Das Kure-Atoll oder die Insel Kure (früher auch Ocean Island; hawaiisch: Mokupāpapa,alternative Bezeichnung für das ; Hōlanikū)Hōlanikū, Mokupāpapa (Kure Atoll); Ancient Names Remembered - A map of the Hawaiian Islands describing the languages liegt im nördlichen Pazifik und gehört geografisch zum Hawaii-Archipel, politisch zum US-Bundesstaat Hawaii. Kure ist die nördlichste der nordwestlichen Hawaii-Inseln und heute unbewohnt.

Geografie Das Atoll besteht aus einem ungefähr kreisförmigen Korallenriff von rund 9,5 Kilometern Durchmesser, das im Südwesten unterbrochen ist, sowie zwei Motus: Green Island und Sand Island.Mark J. Rauzon: Isles of Refuge – Wildlife and History of the Northwestern Hawaiian Islands. University of Hawaii Press, Honolulu 2001, ISBN 0-8248-2209-9 Green Island liegt im Südwesten innerhalb des Riffkranzes. Die Insel ist ungefähr halbmondförmig mit einer Länge von 2,1 km, einer maximalen Breite von rund 600 m und einer Fläche von 90,1 ha. Die maximale Höhe im Nordosten beträgt 7,3 m, die mittlere Höhe 2,8 m über dem Meeresspiegel.Michelle H. Raynolds et al.: Predicting sea-level rise vulnerability of terrestrial habitat and wildlife of the Northwestern Hawaiian Islands. US Geological Survey, 2012 Ein Sandstrand zieht sich um die gesamte Insel und das südwestliche Ende läuft in einer langen Sandbank aus. Der größte Teil des Inselinnern ist mit niedrig wachsender Vegetation bedeckt, die übrige Fläche besteht aus der teilweise zugewachsenen, ehemaligen Landebahn, Resten von Gebäudestrukturen und unfruchtbarem Boden. Das südwestlich davon gelegene Sand Island ist heute nur noch eine kleine, vegetationslose Sandbank von 100 m Länge, die bei hohem Wasserstand vollständig überspült wird.

Das Korallenriff umschließt eine bis zu 14 m tiefe Lagune mit einer Fläche von rund 28 km² nahezu vollständig. Eine Passage gibt es nur im Südwesten. Der Lagunenboden besteht aus feinem Sand und Korallenschutt. Die Sedimente stammen von den umgebenden Riffen und werden vom Wellengang und Strömungen innerhalb des Atolls verteilt.Meredith Grant Gross et al.: Marine geology of Kure and Midway Atolls, Hawaii: a preliminary report. In: Pacific Science Nr. 23, 1969, S. 17–25

Klima und Wetter Militär und Küstenwache haben während der Stationierung umfangreiche Wetteraufzeichnungen vorgenommen. Kure hat subtropisches Seeklima, mit nur mäßigen Unterschieden zwischen den einzelnen Monaten. Die wärmsten Monate sind Juli, August und September mit Tagestemperaturen zwischen 27° und 32 °C, die kühlsten Monate sind Januar und Februar mit mittleren Temperaturen von 16° bis 18 °C. Frost ist unbekannt. Während eines großen Teils des Jahres unterliegt Kure dem Nordost-Passatwind, der die hohen Temperaturen einigermaßen erträglich macht. Regen fällt meist kurz und heftig mit einem Maximum von Dezember bis Januar, der März ist üblicherweise der trockenste Monat.

Geologie Die Hawaii-Inseln entstanden aus einem Hotspot in der Mitte der Pazifischen Platte. Während der Hotspot selbst ortsfest ist, bewegt sich die Lithosphärenplatte und driftet mit einer Geschwindigkeit von 8 bis 10 cm pro Jahr nach Nordwesten.Hans-Ulrich Schmincke: Vulkanismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14102-4 Die Hawaii-Inseln bilden einen Archipel, der aus mehr als 100 Inseln, Atollen, Riffen, flachen Bänken, Untiefen und Tiefseebergen besteht und sich von Hawaii (Big Island) im Südosten bis zum Kure-Atoll im Nordwesten erstreckt. In der sich über 2.400 Kilometer hinziehenden Kette von Inseln liegen die erdgeschichtlich jüngsten im Südosten, deren Alter nimmt nach Nordwesten zu. Molokai im Südosten entstand vor 1,6 Millionen Jahren, die Insel Midway, im Nordwesten vor 27,7 Millionen Jahren.Valérie Clouard, Alain Bonneville: Ages of seamounts, islands, and plateaus on the Pacific plate. Geological Society of America Special Paper 388, 2005, S. 79 Kure liegt in der Hawaii-Emperor-Kette nordwestlich von Midway und gehört damit zu den ältesten Inseln der Hawaii-Archipels. Der das Atoll bildende, mittlerweile zur Gänze versunkene Vulkan entstand vor 29,8 Millionen Jahren.Jonathan Weiss et al.: Geology and benthic habitats. In: Alan Friedlander et al.: A Marine Biogeographic Assessment of the Northwestern Hawaiian Islands. NOAA Technical Memorandum 84, Silver Spring (MD), 2009, S. 66

Kure ist das am weitesten nördlich gelegene Atoll der Erde. Es liegt nahe am sogenannten „Darwin Point“. Das ist eine in der Geologie definierte Schwelle, jenseits der Korallenriffe nicht mehr existieren können, weil die vertikale Wachstumsrate hermatypischer (d. h. riffbildender) Korallen wegen kühlerer Wassertemperaturen nicht mehr mit der eustatischen Bewegung – insbesondere dem Absinken des Atolls als Folge der Subduktion der Pazifischen Platte – Schritt hält.David Hopley (Hrsg.): Encyclopedia of modern coral reefs: structure, form and process. Springer, New York 2010, ISBN 978-9-048126385, S. 298–299

Flora und Fauna mini|links|Dichter Bewuchs mit Scaevola taccada mini|links|Horste von Erograstis variabilis Flora Green Island, die größte der beiden Inseln, ist die einzige, auf der es Pflanzenwuchs gibt, doch die Biodiversität ist gering. Einen Eindruck von der damals noch überwiegend ursprünglichen Vegetation vermittelt der Botaniker Horace F. Clay von der Universität Hawaii, der Kure im Jahr 1959 besuchte, bevor die Insel umfangreich umgestaltet wurde. Dominierend war ein niedriger Bewuchs von Scaevola taccada (syn. Scaevola sericea), der den größten Teil von Green Island bedeckte. Verstreut zwischen den durchschnittlich einen Meter hohen Pflanzen wuchsen rankende Boerhavia diffusa als dürftige Bodenbedeckung, außerdem die zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) gehörende Sicyos maximowiczii. An der Lagunenseite ging der Strand steil ansteigend in Sanddünen über. In den offenen Bereichen wuchsen Büschel der Süßgräser (Poaceae) Eragrostis variabilis und Eragrostis whitneyi (syn. Eragrostis paupera). An den Hängen der Dünen fanden sich Tussocks des Süßgrases Lepturus repens.Horace F. Clay: Narrative report of botanical field work on Kure Island, 3 October 1959 to 9 October 1959. Atoll Research Bulletin Nr. 78, National Academy of Sciences, Washington D.C. 1961

Der Bau des Flugfeldes im Jahr 1960 war für die Flora und Fauna des Atolls verheerend. Der Botaniker Charles H. Lamoureux von der University of Hawaii at Manoa besuchte Kure vom 12. bis 14. September 1961, um die Auswirkungen der Eingriffe zu dokumentieren. Als Folge der mit dem Bau militärischer Anlagen verbundenen Aktivitäten und dem damit einhergehenden absichtlichen oder unabsichtlichen Import nichtheimischer Pflanzen war es zu erheblichen Veränderungen in der Flora der Insel gekommen. Die von Clay zwei Jahre zuvor beobachteten, autochthonen Arten gab es zwar noch, aber es waren 22 allochthone hinzugekommen. Im März 1961 hatte man für die Landschaftsgestaltung rund 1500 Pflanzen aus Honolulu eingeflogen, die auf den gerodeten Flächen, den Sportanlagen und rund um die Gebäude ausgebracht wurden. Außerdem waren großflächig Rasensamen ausgebracht worden, die mit aggressiven Unkräutern verunreinigt waren. Unter den vorsätzlich oder versehentlich eingeführten Pflanzen waren zum Beispiel: Pandanus, Kokospalmen, Kasuarinen (Casuarina equisetifolia), das Gras Chloris barbata (syn. Chloris inflata), die Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis) und das Wolfsmilchgewächs Euphorbia glomerifera (syn. Euphorbia hypericifolia).Charles H. Lamoureux: Botanical observations on Leeward Hawaiian atolls. Atoll Research Bulletin Nr. 79, National Academy of Sciences, Washington D.C. 1961 Ein Teil der Neophyten, zum Beispiel die Kokospalmen, konnte sich nicht behaupten. Die Kasuarinen haben überlebt und wachsen in Gruppen nahe der ehemaligen Wohnquartiere und entlang des Flugfeldes.

Eine aktuelle und relativ neue Bedrohung für die Flora ist die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) zählende Verbesina encelioides. Die äußerst aggressive Pflanze erzeugt allelopathische chemische Verbindungen, die das Wachstum anderer Pflanzenarten unterdrücken.Asakawa Inderjit, K.M.M. Dakshini: Allelopathic potential of Verbesina encelioides root leachate in soil. Canadian Journal of Botany, Jg. 77 (2000), Nr. 10, S. 1419–1424 Mittlerweile droht sie die altheimische Flora des Atolls zu verdrängen.Kathleen R. Feenstra et al.: Biology and Impacts of Pacific Island Invasive Species, Verbesina encelioides, Golden Crownbeard (Magnoliopsida: Asteraceae). In: Pacific Science, Jg. 66 (2012), Nr. 2, S. 173–212 Eine weitere invasive und sich schnell verbreitende Pflanze ist das Stachelige Klettengras (Cenchrus echinatus).Forest Starr et al.: Botanical Inventory of Kure Atoll. United States Geological Survey Biological Resources Division, Haleakala (HI) 2001

Heute ist die Flora von Green Island geprägt von verstreuten, niedrig wachsenden Bäumen der Art Tournefortia argentea und einem fast undurchdringlichen Buschland von Scaevola taccada. Ein großer Teil der Inselmitte ist mit einem Dickicht aus Verbesina bedeckt. Die ehemaligen Wohnquartiere, ungefähr im Zentrum der Insel, sind von einem Rasen aus Hundszahngras (Cynodon dactylon) und anderen Rasenunkräutern umgeben. Das aufgegebene Flugfeld trägt nur eine lückenhafte Vegetation aus Gräsern, vorwiegend Fimbristylis cymosa und Eragrostis paupera.

Lamoureux besuchte 1961 auch Sand Island, das damals noch 400 m lang und bis zu 20 m breit war. Die spärliche Pflanzendecke bestand aus einem Dutzend Exemplaren von Boerhavia diffusa und einem Flecken Eragrostis whitneyi. Heute ist Sand Island wesentlich kleiner und trägt keinerlei Vegetation.

Fauna Charakteristisch für die Fauna der Insel Kure ist ein reichhaltiger Bestand an Seevögeln. Vierzehn Arten nisten auf Green Island, außerdem wurde eine Vielzahl von saisonalen, nicht brütenden Migranten und gelegentlichen Besuchern beobachtet. Zu den Brutvögeln zählen:

Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes) und Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis) Boninsturmvogel (Pterodroma hypoleuca) und Bulwersturmvogel (Bulweria bulwerii) Weihnachtssturmtaucher (Puffinus nativitatis) und Keilschwanz-Sturmtaucher (Puffinus pacificus) Rotschwanz-Tropikvogel (Phaethon rubricauda) Maskentölpel (Sula dactylatra), Weißbauchtölpel (Sula leucogaster) und Rotfußtölpel (Sula sula) Feenseeschwalbe (Gygis alba) Bindenfregattvogel (Fregata minor).Karl W. Kenyon, Dale W. Rice: Birds of Kure Atoll, Hawaii. In: The Condor, 1958, Jg. 60, Nr. 3, S. 188–190

Eine Bedrohung für viele Vogelarten sind Ratten, die Eier aus den Nestern rauben und Jungvögel attackieren. Eine große Population der polynesischen Ratte (Rattus exulans) wurde erstmals von Commander Montgomery Sicard von der USS Saginaw beschrieben („thousands of rats about“), die im Oktober 1870 an der Ostseite des Riffes havarierte.George H. Read: The Last Cruise of the Saginaw. Houghton Mifflin, Boeton 1912 Wahrscheinlich hatten die Polynesier die Tiere eingebracht. Inzwischen haben sich auch Schiffsratten verbreitet, die von einem oder mehreren havarierten Schiffen stammen.

Auf Kure eingeführte Ameisen der Art Pheidole megacephala können zum Nestlingssterben führen, aber auch die Zerstörung der einheimischen Vegetation durch die Verbreitung nichtheimischer Schildläuse begünstigen.Christen Mitchell et al.: Hawaii’s Comprehensive Wildlife Conservation Strategy. Hawaii Department of Land and Natural Resources, Honolulu 2005

Das Kure-Atoll ist ein wichtiger Wurf- und Ruheplatz für die Hawaii-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi, syn.: Monachus schauinslandi). Die Population ging in den 1960er Jahren stark zurück, offenbar weil sich die Tiere von den Aktivitäten der Küstenwache gestört fühlten, hat jedoch nach Schließung der Station und des Flugfeldes sowie dank eines aktiven Schutz- und Aufzuchtprogrammes wieder zugenommen.

Geschichte Vorgeschichte