsten Erhebungen des Bezirksteils.

Östlich des Maurer Waldes schließen sich am Kroißberg () und Kadoltsberg mit den Rieden Leiten und Rotdürren Weinberge an. Südlich davon liegt auch der Georgenberg () mit der Wotrubakirche und dem Freilichtplanetarium Sterngarten, beide vom Ort aus gesehen im Vorfeld des Maurer Waldes. An der Rodauner Straße, Verbindung zu diesem Bezirksteil, scheint die besiedelte Höhe 280 (vom Georgenberg talwärts) auf dem Stadtplan als Maurer Berg auf.

Der Osten des Bezirksteils, jenseits des Maurer Hauptplatzes, besteht aus drei besiedelten Hügeln, die durch Täler voneinander getrennt und durch die Aquädukte Mauer und Speising der Ersten Wiener Hochquellenwasserleitung verbunden sind. Es sind dies – von Norden nach Süden – der Südhang des Rosenhügels (), der Steinberg () und der Sauberg (). Der gegen die Speisinger Straße hin gelegene Teil des Steinbergs mit dem Friedhof Mauer wird als Reiterberg bezeichnet ().

Der bereits in den Bezirksteilen Liesing und Rodaun gelegene südliche Teil des Saubergs fällt in das Tal des Liesingbachs ab. Am Ostrand des Maurer Walds entspringen der Asenbauergraben, der Knotzenbach bei der Minichlacke und der Lindgrabenbach, die, in Bachkanäle eingeleitet, durch das besiedelte Ortsgebiet Richtung Liesingbach fließen. Unweit des Pappelteichs im Süden des Maurer Walds hat der Kalksburger Graben seinen Ursprung, der weiter Richtung Süden durch Kalksburg verläuft.

Das Gebiet von Mauer gehört großteils zur geologischen Stufe des Sarmatiums. Südlich des Maurer Hauptplatzes wird ein kleines Gebiet zum Badenium gezählt. Der zum Gütenbachtal abfallende Teil des Maurer Walds wird zur südlichen Flyschzone gerechnet. Die geologischen Untersuchungen beim Bau eines Wasserspeichers im Lainzer Tiergarten bei Mauer lieferten eingehenden Aufschluss über die Gesteine, auf denen sich das ehemalige Gemeindegebiet befindet, es wurden auch Hinweise auf die Tätigkeit eines kleinen Vulkans gefunden.Josef Stiny, Friedrich Trauth: Der Baugrund des neuen Wasserbehälters im Lainzer Tiergarten. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 88, Wien 1938, S. 35–48 (PDF). Auch an anderen Stellen in Mauer und Umgebung wurden vulkanische Gesteine (Pikrite, Tuffe) beobachtet. An den Gesteinen wurden Bohrlöcher von Meermuscheln beobachtet.Ein erloschener Vulkan vor den Toren Wiens. In: Tageszeitung Reichspost, Wien, Nr. 307, 7. November 1937, S. 9. Die Aktivität der Vulkane fand schätzungsweise vor ungefähr 12 Millionen Jahren statt und wäre somit in das Miozän einzuordnen.Heinrich Küpper: Zur Kenntnis des Alpenabbruches am Westrand des Wiener Beckens. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. 94. Band, Teil 1, Wien 1951, S. 41–92 (geologie.ac.at [PDF]).

Geschichte In der Jungsteinzeit befand sich auf der Antonshöhe in Mauer ein 1929 entdecktes Hornsteinbergwerk. Der abgebaute rotpatinierende Radiolarit ist zur Herstellung von Feuersteingeräten gut geeignet. Das älteste österreichische Industriedenkmal wird anhand der Funde auf etwa 4000 v. Chr. (jüngere Bemaltkeramische Kultur/Lengyel-Kultur) datiert.

An der östlichen Grenze von Mauer zu Atzgersdorf verläuft auf der Höhe der Straßen Rudolf-Zeller-Gasse – Ruzickagasse – Tullnertalgasse unterirdisch die Trasse einer ehemaligen römischen Wasserleitung zum Legionslager Vindobona. Es wurden Reste der Leitung an mehreren Stellen gefunden. Ein Stück der Leitung lag an der Kreuzung der Rudolf-Zeller-Gasse mit der Anton-Krieger-Gasse, bei der Tullnertalgasse wurden Reste eines Aquädukts aufgedeckt.Heinz Gerstbach: Die Römische Wasserleitung durch Hietzing nach Vindobona. Siedlungen zur Römerzeit im Bezirk Hietzing und römische Straßen in seiner Umgebung. In: Fenster in die Vergangenheit. Lokalgeschichtliche Schriftenreihe des 13. Wiener Gemeindebezirkes – Hietzing. Ausgabe 10. Hrsg. Bezirksmuseum Hietzing, Wien 2022, (falsche ISSN), , S. 38, 48.

Die erste vorhandene urkundliche Erwähnung des Ortes trug das Datum 1210. Im Mittelalter wurde der Weinbau eingeführt, der in Mauer bis heute betrieben wird. 1609 gelangte der Ort in den Besitz der Jesuiten, die die Grundherrschaft bis 1773 ausübten. 1775–1918 befanden sich zwei Kasernen in Mauer.

Im Biedermeier wurde der Ort als Sommerfrische wohlhabender Wiener beliebt. Die feudale Grundherrschaft wurde 1848 / 1849, wie in ganz Österreich, aufgehoben; 1850 wurde Mauer als autonome Ortsgemeinde des Erzherzogtums Österreich unter der Enns (Niederösterreich) konstituiert. 1867 wurde der heutige Friedhof Mauer geweiht. 1883 wurde eine von Hietzing nach Perchtoldsdorf verkehrende Dampftramwaylinie durch Mauer geführt; sie wurde, nunmehr Linie 60, 1912 elektrifiziert und verkehrt bis Rodaun bis heute.

1892 wurde der östliche Teil des heutigen 13. Bezirks, Hietzing, nach Wien eingemeindet; Mauer wurde damit beim Bezirksteil Speising unmittelbarer Nachbar der Hauptstadt der Monarchie.

1908 trat Mauer im Norden des Gemeindegebiets das Areal der bei diesem Anlass neu gebildeten Katastralgemeinde Rosenberg an Wien ab; Voraussetzung dafür, dass dort die Rothschild-Stiftung bis 1912 ein neurologisches Spital errichtete.

1925–1929 wurde das Projekt Flughafen Mauer betrieben. 1927 wurde Mauer in Niederösterreich zur Marktgemeinde erhoben.LGBl. für NÖ. Nr. 143 / 1927. Am Tag der Markterhebungsfeier wurde in Mauer eine große Wienerwald-Ausstellung eröffnet, unter anderem begleitet von einer Versammlung der Interessenten der Wienerwaldbahn.Wienerwald-Ausstellung, in: Badener Zeitung, 31. August 1927, S. 3 unten rechts.

Am 15. Oktober 1938 wurde Mauer mit vielen anderen Umlandgemeinden von der NSDAP-Diktatur in Groß-Wien eingemeindet und gehört seitdem – ausgenommen die SAT-Siedlung und benachbarte Siedlungen im Vorfeld des Lainzer Tiergartens, die zum 13. Bezirk gelangten – zum Gemeindebezirk Liesing; das war bis 1954 der 25. und ist seither der 23. Bezirk.

Ab 1938 gab es Pläne, im Gebiet südlich der Rosenhügel-Filmstudios bis zur Friedensstraße (Leitenwald, Niederreiterberg) einen Betriebsbahnhof und Abstellanlagen für die U-Bahn-Linie 1 zu bauen. Die U-Bahn-Personenstation Rosenhügel wäre an der Speisinger Straße bei der Siedlung Auhofer Trennstück gelegen. Eine U-Bahn-Linie bis Mödling wäre ungefähr den Trassen der Straßenbahnlinien 60 bzw. 360 gefolgt.Christian Gold: Siedlung Auhofer Trennstück, Ende des Teils „Infrastruktur“ in der Mitte der Datei. Wien 2014 (abgerufen am 5. März 2023).

1945–1955 gehörte Mauer (wie der ganze Bezirk) besatzungsrechtlich nicht zur Vier-Sektoren-Stadt Wien, sondern zum sowjetisch besetzten Niederösterreich. Bei der 1954 durchgeführten Rückkehr vieler 1938 eingemeindeter Orte zu Niederösterreich blieb Mauer aber in Wien.

Bei der Volkszählung in Österreich 1951 hatte der Ort 7020 Einwohner.Ferdinand Opll: Liesing: Geschichte des 23. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte, Jugend und Volk, Wien 1982, ISBN 3-7141-6217-8, S. 200. Heute leben rund 17.000 Menschen in Mauer.Da die Grenzen der Zählsprengel und Zählbezirke von jenen der Katastralgemeinde abweichen, ist keine genaue Einwohnerzahl verfügbar. Die Zählbezirke Mauer, Mauerberg, Kroißberg und Steinberg hatten laut VZ 2001 zusammen 17.099 Einwohner. – Quelle: Ortsverzeichnis 2001 Wien, hrsg. v. Statistik Austria, Wien 2005, S. 101–102.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wotrubakirche am Georgenberg Das Ortszentrum um Maurer Hauptplatz und Endresstraße sowie die Villen in der Maurer Lange Gasse werden von der Stadt Wien als bauliche Schutzzone zusammengefasst,Karte der Schutzzone Mauer eine weitere Schutzzone befindet sich um das ehemalige Redemptoristinnenkloster.Karte der Schutzzone Redemptoristinnenkloster

Die Pfarrkirche Mauer im Ortszentrum weist einen spätgotischen Chor sowie Glasfenster und Mosaike von Albert Paris Gütersloh auf und wurde von 1934 bis 1936 nach Plänen von Clemens Holzmeister stark umgestaltet. Am Georgenberg befindet sich die so genannte Wotrubakirche, die von 1974 bis 1976 nach einem Modell des Bildhauers Fritz Wotruba aus übereinander geschichteten Betonblöcken geschaffen wurde. Weitere Sakralbauten im Bezirksteil sind das von 1873 bis 1883 erbaute Mechitaristen-Kloster in der Maurer Lange Gasse, die historistische Erlöserkirche in der Endresstraße, die 1908/09 von Theodor Ruf als Kirche und Konvent der Redemptoristinnen erbaut wurde, und die Pfarrexpositur Am Spiegeln aus den Jahren 1960 bis 1962. Letztere plante der Architekt Kurt Stögerer, für die Ausführung war Bruno Buchwieser junior verantwortlich. Im Garten des 1894/95 erbauten Kindergartens St. Erhard der Pfarre Mauer steht die denkmalgeschützte Friedhofskapelle des alten Maurer Friedhofs aus dem Jahr 1823.

Im historischen Ortskern von Mauer sind mehrere Gebäude aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Dazu zählt das aus einem Herrschaftshaus und einem Meierhof bestehende Maurer Schlössel, das ursprünglich von den Jesuiten genutzt wurde und in dem heute die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer untergebracht ist. Das ehemalige Amts- und Pfarrhaus mit der Adresse Maurer Hauptplatz 10 ist 1625 urkundlich bezeugt. Das ehemalige Maurer Gemeindehaus in der Maurer Lange Gasse stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wurde jedoch im 20. Jahrhundert stark umgestaltet. Beim Freisinger Hof handelt es sich um eine 1527 erstmals genannte und in der heutigen Form aus der Zeit um 1840 stammende Gutsverwaltung des Bistums Freising. An der Endresstraße steht das Mauerlahn-Schlössel, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und vermutlich unter Einbeziehung eines spätmittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet wurde. Das Haus mit der Adresse Maurer Hauptplatz 9 wurde 1766 unter Maria Theresia erbaut und diente damals als Volksschule. Mittlerweile gehört das Haus seit mehreren Generationen der Winzer-Familie Zahel, die dort ihren Heurigen-Betrieb führt.