350px Die Oude Kerk in Amsterdam ist für 44 Jahre Wirkungsstätte für den niederländischen Organisten und Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck, der als Organist großen Einfluss auf die Norddeutsche Orgelschule des 17. Jahrhunderts ausübt. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1587.

mini|Der italienische Komponist und Organist Claudio Merulo wird 1587 von dem Maler und Kupferstecher Annibale Carracci porträtiert (heute zu sehen im Museo di Capodimonte in Neapel).

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Rudolf II. Jacobus de Kerle, der wahrscheinlich zuvor im Fürststift Kempten tätig war und im Jahr 1582 kurzzeitig am Hof des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Gebhard Truchseß von Waldburg wirkte, ist seit 1. September 1582 Hofkaplan von Kaiser Rudolf II. Der Komponist zieht mit dem Kaiser über Wien nach Prag, wo er bis zu seinem Lebensende 1591 bleibt. Weil de Kerles Gehalt als Hofkaplan nur 150 Gulden betrug, bewarb er sich Anfang 1584 zusätzlich um ein Kanonikat an dem Kollegiatstift Heilig Kreuz in Breslau; die Ernennung dort geschieht erst im Herbst 1587. Am 7. Juli 1587 verzichtet er auf das Kanonikat in Cambrai zugunsten einer Pfründe in Mons, die er dann bis zu seinem Tod innehat. Im gleichen Jahr beabsichtigt de Kerle noch, fünf Messen bei den Antwerpener Verlegern Plantijn oder Pevernage herauszubringen, dies kommt aber nicht zustande. Carl Luython, der seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. war, ist seit 1582 zweiter Hoforganist der Hofkapelle von Kaiser Rudolf II. Letzterer hat im Jahr 1583 seinen ganzen Hofstaat von Wien nach Prag verlegt. Als dessen Bruder, Erzherzog Ernst, im Jahr 1587 die Bischofsweihe erhält, erscheint in Prag die erste Motettensammlung Luythons Popularis anni jubilus zu sechs Stimmen mit einer Widmung an diesen. Luython ist auch im Orgelbau engagiert: Zusammen mit dem Orgelbauer Albrecht Rudner wirkt er von 1581 bis 1590 an der Erneuerung der Orgel des Doms St. Veit in Prag mit. Die betreffenden Akten enthalten zahlreiche Einwendungen Luythons zu diesem Vorhaben, womit er recht detailliert seine Vorstellungen vom Orgelbau wiedergibt. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Nach dem Tod von Maximilian II. am 12. Oktober 1576 ist er für dessen Nachfolger Rudolf II. in Wien und später in Prag tätig und bekommt die Position eines Kanonikus an der Kathedrale von Cambrai zuerkannt. 1587 veröffentlicht de Monte in Antwerpen sein Liber primus missarum zu fünf, sechs und acht Stimmen, sein Sacrarum cantionum […] liber secundus zu sechs Stimmen und sein Il duodecimo libro delli madrigali zu fünf Stimmen. mini|links|Der Bayerische Reichskreis (oliv) auf einer Kreiskarte des Heiligen Römischen Reiches, Stand etwa 1630

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Gregor Aichinger, der seit 1578 an der Universität Ingolstadt studiert hatte, ist seit 1584 durch seinen Mäzen Jakob III. Fugger Organist an der von Fugger vier Jahre zuvor gestifteten Orgel der Augsburger Basilika St. Ulrich und Afra. Fugger macht Aichinger auch zu seinem Hauskomponisten und Leiter seiner Kammermusik. Fugger ermöglicht Aichinger mehrere Reisen nach Italien. In Venedig wird er einer der ersten Schüler Giovanni Gabrielis und konvertiert wohl auch in dieser Zeit vom protestantischen zum katholischen Glauben. Ludovicus Episcopius, der seit 18. Oktober 1577 als Kapellmeister und Kantor an der Kollegiatkirche St. Servatius in Maastricht tätig war, wirkt seit 1. Juli 1582 als Hofkaplan und Sänger am Bayerischen Königshof in München unter Orlando di Lasso; zur gleichen Zeit ist er als Lehrer (praeceptor) für die Ausbildung der Chorknaben verantwortlich. Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Nach dem Ausscheiden Pollets 1571 ist er zum Hauptkopisten aufgestiegen; diese Stellung hat er bis zu seinem Tod 1588 inne. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. Seit 1571 hat er die Aufsicht über die Chorknaben der Kapelle und hat ihnen in seinem Haus Kost und Unterkunft zu geben. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. Schon lange vor dem Tod Albrechts V. 1579 hat di Lasso ein hervorragendes Verhältnis zu Albrechts Nachfolger Wilhelm V. entwickelt; dieser sorgt auch ab 1573 für die Herausgabe einer eindrucksvollen Reihe großformatiger Chorbücher mit Orlandos Messen, Offizien, Lesungen und Magnificats in den erwähnten Patrocinium musices.

Reichsstadt Regensburg Andreas Raselius, der seit 1581 in Heidelberg studiert hatte, ist seit 1584 Kantor an der Neupfarrkirche in Regensburg und wirkt als Lehrer am Gymnasium poeticum. mini|links|Der Burgundische Reichskreis (grün) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand etwa 1512

Burgundischer Reichskreis Republik Antwerpen Jean de Castro lebt spätestens seit 1586, als wieder relativer Frieden in Antwerpen eingekehrt ist, in dieser Stadt. Hubert Waelrant wirkt in Antwerpen. Waelrant scheint im Hinblick auf seine Veröffentlichungen und Texte durchaus dem Protestantismus zuzuneigen, bleibt aber offiziell, insbesondere nach den Listen der Antwerpener Bürgerwache, Katholik und hat auch für sich und seine dritte Frau ein normales kirchliches Begräbnis vorgesehen.

Herzogtum Brabant Jan van Turnhout hat seit 1586 die Leitung der königlichen Kapelle in Brüssel.

Freigrafschaft Burgund Jean-Baptiste Besard, der Sohn eines Kaufmanns aus Besançon, erwirbt 1587 an der Universität von Dole den akademischen Grad eines Dr. jur., ist aber auch an Musik, Physik, Medizin und Alchimie interessiert.

Grafschaft Flandern Andreas Pevernage, der 1585 – als Nachfolger des verstorbenen Hendrik Munten – zum Singmeister der Kathedrale Notre-Dame in Antwerpen berufen wurde, hat diese Stellung erst antreten, als die von spanischen Truppen unter Alexander Farnese belagerte Stadt am 17. August 1585 kapituliert; am 29. Oktober 1585 hat er hier seinen Amtseid abgelegt. Für seine folgenden Jahre sind in Antwerpen neben der Kapellmeistertätigkeit wesentliche öffentliche Aktivitäten überliefert. Er stellt die von den calvinistischen Rebellen zerstörte Musikbibliothek wieder her, ist in den humanistischen Kreisen um den Verleger Christoph Plantin aktiv und führt in seinem Haus wöchentliche Konzerte durch. 1587 veröffentlicht er sein Osculetur me zu fünf Stimmen.

Grafschaft Holland Jan Pieterszoon Sweelinck, der älteste Sohn des Organisten Pieter Swibbertszoon und seiner Frau Elske Jansdochter Sweeling, lebt in Amsterdam und wirkt nach Aussage von Sweelincks Schüler und Freund Cornelis Plemp seit dem Jahr 1577 als Organist an der Oude Kerk. Nach Johann Mattheson ist er „schon in der Jugend, wegen seiner netten Fingerführung auf der Orgel, und überaus artigen Manier zu spielen, sonderlich berühmt“.Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte. Hamburg 1740, S. 331 (online, abgerufen am 15. September 2019). Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1585 muss Sweelinck mit seinem niedrigen Gehalt seinen jüngeren Bruder und seine Schwester versorgen. mini|links|Der Fränkische Reichskreis (rot) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Fränkischer Reichskreis Fürstentum Brandenburg-Ansbach Teodoro Riccio, der seit 1575 Hofkapellmeister in Ansbach war und seinem Dienstherren nach Königsberg gefolgt war, lebt seit 1586 gemeinsam mit seiner Ehefrau wieder in Ansbach.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt. mini|links|Der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis (hellbraun) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Nach einer Quelle aus dem Jahre 1587, wo er als „Sang-Mr Mertin van Hoya“ bezeichnet wird, stammt Peudargent aus Huy im Hochstift Lüttich. In einer Bittschrift vom 5. Juli 1587 beklagt er sich, dass seine Zuwendungen gekürzt worden seien und er nicht mehr fähig sei, seine Frau und Kinder zu ernähren. In dieser Bittschrift verweist er auf die langen Dienste für den Herzog und dass er im Alter erblindet sei.

Niedersächsischer Reichskreis Erzstift Magdeburg Leonhart Schröter, der von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld gewirkt hatte, ist seit 1576 Kantor an der Altstädter Lateinschule in Magdeburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1595 verbleibt. 1587 veröffentlicht er in Erfurt seine Hymni sacri.

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Thomas Mancinus, der von 1579 bis 1581 Tenorist in der Hofkapelle in Berlin war, tritt spätestens 1583 in die Dienste des in Gröningen residierenden Bischofs von Halberstadt, des späteren Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Im Dezember 1583 wird er zum Kapellmeister ernannt, eine Stellung, die er bis 1604 innehat. Unter seiner Leitung wird sich die Hofkapelle bis 1590 von acht auf 17 Mitglieder vergrößern, dazu kommen noch 12 Trompeter und Pauker. Johann Zanger der Ältere, der seit 1571 Pfarrer an der Martinikirche in Braunschweig war, seit 1577 Stellvertreter des Stadtsuperintendenten und seit 1586 Dechant des St. Matthäus-Stiftes, verstirbt am 5. April 1587. mini|links|Der Obersächsische Reichskreis (rot) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand am Ende des 16. Jahrhunderts

Obersächsischer Reichskreis Kurfürstentum Sachsen Elias Nikolaus Ammerbach, der von 1548 bis 1549 an der Universität Leipzig studiert hatte, wirkt danach, vermutlich bis an sein Lebensende 1597, als Thomasorganist an der Thomaskirche. Joachim a Burck, der ab 1563 Kantor an der Lateinschule in Mühlhausen war, ist seit 1566 Organist an der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen. Daneben ist er als Geschichtsschreiber, öffentlicher Notar und seit 1583 als Senator tätig. Sethus Calvisius, der seit 1580 an der Universität Leipzig studierte, ist – auf Empfehlung Nikolaus Selneckers und der gesamten theologischen Fakultät der Universität Leipzig – seit November 1582 Kantor in Schulpforta, wo er unter anderem den Motettengesang bei den gemeinsamen Mahlzeiten einführt. Daneben wirkt er als Pädagoge nicht nur im Themengebiet der Musik, er gibt auch Unterricht in Hebräisch und betreibt chronologisch-historische Studien. Wolfgang Figulus ist von 1551 bis zu seiner Pensionierung 1588 Kantor und Lehrer an der Fürstenschule in Meißen. Er unterrichtet die Fächer Musik, Latein und Religion und sorgt für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Afrakirche. 1587 veröffentlicht er in Wittenberg sein Amorum filii Dei, hymni sacri, de natali Domini nostri Iesu Christi, decadis III (unvollständig). Rogier Michael, der von 1572 bis 1574 die Stelle eines Tenorsängers in Ansbach an der Hofkapelle von Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach bekleidete, ist seit 1. Februar 1575 – auf Empfehlung von Aemilia von Sachsen, der Schwester von Kurfürst August von Sachsen – Sänger und Musiker an der Dresdener Hofkapelle. Als Nachfolger von Antonio Scandello, Giovanni Battista Pinello (1544–1587) und Georg Forster erreicht Rogier Michael am 12. Dezember 1587 unter der Regentschaft von Kurfürst Christian I. von Sachsen die Position des kursächsischen Hofkapellmeisters.