350px|Passarotti Das Doppelportrait mit einem Zinkenisten von Bartolomeo Passarotti (ca. 1570–1580, heute in Rom im Musei Capitolini) zeigt die Spielweise einer Zink, der vom 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ein wichtiges Instrument war. Der Zink wird im Prinzip wie eine Trompete geblasen, das heißt, der Ton wird in einem Kesselmundstück – in der Regel aus Holz, Horn, Messing oder Elfenbein – mit den Lippen erzeugt. Die Spieler setzen das Mundstück seitlich oder mittig auf den Lippen an. Jedoch unterscheidet sich die Ansatztechnik des Zinks von der Trompete oder den anderen klassischen Blechblasinstrumenten, vor allem aufgrund des verhältnismäßig kleinen Mundstückes. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1570.
Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Carl Luython ist seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. Dort bekommt er neben seinem Dienst weiteren Unterricht durch die hier amtierenden Kapellmeister Jacobus Vaet und Philippe de Monte. Die Unterweisung im Orgelspiel könnte von dem dortigen Hoforganisten Walter Formellis († 1582) und dessen beiden Assistenten ausgegangen sein. Maddalena Casulana Mezari wird ab etwa 1570 als Sängerin und Komponistin in der Kammermusik des römisch-deutschen Kaisers Maximilian II. in Wien genannt. Jakob Regnart, der seit 1568 für eine etwa zweijährige Studienreise in Italien weilte, kehrt wohl im Oktober 1570 zurück und wird wegen der erworbenen Qualifikationen am 1. November 1570 zum Präzeptor (Musiklehrer) der Kapellknaben der Hofkapelle ernannt. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Zu seinen Aufgaben gehört auch, Musiker und Sänger für den Dienst an der Hofkapelle zu gewinnen; so ist 1570 eine entsprechende Reise in seine Geburtsstadt Mecheln belegt. Mateu Fletxa el Jove, der Kantor der kaiserlichen Kapelle ist, besucht 1570 die Iberische Halbinsel, um neue Sänger für die kaiserliche Kapelle anzuwerben.
Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Die Reisen der Münchner Hofkapelle und eigene Reisen führen den Komponisten 1570 an den Kaiserhof nach Wien. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. Simone Gatto, der in Venedig ausgebildet wurde, wirkt seit 1568 am Hof in München als Posaunist. Antonius Gosswin, der 1569 Kapellmitglied bei Prinz Wilhelm von Bayern wurde, wird wegen Finanzproblemen des Münchner Hofs bald entlassen, ist aber ab 1570 wieder ein Angestellter der Kapelle. Gioseffo Guami, der sich zwischen 1550 und 1560 in Venedig aufgehalten haben und dort Schüler von Adrian Willaert und Annibale Padovano gewesen sein soll, wirkt seit 1568 in München, wo er zum Hoforganisten berufen wurde. Guami wirkt hier bis etwa 1579. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. Im Jahr 1570 wird er von Kaiser Maximilian II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Leonhard Lechner ist bis etwa 1570 als Sängerknabe am bayerischen Hof zu Landshut angestellt. Es wird vermutet, dass er zuvor bereits Mitglied der Münchner Hofkapelle war und dort ein Schüler Orlando di Lassos gewesen sein muss, zumal satztechnische Errungenschaften italienischer Herkunft in seinen Werken deutlich hervortreten. Leonard Meldert, möglicherweise ein Schüler von Orlando di Lasso, veröffentlicht 1570 seine Motette Erat quaedam foemina. Sie wird in die vierstimmige Sammlung Disieme livre de chansons a quatre parties d’Orland de Lassus et autres aufgenommen, die in Paris veröffentlicht wird. Massimo Troiano, der 1569 mit einem längeren Aufenthalt in Venedig hatte, wo er auf Geld und eine Neuanstellung durch den bayerischen Herzog wartete, ist bis Ostern 1570 wieder in München nachweisbar. Hier tötet er zusammen mit einem anderen Sänger der Hofkapelle einen Kollegen, den Genueser Johann Baptista Romano, und flieht daraufhin aus Bayern. Über sein weiteres Leben ist nichts bekannt. Ivo de Vento, der seit Sommer 1568 Kapellmeister in der Kapelle der Residenz von Kronprinz Wilhelm in Landshut war, wirkt ab Anfang 1570 wieder als Organist am Münchner Hof, Monate vor der Auflösung der Landshuter Kapelle. Wenn es auch aus dem Briefwechsel von Orlando di Lasso nicht hervorgeht, könnte Ivo de Vento bei ihm studiert haben, denn seine Messen, die in Manuskript-Kopien aus den 1560er und 1570er Jahren überliefert sind, zeigen diesen Einfluss, und eine gewisse Anzahl von Motetten seiner fünfstimmigen Latinae cantiones (1570) sind über Texte komponiert, die schon Lasso vertont hat. Stilistisch lehnt er sich jedoch nicht sehr an Lasso an.
Burgundischer Reichskreis Markgrafschaft Antwerpen Séverin Cornet, der von 1555 bis 1564 in Antwerpen gelebt hat, ist seit 1564 in Mechelen an der St.-Rombouts-Kathedrale tätig, wo er die Aufgabe „pro magistro cantus et choralium“ hat. Somit ist er für die Chorleitung und für die Musikerziehung der Chorknaben zuständig. Noé Faignient hat 1561 das Bürgerrecht in Antwerpen erhalten und wirkt seitdem hier als Musiklehrer. Rinaldo del Mel lebt in Mechelen und ist seit dem 3. März 1562 Mitglied der Singschule der Kathedrale Saint-Rombaud. Ab dem Jahr 1564 erhält er hier Unterricht vom Chorregenten Séverin Cornet. Gérard de Turnhout, der seit dem 3. April 1559 Kapellmeister an der Kathedrale Saint-Gommaire in Lierre war, ist 1562 an die Liebfrauenkirche Antwerpen zurückgekehrt und hat seit 1563 die Position eines Musikmeisters (maître de musique) in der Nachfolge von Antoine Barbé. Neben dieser Tätigkeit wirkt er von 1569 bis 1572 als Kaplan der Lehrerzunft dieser Stadt. 1570 veröffentlicht er in Löwen seine Messe O Maria vernans rosa zu fünf Stimmen.
Grafschaft Flandern George de La Hèle, der seit dem Jahr 1560 als Chorknabe an der Hofkapelle von König Philipp II. in Madrid tätig war, kehrt 1570 nach Flandern zurück, um an der Universität Löwen Theologie zu studieren. Er empfängt in dieser Zeit die niederen Weihen, ist später aber nie Priester geworden. Andreas Pevernage, der seit 17. Oktober 1563 Kapellmeister an der Kirche Notre-Dame in Courtrai ist und 1564 zusätzlich eine Pfründe an Sankt Willibrordus in Hulst erhalten hat, übt die Kapellmeisterstelle bis 1577 aus. Laurent de Vos, der seit 1566 Musikdirektor und verantwortlicher Leiter der Chorknaben an der Kathedrale Cambrai war, ist 1570 Countertenor an der St.-Donatus-Kirche in Brügge.
Grafschaft Holland Cornelis Boskoop ist seit dem 1. Mai 1554 und bis März 1573 Organist an der Oude Kerk in Delft.
Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt. Sebastian Ochsenkun ist seit 1544 Lautenmeister am kurpfälzischen Hof in Heidelberg.
Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Hochstift Lüttich Johannes Mangon, der seine erste musikalische Ausbildung als duodenus an der Singschule (schola cantorum) der Gemeinde Saint Martin-en-Mont in Lüttich erhielt, wirkt von 1562 bis 1570 an der dortigen Kirche als Succentor. Während dieser Zeit hat er möglicherweise schon zeitweise den Domchor in Aachen geleitet.
Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg.
Niedersächsischer Reichskreis Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Johann Zanger der Ältere, der seit 1548 in Braunschweig als Rektor am Katharineum tätig war, ist seit 1553 Pfarrer an der Petrikirche.
Herzogtum Mecklenburg-Güstrow Thomas Mancinus studiert an der Universität Rostock.
Hamburg Jacob Praetorius der Ältere, der wahrscheinlich in seiner Heimatstadt Magdeburg Unterricht von Martin Agricola erhielt, ist von 1555 bis zu seinem Tod als Organist und Kirchenkomponist an zwei Kirchen in Hamburg nachweisbar.
Obersächsischer Reichskreis Kurfürstentum Sachsen Joachim a Burck, der ab 1563 Kantor an der Lateinschule in Mühlhausen war, ist seit 1566 Organist an der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen. In der freien Reichsstadt begründet er die bedeutende Musikkultur, die später mit den Namen Johann Rudolph Ahle, Johann Eccard, Johann Georg Ahle und Johann Sebastian Bach verknüpft sein wird. Daneben ist er als Geschichtsschreiber und öffentlicher Notar tätig. Gallus Dreßler studiert an der Universität Wittenberg, wo er 1570 den akademischen Grad eines Magisters erwirbt. Wolfgang Figulus, der von 1549 bis 1551 als Thomaskantor der Thomasschule in Leipzig gewirkt hat, ist von 1551 bis zu seiner Pensionierung 1588 Kantor und Lehrer an der Fürstenschule in Meißen. Er unterrichtet die Fächer Musik, Latein und Religion und sorgt für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Afrakirche. Mattheus Le Maistre, der seit 1554 sächsischer Hofkapellmeister als Nachfolger von Johann Walter war und 1565 aus Gesundheitsgründen um seine Entlassung gebeten hat, lebt vermutlich in Dresden. Le Maistre bleibt mit dem Hof in Dresden Zeit seines Lebens verbunden und führt den Titel des Hofkapellmeisters bis zu seinem Tod im Frühjahr 1577. 1570 veröffentlicht er in Dresden sein Liber primus sacrarum cantionum. Antonio Scandello, der seit 1566 Vizekapellmeister der Dresdner Hofkapelle war und als „zugeordneter Moderator“ dem altersschwachen Mattheus Le Maistre unterstand, ist seit 1568 Hofkapellmeister und übt diese Aufgabe bis zu seinem Tod aus. 1570 veröffentlicht er in Dresden seine Nawe und lustige weltliche deudsche Liedlein. Leonhart Schröter, der von 1545 bis 1547 die Fürstenschule in Meißen besucht hat, wirkt danach von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld. Nikolaus Selnecker, der seit 1568 als Professor der Theologie an der Universität Leipzig tätig ist, erwirbt in Wittenberg am 10. Mai 1570 den Doktorgrad. Danach übernimmt er das Amt des Generalsuperintendenten in Braunschweig-Wolfenbüttel. Johann Walter, der nach seiner Pensionierung 1554 in Torgau gelebt hat, verstirbt am 10. April 1570. Walters letzte Lebensjahre waren geprägt von Kompositionen und Dichtungen, die er seinen ehemaligen Landesherren gewidmet hat.
Grafschaft Schwarzburg Sethus Calvisius, der in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, besucht ab 1569 die Schule in Frankenhausen.
Österreichischer Reichskreis Erzherzogtum Österreich Blasius Amon ist seit ca. 1568 Sängerknabe an die Hofkapelle von Erzherzog Ferdinand II. in Innsbruck. Er erhält unter den Kapellmeistern Wilhelm Bruneau (tätig von 1564 bis 1584) und Alexander Utendal (tätig von 1564 bis 1581) eine gründliche musikalische Ausbildung, die er auf Studienreisen vervollkommnet. Johannes de Cleve, der wahrscheinlich seit dem Jahr 1553 Sänger (Tenorist) in der Hofkapelle des österreichischen Regenten Erzherzog Ferdinand (1503–1564) und späteren Kaisers Ferdinand I. in Wien war, ist seit 1564 Hofkapellmeister in der neuen von Ferdinands Sohn, Erzherzog Karl II. (1540–1590), gegründeten Hofkapelle in Graz. Dieses Amt versieht der Komponist sechs Jahre lang, bis er hier im Jahr 1570 auf eigenen Wunsch wegen körperlicher Schwäche ausscheidet; er lebt danach wahrscheinlich weiter in Wien. Lambert de Sayve, der am 1. Februar 1569 das Amt eines Singmeisters an der Abtei Melk angetreten hatte, reist zusammen mit anderen Kapellmitgliedern nach Spanien, um bei der Hochzeit von Anna Maria von Österreich mit König Philipp II. von Spanien am 12. November 1570 mitzuwirken.