mini|IKB in Frankfurt am Main

Die IKB Deutsche Industriebank AG ist ein Kreditinstitut mit Sitz in Düsseldorf. Die Bank stellt ihren Kunden Kredite, Kapitalmarkt- und Beratungsdienstleistungen sowie Einlagemöglichkeiten zur Verfügung und agiert als sogenannte Durchleitungsbank (Förderbank) für Darlehen aus öffentlichen Förderprogrammen. Das Onlineangebot für Privatkunden umfasst Tages- und Festgelder sowie Spar- und Auszahlpläne.

Als zentrale Gesellschaft des IKB-Konzerns ist die IKB Deutsche Industriebank AG das Mutterunternehmen mehrerer in- und ausländischer Beteiligungs- und Projektentwicklungsgesellschaften sowie weiterer Konzerntöchter.

Neben der Zentrale am Finanzplatz Düsseldorf verfügt sie über fünf Niederlassungen in Deutschland. Seit 2008 mehrheitlicher und seit 2017 Alleinaktionär ist die LSF6 Europe Financial Holdings, L.P. („LSF6“), Dallas, Texas, USA, eine Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Finanzinvestors Lone Star Funds.

Geschichte 1924 bis 1931: Bank für Industrie-Obligationen (Bafio) Als Folge des Ersten Weltkrieges musste Deutschland Reparationen zahlen; die Modalitäten der Zahlung wurden ab 1924 durch den Dawes-Plan geregelt. Das im gleichen Jahr vom Reichstag beschlossene „Industriebelastungsgesetz“ legte fest, dass die deutschen Industrie- und Gewerbebetriebe einen Reparationsanteil von fünf Milliarden Goldmark zu erbringen hätten. Zur Organisation dieser Zahlungen wurde am 30. September 1924 von einem Konsortium von Banken und Industrieunternehmen unter Beteiligung des Reichswirtschaftsministeriums in Berlin die Bank für Industrieobligationen (Bafio) gegründet. Die Unternehmen hatten Obligationen (verzinsliche Schuldverschreibungen) in Höhe des auf sie entfallenden Anteils auszustellen, an die Bafio zu übergeben und dafür Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten. Die Bafio hielt diese Einzelobligationen und gab dadurch gedeckte allgemeine Industriebonds aus. Erster Vorstandsvorsitzender war der Bankier Wilhelm Bötzkes.

Der Young-Plan im Jahr 1929 hob die Reparationsverpflichtungen der Industrie auf. Damit entfiel der ursprüngliche Geschäftszweck der Bafio.

1931 bis 1939: Industriebankgesetz und Osthilfe Die Weltwirtschaftskrise brachte unter anderem die hochverschuldeten ostdeutschen Landwirtschaftsbetriebe in eine existenzbedrohende Situation. Das am 31. März 1931 in Kraft getretene Osthilfe- und Industriebankgesetz wies der Bafio neue Aufgaben im Rahmen der Osthilfe zu. Diese Aufgaben umfassten im Wesentlichen die Gewährung von sogenannten Entschuldungsdarlehen, die aus der in reduziertem Umfang weitergeführten Industrieumlage finanziert wurden, sowie die Kreditvergabe an insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Nach 1933 wurde Letzteres zur Hauptaufgabe der Bafio.

1939 bis 1945: Deutsche Industriebank 1939 übernahm die Bank auch offiziell den schon lange benutzten Namen „Deutsche Industriebank“.

Das langfristige Industriekreditgeschäft blieb von Vorgaben des NS-Regimes lange Zeit unberührt, jedoch war die Bank an den Kapitalverschiebungen als Folge der Judenverfolgung beteiligt. Im Laufe des Kriegs stand mehr und mehr die Finanzierung „kriegswirtschaftlich wichtiger Investitionen“ im Vordergrund. Die Bank blieb „eine selbständige Aktiengesellschaft und verwaltungsmäßig unabhängig vom Deutschen Reich“Cassier: Unternehmerbank zwischen Staat und Markt 1924–1995. 2. Aufl. 1979, S. 73 und weiter S. 73–76. und gehörte immer der Wirtschaftsgruppe „Privates Bankgewerbe“ an.

1945 bis 1974: Industriekreditbank AG mini|Aktie über 50 DM der Industriekreditbank AG vom November 1968 Nach dem Krieg durfte die Industriebank ihre Tätigkeit in Berlin nicht mehr ausüben. Am 9. Dezember 1948 beschloss eine Industriellenversammlung in der Frankfurter Handelskammer, eine „Selbsthilfeorganisation der Industrie“ zu gründen, die die Aufgaben der Industriebank – die Vergabe langfristiger Investitionskredite an mittlere und kleine Unternehmen – fortführen sollte.

Am 29. März 1949 wurde die Industriekreditbank AG (IKB) in Düsseldorf gegründet. Eine wichtige Aufgabe der Bank war nun auch die Weiterleitung von Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau an die mittelständische Wirtschaft in Form langfristiger Investitionskredite. Die öffentlichen Mittel wurden durch Ausgabe eigener Anleihen aufgestockt.

Um Engpässe in der Versorgung mit Grundstoffen (Kohle, Eisen, Stahl, Strom, Gas) zu beheben, erlegte das 1952 verabschiedete „Investitionshilfegesetz“ der gewerblichen Wirtschaft eine Investitionshilfe von einer Milliarde DM auf. Das Aufkommen wurde in ein Sondervermögen überführt, aus dem Investitionsmittel an die Grundstoffindustrie ausgegeben wurden. Zum Verwalter dieses Sondervermögens bestimmte das Gesetz die Industriekreditbank AG. Die Investitionsempfänger hatten zum Ausgleich Industrieanleihen und andere Wertpapiere auszugeben, die den Aufbringungspflichtigen zugeteilt wurden. Auch dieser Prozess wurde durch die IKB vermittelt.

1953 erwarb die alte Deutsche Industriebank, welche in diesem Jahr wieder in Berlin (West) zugelassen worden war, einen Mehrheitsanteil an der IKB.

Die Entwicklung in den 1960er Jahren war durch einen relativ kontinuierlichen Aufbau des Kreditengagements gekennzeichnet. Mitte der 1960er Jahre wurde die Berliner Deutsche Industriebank (ab 1974: Niederlassung Berlin der Industriekreditbank AG Deutsche Industriebank) Annahmestelle für sogenannte Berlin-Darlehen nach dem Berlinhilfegesetz. Die Darlehen bildeten die Basis für ein lebhaftes Langfristkreditgeschäft in Berlin (West).

1974 bis 1989: Industriekreditbank AG – Deutsche Industriebank Die Verbindungen der Industriekreditbank zur Deutschen Industriebank waren von Beginn an sehr eng. Im Jahr 1974 wurde die rechtliche Vereinigung vollzogen; die neue Bank (Bankdirektor und Generalbevollmächtigter war der 1929 in Hamburg geborene Rolf ToepferWalter Habel (Hrsg.): Wer_ist_wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1255.) firmierte unter Industriekreditbank AG – Deutsche Industriebank (ab 1991: IKB Deutsche Industriebank). Die Modalitäten der Fusion wurden durch das „Gesetz über die Verwendung des Vermögens der Deutschen Industriebank“ geregelt. Festgelegt wurde unter anderem die Überführung des bislang treuhänderisch verwalteten Vermögens der Industriebank in eine Stiftung zur Förderung der gewerblichen Wirtschaft. Es entstand die „Stiftung zur Förderung der Forschung für die gewerbliche Wirtschaft“ (heute Stiftung Industrieforschung), die nun als Aktionärin der fusionierten Bank auftrat. Als Äquivalent für die Übertragung des Industriebank-Vermögens erhielt die Stiftung IKB-Aktien im Wert von nominal 31,2 Millionen DM.

mini|IKB Zentrale in Düsseldorf an der Uerdinger Straße, mdm Architekten, Fertigstellung 1996 In den folgenden Jahren kam es zur Gründung der Tochterunternehmen IKB Leasing GmbH (1972) und IKB Immobilien-Leasing GmbH (1972/73), die Leasing-Finanzierungen von Maschinen und Immobilien anboten, sowie der IKB International S.A. Luxemburg (1979) und der IKB Beteiligungsgesellschaft mbH (1987).

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre war zudem das aufkommende Interesse der Firmenkunden an langfristigen Exportfinanzierungen Startschuss für die IKB-Aktivitäten bei internationalen Finanzierungen.

1989 bis 2006: Jahre des Wachstums mini|Ehemalige IKB-Niederlassung München Schon kurze Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung eröffnete die Bank eine Repräsentanz in Leipzig, um den südlichen Teil der ehemaligen DDR vor Ort betreuen zu können; für den nördlichen Teil wurde die schon bestehende Niederlassung Berlin zuständig. Die geografische Ausweitung schlug sich deutlich in den Geschäftsdaten der IKB nieder. Die Bilanzsumme stieg innerhalb von nur drei Jahren um fast 50 Prozent. Das überaus lebhafte Wachstum stellte die Bank vor die Notwendigkeit, ihre Eigenkapitalbasis erheblich zu stärken.

Die IKB richtete ihren Blick aber auch vermehrt über die deutschen Grenzen hinaus. Der Geschäftsbereich Internationale Finanzierung erweiterte sein Tätigkeitsfeld um die Finanzierung von Investitionen mittelständischer Unternehmen im Ausland. Sichtbar wurde dies vor allem durch die Errichtung ausländischer Stützpunkte. 1987 gründete die IKB eine Repräsentanz in Hongkong. Niederlassungen in Paris und London folgten in den Jahren 1995 und 1997. 1999 gelang der Sprung über den Atlantik nach New York. Schließlich wurde 2005 (Madrid) und 2006 (Mailand) das europäische Netz nach Süden ausgedehnt.

Die IKB International S.A. Luxemburg entwickelte sich mit 25 Prozent des gesamten Kreditvolumens und einer Bilanzsumme von über sieben Milliarden Euro zur größten Tochtergesellschaft im IKB-Konzern. Neben der Unternehmensfinanzierung mittelständischer deutscher Unternehmen wurde die IKB International zum Kompetenzzentrum für Fremdwährungsfinanzierungen, Strukturierte Finanzierungen und Financial Risk Management.

Das Geschäftsfeld Financial Risk Management wurde seit 2000 systematisch auf- und ausgebaut. Die IKB nutzte vermehrt Verbriefungen sowie Zins- und Währungsabsicherungen für die Steuerung ihres eigenen Risikos sowie der Risiken ihrer Kunden. Indem über außerbilanzielle Zweckgesellschaften die Kreditrisiken aus der Bilanz ausgegliedert wurden, musste weniger Eigenkapital vorgehalten werden. Das freigesetzte Kapital floss in neue Mittelstandskredite, aber auch in Portfolioinvestments der Bank.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L, Nr. 278, 23. Oktober 2009, S. 32–50.

Im November 2001 wurde die staatliche KfW, die bereits seit Jahren unter anderem als Refinanzierer von Mittelstandkrediten, aber auch bei der Verbriefung von Kreditrisiken mit der IKB zusammenarbeitete, durch Übernahme von IKB-Anteilen von der Allianz und der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft zum mit 34,1 % größten Einzelanteilseigner der IKB. Rund 12 % der Aktien hielt zu diesem Zeitpunkt die Stiftung Industrieforschung und rund 50 % befanden sich in Streubesitz.

2007/2008: Existenzbedrohende Krise Vorgeschichte Im Jahr 2002 gründete die IKB die US-amerikanische Zweckgesellschaft Rhineland Funding. Die bis 2007 nicht im Konzernabschluss konsolidierte Gesellschaft spielte die Rolle eines Conduits für die IKB. Sie kaufte hochverzinste forderungsbesicherte Wertpapiere mit Schwerpunkt USA, darunter auch Collateralized Debt Obligations, die auf verbrieften Subprime-Immobilienkrediten basierten. Der Erwerb wurde durch die Ausgabe niedrigverzinster Kurzzeitanleihen finanziert. Um das Rating der Rhineland Funding mit Bezug auf dieses Finanzierungsmodell zu verbessern, gewährte die IKB ihr Liquiditätsgarantien im Wert von 8,1 Mrd. Euro. Die Erträge der Wertpapiergeschäfte wurden über Beratungsgebühren an die IKB weitergeleitet.

Im März 2007 verwaltete die Rhineland Funding Investments im Wert von 12,7 Mrd. Euro. Zusätzlich bestanden bilanzierte Portfolioinvestments der IKB in internationale Kreditverbriefungen im Wert von 7,0 Mrd. Euro.

Plötzliche massive Schieflage und erstes Hilfspaket Im Juli 2007 erkannten die Deutsche Bank und andere Banken das Risiko, das für die IKB von der Krise des US-amerikanischen Subprime-Markts ausging: Die Investments der Rhineland Funding verloren stark an Wert, das Interesse an den von ihr ausgegebenen Kurzzeitanleihen sank, und damit stieg das Risiko, dass sie die durch die IKB erteilten Liquiditätsgarantien in Anspruch nehmen müsste, um fällig werdende Anleihen zurückzuzahlen. Die IKB verfügte jedoch nur über Eigenkapital in Höhe von 1,4 Mrd. Euro. Daraufhin entschied die Deutsche Bank am 27. Juli 2007, ihre Kreditlinie für die IKB nicht zu verlängern; gleichzeitig informierte sie die BaFin.