mini|Petersons Unterschrift Bengt Ronald „Ronnie“ Peterson () (* 14. Februar 1944 in Örebro; † 11. September 1978 in Mailand, Italien) war ein schwedischer Automobilrennfahrer. Er ist einer der erfolgreichsten Motorsportler seines Landes.

Peterson begann seine Karriere 1962 im Kartsport. 1968 und 1969 gewann er die schwedische Formel-3-Meisterschaft und 1971 die Formel-2-Europameisterschaft. 1970 debütierte er mit einem March für Colin Crabbe Racing in der Formel 1 und fuhr bis 1978 insgesamt 123 Grand Prix, von denen er zehn gewann. 1971 und 1978 wurde er Vizeweltmeister. Neben dem Formelsport nahm Peterson auch an Sportwagenrennen teil und war am Gesamtsieg der Scuderia Ferrari in der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1972 als Teil der Fahrermannschaft beteiligt. Zudem startete er vereinzelt bei Rallyes sowie einmalig beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Im September 1978 geriet Peterson beim Großen Preis von Italien in eine Massenkarambolage, bei der er sich mehrere Beinfrakturen zuzog. Er starb an den Folgen einer Komplikation in Zusammenhang mit einer Operation zur Behandlung der beim Unfall erlittenen Verletzungen.

Leben mini|Peterson beim Heimrennen in Anderstorp, 1973|links Herkunft und Jugend Ronnie Peterson wurde 1944 als Sohn des Bäckers und Hobbyrennfahrers Bengt Henrik Peterson (* 1913; † 1999) und seiner Frau Maj-Britt (* 1919; † 2000) im Örebroer Bezirk Almby geboren. Er hatte einen zwei Jahre jüngeren Bruder, Tommy, der sich später für sein Andenken einsetzte. Früh bekam Peterson von seinem Vater ein selbst gebautes Fahrzeug ähnlich einem kleinen Go-Kart geschenkt und sammelte damit im häuslichen Garten seine ersten Erfahrungen am Steuer von motorisierten Fahrzeugen. Im Alter von zehn Jahren durfte er den Formel-3-Wagen seines Vaters bei einem Eisrennen zur Probe fahren, was endgültig seine Begeisterung für den Motorsport weckte. Er verließ die Schule ohne Abschluss und arbeitete anfangs in einem Renault-Autohaus, später zu Beginn seiner Profikarriere im Automobilsport als Monteur bei einem Fachbetrieb für Personenaufzüge.

Fahrer und Privatmann Der häufig mit den Spitznamen Mad Ronald und Superswede betitelte Peterson galt zeitlebens als ruhige, zuvorkommende Persönlichkeit und pflegte im Gegensatz zu vielen seiner Fahrerkollegen kein exzentrisches Image. Er war einer der „führenden Köpfe“ der Fahrergemeinschaft und war im Fahrerlager wie auch bei den Sponsoren und Veranstaltern durch seine Professionalität und Fairness auf der Strecke beliebt und respektiert. Eine enge Freundschaft verband ihn mit seinem Fahrerkollegen Tim Schenken, den er aus seiner Zeit als Formel-3-Fahrer kannte und mit dem er später eine Fahrerpaarung bei Sportwagenrennen bildete. Petersons Vermögen wurde nach seinem Tod auf etwa eine Million Pfund Sterling (nach heutigem Wert ca. 6,3 Mio. Euro) geschätzt, was zu dieser Zeit eine außergewöhnlich hohe Summe für einen Rennfahrer war.

Peterson wurde mehrmals als einer der besten Rennfahrer schwedischer Herkunft genannt. Auch Motorsportler nachfolgender Generationen wie Tom Kristensen, David Coulthard und Felix Rosenqvist äußerten sich entsprechend. Petersons instinktive Fahrzeugbeherrschung und sein charakteristischer Fahrstil verhalfen ihm bei Fahrerkollegen und Rennsportinteressierten gleichermaßen zu großer Beliebtheit. Er bevorzugte einen leicht übersteuernden Rennwagen, mit dem er scharf in Kurven einfuhr, um sodann mit kontrolliert ausbrechendem Heck herauszubeschleunigen. Diese aggressive Fahrweise war optisch ansprechend, wirkte sich aber negativ auf Material und Rundenzeiten aus. Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart bewunderte die Fahrzeugkontrolle seines Konkurrenten, betonte aber, dass Peterson dadurch oftmals unnötige Risiken eingegangen sei und nicht alle Erfolgschancen voll ausgenutzt habe. Die Arbeit mit Peterson im Bereich der Fahrzeugentwicklung wurde als schwierig beschrieben, so habe er laut dem langjährigen Lotus-Teamchef Peter Warr stets versucht, negative Eigenschaften des Wagens rein durch Anpassung seines Fahrstils auszugleichen, anstatt eine neue Abstimmung zu entwickeln. Die Rundenzeiten hätten sich trotz tiefgreifender Änderungen an der Fahrzeugabstimmung kaum verändert, sodass nur wenige verwertbare Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Weiterentwicklungsmaßnahmen gewonnen werden konnten. Auch Lotus-Gründer Colin Chapman kritisierte die Qualität der technischen Rückmeldungen seines Fahrers insbesondere im Vergleich zu Lotus-Weltmeister Emerson Fittipaldi, der als hervorragender, technisch versierter Testfahrer galt.

Peterson war seit 1970 mit Barbro Edwardsson liiert, die er in einer Diskothek kennengelernt hatte. Sie kam ebenfalls aus Örebro und arbeitete als Sekretärin, später als Model. Das Paar bewohnte seit 1973 ein Haus im britischen Maidenhead und heiratete im April 1975, im selben Jahr wurde ihre Tochter Nina Louise geboren. Barbro begleitete ihren Mann oft zu seinen Rennen und unterstützte ihn sowie das Team organisatorisch. Sie konnte den plötzlichen Tod Petersons nicht verarbeiten, litt schwer unter einer Depression und beging am 19. Dezember 1987 Suizid. Die gemeinsame Tochter wuchs daraufhin bei Petersons Eltern auf.

Karriere Amateur- und Nachwuchsklassen (bis 1969) mini|Ein Tecno-Formel-3-Fahrzeug der späten 1960er-Jahre Ronnie Peterson begann im Mai 1962 mit 18 Jahren seine Karriere als Rennfahrer. Er schrieb sich in die schwedische Kartmeisterschaft ein und nahm dort mit einem selbstgebauten Robardie-Kart in der Klasse D bis 200 cm³ teil. Schon im nächsten Jahr war Peterson einer der erfolgreichsten Kartfahrer in Schweden und gewann acht von zwölf Rennen, womit er diese Meisterschaft klar für sich entschied. 1964 trat er parallel in der Klasse D und in der kleineren Klasse A mit Motoren bis 100 cm³ an. Während es ihm nicht gelang, seinen Titel in der Klasse D zu verteidigen, gewann er in der Klasse A seinen zweiten nationalen Kart-Titel. 1966 nahm er an der Kart-Weltmeisterschaft in Kopenhagen teil, wo er den dritten Platz hinter Leif Engeström und Susanna Raganelli belegte. Er entschied sich anschließend für den Monopostosport als Weg für seine weitere Karriere und verlagerte seine Aktivitäten in die Formel 3.

1966 startete Peterson mit einem von seinem Vater und einem Freund geringfügig modifizierten Brabham BT15, der als Svebe gemeldet wurde, zum ersten Mal bei einem Formel-3-Rennen. Sein Mentor in dieser Zeit war der bereits im schwedischen Automobilsport etablierte Reine Wisell. Das beste Ergebnis in diesem Jahr war ein dritter Platz bei einem Rennen auf dem Dalslandring in Dals Långed. 1967 erreichte Peterson in der schwedischen Formel-3-Meisterschaft mit einem Brabham BT18 den fünften Rang im Gesamtklassement. Die Tecno-Gründer Luciano und Gianfranco Pederzani wurden auf das aufstrebende Talent aufmerksam und stellten Peterson ab Anfang 1968 Werksunterstützung bereit. Er gewann mit einem Tecno 68 bzw. Tecno 69 zwei schwedische Titel in Folge und siegte bei sieben von acht Rennen. Zusätzlich startete er in diesen Jahren auch bei internationalen Formel-3-Rennen in Frankreich und Italien und gewann 1969 den Lauf auf dem Circuit de Monaco, nachdem er sich mit Wisell in den Schlussrunden ein enges Duell um den Sieg geliefert hatte. Im Oktober gleichen Jahres hatte Peterson bei einem Rennen auf dem Autodrome de Linas-Montlhéry einen schweren Unfall: Er kollidierte in einer Schikane auf dem Ovalkurs bei hoher Geschwindigkeit mit der seitlichen Streckenbegrenzung; sein Wagen überschlug sich, fing Feuer und blieb kopfüber liegen. Peterson wurde schnell befreit, erlitt aber Verbrennungen an den Armen.

Insgesamt fuhr Peterson in seiner Karriere 74 Formel-3-Rennen, von denen er 29 gewann.

Formel 2 (1969–1976) mini|Peterson im March 702 auf der Nordschleife des Nürburgrings Im Sommer 1969 wurde Peterson als amtierender Meister der schwedischen Formel 3 zu mehreren Gaststarts bei höherklassigen Formel-2-Rennen eingeladen. Für das Tecno-Werksteam belegte er bei einem Lauf in Monza den siebten Platz. Auf dem Circuit d’Albi startete er für Roy Winkelmann Racing und wurde Fünfter. Nach dem Gewinn seiner zweiten Formel-3-Meisterschaft unterschrieb Peterson bei Malcolm Guthrie Racing, einem privaten Rennstall, der von March Engineering bevorzugt beliefert wurde, einen Vertrag für die Formel-2-Europameisterschaft 1970.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend, MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 38. In diesem Jahr wurde er auf dem neu entwickelten, aber noch unausgereiftenDavid Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 159. March 702 Gesamtfünfter. 1971 trat March Engineering mit einem Werksteam an und verpflichtete Peterson, der zwischenzeitlich in die Formel 1 zum Werksfahrer aufgestiegen war, auch hier für die komplette Saison. Die gleichzeitige Teilnahme an mehreren Meisterschaften als Stammfahrer war zu dieser Zeit nicht unüblich. Peterson errang mit einem March 712M vier Siege und wurde mit 54 Punkten vor Carlos Reutemann und Dieter Quester Formel-2-Europameister. Bei seinem Heimrennen im schwedischen Mantorp Park erzielte er die Pole-Position, den Rennsieg und die schnellste Rennrunde.

1972 sowie von 1974 bis 1976 bestritt Peterson weitere Formel-2-Rennen mit Fahrzeugen von March und Lotus für verschiedene Teams. Diese sporadischen Renneinsätze erfolgten parallel zu seinem Formel-1-Engagement. Seit seinem Gewinn der Formel-1-Vizeweltmeisterschaft in der Saison 1971 war Peterson als Graded bzw. A-Driver eingestuft, wodurch er nicht mehr für die Wertung der Formel-2-Europameisterschaft berücksichtigt wurde, da sie nur B-Drivern offenstand. Diese Einteilung in zwei Gruppen wurde anhand verschiedener Kriterien wie Rennerfahrung und Erfolge getroffen und sollte den als B-Drivern klassifizierten Nachwuchsfahrern zugutekommen, damit sie sich in der Meisterschaft untereinander messen konnten, ohne etablierte A-Driver aus höheren Rennklassen schlagen zu müssen, die oft zahlreich an Formel-2-Rennen teilnahmen.Eberhard Reuß, Ferdi Kräling: Formel 2. Die Story von 1964 bis 1984, Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3865-8, S. 46. Insgesamt ging Peterson bei 54 Formel-2-Rennen an den Start, von denen er elf gewann.

Sportwagenrennen und Rallyes (ab 1969) mini|Ferrari 512S des Duos Peterson/Bell (m.) an den Boxen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1970 mini|Peterson (v. l.) auf dem ersten Startplatz des 1000-km-Rennens auf dem Nürburgring 1972 mini|Am Steuer eines BMW 3.2 CSL Turbo beim 6-Stunden-Rennen von Silverstone 1976 Sein erstes Sportwagenrennen bestritt Peterson im Juli 1969 in Magny-Cours. Er gewann die als Magny-Cours International – Sports & Prototypes betitelte Veranstaltung mit einem Lola T70 für das Team von Picko Troberg vor Barrie Smith im Chevron B8. Im gleichen Jahr startete Peterson für die Ecurie Bonnier von Joakim Bonnier bei einem als GP Sverige bezeichneten Rennen im Karlskoga Motorstadion und wurde Dritter.

1970 wurde Peterson von der Scuderia Ferrari für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans nominiert. Er pilotierte zusammen mit dem späteren Vizemeister der Formel-2-Europameisterschaft, Derek Bell, den neuen Ferrari 512S mit der Startnummer 7. Nachdem Bell, von einer Kollision mehrerer Werks- und Privatier-Ferrari in der Boxengasse überrascht, stark abgebremst und dabei den Motor des Wagens überdreht hatte, musste das Duo in der zweiten Rennstunde aufgeben. Peterson war bis dahin noch nicht zum Fahreinsatz gekommen. Dieses Rennen blieb seine einzige Teilnahme an der Veranstaltung. In der zweiten Jahreshälfte startete Peterson wieder für Bonnier zu zwei Rennen der Interserie. Beim 100-Meilen-Rennen von Keimola wurde er mit einem Lola T70 Dritter, beim 300-Meilen-Rennen von Hockenheim fuhr er den neueren Lola T210 und kam auf dem vierten Platz ins Ziel. Er wurde am Jahresende mit 14 Punkten als Vierter der Gesamtwertung klassifiziert.