Slowjansk (; ) ist eine Stadt in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Slowjansk war bis 2020 das administrative Zentrum des gleichnamigen Rajons Slowjansk und hatte 2026 etwa 40.000 Einwohner. Seit 2020 gehört es zum Rajon Kramatorsk.
Geographie Slowjansk liegt im Donezbecken am Zusammenfluss des Kasennyj Torez mit dem Suchyj Torez 93 Kilometer nördlich der Oblasthauptstadt Donezk. Im Ort gibt es einen Bahnhof an der Bahnstrecke Poltawa–Rostow.
Bei Slowjansk befinden sich salzhaltige Seen, die die Basis der Erholungsindustrie der Stadt bilden.
Geschichte mini|links|Der Bahnhof von Slowjansk im Jahr 1917 mini|links|Stadtplan von Slowjansk Im Stadtkreis von Slowjansk befindet sich das erstmals 1526 schriftlich erwähnte Kloster Swjatohirsk. 1676 wurde an der Stelle der Stadt die Festung Tor gegründet. Schon damals wurde in der Umgebung der Stadt Salz gewonnen und intensiver Salzhandel getrieben. Heute noch ist sie einer der größten Salzlieferanten in Osteuropa. 1784 wurde sie in Slowjansk umbenannt, wörtlich: „Slawische Stadt“. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der chemischen Industrie. Vom 25. Oktober 1941 bis zum 6. September 1943 war sie von Truppen der Wehrmacht besetzt, bis sie von der Roten Armee eingenommen wurde. Seit 1974 hat Slowjansk den Status einer kreisfreien Stadt, am 8. September 2016 wurde die bis dahin zum Stadtkreis von Slowjansk gehörende Stadt Mykolajiwka administrativ dem Rajon Slowjansk unterstellt.Верховна Рада України; Постанова, План від 08.09.2016 № 1518-VIII Про зміни в адміністративно-територіальному устрої Донецької області, зміну і встановлення меж міста Слов’янськ та Слов’янського району Донецької області. zakon.rada.gov.ua (ukrainisch).
Gewaltsame Stürmung der Stadtverwaltung 2014
Der Afghanistanveteran Wjatscheslaw Ponomarjow war Anführer der prorussischen Kräfte, die am 12. April 2014 während prorussischer Proteste das Hauptquartier der Polizei und den Sitz des Geheimdienstes SBU besetzten. Er bezeichnete sich selbst seit der gewaltsamen Stürmung der StadtverwaltungLeonid Ragozin: In the Center of Eastern Ukraine's Separatist Movement, the People's Mayor Speaks Out. Bloomberg Businessweek, 23. April 2014, abgerufen am 1. Mai 2014 (englisch). als „Bürgermeister“ der Stadt.Website der Stadt Slawjansk, abgerufen am 1. Mai 2014. The Voice of Russia, abgerufen am 1. Mai 2014 (englisch). Tags darauf kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Einheiten des ukrainischen Innenministeriums und den Besetzern. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums habe es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben. Die prorussischen Rebellen waren „plötzlich und unerwartet“ aufgetaucht.Konrad Schuller: Es ist vorüber, die Separatisten sind weg. FAZ, 5. Juli 2014. Ponomarjow verschärfte in den Folgetagen mit der Festsetzung internationaler Militärbeobachter die Krise in der Ukraine.
In den folgenden Tagen war die Umgebung der Stadt eines der Zentren des Anti-Terror-Sondereinsatzes der ukrainischen Armee. tagesschau.de, 16. April 2014.Donetsk’s police confirm death of three people in skirmish in Slavyansk. itar-tass.com, 20. April 2014 (englisch). In jenen Tagen wurde auch die Bürgermeisterin Nelja Schtepa entführt und war bis zum Abzug der Rebellen verschwunden.
Die ukrainische Armee griff am 2. Mai 2014 Stellungen der prorussischen Miliz im Rahmen eines „Anti-Terror-Einsatzes“ an. Hubschrauber der ukrainischen Armee wurden von den prorussischen Milizen beschossen. Zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 stürzten ab, wobei die Piloten starben und weitere Personen verletzt wurden.
Ab Mitte Mai 2014 führte Igor Girkin als „Generalissimus“ bzw. „Armeechef“ die Separatisten in Slowjansk.David Nauer: In der Ostukraine hat der Wind gedreht. Berner Zeitung/Tages-Anzeiger, 24. Mai 2014, abgerufen am 29. Mai 2014. Auch nach Aussage Igor Girkins, ging der gesamte Krieg in der Ostukraine nicht von den Donbass-Bewohnern selbst, sondern von diesen bewaffneten Einheiten aus.
Am 10. Juni 2014 wurde Ponomarjow auf Anweisung von Girkin festgenommen. Als sein Nachfolger in Slowjansk wurde Wladimir Pawlenko eingesetzt.Мэр Славянска Владимир Павленко: Блокада нашего города грозит экологической катастрофой Азовскому бассейну. kp.ru, abgerufen am 21. Mai 2022 (russisch). Ponomarjow soll auf Grund der Belastung durch seine Position nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein und habe Drogen konsumiert.У террориста Пономарева передозировки наркотиками. fakty.ictv.ua, 6. Juni 2014, abgerufen am 18. November 2022 (russisch). Seit dem 20. Juni 2014 befindet sich Ponomarjow auf der Sanktionsliste der USA.
Nach Berichten von Augenzeugen herrschte in der Stadt völlige Gesetzlosigkeit.Российский СК решил наказать украинских военных за убийства мирных жителей. ntv.ru (russisch). Die Angst und ein drakonisches Regime gegen Abweichler währte bis zum Abzug der regierungsfeindlichen Kämpfer. mini|Zerstörter Panzer pro-russischer Truppen bei Slowjansk (Juli 2014) In der zweiten Juniwoche gab es in Slowjansk während andauernder Gefechte weder Strom noch Gas oder Wasser. Am 5. Juli 2014 wurde die Stadt durch die ukrainische Armee befreit, nachdem die Rebellen über Nacht abgezogen waren.Poroschenko sieht nach Rückeroberungen Wendepunkt im Kampf gegen die Separatisten. 22-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks am 5. Juli 2014, abgerufen am 5. Juli 2014, nicht mehr online verfügbar.
Russischer Überfall auf die Ukraine Seit April 2022 ist Slowjansk infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine Kriegsschauplatz.Wir sind bereit – Ukrainische Armee wappnen sich für russische Offensive. Der Tagesspiegel, 6. April 2022. Die Stadt erlebte innerhalb eines Kriegsjahres, d. h. bis 2023, einen Bevölkerungsrückgang um etwa 50 %. Im Herbst 2025 stand Slowjansk unter täglichem Beschuss von russischen Drohnen und mitunter auch Gleitbomben.
Im Zuge der russischen Offensive mit dem Ziel, den Rest des Donbasses einzunehmen, wurden Kramatorsk und Slowjansk zum zentralen Ankerpunkt der ukrainischen Verteidigung. Strategisch sind beide Städte von bedeutendem Wert; sie bieten aufgrund ihrer Bebauung äußerst vorteilhaftes Gebiet für eine Verteidigung und bilden einen wichtigen Bestandteil des Festungsgürtels. Ebenfalls stellt ihre geografische Lage ein wichtiges Element der ukrainischen Logistik dar; beide Städte haben Anschluss an ein gut ausgebautes Straßennetz, während westlich bis Pawlohrad überwiegend nur rudimentär ausgebaute Straßen zur Verfügung stehen.
Seit dem Fall von Pokrowsk und Myrnohrad liegt der Fokus der russischen Armee auf Kostjantyniwka und Lyman.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Slowjansk (Слов'янська міська громада/Slowjanska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 2 Siedlungen städtischen Typs Suchaniwka und Bylbassiwka, das Dorf Torez sowie die Ansiedlung Myrne,Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 710-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Донецької області" bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Slowjansk (Слов'янська міська рада/Slowjanska miska rada) welche direkt unter Oblastverwaltung stand und im Zentrum des ihn umschließenden Rajons Slowjansk lag.
Zur Stadtratsgemeinde gehörte neben den genannten Ortschaften auch noch die Stadt Mykolajiwka. Am 17. Juli 2020 wurde der Ort ein Teil des Rajons Kramatorsk.Верховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів"
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Slowjansk Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Bylbassiwka Билбасівка Былбасовка (Bylbassowka) Myrne Мирне Мирное (Mirnoje) Suchaniwka Суханівка Сухановка (Suchanowka) Torez Торець Торец
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung 1860 1897 1923 1926 1939 1959 1970 1979 1989 2001 2016201920222023 9.300 15.792 21.410 28.385 77.842 82.784 124.183 140.256 135.300 124.829 114.437109.683105.14140.000–50.000 Quelle:Demographie ukrainischer Städte pop-stat.mashke.org.
Die meisten Einwohner sind Ukrainer (73,1 Prozent), daneben leben Russen (23,6 Prozent) und weitere Nationalitäten in Slowjansk. Russisch ist allerdings für über 54 Prozent der Bevölkerung die Muttersprache. Für über 43 Prozent der Bewohner ist Ukrainisch die Muttersprache.
Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung und Muttersprache Nationalität Anzahl Anteil davon als Muttersprache Sprache der eigenenNationalität ukrainisch russisch andere keineAngabe Ukrainer 104.423 73,1 % 58,6 % 58,6 % 41,3 % 0,0 % 0,1 % Russen 33.649 23,6 % 96,8 % 3,1 % 96,8 % 0,0 % 0,1 % Türken 829 0,6 % 97,6 % 0,6 % 1,6 % 0,1 % 0,1 % Weißrussen 766 0,5 % 14,5 % 8,3 % 77,2 % 0,0 % 0,0 % Armenier 592 0,4 % 43,4 % 4,6 % 51,7 % 0,3 % 0,0 % Griechen 320 0,2 % 4,4 % 12,8 % 82,2 % 0,0 % 0,6 % Roma 279 0,2 % 54,5 % 1,8 % 36,5 % 7,2 % 0,0 % Aserbaidschaner 208 0,1 % 51,0 % 1,4 % 42,3 % 5,3 % 0,0 % Insgesamt 142.873 100 % Quelle:history.org.ua (PDF; 0,2 MB).
Hochschulen In der Stadt befindet sich die Staatliche Pädagogische Universität Donbas.
Persönlichkeiten Mychajlo Petrenko (1817–1862), ukrainischer Poet und Dramatiker Pjotr Kontschalowski (1876–1956), russischer Maler, Grafiker und Bühnenbildner Sofiya Ostrovska (* 1958), sowjetisch-ukrainische Mathematikerin und Hochschullehrerin
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Donezk