350px|Baldachinorgel Die Baldachinorgel – hier zu sehen die historische Baldachinorgel auf der Churburg in Schluderns – ist ein Tasteninstrument, eine tragbare Kleinorgel der Renaissance. Das Instrument ähnelt dem Regal. An der Hinterseite des Instruments sind zwei Keilbälge angebracht, die meist nicht vom Musiker selbst, sondern vom Kalkanten bedient werden. Das Instrument wird zum Bespielen auf einem ausreichend großen Tisch oder einem speziell dafür angefertigten Gestell platziert. Die Baldachinorgel findet im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur in der Kirchenmusik und bei Prozessionen, sondern auch in der Theater-, Tafel-, Tanz- und Hausmusik Verwendung. Im 18. Jahrhundert verliert das Instrument an Beliebtheit, da die obertonreichen, schnarrenden Töne nicht mehr dem Klangideal entsprechen. Daher sind originale Instrumente selten anzutreffen. Es existieren dafür einige Nachbauten von heutigen Orgelbauern. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1588.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Rudolf II. Jacobus de Kerle ist seit dem 1. September 1582 Hofkaplan von Kaiser Rudolf II. Der Komponist zieht mit dem Kaiser über Wien nach Prag, wo er bis zu seinem Lebensende 1591 bleibt. Weil de Kerles Gehalt als Hofkaplan nur 150 Gulden betrug, bewirbt er sich Anfang 1584 zusätzlich um ein Kanonikat an dem Kollegiatstift Heilig Kreuz in Breslau; die Ernennung dort geschieht erst im Herbst 1587. Die Pfründe in Breslau hat er bereits wieder Anfang 1588 verloren, weil sie anderweitig vergeben wurde. Carl Luython, der seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. war, ist seit 1582 zweiter Hoforganist der Hofkapelle von Kaiser Rudolf II. Luython ist auch im Orgelbau engagiert: Zusammen mit dem Orgelbauer Albrecht Rudner wirkt er von 1581 bis 1590 an der Erneuerung der Orgel des Doms St. Veit in Prag mit. Die betreffenden Akten enthalten zahlreiche Einwendungen Luythons zu diesem Vorhaben, womit er recht detailliert seine Vorstellungen vom Orgelbau wiedergibt. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Nach dem Tod von Maximilian II. am 12. Oktober 1576 ist er für dessen Nachfolger Rudolf II. in Wien und später in Prag tätig und bekommt die Position eines Kanonikus an der Kathedrale von Cambrai zuerkannt. Er ist wohl auch Mitglied der Confraternitas Corpore Christi, einer 1588 gegründeten Bruderschaft aus vier Nationen, die musikalisch aktiv ist und sich regelmäßig in der Thomaskirche am Fuß der Prager Burg trifft.

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Gregor Aichinger, der seit 1578 an der Universität Ingolstadt studiert hatte, ist seit 1584 durch seinen Mäzen Jakob III. Fugger Organist an der von Fugger vier Jahre zuvor gestifteten Orgel der Augsburger Basilika St. Ulrich und Afra. Fugger macht Aichinger auch zu seinem Hauskomponisten und Leiter seiner Kammermusik. Fugger ermöglicht Aichinger mehrere Reisen nach Italien. Einen erneuten Urlaub bewilligt ihm Fugger 1588, um an der Universität Ingolstadt philosophischen und theologischen Studien nachzugehen. Ludovicus Episcopius, der seit 18. Oktober 1577 als Kapellmeister und Kantor an der Kollegiatkirche St. Servatius in Maastricht tätig war, wirkt seit 1. Juli 1582 als Hofkaplan und Sänger am Bayerischen Königshof in München unter Orlando di Lasso; zur gleichen Zeit ist er als Lehrer (praeceptor) für die Ausbildung der Chorknaben verantwortlich. Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Nach dem Ausscheiden Pollets 1571 ist er zum Hauptkopisten aufgestiegen; diese Stellung hat er bis zu seinem Tod 1588 inne. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. Seit 1571 hat er die Aufsicht über die Chorknaben der Kapelle und hat ihnen in seinem Haus Kost und Unterkunft zu geben. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. Schon lange vor dem Tod Albrechts V. 1579 hat di Lasso ein hervorragendes Verhältnis zu Albrechts Nachfolger Wilhelm V. entwickelt; dieser sorgt auch ab 1573 für die Herausgabe einer eindrucksvollen Reihe großformatiger Chorbücher mit Orlandos Messen, Offizien, Lesungen und Magnificats in den erwähnten Patrocinium musices. Die 1588 erschienenen dreistimmigen Sätze der ersten 50 Psalmen in der deutschen Fassung von Caspar Ulenberg, die der Komponist gemeinsam mit seinem Sohn Rudolph herausgibt, bezeugen eine streng gegenreformatorische Einstellung.

Erzstift Salzburg Ägidius Bassengius werden 1588 für die Widmung einer Chorkomposition zwei Gulden vom Erzstift Salzburg ausgezahlt, wie der erste direkt überlieferte Beleg über ihn aus den Domkapitel-Protokollen des Erzbistums belegt. Musikhistoriker schließen daraus, dass sich der Komponist in Salzburg um eine Stelle beworben hat. Über den Erfolg der Bewerbung ist nichts überliefert, aber ein Jahr später hat sich Bassengius um eine Stelle am kaiserlichen Hof beworben.

Reichsstadt Regensburg Andreas Raselius, der seit 1581 in Heidelberg studiert hatte, ist seit 1584 Kantor an der Neupfarrkirche in Regensburg und wirkt als Lehrer am Gymnasium poeticum.

Burgundischer Reichskreis Herzogtum Brabant Jan van Turnhout hat seit 1586 die Leitung der königlichen Kapelle in Brüssel. Hubert Waelrant wirkt in Antwerpen. Andreas Pevernage ist Singmeister der Kathedrale Notre-Dame in Antwerpen.

Grafschaft Holland Jan Pieterszoon Sweelinck, der älteste Sohn des Organisten Pieter Swibbertszoon und seiner Frau Elske Jansdochter Sweeling, lebt in Amsterdam und wirkt nach Aussage von Sweelincks Schüler und Freund Cornelis Plemp seit dem Jahr 1577 als Organist an der Oude Kerk. Nach Johann Mattheson ist er „schon in der Jugend, wegen seiner netten Fingerführung auf der Orgel, und überaus artigen Manier zu spielen, sonderlich berühmt“.Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte. Hamburg 1740, S. 331 (online, abgerufen am 15. September 2019). Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1585 muss Sweelinck mit seinem niedrigen Gehalt seinen jüngeren Bruder und seine Schwester versorgen.

Fränkischer Reichskreis Fürstentum Brandenburg-Ansbach Teodoro Riccio, der seit 1575 Hofkapellmeister in Ansbach war und seinem Dienstherren nach Königsberg gefolgt war, lebt seit 1586 gemeinsam mit seiner Ehefrau wieder in Ansbach.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt.

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Hochstift Lüttich Rinaldo del Mel ist im Jahr 1787 vom Lütticher Fürstbischof Ernst von Bayern als Kapellmeister an die dortige Kathedrale St. Lambertus berufen worden, wo er etwa vier Jahre lang bleibt.

Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Jean de Castro, der seit 1586 in Antwerpen wirkte, ist etwa im Jahr 1588 in die Dienste des Prinzen Johann Wilhelm an seinem Hof in Düsseldorf getreten. Dies belegen die Titelseiten der von ihm zwischen 1588 und 1591 veröffentlichten Sammlungen, die ihn als Kapellmeister von Johann Wilhelm bezeichnen. Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg.

Niedersächsischer Reichskreis Erzstift Magdeburg Leonhart Schröter, der von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld gewirkt hatte, ist seit 1576 Kantor an der Altstädter Lateinschule in Magdeburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1595 verbleibt.

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Thomas Mancinus ist Kapellmeister des in Gröningen residierenden Bischofs von Halberstadt, des späteren Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, eine Stellung, die er bis 1604 innehat. Unter seiner Leitung wird sich die Hofkapelle bis 1590 von acht auf 17 Mitglieder vergrößern, dazu kommen noch 12 Trompeter und Pauker.

Oberrheinischer Reichskreis Reichsstadt Speyer Melchior Vulpius weilt 1588 in Speyer, wo er seinen Mitschüler Chr. Th. Walliser in den Grundlagen der Musica poetica unterweist.

Obersächsischer Reichskreis Kurfürstentum Sachsen Elias Nikolaus Ammerbach, der von 1548 bis 1549 an der Universität Leipzig studiert hatte, wirkt danach, vermutlich bis an sein Lebensende 1597, als Thomasorganist an der Thomaskirche. Joachim a Burck ist seit 1566 Organist an der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen. Daneben ist er als Geschichtsschreiber, öffentlicher Notar und seit 1583 als Senator tätig. Sethus Calvisius, der seit 1580 an der Universität Leipzig studierte, ist – auf Empfehlung Nikolaus Selneckers und der gesamten theologischen Fakultät der Universität Leipzig – seit November 1582 Kantor in Schulpforta, wo er unter anderem den Motettengesang bei den gemeinsamen Mahlzeiten einführt. Daneben wirkt er als Pädagoge nicht nur im Themengebiet der Musik, er gibt auch Unterricht in Hebräisch und betreibt chronologisch-historische Studien. Wolfgang Figulus ist von 1551 bis zu seiner Pensionierung 1588 Kantor und Lehrer an der Fürstenschule in Meißen. Er unterrichtet die Fächer Musik, Latein und Religion und sorgt für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Afrakirche. Seine Tochter Catharina Figulus verheiratet sich am 11. November 1588 in Großenhain mit dem späteren Kantor an der Fürstenschule in Grimma Mag. phil. Friedrich Birck (um 1563–1621). Rogier Michael ist seit 12. Dezember 1587 unter der Regentschaft von Kurfürst Christian I. von Sachsen kursächsischer Hofkapellmeister. Georg Österreicher, der seit 1585 an der Universität Wittenberg studierte, ist 1588 nach Abschluss seiner Studien Kollaborator an der Lateinschule in Windsheim, dem heutigen Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium. Nikolaus Selnecker ist Professor in Leipzig und seit 1576 zusätzlich Pfarrer und Superintendent an der Thomaskirche, dazu auch Domherr am Meißner Dom.

Herzogtum Pommern Philipp Dulichius ist seit 1587 Kantor am Fürstlichen Pädagogium in Stettin.

Österreichischer Reichskreis Erzherzogtum Österreich Blasius Amon ist seit Frühjahr 1587 in Wien Mitglied des Franziskanerordens. Matthia Ferrabosco, der seit 1581 Altist an der Grazer Hofkapelle war, ist seit 1588 Leiter des Knabenchores. Simone Gatto, der seit 1568 am Hof in München als Posaunist wirkte, setzt seine berufliche Laufbahn seit 1572 in Graz fort. In der dortigen Hofmusikkapelle wirkt er zunächst als Bläser und ist seit 1581 Hofkapellmeister. Jakob Regnart wirkt seit Frühjahr 1582 in der Nachfolge von Alexander Utendal als Vizekapellmeister in Innsbruck am Hof von Erzherzog Ferdinand II., der als besonders eifriger Verfechter der Gegenreformation gilt. Regnart begann seinen Dienst am 9. April 1582 und ist seit dem 1. Januar 1585 Kapellmeister. Franz Sales wirkt als Kapellmeister am Damenstift in Hall am Inn. Lambert de Sayve ist Kapellmeister in den Diensten von Erzherzog Matthias in Linz. Ludovico Zacconi hat seit Juli 1585 eine Stellung am Hof des Erzherzogs Karl II., die er bis zu Karls Tod im Jahre 1590 behält.

Schwäbischer Reichskreis Herzogtum Württemberg Ludwig Daser ist seit 1572 und bis zu seinem Ableben 1589 Kapellmeister der Hofkapelle Stuttgart. Balduin Hoyoul wirkt als Altist und Komponist der Stuttgarter Hofkapelle.